OstseeTour Frühjahr 2017 # 6

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

eigentlich wollte ich Zingst mit einem herrlichen Fischgericht im Restaurant-Café Hirsch in der Strandstraße ganz in der Nähe der Seebrücke abschließen, in dem ich an beiden Tagen schon ein gutes Eis genossen habe und deren Speisekarte vielversprechend aussah und spätabends (22 h) dann noch am Strand nochmals die Bilderprojektion des Tages genießen, aber ein plötzlicher abendlicher Temperatursturz und Dauerregen hat dies vereitelt.

So nutzte ich die Zeit zum Umplanen meiner Tour.

 

Tag 9 Mittwoch 24.05.2017 – Ostsee-Tour
Ahrenshoop / Ribnitz-Damgarten / Rostock / Wismar / Schwerin

Ahrenshoop feiert aktuell in seinem Kunstmuseum Ahrenshoop / www.kunstmuseum-ahrenshoop.de mit der Ausstellung Licht Luft Freiheit. 125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop und präsentiert parallel dazu aber noch in Kabinetten weitere kleinere Sonderausstellungen. Die Übersicht über die Gründungsväter und -mütter ist sehr gelungen und gibt Einblick einerseits in die praktizierte Abkehr vom Akademismus der Kaiserzeit und Hinwendung zu einer Pleinair-Malerei im Anklang an die rund 40 Jahre vorher in Frankreich proklamierte Schule von Barbizon, d.h. ein verstärkter Naturalismus und überwiegendes Malen direkt in der Natur. Dies war auch eine Folge der technischen Entwicklung, denn Mitte des 19 Jh. wurden fertige Ölfarben in Tuben entwickelt, mussten also nicht mehr mühsam mit Farbpigmenten angemischt werden. Die Kunstauffassung des Impressionismus tat ein Übriges und stellte Natureindrücke und Lichtstimmungen in den bildnerischen Vordergrund. Gleichzeitig war die Bildung von Künstlerkolonien fernab der Zentren auch Ausdruck der Suche nach der Idylle und Fliehen vor der Hektik der Großstädte. Andererseits zeigt die Ausstellung auch, dass die Künstlerkolonien für viele in der NS-Zeit angefeindete Künstler Rückzugsorte, an denen sie weniger behelligt wurden.

Da das Kunstmuseum erst um 11 Uhr öffnete, schaute ich noch im Kunstkaten Ahrenshoop / www.kunstkaten.de vorbei. Dieses kleine Ausstellungshaus war die erste Galerie, welche die Künstlerkolonie vor über hundert Jahren gründete. In ihr werden regelmäßig frühere, aber auch aktuelle Künstler der Künstlerkolonie sowie aus dem gesamten Fischland-Darß-Bereich präsentiert. Klein aber meist sehenswert.

Über einen Flyer im Museumshof / Heimatmuseum Zingst bin ich auf die Galerie im Kloster / Kunstverein Ribnitz-Damgarten / www.galerie-ribnitz.de aufmerksam geworden. Deren aktuelle Ausstellung hat mich weniger angezogen, wohl aber der Hinweis, dass es dort einerseits ein Lyonel-Feininger-Kabinett gibt und außerdem die Sammlung des Landkreises Vorpommern-Rügen dort in Auszügen präsentiert wird (u.a. ein Teil in Form einer Artothek, also ausleihbare Bilder). Der kurze Zwischenstopp hat sich gelohnt. Von Feininger sind überwiegend Zeichnungen und Grafiken ausgestellt, die er bei seinen Aufenthalten in der Region angefertigt hat. Übrigens befindet sich direkt daneben das Deutsche Bernstein Museum / www.deutsches-bernsteinmuseum.de . Auch der Ort macht einen angenehmen Eindruck.

Wegen dieses Zwischenstopps und vor allem wegen der Tourumplanung habe ich einen beabsichtigten Besuch von Warnemünde verschoben und habe gleich die Ausstellung

Artige Kunst. Kunst und Politik im Nationalsozialismus in der Kunsthalle Rostock / www.kunsthallerostock.de angesteuert. Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion der Bundeszentrale für politische Bildung und dreier Ausstellungshäuser und präsentiert in einer Gegenüberstellung themenorientiert die staatlich propagierte Kunstvorstellung und die Kunst von denjenigen, die sich nicht vereinnahmen ließen oder die gar offen abgelehnt und verfolgt wurden. Die Ausstellung stützt sich dabei auf zwei gegensätzliche Ausstellungen – einerseits die Schau „Entartete Kunst“ und andererseits der „Große deutsche Kunstausstellung“, beide zeitgleich in München gezeigt. Letzte Station der Ausstellung ist im Spätsommer/Herbst die Ostdeutsche Galerie Regensburg / www.kunstforum.net .

Rostock selbst schenkte ich dieses Mal keine Aufmerksamkeit, da ich dort bereits im Rahmen einer GEW-Tagung mehrere Tage gewesen war.

Bei diesem früheren Besuch in Rostock hatte ich etwas südlich davon das Kunstmuseum Schwaan / www.kunstmuseum-schwaan.de besucht, welches einen umfangreichen Überblick über die ehemalige dortige Künstlerkolonie gibt, aber auch andere Künstlerkolonien vor allem des Ostseeraums reflektiert. Aktuell wird eine Sonderausstellung zur Künstlerkolonie im dänischen Ekensund gezeigt, welche ich aber bereits in Dachau gesehen habe und somit Rostock direkt Richtung Wismar verlassen konnte, für dieses Mal die letzte Ostseestadt.

Bad Doberan auf der Strecke nach Wismar möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Dort gibt es mit dem Münster des ehemaligen Zisterzienserklosters ein beeindruckendes Exemplar der Backsteingotik.

Ursprünglich war mein Plan, abends noch Wismar anzusteuern und dieses dann am nächsten Vormittag zu besichtigen, um dann nach Schwerin weiterzureisen. Nun jedoch kam ich etwas zeitiger in Wismar an. Da sich zwischenzeitlich auch die Sonne wieder zaghaft zurückgemeldet hat, durchstreifte ich die Altstadt noch am frühen Abend. Wismar und Stralsund wurde gemeinsam der UNESCO-Welterbe-Titel verliehen, Wismar verdient diesen mit vollem Recht. Die Stadt hat sich in den letzten 25 Jahren völlig umgekrempelt und seine baulichen Perlen der Jahrhunderte herausgeputzt. Der Marktplatz lädt zum Verweilen ein und ist von schönen Häusern der verschiedenen Epochen gesäumt. Neben alten Backsteinbauten (bzw. nach deren Zerstörung wieder originalgetreu aufgebaut) steht ein Fachwerkhaus. Dominiert wird der Platz allerdings über die komplette Breite vom klassizistischen Rathaus (was ich allerdings eher als stilistische Verirrung des anfänglichen 19. Jh. betrachte). Eine weitere historische Sehenswürdigkeit an einem Eck des Marktplatzes ist die sogenannte „Wasserkunst“, ein dekoratives Brunnenhaus. Am weitesten entfernt vom Marktplatz am unteren Ende einer Einkaufsstraße steht die Nikolaikirche, die den berühmten Krämeraltar mit Maria im Strahlenkranz beinhaltet, die ich wegen der Uhrzeit leider nur auf Bildern betrachten kann.

Nicht weit vom Marktplatz entfernt stehen der wuchtige Bau von St. Georgen sowie der Turm der ehemaligen Marienkirche. Davor erstreckt sich das ehemalige Kirchenschiff, von dem nur noch die niedrigen Grundmauern erhalten bzw. wieder nachgestaltet wurden. Der so segmentierte Platz bietet viele Sitzgelegenheiten und hat sich offensichtlich zum zentralen Treff der Jugend entwickelt. Umsäumt wird der Platz von wieder hergestellten historischen Backsteinbauten. Auch in den Straßen steht manch sehenswerter Bau. Wismar profitierte davon, dass der DDR das Geld für beabsichtigte Baumaßnahmen fehlte, alte Substanz daher nicht angetastet wurde und nach der Wende die Gelder gerade noch zum richtigen Zeitpunkt kamen, bevor der Verfall zu weit fortgeschritten war.

 

Eine Stadt zum Verlieben. So nutzte ich den lauen Abend auch gleich, um im Restaurant & Café Schwedenwache das in Zingst ausgefallene Fischessen nachzuholen, garniert mit Spargel und Salzkartoffeln, vorneweg eine Mecklenburgische Kartoffelsuppe (sehr lecker) und mit einem Schokoladenkuss abschließend. Dieser schmeckte gut, konnte aber an das Eis im Hirsch in Zingst nicht heranreichen.

Kurz nach acht fuhr ich dann noch die kurze Strecke nach Schwerin weiter, wo ich viertel vor neun ankam. Zum Übernachten und Parken stehe ich zentral auf dem

Park-/Stellplatz Jägerweg Schwerin
Jägerweg/Am Schlossgarten
19055 Schwerin
GPS 53°37’11’’N, 11°24’41’’O
www.parkeninschwerin.de
Hier handelt es sich um einen gemischten PKW/Womo-Parkplatz, der ganzjährig genutzt werden kann, allerdings keinerlei Ver- und Entsorgungseinrichtungen bietet, auch keinen Strom., Einfahrt soll angeblich nur bis 22 Uhr durch die Schranke möglich sein. Preis: 1 €/h, 8 €/24h, WC soll 100m entfernt sein – ich kann allerdings etwas entfernt nur eine Dixie-Toilette entdecken (ca. 800m über den Park zum Schloss, um den See etwas länger, ca. 1,6km zur Kunstgalerie, weitgehend Fahrradwege).

Da das Abendlicht gerade noch so schön das Schloss Schwerin erleuchtete, machte ich mich gleich um den Schlosssee zum Fotografieren auf. Das Schloss, welches den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern beinhaltet, ist architektonisch wirklich ein Prachtstück. Leider wird die Optik aktuell durch einen daneben stehenden Kran sowie Baugerüste auf einer Seite verschandelt. Der Park zwischen dem Stellplatz und dem Schloss ist rund einen Quadratkilometer groß und schön gestaltet.

Morgen geht es dann ins Schloss und in die Galerie Alte & Neue Meister, anschließend lasse ich die ursprünglich beabsichtigten Etappen Güstrow (Barlach-Stadt) und die Müritz links liegen und steuere am Nachmittag noch Wolfsburg an, bevor dann abends die Heimreise angetreten wird. Ich hoffe, dass der Feiertagsverkehr mich dann nicht mehr behindert. Braunschweig wird vermutlich auch noch länger auf mich warten müssen.

Beste Grüße für heute
Atze