OstseeTour Frühjahr 2017 # 2

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

nach einer ruhigen und angenehm temperierten Nacht konnte ich es langsam angehen lassen.

 

Tag 4 Freitag 19.05.2017 – Ostsee-Tour
Kummerow / Buggenhagen / Greifswald

Ohne viel Verkehr und bei mäßigem Tempo nahm ich die Fahrt nach Kummerow am gleichnamigen See (Vorpommern) auf. Mein Navi bot mir im näheren und leicht weiteren Umkreis gleich 4 Orte desselben Namens und die Zusätze (Schwedt bzw. Rügen) ließen nur zwei gleich ausscheiden. Der Blick auf die Navi-Karte brachte aber Klarheit. Hilfreich wäre ggf. auch die PLZ 17139 gewesen. Der Weg nach Kummerow wie auch weitere am heutigen Tag war streckenweise extrem holprig, da viele Ortsdurchfahrten nicht nur mit normalem Kopfsteinpflaster, sondern mit ungleichmäßigem Naturstein gepflastert waren – einschließlich teilweise tiefer Fahrrinnen. Da hat die Wende wohl keine Früchte abseits der Bundesstraßen und Autobahnen abgeworfen.

Fotografische Sammlung – Internationale und DDR. Schloss Kummerow / www.schloss-kummerow.de
Neben einigen bekannten Fotos von namhaften Fotografen und Fotokünstlern wie Helmut Newton, Bernd & Hilla Becher, Marina Abramovic, Vanessa Beecroft, Thomas Demand, Andreas Gursky, Candida Höfer, Herbert List, Charlotte March, Will McBride, Steve McCurry, Andreas Mühe, Shirin Neshat, Sebastiao Salgado sind aus der früheren DDR nahezu alle Fotografinnen und Fotografen vertreten, die dort Rang und Namen hatten oder die Subkultur dokumentierten. Zwischen den Exponaten sind Aufnahmen des Schlosses aus seiner Geschichte, seinem Verfall und seiner seit 2011 laufenden Renovierung. Ein sehenswertes Ziel.

Die Lage der Orte bringt es mit sich, dass die meine weitere Annäherung an die Ostsee etwas im Zickzack verläuft. So fahre ich nun in Richtung Nordosten Richtung Usedom an Anklam vorbei. Dort wäre bei entsprechendem Interesse das Otto-Lilienthal-Museum zu besichtigen. Mein Ziel ist jedoch das Till Richter Museum Schloss Buggenhagen / www.tillrichtermuseum.org

Auch hier handelt es sich um ein Privatmuseum, bei dem der neue Eigentümer des Schlosses die Renovierung mit der Präsentation seiner Sammlung verbindet, in diesem Fall bietet er aber auch Künstlern ein Ausstellungsforum. Aktuell präsentiert sich eine Gruppe in Berlin tätiger Künstler aus der ganzen Welt – Spannweite von Neuseeland über Afrika und Amerika bis in heimische Gefilde. Leider sprechen mich eine Vielzahl der Werke nicht an. Faszinierend fand ich das zeichnerische Werk einer ausgebildeten Architektin (Karin Günther), die derzeit einen Lehrstuhl an der Uni Konstanz hat, sowie fotografische Arbeiten einer Italienerin (Porträts), auch einzelne abstrakte Arbeiten gefielen mir. Der Sammler führte mich zeitweilig selbst durchs Haus, was zu anregenden Gesprächen über andere Kunstziele Anlass gab (so hat er mir in NRW einige Adressen empfohlen, die ich teilweise schon selbst auf der To-Do-Liste führe).

Den Abschluss bildete der Besuch von Greifswald. Wolgast ignorierte ich wie Usedom für dieses Mal, da das dortige Philipp Otto Runge-Museum (Rungehaus), mit dem der Freund von Caspar David Friedrich und Sohn der Stadt gewürdigt wird, sich noch bis Herbst im Umbau befindet. Auch den öffentlich zugänglichen Skulpturenpark Katzow e.V.  / www.skulpturenpark-katzow.eu ließ ich unbeachtet.

Ebenso entschied ich mich gegen den Besuch der Klosterruine Eldena kurz vor Greifswald sowie des angrenzenden Fischerdörfchens Wieck, welches vor allem für seine Holzzugbrücke (1887) nach holländischem Vorbild und das Segelschulschiff Greif bekannt ist.

Geradewegs steuerte ich meinen heutigen Park- und gleichzeitig Stellplatz für die Nacht an:

Stell/Parkplatz Salinenstraße Greifswald
Salinenstraße 41 (Ladebower Chaussee 11)
17489 Greifswald
GPS 54.100490, 13.382110
GPS 54°06’02,7“ N 13°22’56,8“ O

Während dort PKW für 1 € den ganzen Tag stehen dürfen, sind für Womos 5 € für 24h fällig. Der Automat ist diesbezüglich auch unbestechlich, da er zwar die pro Münze erreichte Parkzeit anzeigt, bei mir hätten 3,50 € bis anderntags kurz vor 10 Uhr ausgereicht – nein, er wollte erst einen Parkschein ausspucken, wenn die 5 € voll sind. Nun denn, ist für die Lage als günstig zu betrachten. Völlig ebenes Gelände direkt an der Ryck, an deren Uferzone sich das jüngere Volk aufhält, auf der gegenüber Flussseite befindet sich der Museumshafen mit zahlreichen älteren Mehrmastern sowie weiter hinten der Seglerhafen für heutige Boote.

Direkt vom Parkplatz führt eine Fuß- und Radfahrerbrücke über den Fluss, die im weiteren Straßenverlauf nach einigen hundert Metern direkt ins Zentrum (Markt) führt. Dort verläuft quer die zentrale Fußgänger- und Radlerzone Lange Straße, an der sich das Rathaus sowie mein erstes Ziel, das Caspar David Friedrich Zentrum Greifswald / www.caspar-david-friedrich-gesellschaft.de befindet. Dort nehme ich gleich die Kombi-Karte mit dem Landesmuseum. Das Zentrum befindet sich im Geburtshaus von CDF, in der sein Vater eine Kerzen- und Seifengießerei betrieb. Schwerpunktmäßig wird diese Familiengeschichte sowie der Stammbaum der Sippe dargestellt, zu CDF gibt es einen informativen Film zu sehen (in den ich aus Zeitgründen nur reingeschnuppert habe und der mir aus dem TV bekannt vorkam). In einem Kabinett werden die 7 Rügen-Reisen samt Auszüge aus den Skizzenbüchern vorgestellt. Originale sind so gut wie nicht vorhanden. Parallel findet jeweils eine Sonderausstellung zu einem aktuellen Künstler statt, gegenwärtig Sven Drühl, der sich in seinem gezeigten Werk mit dem Werk von CDF befasst hat. Nach relativ kurzem Aufenthalt ging’s mit dem Rad in die Nähe vom Marktplatz zum Pommerschen Landesmuseum Greifswald / www.pommersches-landesmuseum.de

Die dortige Gemäldegalerie hat zwar einige Werke von CDF vorzuweisen, aus meiner Sicht allerdings kaum Highlights. Manche würden evtl. mehr Strahlkraft erlangen, wenn der nachgedunkelte Firnis entfernt würde. Dies trifft auch auf viele Arbeiten seiner Zeitgenossen zu, von denen durchaus einige sehenswert und einzelne sogar kunstgeschichtliche Highlights sind (u.a. anderem die zweite Fassung des sehr bekannten Bildes von Fritz von Uhde Lasset die Kindlein zu mir kommen, die erste Fassung ist in Leipzig zu bewundern). Der überwiegende Teil dieser Sammlung war ursprünglich im Museum in Stettin beheimatet, wurde im Krieg ausgelagert und in den Westen verbracht und in Schleswig-Holstein (Kiel) in einem Pommerschen Gedenkmuseum präsentiert. Nach der Wiedervereinigung wurde dann von der Bundesregierung die Entscheidung getroffen, dass in Greifswald das vorhandene Museum erweitert wird und die Werke somit wieder annähernd in die Stammregion kommen. Ob die Werke der klassischen Moderne im zweiten Stock – u.a. Nolde, Jawlenksky, Pechstein, van Gogh – ebenfalls zu diesem Erbe gehören, konnte ich nicht ausmachen. Auf jeden Fall schöne Werke.

Im Anschluss gönnte ich mir hinterm Rathaus das tagesobligatorische Eis und setzte die Stadtbesichtigung fort. Zunächst gleich Fehlanzeige beim Dom St. Nikolai, denn dieser ist komplett eingerüstet und offensichtlich nach wie vor (7. Bauphase) ein Sanierungsfall. Was man innen zu Gesicht bekommt, konnte ich nicht in Augenschein nehmen, da nur von 10-16 h geöffnet. Ums Eck in der Langen Straße 49 soll der Fachwerkhof St. Spiritus sehr beeindruckend sein, wegen einer Veranstaltung im sozio-kulturellen Zentrum wäre die Besichtigung ggf. nur gegen Cash möglich gewesen. Vom Markt bzw. vom Parkplatz dominant sichtbar ist die Kirche St. Marien, deren schmucker Giebel aus dem Jahr 1360 stammt und die eine Kanzel von 1587 enthält.

Morgen geht es nach Stralsund, wo ich mich den ganzen Tag aufhalten will, bevor ich zu einem Sonntagsausflug auf die Insel Rügen starte. Übrigens feiert mein Womo gewissermaßen morgen seinen einjährigen Geburtstag, weil am Freitag 20. Mai 2016 habe ich es beim Händler zur Jungfernfahrt abgeholt.

Eine Anmerkung zum Schluss: Wie es mit den weiteren Berichten klappt, muss sich herausstellen. Mit Blick auf mein 2 GB-Datenvolumen musste ich heute feststellen, dass bereits über 1,6 GB verbraucht sind, davon mehr als 1 GB allein gestern und heute einerseits durch das Notebook mittels Tethering, andererseits aber auch durch umfangreichere Android-OS-Dienste. Ich vermute, dass beides mit Sicherheitsupdates angesichts der Hackerangriffe am Wochenende zusammen hängen. We will see.

 

Noch ein Nachtrag zu den Naturfototagen. Nachdem ich gestern erstmals wieder meine Mails abholen konnte, eine frohe Botschaft vom Rheinwerk-Verlag. Bei einem Gewinnspiel am Stand habe ich einen schönen dicken großformatigen Bildband „Deutschlands Landschaften fotografieren“ gewonnen. Und Glückspilz hoch zwei, teilt mir doch die Zeitschrift COLOR FOTO gestern ebenfalls mit, dass ich Ende Juni Teilnehmer eines kostenlosen ganztägigen Workshops in Regensburg zur Smartphone-Fotografie mit dem HUAWEI P10 sein werde. Da steigt hoffentlich die Lernkurve.

Beste Grüße für heute
Atze