SchweizKunstTour Herbst 2017 # 4

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

dies ist der letzte Newsletter, den ich bei dieser Tour aus der Schweiz versende, da ich am morgigen Abend irgendwo im Schwarzwald sein werde.

Tag 5 Freitag 22.09.2017 – Schweiztour
Thun / Burgdorf / Solothurn / Riehen bei Basel

Den Stellplatz in Spiez habe ich verlassen ohne Schloss Spiez (www.schloss-spiez.ch) samt romanischer Schlosskirche auf der Halbinsel im Thunersee einen Besuch abzustatten. Abgesehen vom Zeitplan lag dies vor allem daran, dass ich die derzeitige Sonderausstellung zu Ernst Kreidolf teilweise vor Jahren in Konstanz gesehen habe. Vielleicht beim nächsten touristischen Aufenthalt am Thunersee bzw. im Berner Oberland. Neben dem gestern erwähnten Schloss Schadau sehen Schloss Hünegg (www.schlosshuenegg.ch), Schloss Oberhofen (www.schlossoberhofen.ch) und auch das Schloss Thun (www.schlossthun.ch) sehenswert aus und keines gleicht dem anderen.

Leider hatte ich gestern übersehen, dass die Entsorgungsstation, welche die Stadt Thun für Grau- und Schwarzwasser (Toilette) kostenfrei zur Verfügung stellt, in unmittelbarer Nähe meines gestrigen Parkplatzes beim Schadaupark liegt. Also heute nochmals dorthin gefahren. Ausgeschildert ist der Platz nicht als Entsorgungsplatz für Womos, sondern Reisebusse. Vorsicht beim Wasserschlauch im Spritzenkasten: Da waren wohl Feuerwehrleute beteiligt, weil auf den ersten vorsichtigen Hahnendreh tröpfelt es nur, jedoch nur wenige Millimeter später schoss ein Wasserstrahl druckvoll aus dem Schlauch, dass es mir meinen WC-Kanister aus der Hand schlug. Hier die Adresse: Entsorgungsstation Thun Seestraße / GPS 46°44’54.2“ N 7°38‘3.2“ O

Das Kunstmuseum Thun (MPM) / www.kunstmuseumthun.ch hatte eine bezaubernde Idee zur Präsentation einer Sammlungsauswahl. Vier Autor/inn/en wurden gebeten, eine Auswahl von Bildern zu einer Geschichte zu verweben. Unter dem Titel Bilder erzählen. Literarische Begegnungen mit der Sammlung des Kunstmuseum Thun kann man die Bildauswahl betrachten und gleichzeitig über Headset von Bild zu Bild die Fortsetzungsgeschichten anhören. Alles ist dann auch noch im Katalog abgedruckt, den ich natürlich erwerben musste. Übrigens gibt es neben dem Kunstmuseum einen öffentlichen kostenpflichtigen Parkplatz, der an wenigen Stellen auch für Womos geeignet ist.

Schon seit den siebziger Jahren, als Franz Gertsch mit seinen fotorealistischen Bildern einer künstlerischen Jugendgang, darunter einzelne, die sich später selbst einen Namen machen konnten, sowie spielenden Kindern an der südfranzösischen Meeresküste, auf der documenta für Furore und heftigen Richtungsdisput sorgte, war ich von ihm begeistert. Daher war es schon lang ein Ziel, das ihm vom Mäzen Willy Michel gewidmete Museum Franz Gertsch Burgdorf (MPM) / www.museum-franzgertsch.ch zu besuchen. Leider hängen nur ganz wenige unterschiedliche Bilder von ihm. Dies liegt einerseits an den Riesenformaten, die schon mal 6-8m lang werden können. Außerdem hat er für sich Anfang der 80er den Holzschnitt entdeckt, den er über eine manuelle Rastertechnik zu ebenfalls realistisch anmutenden monochromen Bildern einsetzt und dann einzelne Abzüge mit unterschiedlichem Farbton druckt. So ist ein Porträt einer jungen Frau in 8 Farbvarianten zu sehen und ein Waldausschnitt in 4, ergänzt durch dasselbe Motiv als vermeintlich fotorealistisches Gemälde. In weiteren Räumen werden eine Retrospektive zum 40. Todestag des Burgdorfer Künstlers Varlin sowie einer jungen deutschen Künstlerin gezeigt. Parken ist mit PKW in der hauseigenen Tiefgarage möglich, Womos müssen sich ein paar hundert Meter weiter in der Altstadt einen Parkplatz suchen, was nicht schwer fällt.

Zwar habe ich nur wenig von Burgdorf gesehen, es scheint mir aber ein eher beschauliches Städtchen zu sein und zumindest der gesehene Teil der Altstadt macht einen positiven Eindruck. Im nur Sonntags geöffneten Alten Schlachthaus / www.luginbuehlbernhard.ch/museum/ hat der Bildhauer und Eisenplastiker Bernhard Luginbühl neben seinem Skulpturenpark im nahegelegenen Mötschwil / www.luginbuehlstiftung.ch noch zu Lebzeiten eine Ausstellungsstätte gefunden. Als Tor zum Emmental ist Burgdorf auch abseits vom Kunstinteresse eine Reise wert.

Da auf der A1 bei Solothurn ein LKW-Unfall passiert ist und längere Staus mitgeteilt wurden, nahm ich den direkteren Weg über Land. Solothurn hat sich gleich mit dem ersten Eindruck gut bei mir eingeführt. In einer Straße hinter dem Kunstmuseum Solothurn (MPM) / www.kunstmuseum-so.ch und dem ebenfalls imposanten Konzertsaal gibt es jede Menge gut frequentierter Parkplätze, aber irgendwo wird immer einer frei. Einige der Parkplatzbuchten sind etwas länger oder haben nach hinten Spielraum (entweder Wiese oder sehr breiter Gehweg). Die Stunde kostet 2 CHF und Maximalzeit beträgt 2,5 Stunden. Daher musste ich zwischen Museumsbesuch und Stadtbummel nachwerfen.

Die Sammlung des Kunstmuseums ist wirklich beeindruckend. Aktuell wird zudem in Abwandlung die in St. Gallen (Herbst 2016) bzw. Reutlingen (Frühjahr 2017) gezeigte Ausstellung Der japanische Farbholzschnitt als Inspiration präsentiert sowie Die Pracht der Tracht. Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe.

Die Solothurner Altstadt ist weitgehend für den Verkehr gesperrt. Obwohl die Straßen wie in Bern sehr belebt sind, kam bei mir kein Gefühl der Geschäftigkeit und Hektik auf. Viele Straßenwirtschaften und Cafés lassen Beschaulichkeit aufkommen. Auch architektonisch ist das Stadtbild abwechslungsreicher durch diverse Baustile der vergangenen Jahrhunderte (außer diesem und dem letzten). Besonders sehenswert neben den diversen Brunnenfiguren (11) sind mehrere Türme und Tore, allen voran der Zeitglockenturm am Marktplatz sowie die barocke Jesuitenkirche (daneben das einzige Steinmuseum der Schweiz), in Sichtweite am Ende der Hauptstraße steht die imposante St. Ursen-Kathedrale.

Eine Besonderheit stellt etwas versteckt an einem Büroneubau am Amthausplatz die 11i-Uhr dar, die ich erst entdeckte, als sie sich mit Glockenspiel um 17 Uhr hörbar machte. Wie der Name schon vermuten lässt, zeigt ihr Ziffernblatt nur 11 Stunden an. Vorher habe ich auf Empfehlung einer jungen Frau der Touristinfo im Eiscafé Vitaminstation für 7 CHF (4 Kugeln) wohl das letzte Straßeneis dieses Jahres erstanden.

Glücklicherweise lotste mich mein Navi an dem immer noch bestehenden Stau auf der A1 vorbei, zunächst bis nach Olten auf Landstraßen. Dann auf der Autobahn lief es problemlos und so stehe ich wieder an meinem erprobten Straßenparkplatz Haselrain in Basel-Riehen (Blaue Zone, daher werde ich wohl morgen an der Tram-Station bei der Fondation Beyeler ein Tagesticket für 10 CHF sowie ein Tagesticket für die Tram besorgen).

Beste Grüße für heute
Atze