Romantische Straße Tour-Fortsetzung September 2016 # 1

Romantische Straße Tour-Fortsetzung September 2016 # 1

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

kaum daheim, schon wieder unterwegs. Der Anlass ein profaner, nämlich eine Rückrufaktion des Herstellers (Knaus) wegen einer Prüfung, ob die Truma Dieselstandheizung ggf. die Starterbatterie leersaugen könnte. Selbst habe ich davon bisher keine Anzeichen gesehen, aber da die kühlen Zeiten bevorstehen, will ich doch auf Nummer Sicher gehen und bring das Fahrzeug am Mittwoch um 9 Uhr bei meinem Händler in Möttingen zum Check vorbei. Bei der Gelegenheit will ich auch klären, ob es eine geschickte und nicht über Gebühr aufwändige Möglichkeit gibt, den 1500 Watt Sinus Wechselrichter zu installieren, den ich mir evtl. etwas voreilig zugelegt habe (Bestellung vor Lieferung des Womo, Lieferung allerdings erst danach und somit nicht im Paket mit den sonstigen Einbauten wie Solar und zweite Wohnraumbatterie erledigt).

Weil Möttingen an der Romantischen Straße liegt und ich meine erste Tour „Romantische Straße von Würzburg bis Füssen“ wegen durchgängigem Regenwetter etwa auf dieser Höhe abgebrochen habe, bietet sich das herrliche Wetter doch nun gerade an, die Tour fortzusetzen – wenn auch teilweise gegen den Strich, aber das war ja beim ersten Teil nicht anders.

Außerdem erspare ich mir so das frühzeitige Aufstehen am Mittwoch, weil ich schon in der Nähe bin.

Tag 1 Dienstag 06.09.2016 – Romantische Straße: Rain / Donauwörth / Harburg / Nördlingen / Wallerstein / Oettingen

Nachdem ich am Vorabend noch einen netten Hock mit Ingo verbracht habe, war mal zunächst Ausschlafen angesagt. Dann noch beim Bäcker Vesperseelen besorgen, bei LIDL Laugensemmel und bei NORMA Tomaten, Paprika und Trauben und ab ging die entspannte Fahrt entgegen der Autobahnempfehlung des Navi an der Donau entlang zum ersten Ziel.

Rain (bei Donauwörth)

Der Ort hat einen sehenswerten Kern mit einem Rokoko-Rathaus, welches schon für die Bürgermeister-BR-Serie „Der Kaiser von Schexing“ von Franz Xaver Bogner als Kulisse herhalten musste. Bekannt ist der Ort aber für den Dehner Blumenpark, der nicht nur für Aktivgärtner eine Empfehlung ist, sondern für Gartenliebhaber allgemein und sich durchaus als Familienausflugsziel eignet. Für die Kids gibt es einen attraktiven Spielpark in anregender Gestaltung und herausfordernden Aktivitäten, z.B. eine Mischung aus Kletterbaum und Kletterburg. Die parkähnliche Gartenanlage lädt zum Flanieren und Bestaunen der Pflanzen- und Blütenpracht ein, jahreszeitenbedingt derzeit nicht so vielfältig wie vermutlich im Frühjahr oder späteren Herbst. Daneben hat es eine riesige Fläche Gartenmarkt und auch für das Stillen von Hunger und Durst ist vielfältig und in mehreren großen Bereichen (Selbstbedienung, Bewirtung, Selbstversorgung) ebenso gesorgt wie – allerdings eher bescheiden – ein Bereich zum Relaxen mit Liegen. Die Anlage ist offenkundig auf Massenansturm ausgelegt, auch der kostenfreie Parkplatz hat gewaltige Dimensionen. Der Zutritt zu der Anlage kostet übrigens keinen Eintritt.

Ein wohltuender Auftakt zur Tour. Lediglich mein GARMIN hat geschwächelt. Aus unerfindlichen Gründen wollte er mich partout innerorts durch Wohngebiete schlängeln lassen (sowohl bei der An- wie Abfahrt), obwohl die Hauptstraße direkt zur kurzen Seitenstraße führt, über die der Blumenpark erreichbar ist.

Donauwörth

Nun steuerte ich in Donauwörth ein wohl überraschendes Ziel an, das

Käthe Kruse Puppen Museum Donauwörth
www.donauwoerth.de

Der Name Käthe Kruse dürfte ähnlich wie Steiff aus der Spielwarenszene nicht wegzudenken sein und hat ebenso einen Sammlervirus in die Welt gesetzt. Was mich jedoch angezogen hat, ist der künstlerische Hintergrund der Familiengeschichte. Der Ehemann von Käthe Kruse, Max Kruse, war um die vorletzte Jahrhundertwende ein renommierter Bildhauer, der letztendlich die Initialzündung für die Puppenentwicklung gegeben hat, indem er dem Drängen der Tochter mit der Bemerkung „Ich kauf dir keine Puppe, macht sie euch doch selber“ nicht nachgab und die Schauspielerin und Ehefrau Käthe Kruse dazu veranlasste, die erste Puppe für den Eigenbedarf herzustellen. Diese kam so an, dass die Schauspielerei (auch familienbedingt) an den Nagel gehängt und eine Fabrikation aufgenommen wurde, in deren Verlauf einerseits die zahlreichen Kinder und Enkel eingebunden waren, aber auch neben Max Kruse weitere Bildhauer der Zeit Entwürfe für die Köpfe lieferten. Neben den Spiel- und Sammlerpuppen wurden später auch Schaufensterpuppen entwickelt und erfolgreich vermarktet. Nahezu alle Familienmitglieder waren darüber hinaus künstlerisch oder schriftstellerisch tätig. Am bekanntesten dürfte auf diesem Gebiet der jüngste Spross Max Kruse jun. geworden sein, dessen „Urmel aus dem Eis“ vielen ein Begriff sein dürfte, vor allem in der Bühnenfassung der Augsburger Puppenkiste. Auch seine ältere Schwester hat für die Welt der Kunsterziehung mit der Erfindung der Knetmasse FIMO bleibenden Eindruck hinterlassen. In der aktuellen Sonderausstellung wird das Wirken der Familienmitglieder sowohl für die Firma wie auf künstlerischem Gebiet dokumentiert, ergänzt durch Kunstwerke von befreundeten Künstlern oder Lehrkräften an den Akademien und Kunstschulen, u.a. der Academie Matisse Paris (nur noch bis 25. September 2016 Die Kruses – eine geniale Künstlerfamilie und ihr Freundeskreis). Außer der Sonderausstellung wird die Geschichte der Puppe seit der Antike und natürlich vor allem der Kathe Kruse Puppe präsentiert.

Für die musikalisch Interessierten sei angemerkt, dass in dem Museum auch die Werner-Egk-Begegnungsstätte untergebracht ist, derzeit aber gerade renoviert wird.

Insgesamt eine lohnenswerte Besichtigung, wenngleich die Ausstellungspräsentation aktueller Museumsdidaktik hinterherhinkt.

Donauwörth selbst hat seine Reize weitgehend vor mir verborgen, wobei dies auch an der Substanz liegen kann. Die Innenstadt wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, allerdings hat man sich in der Nachkriegszeit bemüht, die alte Bausubstanz zumindest durch Rekonstruktion der Fassaden zu simulieren. Die Reichsstraße stellt den Mittelpunkt der Stadt dar und ist die übliche Einkaufsmeile. Etwas Idyllischer ist unterhalb die Insel Ried, die von der Wörnitz umflossen wird, bevor sich diese wenige 100m weiter in die Donau ergießt. Sehenswert soll auch die barocke Heilig-Kreuz-Kirche sein, die sich aber mir aufgrund von Baumassnahmen entzogen hat.

Weiters führte mich die Tour in entgegengesetzter Richtung nach Harburg. Dort sticht vor allem die

Burg Harburg (bzw. Schloss Harburg)

ins Auge, die auf der Berganhöhe über der kleinen Stadt thront. Laut Werbung soll es die besterhaltene und größte mittelalterliche Burganlage im Süden Deutschlands sein, was ich gerne glauben will. Sie macht auf der höchsten Erhebung des Donaujuras schon einen impossanten Eindruck. Im Garten der Burgschenke nahm ich dann eine kleine Zwischenmahlzeit ein und füllte vor allem den Flüssigkeitshaushalt auf – beides für eher kleines Geld, zumal auch noch 50 Cent der Eintrittskarte verrechnet wurden. Auch der Ort lohnt einen kleinen Spaziergang.

Nördlingen

Obwohl ich Nördlingen schon mehrfach besucht habe und bei der ursprünglichen Tour auch absichtlich rechts liegengelassen habe, dachte ich mir, ein weiterer Blick kann ja nicht schaden. Beeindruckend an Nördlingen ist vor allem das Stadtbild von oben, welches man vor allem aus der Luft richtig würdigen könnte, ansatzweise auch vom Turm „Daniel“ der spätgotischen Hallenkirche St. Georg, sofern man dem täglich im Einsatz befindlichen Türmer einen Besuch abstatten will (hab ich mir angesichts der vielen Stufen verkniffen). Ersatzweise kann man die Stadt von oben auch im Rieskrater-Museum oder dem Stadtmuseum im Bild oder en miniatur besichtigen. Eisenbahnfreunden sei auch das Bayerische Eisenbahnmuseum empfohlen, besonders natürlich, wenn Ausfahrten mit den Dampflokomotiven angebotenen werden. In jedem Fall sollte man bei einem Erstbesuch in Nördlingen eine Besonderheit erlaufen, nämlich Deutschlands einzige vollständig erhaltene und rundum begehbare Stadtmauer der etwa 2,7 km langen Wehranlage, welche die Kernstadt im wahrsten Sinne des Wortes umrundet. Mir blieben die Reize der Stadt einerseits aus Faulheit (schon mal gemacht) und andererseits wegen den Vorbereitungen des am Wochenende stattfindenden Stadtmauerfestes verborgen. Überall verschandelten Tribünen, Bühnen, Verkaufsstände etc. das Straßenbild und den freien Blick auf die Sehenswürdigkeiten. Ab wenigstens konnte ich an einem mobilen italienischen Eisstand einen wohlschmeckenden Schokoladenbecher erwerben.

Wegen Straßensperrungen einschließlich gesperrter Umleitungsstrecken war der Weg nach

Wallerstein

etwas umständlich und langwieriger als notwendig, was leider zur Folge hatte, dass das dortige Moritzschlösschen und der Hofgarten verschlossen waren. Lediglich die imposante Pestsäule mitten in der Hauptstraße konnte ich noch gegen das abendliche Sonnenlicht  in Augenschein nehmen.

Eigentlich als Abschlussstation des heutigen Tages gedacht, wird es wohl morgen vor der Abfahrt zum Händler zu einer kurzen Besichtigung reichen, die

Residenzstadt Oettingen

Seit 1141 bis vor knapp 200 Jahre residierten hier die Grafen und späteren Fürsten zu Oettingen und war eigenständig, bevor es an Bayern fiel. Der Marktplatz beeindruckt durch sich gegenüber stehenden Barock- und Fachwerkfassaden, welche architektonischer Ausdruck zweier Familienzweige und zweier Konfessionen war. Auch das mit Wessobronner Stuck versehene Fürstliche Residenzschloss soll etwas hermachen.

Oettingen bietet einen kostenfreien Womo-Stellplatz am Ortsrand direkt am Wörnitz-Ufer für offiziell 4 Fahrzeuge, allerdings ist es kein Problem, am Uferweg entlang weitere Fahrzeuge auf dem befestigten Wiesenstreifen abzustellen. Dass er kein Geheimtipp ist, zeigt sich bei der Anfahrt, es stehen nämlich schon etwa 10 Mobile hier, aber auch für mich ist noch locker Platz. Außergewöhnlich ist für einen kostenfreien Stellplatz, dass (zumindest für die 4 offiziellen Stellplätze für 50 Cent/KWh) Stromanschluss geboten wird, außerdem kann Wasser nachgetankt (1 €) und entsorgt werden, dies soll ebenso für die Toilette gelten (hab ich aber nicht gesehen).

Dank meiner Taktik, vor dem Öffnen des Mückengitters zum Schließen der Schiebetür erstmal Insektenschutz zu sprühen, bin ich heute von stechenden Plagegeistern verschont geblieben.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

Fortsetzung Tour Romantische Straße September 2016 # 2

Start der Ersten Tour Romantische Straße Mai 2016 # 1

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten