OstseeTour Frühjahr 2017 # 4

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Entscheidung gestern Nachmittag mit sofortiger Anreise nach Rügen war goldrichtig.

 

Tag 6 Sonntag 21.05.2017 – Ostsee-Tour
Rügen (Lohme OT Hagen / Königsstuhl / Binz / Lancker-Granitz / Sellin / Middelhagen / Putbus) / Zingst

Es ist wohl der Mischnutzung einerseits Großparkplatz für Tagesgäste und andererseits Womos über Nacht zu verdanken, dass die Platzregeln auf den ersten Blick etwas unüberschaubar sind, aber einiges hat sich geklärt. Die Entsorgung des WC-Tanks ist zwischen 19 und 9 Uhr (wo der Tagesbetrieb des Parkplatzes eingestellt ist) frei zugänglich, tagsüber müssen sich alle einen Schlüssel abholen, der aber für Übernachtungsgäste kostenlos abgegeben wird. Das mit den Toiletten habe ich nicht näher geprüft, meine war ja wieder leer. Ansonsten autark, war der Platz grundsätzlich OK. Wassertanken habe ich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da wohl noch gut halbvoll. Die Preisgestaltung ist zwar etwas eigen, aber OK. 10,50 € für Parken 24 h inkl. Übernachten, allerdings noch 2 € Kurtaxe pauschal für 2 Personen. Für Einzelreisende gibt es da nichts zurück.

Mailversand hat gestern über mein Smartphone nicht klappen wollen, was weniger an der Geschwindigkeitsbeschränkung wegen aufgebrauchtem Volumen lag, sondern dass der Empfang von O2 wohl zu mickrig war und es ständig zu Verbindungsabbrüchen kam. Neuerdings habe ich für mein Tablet eine Vodafone-SIM von 1&1 (Zugabe zum Ende April gewechselten Festnetzanschluss), die zwar nur lumpige 100 MB schnelles Daten-Volumen bietet (aber kostenfrei), was natürlich auch längst für diesen Monat aufgebraucht ist, aber die Verbindung war etwas stabiler, so dass die Mails zwar langsam aber erfolgreich hin- und hergeschickt werden konnten.

Hier jetzt in Zingst besteht auch mit O2 eine hervorragende Verbindung, so dass das Mails abholen vorhin ruckzuck klappte.

Schluss mit dem Vorspann, jetzt zu meinem Rügenausflug.

Morgens um 9.10 h fuhr der erste Shuttlebus vom Parkplatz zum Nationalpark-Zentrum Königsstuhl / Nationalpark Jasmund / www.koenigsstuhl.com

Wer nicht dorthin wandern oder radeln will, nimmt sich am besten eine rabattiertes Kombiticket Hin-/Rückfahrt + Eintritt (gibt es angeblich noch günstiger im Tripple mit der Parkplatzgebühr, allerdings nur an deren Kassenschalter, und der ist – so man Glück hat – erst ab 10 Uhr geöffnet.

Die Audioguide-geführte Ausstellung ist sehr anregend und informativ gestaltet. Man kann zwischen 3 Erwachsenenguides (romantisch, informativ, abenteuerlich) und einem Kinderguide wählen. Geht man durch die Ausstellung, wird an bestimmten Punkten automatisch der zugehörige Sound eingespielt, an manchen Stationen kann man durch Drücken von Tasten oder Gegenständen zusätzliche Einspielungen starten. Infotafeln, Schaukästen und „lebende“ Installationen (z.B. Aquarien oder Filme oder Experimente) wechseln sich unterhaltsam ab. Dargestellt werden die Entstehung der Region (Ostsee, Rügen, Kreidefelsen) und die Entwicklung der Fauna und Flora.

In einem gesonderten Raum wird ein 15minütiger Film zur jüngsten UNESCO-Naturerbe-Entscheidung gezeigt, nämlich dem Buchenwald. Spannend und informativ.

Nach einem kurzen Spaziergang gelangt man an den berühmten Königsstuhl, dessen Faszination nicht auf mich übergreifen wollte. Vermutlich ist die Kreideküste an anderer Stelle am Höhenwanderweg imposanter, vielleicht aber auch eher vom Ufer oder gar vom Schiff aus oder aus der Luft. Hier wäre ein interessanter Einsatz einer Drohne.

Trotz dieser Anmerkung ein empfehlenswertes Ausflugsziel. Anschließend entschied ich mich nach den drei Stunden aus Zeitgründen gegen eine Weiterfahrt nach Putgarten und dem Kap Arkona sowie den geschnitzten Flügelaltar in der Uferkapelle des Fischerdorfs Vitt und steuerte das angeblich schönste Seebad Binz an. Eine mehrfache Enttäuschung. Eindrucksvoll ist sicher die Architektur des dreiflügeligen Kurhauses und der tiefe Strand mit feinstem Sand. Versteckt hat sich jedoch die vielgepriesene Bäderarchitektur. Zugegeben, bei so einer Stippvisite bekommt man keinen tieferen Einblick, aber für Liebe auf den ersten Blick hat es bei Binz in jedem Fall nicht gereicht. Den Rest Sympathie hat dann die Parkplatzverwaltung des Parkplatz Zentrum verspielt. Erstens kann von Zentrum nicht die Rede sein, aber Stein des Anstoßes ist eher die Preisgestaltung: 3 €/h. Leider habe ich die Stunde um 6 Minuten überzogen, so dass 6 € fällig wurden. Bis ich dann auf dem großen Parkplatz das Womo erreicht und das Fahrrad wieder aufgebockt und das Navi gestartet hatte, sind leider 16 Minuten vergangen – und der Ausfahrtautomat war der Auffassung, ich müsste nachzahlen. Also zum Kassenautomat, dann waren es 17 Minuten und dafür wollte er nochmals 3 €. Also keine Rede davon, dass die 1 h 6 min und die 1 h 23 min im selben bereits bezahlten Zeitfenster liegen. Vorsorglich sind auf den beiden Quittungen auch keine Kontaktdaten angegeben. Bleibt nur Ärger schlucken und schlau daraus werden und erst mit dem fahrbereiten Fahrzeug zur Schranke fahren und dann zahlen.

Auf der Weiterfahrt nach Sellin machte ich noch einen kleinen Abstecher zum Großsteingräberfeld bei Lancker-Granitz (54.360201, 13.618124). Verteilt im Gelände liegen kleine Baumgruppen, unter denen Vorfahren aus gewaltigen Steinen Gräber angelegt haben, die von einer oder mehreren gewaltigen Steinplatten abgedeckt sind.

Während die Seebrücke in Binz ein schmuckloser, wenn auch mehrere hundert Meter langer Steg ist, hat Sellin ein wahres Schmuckstück zu bieten. Erst vor einigen Jahren wurde der im Krieg zerstörte Brückenbau mit Cafés im alten Stil rekonstruiert. An ihrem Kopfende ist eine Tauchgondel installiert, mit der man ins Wasser eintauchen kann und während des Tauchvorgangs die Unterwasserwelt der Ostsee erläutert bekommt, ergänzt durch eine Filmvorführung. Dauer etwa 40 Minuten. Bei meiner Fahrtvorbereitung stand im Internet, dass die Gondel derzeit wegen längerer Instandhaltungsarbeiten außer Betrieb sei, davon stand jetzt allerdings nichts mehr. Dafür war der Schrägfahrstuhl vom hohen Stadtufer an den Strand bei der Wartung, aber stattdessen hat die Kurverwaltung einen Shuttlebus eingesetzt, so man nicht die Treppe oder Rampe hinab- bzw. hinaufsteigen will.

Die lange Wilhelmstraße, die durch den Ort direkt zur Seebrücke führt, hat das in Fülle zu bieten, was ich in Binz vermisst habe. Zahlreiche Hotels und Pensionen im Stil der historischen Bäderarchitektur. Der Ort macht was her, ist aber wesentlich weniger überlaufen (glücklicherweise).

Einen kleinen Abstecher unternahm ich dann noch nach Middelhagen, welches eine kleine Dorfkirche St. Katharina als kleiner kompakter Backsteinbau enthält, die bereits Lyonel Feininger ins Auge gestochen ist und von ihm mehrfach als Bildmotiv gewählt wurde. Schon vor ihm hat auch Adolf Menzel das Motiv verarbeitet. Im Innern enthält die Kirche einen schönen Altar – teilweise geschnitzt in Kombination mit Bildtafeln. Im ansonsten schmuckfreien Kircheninnern fällt lediglich vor der Orgelempore ein hängendes Segelschiff auf. Neben der Kirche ist ein Schulmuseum untergebracht.

Auf der Rückfahrt machte ich noch kurz Station in Putbus. Dort gibt es einen großen runden Platz mit Namen Circus mit sternförmig angeordneten Parkelementen und außenherum reihen sich zahlreiche überwiegend klassizistischen Gebäuden. In der Mitte des Platzes steht ein Obelisk. Hier wäre eine Drohne wieder das notwendige fotografische Instrument gewesen. Malte von Putbus hat die Stadt ab 1810 im englischen Stil anlegen lassen, erhalten ist auch noch der Schlosspark im englischen Landschaftsstil, vom ursprünglichen Schloss sind jedoch nur noch die Orangerie und einige Nebengebäude erhalten.

Nach rund einstündiger verkehrsarmer Fahrt stehe ich nun auf dem

Stellplatz am Wassersportzentrum Zingst (bei Surfschule)
Sportstrand Übergang 6, 18374 Zingst
GPS 54°26’26’’N, 12°42’30’’O
www.surfschule-zingst.de/ostsee-parken
50 Plätze neben PKW-Parkplatz, Apr-Mitte Okt., keine Entsorgung, WC + Dusche vorhanden

Entgegen meinen Befürchtungen ist auf dem Platz trotz des aktuellen Zingst-Events noch reichlich Luft.

 

Die nächsten beiden Tage widme ich mich dem Umweltfotofestival Horizonte Zingst / www.erlebniswelt-fotografie-zingst.de

Beste Grüße für heute
Atze