Schwer ist leicht was

Schwer ist leicht was

Da hat man sich für ein Womo entschieden und beginnt, dieses reisefertig zu packen. Nichts leichter als das, ist doch bei den meisten Womos der Stauraum im Wohnbereich und in der Heckgarage schier unendlich – auf jeden Fall üppiger als die paar Klamotten, Nahrungsmittel, Ausstattungsergänzungen, die mit sollen. Denkt man. Ein böses Erwachen gibt es allerdings, wenn man im jeweiligen Reiseland in eine Gewichtskontrolle gerät und dann schwarz auf weiß bestätigt bekommt, dass das zulässige Gesamtgewicht doch etwas überschritten ist.

Von Anfang an spielt ggf. die Gewichtsgrenze 3,5t eine entscheidende Rolle. Wer seinen PKW-Führerschein erst in diesem Jahrtausend erworben hat (Klasse B), darf damit nur Fahrzeuge bis 3,5t fahren. Schwerere Womos sind also tabu. Entgegen häufig anzutreffender Auffassung riskiert man mit Führerschein Klasse B jedoch keine zusätzliche Strafe wegen Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis (§21 StVG), wenn man mit einem überladenen 3,5t-Fahrzeug erwischt wird. In §6 der Fahrerlaubnisverordnung ist nämlich geregelt, dass die Klasse B zum Führen von Kraftfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht (zGG) von nicht mehr als 3500 kg berechtigt. Eine Überladung ändert am zGG und somit an der Fahrerlaubnis nichts. In gleicher Weise ist es ohne Belang, wenn ein überladenes 3,5t-Fahrzeug mit einem alten Führerschein oder Klasse C1 gefahren wird, da die 7,5t-Grenze nur bzgl. der Fahrerlaubnis, nicht jedoch des fahrzeugbezogenen zulässigen Gesamtgewichts und evtl. Überladung greift. Strafe ist also auch in diesem Fall die Folge.

Überladung kann sehr teuer und vor allem auch sehr unangenehm werden. Je nach Land und Situation kann es nicht nur bedeuten, dass Ladung abgeladen werden muss, sondern auch zur Beschlagnahme des Fahrzeugs führen. Ein Unfall mit Überladung kann zudem dazu führen, dass die Kfz-Versicherung die Schadensdeckung ablehnen kann.

Land Toleranz Strafe
Deutschland 5% >5% 10 €

>10% 30 €
>15% 35 €

> 20% 95 € / 1 Punkt

> 25% 140 € / 1 Punkt

> 30% 235 € / 1 Punkt

(jeweils Fahrer und Halter)

Belgien 2% Bis zu 330 € (Barzahlung)
Dänemark 1% 10 € pro Prozent Überschreitung
Frankreich 0% bis zu 750 €

(>5% keine Weiterfahrt)

Großbritannien 0% bis zu 6000 €
Italien 5% bis zu 1700 €
Niederlande 10% bis zu 850 €
Österreich 0% bis zu 2180 €
Schweden 1% bis zu 400 €
Schweiz 0% bis zu 170 €

(Anzeige >5%)

Spanien 5% bis zu 4600 €

Quelle: Caravaning 09/2018

Neben dem jeweiligen Bußgeld erspart reduzierte Ladung auch einen erhöhten Verbrauch von Diesel und Reifen und verbessert in der Regel auch das Fahrverhalten abhängig vom Ladegewicht und seiner Positionierung.

Am eigenen Beispiel kann ich bezeugen, wie leicht man sich bzgl. der Zuladereserven täuschen kann. Mein Kastenwagen bringt es laut Angaben bei der Herstellerauslieferung auf rund 2,9t – mit fast 600 kg scheint also reichlich Ladereserve vorhanden. Dabei wird leicht übersehen, dass schon einige Zusatzausstattungen beim Händler das Gewicht erhöht haben: Markise, Anhängerkupplung, Solaranlage, zweite Bordbatterie, TV + SAT-Anlage. Dann kommt der Fahrradträger sowie E-Bike dazu. Im Stauraum wird mancher Krempel mitgeführt wie eine Leiter, ausziehbare Putzbürste, Putzmittel, Reserveöl, etc., außerdem wird ein hochwertiges schweres Stromkabel 25m sowie Adapterkabel, ein Wasserschlauch mit Adapter sowie Campingstühle und Tisch mitgeführt. Auf einen Grill wurde verzichtet, da dies nicht zu meinen ständigen Campinggewohnheiten gehört. Da das Womo stets reisefertig vor der Tür stehen soll, ist natürlich eine Grundausstattung von Klamotten für alle Wetterlagen und haltbaren Nahrungsmitteln fest verstaut. Sicherheitshalber für kalte Abende auch noch eine Decke. Daneben natürlich die übliche Ausstattung mit Teller, Tassen und Töpfen im Küchenbereich. Mangels Erfahrung lieber zu viel als dass was fehlen sollte. Dann muss natürlich mein CPAP-Gerät mit, ohne das ich als Schlafapnoiker nicht ruhig und gesund schlafen könnte. Als vermeintlich ambitionierter Fotograf schleppt man dann noch eine größere Fotoausrüstung mit und neuerdings auch eine Drohne, außerdem natürlich ein Notebook, Tablet und mehrere Smartphones sowie deren Lade-Equipment. Dazu kommen noch die temporären Zuladungen wie Nahrungsmittel und einige Kisten Cola Zero. Reisefertig heißt natürlich auch, dass der Dieseltank mit 120 Litern gefüllt und der Wassertank ebenfalls 110 Liter Frischwasser bevorratet. Fährt man dann so auf die Waage, wundert es nicht mehr, wenn diese mit 3560 kg ein deutliches Übergewicht anzeigt. Dabei fällt dann schmerzlich ein, dass das Fahrergewicht, welches standardmäßig beim Ermitteln des Gewichts berücksichtigt wird, nur 75 kg beträgt und man selbst annähernd das doppelte auf die Waage bringt. Von den evtl. Bei- und Mitfahrenden mal ganz zu schweigen.

Fürs erste kann man sich behelfen, wenn im Frischwassertank nur 30 Liter gebunkert werden und ggf. der Dieseltank auch nicht komplett befüllt wird, ansonsten hilft grundsätzlich nur abspecken – wenn nicht persönlich, dann bei der Zuladung (bzw. bei Neukauf ggf. an der Zusatzausstattung – so würde ich nach mehrjährigen Erfahrungen zwischenzeitlich aus mehreren Gründen auf TV/SAT verzichten).

Ansonsten hilft auf längere Dauer nur ein Abspecken der Zuladung. D.h. jedes Stück muss auf den Prüfstand, ob es überhaupt und wenn ja bei jeder Tour dabei sein soll. Ggf. macht es Sinn, Packboxen für bestimmte Szenarien anzulegen (warme oder kalte Jahreszeit bzw. Übergangszeit, Kurztouren oder Mehrwochentouren, Wander- oder Städtetouren etc.).

Natürlich kann man für jedes Zuladeteil das individuelle Gewicht ermitteln und dann die Summe aufaddieren. Praxistauglicher erscheint es mir aber, wenn das Fahrzeug mit bestimmten Szenarien oder zum Start jeder Tour komplett gewogen werden kann (wobei evtl. Reserven für spätere Zuladung eingeplant werden sollte, falls man z.B. im Reiseland Weine oder in meinem Fall Ausstellungskataloge o.a. bunkert). Dies ist für einen Neuling leichter gedacht als umgesetzt. Wo findet man eine unkompliziert zugängliche Fahrzeugwaage, deren Gebühr dann auch noch verträglich sein sollte. Vielfach gibt es insbesondere in ländlichen Gegenden öffentliche Waagen, nicht selten ist deren Maximalgewicht aber auf 1-1,5t begrenzt, da primär auf landwirtschaftlichen Bedarf (Vieh, Ernte) ausgerichtet. Eine mögliche Anlaufstelle sind Kies-/Erdwerke sowie Betriebe des Landhandels (z.B. BayWa) und Baustoffhandel.

In einzelnen Bundesländern gibt es Listen über öffentliche Waagen, wie hier z.B. Baden-Württemberg (https://www.mebw.de/sites/default/files/OeffentlicheWaagen.pdf). Andere Bundesländer sind teilweise  auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) aufgelistet (http://www.agme.de/extranet/?rq_Layout=AGME#{17}). Nachfolgend habe ich einige öffentlich zugängliche Waagen im Großraum Ulm aufgelistet (nehme gerne weitere Standortmitteilungen entgegen):

Adresse Tonnen Kosten
Öffentliche Waage, Ziegelgasse 23, 89340  Leipheim 50
BayWa, Raiffeisenstr. 2a, 89284 Pfaffenhofen 50
BayWa, Am Eisenbahnweiher 5-7, 89264 Weißenhorn 50 3 €
LHW Landhandel, Josef-Kögel-Str. 10, 89264 Weißenhorn 20
Rohstoffverwertung Gröger GmbH & Co. KG, Siemensstr. 1-3, 89312 Günzburg 60
Hans Hafner GmbH, Poststr. 11, 89335 Ichenhausen 50
Auto-Mann GmbH & Co., Franz-Xaver-Hieber-Str. 16, 89362 Offingen 50
BayWa, Riedhauser Str. 66, 89415 Lauingen 50
Stadtverwaltung Erbach, Weiler Str. 1, 89155 Erbach 20
BayWa AG Agrar, Riedmühle 1, 89155 Erbach 50
Eberle, Herdgasse 1, 89155 Erbach 50
Allgaier Agrarhandel GmbH, Carl-Benz-Str. 2, 89604 Allmendingen 50

 

Wer sich diese Wege ersparen und ggf. auch das Gewicht pro Achse ermitteln will, kann sich die Anschaffung einer mobilen Waage überlegen (z.B. Reich Fahrzeugwaage).