SchweizKunstTour Herbst 2017 # 5

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

glücklicherweise war gestern im Haselrain ganz am Anfang ein ausreichend langer Parkraum frei, nämlich schon bei der Anfahrt über Lörrach war die Tramtrasse ab Riehen Grenze bis zur Fondation Beyeler durchgehende Baustelle. Ich hatte mich noch kundig machen können, dass die Tram ab der Wendeschleife fährt (also Haltestelle nur knappe 20m verlegt). Alternativ hatte ich nämlich bei der Anreise mit dem Gedanken gespielt, im hinteren Teil des Haselrains (etwa Höhe Grenze) zu parkieren, weil dort keine Wohnsiedlung sondern Gewerbe angesiedelt ist und somit ggf. das Übernachten unauffälliger ist. Die Nacht verlief ruhig, mal abgesehen, dass ein freundlicher Passant den rechten Außenspiegel angelegt hat.

Eine Stellplatzalternative, die in der Nähe des Badischen Bahnhofs liegt, wäre die Seitenstraße bei der Tram-Haltestelle Eglisee. Dort gibt es einerseits den kostenpflichtigen Parkplatz der Eislaufanlage bzw. des Freizeitbades, aber auch einen Längsparkstreifen der Blauen Zone. Heute beim Vorbeifahren waren da jede Menge freier Plätze (vermutlich, weil die eine Saison rum ist und die andere noch nicht begonnen hat), laut Google Maps Egliseestr. 90 / 47°34’12.9″N 7°36’58.0″E / 47.570237, 7.616116.

Gleich nach der Morgenwäsche bin ich die 850 Schritte zum Ticketautomaten der Verkehrsbetriebe gegangen und hab mir für 10 CHF eine Parkberechtigung von 8-19 Uhr geholt sowie für 9,90 CHF ein Tagesticket für den Nahverkehr (zwei Einzelfahrten kämen zwar günstiger, Tagesticket sorgt für mehr Flexibilität und weniger Stress).

Tag 6 Samstag 23.09.2017 – Schweiztour
Basel / St. Blasien

Die Fahrt mit der Tram dauert derzeit länger als üblich, da auch an der Strecke Richtung Basel gebaut wird und wegen Eingleisigkeit gelegentlich Wartezeiten entstehen. Dann ist mir am Badischen Bahnhof der Fehler unterlaufen, dass ich wie üblich von der 6 in die 2 umgestiegen bin. Als diese dann aber am Messeplatz in genau entgegengesetzte Richtung als zum Kunstmuseum abbog, wurde ich stutzig und bin rasch ausgestiegen. Mit der 11 ging es dann doch noch zum Kunstmuseum.

Ursache des Durcheinanders klärte sich im weiteren Verlauf. Nicht nur nach Riehen wird gebaut, sondern auch in der Basler Kernstadt und diverse Linien bedienen einerseits nicht mehr die bisherigen Fahrstrecken, sondern etliche Stationen werden überhaupt nicht mehr angefahren. Die Öffi-App hat mir die aktuellen Verbindungen ausgespuckt und war wieder mal eine große Hilfe, nachmittags konnte aber auch sie nicht mehr auf aktuelle Störungen durch einen größeren Feuerwehreinsatz sowie Behinderungen durch eine Demo klärend eingehen, denn selbst die Anzeigen an den Tram-Stationen waren nicht auf dem Laufenden, denn die angekündigten Tram 6 nach Riehen Grenze (bis Beyeler, dann Schienenersatzverkehr) wollten rund 25 Minuten nicht vorbeikommen, obwohl sie im 8- oder 6-Minuten-Rythmus immer wieder angekündigt waren.

Das Kunstmuseum Basel (MPM) / www.kunstmuseumbasel.ch zeigt im Neubau seit letztem Wochenende Chagall. Die Jahre des Durchbruchs 1911-1919, welche ich ohne Einschränkung empfehlen kann. Morgen geht die Ausstellung Der verborgene Cezanne. Vom Skizzenbuch zur Leinwand zu Ende und ich musste feststellen, dass mich der malende Cezanne mehr anspricht.

Gleich ums Eck in einer Seitenstraße besuchte ich das Cartoonmuseum Basel (MPM) / www.cartoonmuseum.ch, welches den Waiblinger Illustrator Christoph Niemann präsentiert. Diesen kenne ich schon von seinen Titelbildern für die Zeitschrift WELTKUNST (verheiratet mit deren Chefredakteurin), aber auch von mehreren Titeln THE NEW YORKER. Furore hat dabei ein Titelbild gemacht, welches mit einem iPad betrachtet zu leben beginnt und eine animierte 3D-Grafik abspielt. Sehr witzige Einfälle und einen tollen komprimierten Strich.

Von dort aus bummelte ich durch die Altstadt. Zunächst zum Münster mit seinen zwei Türmen, daneben sehenswert der alte Kreuzgang und die Halle der verdienten Bürger der Stadt (ob es nur Gedenkplatten oder Grabplatten sind, hat sich mir nicht offenbart).

Von dort (oder von der linken Kirchenseite) kommt man auf die Pfalz, ein Platz mit weiter Sicht auf den Rhein und die gegenüberliegende Stadtteile. Mit einer Seilfähre kann man von dort für 1,60 CHF auf die andere Seite übersetzen, so man den Treppenabstieg nicht scheut. Das Münster liegt nämlich auf dem Münsterberg, was man aufgrund des sanften Anstiegs vom Kunstmuseum her überhaupt nicht bemerkt (zumal es selbst auch noch auf dem tieferen Bergrücken steht). Um die Mittagszeit finden kostenlose Orgelkonzerte statt, ich wurde beim Herankommen von den letzten Tönen begleitet. War auch gut so, weil während der Konzerte Besichtigungsverbot ist.

Auf dem weiteren Höhenweg kommt man am Museum der Kulturen (früher mal besichtigt) sowie am Naturhistorischen  Museum vorbei. Am Martinskirchplatz endet die Höhenwanderung. Die Kirche selbst dient wohl heute Veranstaltungen.

Über das steile Treppengässlein gelangt man auf den Marktplatz, auf dem der Wochenmarkt zu Gange war, was leider die Sicht auf das imposante rote Rathaus teilweise verdeckte. Absolut sehenswert ist der Innenhof mit Fresken und Figuren sowie architektonischen Zierelementen.

Während der bisherige Bummel sehr anregend und entspannend verlief, ab dem Marktplatz wurde es trubeliger. Unverkennbar eine beliebte Bummel- und Shopping-Strecke, aber durch diverse gastronomische Verlockungen garniert. Ich steuerte den Barfüsserplatz an, denn dort ist einerseits die Touristinfo, wo ich noch etwas Infomaterial holen wollte, außerdem bei dieser Gelegenheit die Ausstellung Malevich, Kandinsky und revolutionäres Porzellan im Spielzeug Welten Museum Basel (MPM) / www.spielzeug-welten-museum-basel.ch in Augenschein nehmen. Schon etwas verwunderlich, dass nach der Oktoberrevolution von RevolutionskünstlerInnen entworfene Porzellanservices und -figuren entworfen und in den Manufakturen so wie zur Zarenzeit produziert und vermarktet wurden. Die Ausstellung wurde offensichtlich 1:1 von Russland übernommen, denn es hat nicht einmal gereicht, die Bildunterschriften und die Künstlerfotos zu übersetzen oder gar die Ausstellungsstücke erläuternd zu beschriften. Stattdessen gibt es einen deutschsprachigen Ausstellungsführer – wer hat aber in der Ausstellung schon Zeit und Lust, gut 100 Seiten Aufsätze zu lesen.

Dort nahm mein Desaster seinen Anfang. Ich wollte eigentlich über den Theaterplatz mit dem Fasnachtsbrunnen von Jean Tinguely wieder Richtung Kunstmuseum. Leider war hier eine Großbaustelle der Tram, die den Blick auf den Brunnen verbarg (oder war er gar abgebaut?), gleichzeitig waren Durchgangsstraßen versperrt. Der erste Umweg führte zur Offenen Kirche Elisabethen und dort habe ich die Richtungsorientierung verloren. So habe ich mich irgendwie komplett ablenken lassen und mich vom Kunstmuseum immer weiter entfernt und bin unmerklich Richtung SBB (Stadtbahnhof Basel) gedriftet, was mir an den Markthallen klar wurde. Kurzentschlossen – weil nun näher – habe ich den SBB angesteuert. Und dort kam ich dann in das oben beschriebene Tram-Chaos.

Der Bummel war so etwas ausgedehnter als geplant. Obwohl meine Füße sich wie durchgewalkter Kaugummi anfühlen, habe ich meine Schrittzahl von Bern knapp verfehlt.

Trotzdem schaute ich zum Abschluss des Baselaufenthalts noch kurz in der Fondation Beyeler Riehen bei Basel (MPM) / www.beyeler.com vorbei, die den Fotografen Wolfgang Tillmans präsentieren. Kurz drückt meine Begeisterung aus. Da lässt die nächste Schau ab 1. Oktober mehr hoffen, auch wenn ich in Bern schon eine heftige Dosis schnuppern konnte: Paul Klee.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei LIDL in Lörrach führte mich mein Navi am Wehra-Stausee über Todtmoos nach St. Blasien. Auf der kurvenreichen Strecke kamen mir gefühlt über 100 Motorradfahrer entgegen, die sich teilweise sehr zum Mittelstreifen orientiert in die Kurven legten, was mir auf der nicht allzu breiten Straße als Entgegenkommender teilweise ein mulmiges Gefühl verschaffte. Auch scheint es ein Oldtimertreffen gegeben zu haben, denn auch davon kamen mir rund 10 entgegen – meist Cabrios, was bei dem herrlichen Wetter der letzten Tage sicher besonderen Fahrspaß bereitet.

Als Stellplatz nutze ich einen der vier Stellplätze am Dom St. Blasien, Fürstabt-Gerbert-Str. 16 (47°45’36.5“ N 8°7’54.5“ O) neben dem Busparkplatz, WC am Platz, jedoch keine V/E. Über den Charakter des Stellplatzes gibt es keine Informationen. Am Parkscheinautomat werden die Plätze tagsüber Mo-Sa als gebührenpflichtig mit einer Höchstparkdauer von 3 Stunden ausgewiesen. Ob Übernachten erlaubt ist, wird verschwiegen. Ich teste nun, ob es zumindest toleriert wird.

Der Dom ist innen noch beeindruckender als von außen. Der Kirchenraum mit der gewaltigen Kuppel ist in reinem Weiß gehalten, Farbe kommt nur bei einzelnen Zierelementen und den Altarbildern zum Einsatz.

Zunächst sah es bei meiner Ankunft so aus, als dass es demnächst Gewitter geben könnte, dunkelgraue Wolken zogen auf. Die haben sich aber zumindest vorerst verzogen und stattdessen treiben sich Dorfjugend oder Kollegiaten hier am schön gestalteten Flussufer herum. Das Krakeelen hat hoffentlich bald ein Ende.

Beste Grüße für heute
Atze