OstseeTour Frühjahr 2017 # 1

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

übers Wochenende war ich bei den Fürstenfelder Naturfototage 2017, Fürstenfeldbruck (s. Hinweis 2017 #6.0) – ein lohnender Event, wenn auch für mich etwas kostspielig. Nicht die Teilnahme selbst, denn die war für mich kostenlos, da ich nur die reichlichen Gratisangebote in Anspruch nahm, aber im Fotomarkt habe ich für über 300 € zugeschlagen und mir einerseits ein Set Rollei Rechteckfilter (Pol, Grauverlauf) samt Filterhalter mit Adapterringen passend für diverse Objektivdurchmesser sowie ein handliches, aber stabiles Reisestativ (Packmaß 29 cm) zugelegt nebst ein paar Kleinteile. Nahezu alle namhaften Kamerahersteller waren vertreten und reinigten um die Wette Kameras und Objektive und präsentierten nebenbei ihre wertigen Produkte, nur Panasonic glänzte mit Abwesenheit. CEWE bot in Kooperation mit dm-Markt mehrere Fotodirektbelichter zur kostenlosen Ausgabe von am Tag geschossenen Fotos. Neben der Klosteranlage boten mehrmals am Tage die Greifvogelflugschau, die Drohnenflugvorführung sowie Kamelreiten für die Jüngeren aktuelle Fotomotive, für die Kursteilnehmer an den ein- oder mehrtägigen Bezahlkursen bot Canon den Ausdruck auf Großformatdruckern. Daneben gab es den Start der diesjährigen Glanzlichter-Ausstellung mit größtenteils faszinierenden Naturaufnahmen sowie mehrere kleinere Ausstellungen u.a. von Fotoclubs sowie den Referenten. Von einem erwarb ich mir zwei DVD zum Thema Bessere Gestaltung von Reisefotografie. Dessen Vortrag hätte mich von den Bezahlangeboten als einziger interessiert, dummerweise lief er parallel zu einem anderen. DVD hat den Vorteil, dass man sie sich mehrfach ansehen kann. Ansonsten waren die Bezahlangebote die üblichen Vorträge aus ferneren Regionen oder auf einem Niveau, dem ich noch nicht gewachsen sein dürfte. Übernachtet habe ich übrigens von Freitag auf Sonntag auf dem öffentlichen kostenfreien Parkplatz unterhalb der Klosteranlage. Für längere Womos oder jene mit Strombedarf gibt es ein paar hundert Meter weiter jenseits des Flüsschens neuerdings einen offiziellen kostenpflichtigen Womo-Stellplatz.

Falls ich das Interesse geweckt haben sollte, die nächsten Publikumstage sind am 12./13. Mai 2018, Kurse beginnen schon ab 10. Mai.

Kaum zurück, bin ich Montagnacht zu meiner aktuellen Tour entlang der mecklenburg-vorpommerischen Ostseeküste aufgebrochen. Für die Anreise lasse ich mir 3 Tage Zeit für Zwischenetappen, die in diesem ausführlichen Bericht zusammengefasst sind, weil ich am ersten Abend keine Lust dazu hatte und am zweiten kein Netz.

 

Tag 1 Dienstag 16.05.2017 – Ostsee-Tour
Gotha / Bad Frankenhausen / Wittenberg / Berlin

Zwar war ich schon mehrfach in Gotha, aufs Schlossareal habe ich es bisher nicht geschafft. Diesmal bewog mich ein besonderer Reiz zu einem kleinen Abstecher, nämlich die Ausstellung Das Puschkin-Museum Moskau zu Gast. Meisterwerke der französischen Malerei im Herzoglichen Museum Gotha beim Schloss Friedenstein / www.stiftungfriedenstein.de

Wenn schon einmal da, gönnte ich mir für kleines Aufgeld auch gleich eine Schlossbesichtigung (die dortigen Spartenmuseen habe ich allerdings ignoriert). Das Herzogliche Museum präsentiert ein breites Spektrum der von den Ernestinern gesammelten Schätze vom vorchristlichen Ägypten, den Griechen, bis hin zu den Niederländern – letztere allerdings derzeit wegen Puschkin im Depot. Letztere hat mich nicht wirklich berauscht, hingegen sind die Sammlungsbestände an Cranach & Co erste Sahne. Kein Wunder, waren die Fürsten doch eng mit Luthers Schutz und somit mit seinem Hofmaler vertraut. Herausragend zwei Wandelaltäre, die an einem großen Panel umgeblättert und im Detail auf Knopfdruck erläutert werden. Der gewaltigste dieser Wandelaltäre war allerdings derzeit nur auf diese Weise zu betrachten, denn das Original wird derzeit restauriert und soll nach der Puschkin-Ausstellung mit einer großen Begleitausstellung (u.a. aus der Fürstenbergsammlung der Stuttgarter Staatsgalerie) im zweiten Halbjahr präsentiert werden.

Auf dem Schloss präsentieren sich die üblichen Gemächer mit weitgehend originaler Ausstattung und allerhand Deko sowie die in dieser Zeit üblichen Wunderkammer-Sammlung. Das Schloss könnte etwas Auslüften im doppelten Sinne vertragen, einerseits könnte die Präsentation etwas anregender daherkommen, andererseits muffelt es etwas.

Übernachtet habe ich übrigens von Montagnacht auf Dienstag auf einem Parkplatz auf der anderen Schlossseite, da ich nächtens aufgrund von Straßensperrungen und Umleitungen den Womo-Parkplatz in der Parkallee nicht erreicht habe. Parkmöglichkeiten gibt es auch wenige direkt beim Museum sowie in größerer Zahl direkt vor dem Schloss, dessen Zufahrt allerdings durch Poller blockiert ist, welche sich vermutlich nur während der Öffnungszeiten bei Anfahrt automatisch senken sollen.

Apropos Luther. Bevor Wittenberg (und Berlin) kommende Woche vom ev. Kirchentag gestürmt werden, wollte ich die Gelegenheit nutzen, dort vorbei zu schauen. Die Stadt habe ich mir schon vor zwei Jahren im Cranach-Jahr angesichts von Jubiläumsausstellungen im Augustinum/Lutherhaus sowie Cranachhaus angesehen, nun wollte ich eines der bekannten Panoramen von Yadegar Asisi zu Luther 1517 / www.wittenberg360.de in Augenschein nehmen. Eile dazu ist zwar nicht geboten, denn die Schau soll dort noch bis 31.12.2021 bestehen, aber es bot sich für diese Tour an. Ein beeindruckendes Wimmelbild dank Photoshop, für tieferes Verständnis ist der Audioguide wohl zu empfehlen, denn in der Schau selbst gibt es nur Musik und akustische Geräuschkulisse einschließlich einzelner Sprachfetzen von Dargestellten, Erläuterungen jedoch Fehlanzeige. Ich hatte leider wie üblich auf den Audioguide verzichtet. Faszinierend ist das Panorama auch bei der 24 h Simulation, durch lichttechnische Tricks (z.B. Schwarzlicht und entsprechend präparierte Szenen) werden einzelne Szenen herausgehoben. Vom integrierten Turm (mit Fahrstuhl in den ersten Stock, zu Fuß auch in den zweiten) sollte man nachts auch einen Blick auf die nun in den Fenstern der Kulissenwand hervortretenden Szenen werfen.

Während mich in Dresden das Panorama zur Bombennacht nicht interessiert hat, würde mich das zum Barock durchaus interessieren. Es wechselt sich wohl halbjährlich ab. In Pforzheim gibt es wohl ebenfalls – allerdings wohl nicht mehr lang – ein Panorama von Yagedar Asisi, Thema fällt mir aber gerade nicht ein und recherchieren kann ich es nicht, weil derzeit kein Internet. [Nachtrag: Thema ist Rom 312 und laut aktuellem Hinweis (07.02.2018) ist es zumindest noch das ganze Jahr 2018 zu besichtigen. Es lohnt sich, wovon ich mich im Juli 2017 überzeugen konnte: www.gasometer-pforzheim.de ]

Noch ein Tipp: Das Eiscafé Dolce Vita in der Collegienstrasse 11. Lecker.

Gern hätte ich in Wittenberg auch noch die aktuelle Ausstellung der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / www.christlichekunst-wb.de zu Barlach und Kollwitz gesehen, doch dafür reichte leider wegen Verzögerungen in Gotha und auf der Anfahrt von Bad Frankenhausen die Zeit nicht mehr. Wegen mehrerer Staus nahm ich eine Ausweichstrecke, die mir zwar diese ersparten, aber eben auch Zeit gekostet haben.

In Bad Frankenhausen wollte ich die derzeitige Sonderausstellung eines jungen Künstlers (Markus Matthias Krüger) in Augenschein nehmen, zu der es auf der Rückfahrt meiner letzten Tour nicht mehr gereicht hat. Die einzelnen Bilder haben mir zwar gut gefallen, allerdings zeigte die Ausstellung nach meinem Geschmack zu viele ähnliche Bildmotive, so dass Langeweile aufkam. Das dortige Bauernkriegspanorama von Werner Tübke sollte man m.E. unbedingt mal mit einer guten Führung oder dem Audioguide gesehen haben: www.panorama-museum.de

Bei meinen Wittenberg-Recherchen bin ich übrigens darauf gestoßen, dass Hundertwasser auch hier seine Spuren hinterlassen hat in Form der Hundertwasserschule / Philip-Melanchthon-Gymnasium, Schillerstraße 22a (www.hundertwasserschule.de). Bevor ich den Weg nach Berlin antrat habe ich mir davon noch einen Eindruck und ein paar Fotos verschafft.

Da ich in Berlin nur einen eintägigen Zwischenstopp einlegen wollte und ich dafür vor allem einen günstigen Parkplatz benötigt habe, von dem meine Ziele leicht mit dem Nahverkehr (Tagesticket 7 €) erreichbar sind, habe ich mir den Parkplatz-Stellplatz beim Olympiastadion Berlin, Olympischer Pl. 3, 14053 Berlin, 52.515194, 13.245311 ausgesucht, da in dessen Nähe sowohl eine S- wie U-Bahn-Station liegen. Der Platz kann an Tagen, an denen im Stadion kein Event stattfindet, zum kostenlosen zeitlich unbegrenzten Parken genutzt werden. Auch Übernachtung wird wohl geduldet. Allerdings zeigte sich der Pferdefuß erst, als ich auf den Platz einbog, nämlich eine Beschränkung auf 2,8t, also für die meisten Womos außer Bullis etc. untauglich. Da ich dies nicht ohne Not ignorieren wollte, blieb mir nichts weiter übrig, weil ich im Halbdunkel die Seitenstraßen nicht nach einem ruhigen Plätzchen absuchen wollte, eine Parkmöglichkeit in der Trakener Allee zu nutzen (Parkverbotsschild nur tagesbezogen auf den 20.05. – Fußballfans wissen warum. Vorsicht: Gegenüberliegende Seite absolutes Parkverbot, obwohl sich die wegen fehlender Anrainer noch besser eignen würde). Zwar fuhr alle 5-10 Minuten ein Auto entlang, später dann weniger, dafür ab 7 Uhr wieder in höherer Frequenz – trotzdem habe ich gut geschlafen. Und zur S-Bahn war es sogar noch näher.

 

Tag 2 Mittwoch 17.05.2017 – Ostsee-Tour
Berlin / Eberswalde / Niederfinow / Kloster Chorin

Vom Olympiastadion direkt zum Hauptbahnhof gefahren und dann wenige 100 Meter seitwärts besichtigte ich die Ausstellung Rudolf Belling im Museum der Gegenwart im Hamburger Bahnhof Berlin / www.smb.museum

Belling war anfangs des 20. Jahrhunderts ein angesagter moderner Bildhauer. Von ihm stammen u.a. der Entwurf zum Film GOLEM sowie eine bekannte Max-Schmeling-Figur, aber auch einige häufiger abgebildeten abstraktere Kopfdarstellungen. Kein Wunder, dass er nicht zur Kunstauffassung des Dritten Reichs passte. Obwohl er seinen Wohnsitz in Deutschland behielt, war er in dieser Zeit in den USA und längere Zeit in der Türkei tätig. Eine sehenswerte Ausstellung.

Die weiteren Ausstellungen (u.a. Sammlung Marx und eine große Schau zu Installationen von Beuys bis Flavin) fanden weniger mein Gefallen. In einem Seitenflügel kann man übrigens bei Sarah Wiener speisen. Parkplätze liegen einige auf der Seite zum Sozialgericht.

Wieder einige Stationen mit der S-Bahn zurück besuchte ich die beiden Fotoausstellungen William Klein und Harf Zimmermann im C/O Berlin / www.co-berlin.com

William Klein zeichnete sich in den 50igern als Streetphotographer in New York aus, siedelte dann nach Paris über, dokumentierte das Alltagsleben dort und später die Studentenbewegung und griff diesen dokumentarischen Stil auch für seine Modeaufträge für Vogue u.a. auf. Auch experimentierte er mit Photogrammen und Bewegungsfotografie bis hin zur Abstraktion. Daneben betätigte er sich als Schriftgrafiker und experimenteller Filmemacher. Die in der Ausstellung präsentierten Fotos beeindrucken.

Harf Zimmermann ist ein Mitbegründer der Fotoagentur Ostkreuz und hat in den 80ern die Bewohner in seiner Straße dokumentiert. Ein interessantes Projekt, welches aber wie auch die seriellen Aufnahme der Bechers durch die Menge auch etwas Langeweile aufkommen lassen, wenn der persönliche Bezug zum Bildgegenstand fehlt. Es mangelt am Exemplarischen eines August Sander.

Gleich über die Straße wollte ich noch eine Ausstellung im Museum für Fotografie – Helmut Newton Foundation Berlin  / www.helmutnewton.com besichtigten, zu meiner Überraschung ist diese letztes Wochenende zu Ende gegangen. Da lag wohl ein Recherchefehler vor.

Also machte ich mich mit dem Bus auf zum derzeitig angesagtesten künstlerischen Berlin-Event the haus. berlin art bang* / www.berlingraffiti.de, allerdings war ich mit diesem Gedanken verständlicherweise und leider nicht alleine. Vor dem Haus eine dickere längere Besucherschlange. Nachdem ich eine Wartende aus der mittleren Länge befragte, seit wann sie schon ansteht (zwei Stunden), war für mich klar, dass der Event mit mir nichts mehr zu tun hat. Demnächst werde ich es in München versuchen, wo ein ähnliches, aber kommerzielles Graffiti-Projekt noch bis 03.09.17 zu besichtigen ist: Magic City. Kunst der Strasse, Olympiapark München Kleine Olympiahalle. In Berlin ist der Eintritt – wenn man reinkommt – frei, Spende erwünscht. Fotografieren verboten. Ein ehemaliges für den Abriss vorgesehenes Bankgebäude wurde temporär von internationalen Graffiti- und Street-Art-Künstlern umgestaltet.

Also habe ich die Kehrtwende eingelegt und bin zum Womo zurück und um halb drei den Weg nach Eberswalde eingeschlagen. Laut Navi sollte ich um viertel vor vier dort ankommen, rote Ampeln und lange Staus bis in die Randbereiche von Berlin haben daraus dann viertel vor fünf werden lassen.

Trotzdem hat es noch gereicht, einen Programmpunkt vom nächsten Tag vorzuziehen, nämlich den Besuch des Paul Wunderlich Hauses Eberswalde / www.paul-wunderlich-haus.de. In Wahrheit entpuppte es sich als Landratsamt, welches auf seinen drei Etagen umfangreich das Werk des dort geborenen Künstlers präsentiert. Bekannt war er vor allem als Lithograph und Plastiker, der von Hamburg aus den Kunstmarkt mit zahlreichen Auflagenobjekten bediente. Dem Figürlichen zeitlebens verbunden, entwickelte er einen unverwechselbaren eigenen surreal und mystisch angehauchten Stil.

Die Stadt selbst bot zumindest auf den ersten Blick nicht allzu viele Reize. Die Altstadt beschränkt sich auf ein kleines Gebäudeensemble mit Fachwerk bzw. Architektur des ausgehenden 19. Jh., eine schöne Backsteinkirche auf der Anhöhe hinter dem modernen Stadtzentrum sowie leicht abseits die historischen Akademie-Gebäude der heute noch bestehenden Forstakademie an einem kleinen Stadtpark. Sehenswert soll auch der Tierpark sein.

Nach kurzem Rundgang, einem leckeren Eis in der Tüte (Eiscafé am Marktplatz) beschloss ich, zum Schiffshebewerk Niederfinow / www.schiffshebewerk-niederfinow.info zu fahren. Ursprünglich wollte ich dort auf dem Parkplatz mit extra Womo-Bereich übernachten (9-20 h 3 €, nachts kostenlos), um anderntags Eberswalde aufzusuchen. Da sich dies nun erledigt hat, besichtigte ich das Hebewerk von außen. Beim Hebewerk gibt es eine große Besucherinformation und tagsüber kann man auch ins Hebewerk gehen. Dies entfiel um diese abendliche Uhrzeit, allerdings lief der Betrieb noch weiter, und so konnte ich die Funktionsweise wenigstens von außen besichtigen. Zwei kleinere Boote fuhren im Oder-Havel-Kanal oben in die Aufzugswanne hinein, wurden dann 38m abgesenkt und unten in die Kanalfortsetzung entlassen. Es soll sich um das älteste in Betrieb befindliche deutsche (seit 21.03.1934) und größtes Schiffshebewerk in Europa handeln. Weil die Kapazität nicht mehr ausreicht, wird daneben ein noch größeres errichtet. Jährlich sollen übrigens rund 300.000 Besucher kommen, angesichts des großen Parkplatzes und der Verpflegungseinrichtungen am Platz nachvollziehbar. Noch ein Tipp: Man kann auch eine Schifffahrt allein zu Demozwecken buchen, sozusagen die Innensicht miterleben.

Zum Übernachten bin ich gleich wenige Kilometer weiter zum Parkplatz des Kloster Chorins gefahren. Dort sind zwar auf dem Ticketautomat Womos vorgesehen, die Parkareale sind jedoch nur für PKW (und die nicht üppig) und Busse vorgesehen. Ein unparzellierter Parkplatz nebenan ist leider mit Schranke verschlossen.

Tag 3 Donnerstag 18.05.2017 – Ostsee-Tour
Kloster Chorin / Schloss Boitzenburg / Neubrandenburg

Die Gegend eignet sich für Radaktive auch vortrefflich. Der Landkreis Barnim hat extra ein dickes Heft mit detaillierten Radtouren inkl. Ladestationen für Pedelec aufgelegt. Auch an Wanderer ist gedacht / www.barnimerland.de. Die UNESCO hat das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin als besonders schützenswert anerkannt, ebenso das Buchenwaldgebiet um Gromsin.

Schon am Abend habe ich einen Fotospaziergang zum einige hundert Meter entfernten Kloster unternommen, der Zugang in den Innenbereich ist jedoch nur während der Öffnungszeiten möglich. Morgens um kurz nach 9 war ich der erste Besucher im ehemaligen Zisterzienserkloster Chorin / www.kloster-chorin.org, welches als solches Opfer der Reformation geworden ist. Nach Zwischennutzung zu landwirtschaftlichen Zwecken – das Kirchenschiff wurde zeitweilig als Stall genutzt – wurde es in späteren Jahrhunderten zunehmend dem Verfall preisgegeben. Karl Friedrich Schinkel entdeckte die Klosterruinen eher zufällig und setzte sich beim König für die Renovierung ein. Zwar wurde dem Kirchenschiff wieder ein Dach verpasst, die offene rechte Seitenwand ist jedoch bis heute geblieben. Außer als Museum dient die Ruine als offener Konzertraum. Die aktuellen Ausstellungen zur Geschichte des Klosters, aber vor allem die medial attraktiv aufbereitete zur Restaurierungsgeschichte seit Schinkel sind sehenswert.

Nach gut zwei Stunden setzte ich meine Fahrt unter Vermeidung von Bundesstraßen und Autobahnen zum Schloss Boitzenburg (Uckermark) / www.schloss-boitzenburg.de fort. Das schön gestaltete ursprüngliche Renaissance-Wasserschloss hat zwar durch die Geschichte barocke Anklänge erfahren, steht aber wie aus einem Guss prachtvoll da. Seit 2003 wird es nach eingehender Renovierung als Kinder- und Jugendhotel genutzt, dient also primär als Schullandheim und Familienhotel. Obwohl es eine Zufahrt zur Insel gibt, sind die Besucherparkplätze auf dem Festland beim ehemaligen Marstall, der heute eine Schau-Schokoladen- und Kuchen- und Eis-Manufaktur / www.marstall-boitzenburg.de  mit Bewirtung (Selbstbedienung) beinhaltet. Aufgrund der höheren Temperatur war mir jedoch eher nach etwas Erfrischendem und habe mir daher eine Mandarinen-Quark-Torte und einen Pott hausgemachte Trinkschokolade geleistet. Beides Lecker.

Anschließend warf ich am Ortsrand noch einen Blick auf die malerische Klosterruine, die Caspar David Friedrich gut als Motiv hätte dienen können, ihm hat aber die Klosterruine Eldena nahe seinem Geburtsort Greifswald ausgereicht. Vom ehemaligen Komplex stehen noch viele Meter hohe Eckwände sowie eine alleinstehende Giebelwand. Knapp hundert Meter daneben ist die als Technisches Denkmal umgewidmete Klostermühle als Museum zu besichtigen. Mir stand jedoch nicht der Sinn danach.

Also ging es über beschauliche Straßen, häufig als Alleen gestaltet, und durch die Feldberger Seenlandschaft aus Brandenburg hinaus zum heutigen Abschlussziel Neubrandenburg, welches irreführend trotz seines Namens im Zielland Mecklenburg-Vorpommern liegt. Zunächst steuerte ich den gebührenpflichtigen Parkplatz für Busse und PKW am Stargarder Tor (Weidenweg, Tagesparkschein 2 €) an, besann mich dann aber auf den kostenfreien Großparkplatz beim Veranstaltungszentrum/Jahn-Sportpark, Parkallee 1A. Er hat den Vorteil, dass er direkt an die Parkanlagen grenzt, durch die man mit dem Fahrrad nach wenigen Minuten (1 km) am Altstadtring ist. Auch der Tollensee ist nur knapp 200m entfernt, was ich am Spätnachmittag in den Abend hinein lesend auf einer Parkbank genoss. Zunächst suchte ich jedoch die Kunstsammlung Neubrandenburg / www.kunstsammlung-neubrandenburg.de auf. Dort hatte am Vorabend die Sonderausstellung Unbeschreiblich surreal – Meret Oppenheim und ihre Weggefährten Vernissage, außerdem interessiert ich mich für die ständige Ausstellung Malerei und Plastik aus dem Bestand der Kunstsammlung.

Als Folge der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg sowie Raubkunst gegen Kriegsende hat die Kunstsammlung nahezu ihren kompletten damaligen Bestand verloren, weshalb sich die Präsentation auf durchaus namhafte Nachkriegskunst beschränkt (u.a. Daniel Spoerri, Andrea M. Flaig). Da ich außer eine Schülergruppe mit Lehrerin der einzige Besucher war, heftete sich die junge Aufsicht wie eine Klette an mich, was bei 2m Abstand und ständigem Beobachtet werden ein eigentümliches Gefühl hervorgerufen hat.

Die Stadt wurde offensichtlich zwar großflächig zerstört, die Stadttore und die umlaufende Stadtmauer mit ihren Wächterhäuschen (Wiekhäuser, allerdings nicht mehr alle 56) stehen aber (wieder) prächtig da. Letztere werden heute als kleine Wohn- oder Geschäftshäuser genutzt, in einem ist „das wahrscheinlich kleinste Versicherungs-Museum der Welt“ untergebracht. Besondere Schmuckstücke sind das Treptower Haupttor, das Friedländer Tor, das Neue Tor sowie das bereits erwähnte Stargarder Tor. Dort jenseits des Friedrich-Engels-Rings geht es rechts vor dem Tanzhaus in den Park und an dessen Beginn steht die empfehlenswerte Eisbar. An der zentralen Stargarder Straße stehen die beiden schmucken Kirchenbauten aus Backstein. Während die besonders prächtige St. Marienkirche als Kleinod der Backsteingotik 1945 komplett zerstört und erst von 1998 bis 2001 zu einer innen modernen Konzertkirche ausgebaut wurde, wird die St. Johanniskirche als ehemaliges Gotteshaus des ehemaligen Franziskanerklosters von der evangelischen Kirche genutzt und beinhaltet angeblich im Innern interessante Zeugnisse der sakralen Kunst, die mir aber verwehrt blieben, weil die Kirche wenige Minuten vorher geschlossen wurde.

Bei leichtem Lüftchen ließ ich den Spätnachmittag wie bereits erwähnt auf einer Parkbank beim See ausklingen. Nachdem ich alle Schotten des Womo dichtgemacht und während dem Schreiben Zugluft hergestellt habe, sind die Temperaturen im Mobil sehr erträglich. So werde ich wohl nicht mehr an den in einer Waldlichtung liegenden Parkplatz Am Augustabad (GPS 53.531408, 13.245523 bzw. GPS 53°31’53,5“ N 13°14’45,5“ O) ausweichen, es sei denn, die Jugend des Ortes gibt die mäßig laute Mitnutzung des Großparkplatzes mit Skateboards und getunten Mofas und Plausch bei Einbruch der Dunkelheit nicht auf.

Beste Grüße für heute
Atze