Ostdeutschland-Tour Frühjahr 2017 # 4

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

kleine Korrektur und Ergänzung zum letzten Bericht: Der Übernachtungsparkplatz am Tierpark Weißwasser hat entgegen einigen Internetquellen laut meinem Navi die Adresse Teichstraße 49 und die Koordinaten GPS 51°30’41.65“ N 14°38’12.78“ O. Auch ist die Angabe von 10 Plätzen irrelevant, da es sich um einen normalen Parkplatz für die Besucher vom Tierpark und dem daneben liegenden Freibad (Saison Mai-August) handelt. Obwohl nur PKW-Plätze angezeichnet sind, ist der Platz durch Schild auch für Womos zugelassen. Laut den Gemeindearbeitern, mit denen ich morgens geplauscht habe, wird er diesbezüglich aber noch sehr zurückhaltend frequentiert, auch in der Hauptsaison. Tagsüber wird man wegen den Bade- und Tierparkgästen aber vermutlich in der Saison in Konkurrenz liegen. Er liegt aber sehr ruhig, morgens machte sich allerdings ein Affe permanent und lauthals Luft.

Einer der Arbeiter gab mir u.a. den Tipp, dass der Lausitzer Findlingspark Nochten bei Boxberg / www.findlingspark-nochten.de ebenfalls ein lohnendes Ziel und einmalig in Europa sei, wenn man an der Natur Freude hat. Neben den namengebenden Findlingen aller Art sollen sehr schöne Blumenarrangements angelegt sein und auch weitere Attraktionen.

 

Tag 5 Montag 3. April.2017 – Ostdeutschland-Tour
Bad Muskau / Burg (Spreewald) / Gräbendorfer See

Bad Muskau bietet mehrere kostenpflichtige Parkplätze. Bei den meisten muss man aber den Parkzettel vorab mit Zeitvorgabe lösen. Der offizielle Parkplatz Orangerie am Neißedamm (direkt vor der Brücke zu Polen links abbiegen) des Fürst-Pückler-Parks ist ein Schrankenparkplatz, d.h. bezahlt wird nach Parkdauer hinterher.

Mit dem Rad habe ich zunächst die direkt angrenzenden Wirtschaftsgebäude angefahren (u.a. Parkgärtnerei mit Ananasgewächshaus, welches man wohl gegen Gebühr besichtigen kann (zumindest ist am Eingang ein Drehkreuz installiert, so wie es auch im Schloss mehrfach zu finden ist). Um 10 Uhr löste ich im Schloss eine Eintrittskarte für die Ausstellung „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!“, wohingegen ich auf das kostenpflichtige Besteigen des Schlossturmes wegen der 126 Stufen ab der obersten Aufzugebene (2. Stock) verzichtete.

Die Ausstellung war die Beste ihrer Art, die ich seit langem besichtigt habe. Sehr informativ, inhaltlich und methodisch sehr abwechslungsreich. Sie verknüpft Text- und Bildtafeln mit Schauobjekten und akustischen Beiträgen, bietet gefilmte Theaterszenen, in denen sich Pücklers Zeitgenossen wie Goethe, Heine, Bettina von Armin, Herwegh u.a. kritisch und begeistert über ihn unterhalten. Der Clou ist gegen Ende der Ausstellung, dass man mit einem Ein-Schienen-Waggon durch gezeichnete Parkentwürfe gelotst wird. Nachdem Fürst Pückler als Dandy und Briefschreiber einen legendären Ruf hatte und er eine Art Musterbuch für Liebesbriefe verfasst hat, kann man in der Ausstellung über einen Automat sich mit seinen Textbausteinen einen Liebesbrief generieren. Gelesen habe ich ihn noch nicht, das wird nach Abschluss dieses Berichts geschehen.

Statt der veranschlagten Stunde habe ich fast zwei darin verbracht, obwohl ich manches von seinen Reiseberichten nur überflogen habe.

Leider waren die Wetterbedingungen nicht ideal, zwar trocken, aber bewölkt und deutlich kühler als die letzten Tage (13°). So bin ich anschließend ohne allzu lange Zwischenstopps (außer für ein paar Fotos) die deutsche Seite des Parks abgefahren. Ausgelassen habe ich neben dem polnischen Teil auch den Bergpark, der sich auf der anderen Seite des Städtchens erstreckt.

Stattdessen zog es mich wenigstens zum Reinschnuppern in den Spreewald zum Hafen Waldschlösschen im Kurort Burg / www.spreewaldhafen-online.de. Obwohl ich der einzige Fahrgast war, starteten wir um 15.30 h zu einer gut eineinhalbstündigen Rundtour durch die Fliesen. Zwar kroch auch hier die Kälte und aufkommender leichter Wind unter die Klamotten, doch die Fahrt war anregend und aufgrund der „Zweisamkeit“ besonders informativ.

Zum Übernachten habe ich den Stellplatz Gräbendorfer Strand, L 52 Gräbendorfer Strand, 03229 Altdöbern / Reddern, www.camping-graebendorfersee.de, 40 Plätze, GPS 51°41‘31“ N 14°6‘7“ O,  angesteuert, da ich sicherheitshalber mal meine WC-Kassette entleeren (dafür steht ein Bodenfass zur Verfügung, in das man seinen Tank reinkippt – nicht jedermanns Sache) und meinen Fahrrad-Akku aufladen wollte (ich habe für Übernachtung inkl. einer KWh 9 € bezahlt). Der Platz liegt schön am See und dient wohl auch Badegästen und Surfern und Seglern als Anlaufstation, oberhalb des Platzes ist ein großer befestigter PKW-Parkplatz für die reinen Badbesucher, wohingegen für die Camper/Womos mehr oder minder unebene Wiesen zur Verfügung stehen, also nicht parzelliert. Stromkästen sind einige über das Grundstück verteilt (lange Leitung also empfehlenswert, notfalls hilft der Platzbetreiber aus – Anschlüsse sind normale Schuko, also ggf. Adapter notwendig) und ich habe einen ebenen Platz gefunden, zumal noch dünn besiedelt. Der Platz ist noch im Aufbau begriffen, die Bauanlagen sehen auf den ersten Blick eher improvisiert aus. Für Dusche/WC steht ein Baucontainer zur Verfügung, demnächst soll noch ein zweiter dazukommen.

Auch mein Netzbetreiber O2 scheint hier noch zu improvisieren, denn der Versand dieses Berichts ist mangels Netz bzw. ständig zusammenbrechend vorerst gescheitert. Morgens war der Empfang auf dem Smartphone OK, trotzdem hänge ich jetzt den Bericht des heutigen Tages gleich an.

 

Tag 6 Dienstag 4. April.2017 – Ostdeutschland-Tour
Cottbus / Eisenhüttenstadt / Frankfurt/Oder / Rödersdorf

Hätte ich nicht schon gestern Abend den Entschluss gefasst, den Pückler-Park & Schloss Branitz bei Cottbus auf andermal zu verschieben, wäre die Entscheidung spätestens beim Anblick des morgendlichen Wetters gefallen. Nieselregen und noch weiter abgekühlt.  So wird der heutige Tag weitgehend zu einer Ausstellungstour.

Unter dem Titel Schlaglichter. Sammlungsgeschichten tauschen die beiden Museen in Cottbus und Frankfurt/Oder eine Sammlungspräsentation ostdeutscher Kunst aus, ergänzt durch Bestände des Kunstarchiv Beeskow (DDR-Kunst), als dritte Station der Präsentation kommt Eisenhüttenstadt hinzu, die sich auf die Sammlung Beeskow konzentriert.

Um 10 h stehe ich also im dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Das ansehnliche Backsteingebäude wurde vor etwa 10 Jahren nach intensiver Umbau- und Renovierungsphase als Kunstmuseum eröffnet. Die Ausstellung dort hat mir sehr gut gefallen. Trotz Nieselregen bin ich anschließend in die direkt angrenzende Altstadt, von der aber offensichtlich nicht allzu viel übrig geblieben ist. Ob die wenigen sichtbaren historischen Fassaden um Kirche und insbesondere am Altmarkt tatsächlich noch alte Bausubstanz sind oder nur wiederaufgebaute Fassaden, ist schwer zu erkennen. Allerdings mischen sich weitflächig Bauten der Nachkriegsmoderne darunter. Die Industriebauten um das Dieselkraftwerk sind aber ein historischer und visueller Leckerbissen. Der mächtige Kirchenbau St. Nikolai, eine spätgotische Backsteinkirche, ist im Jahr 1945 ausgebrannt und im Folgejahr teilweise eingestürzt. In den 60ern wurde sie wieder aufgebaut und auch Teile der frühbarocken Ausstattung konnten wieder renoviert werden. Insgesamt ist die Ausstattung sehr sparsam und der Stilbruch fällt dadurch besonders ins Auge.

Weiter ging die Fahrt zum Dokumentationszentrum der Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt. Dieses wurde in den 90ern in einem ehemaligen Kinderhort errichtet, dessen Gebäude in der Frühphase der Stadtgründung Anfang der 50ern in einem Stil errichtet wurde, der eher an repräsentative Monumentalbauten erinnert. Neben der Schlaglichter-Ausstellung (2. Teil) habe ich mir auch die ständige Ausstellung angeschaut, auch wenn museumsdidaktisch keine Faszination entfaltet wurde.

Letzter Teil der Ausstellung war dann im Museum Junge Kunst Frankfurt/Oder zu betrachten, dort auf zwei Ausstellungsräumlichkeiten aufgeteilt, nämlich dem Rathaussaal des historischen und prächtigen Rathausbaus am Marktplatz und um die Ecke im sogenannten Packhof, ein altes herausgeputztes Gebäude an der Oder in der C.Ph.E-Bach-Straße, wo sich übrigens auch besonders ausgewiesene Stellplätze für Busse und Womos befinden. Dieser dritte Teil, der sich wesentlich auf die Sammlung von Cottbus stützt, hat mir abgesehen von wenigen Einzelstücken am wenigsten gefallen.

Bis auf die erwähnten historischen Gebäude scheint ansonsten die historische Bausubstanz weitgehend vernichtet worden zu sein. Erwähnenswert sind lediglich gegenüber dem Rathaus das Bibliotheksgebäude und die gewaltige Marienkirche, die leider nicht zu besichtigen war. Dies war besonders schade, denn vor Jahren hat Russland die über hundert 1945 abmontierten historischen Glasfenster wieder zurückgegeben. Für literarisch Interessierte möchte ich noch auf das Heinrich-von-Kleist-Museum in seiner Geburtsstadt hinweisen, wenige Meter vom Packhof entfernt.

Nun stehe ich zum Übernachten auf einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz in Rüdersdorf vor Berlin, Heinitzstraße (GPS 52°28’27.984“ N 13°46’35.832“ O). Der Platz ist sehr groß (offiziell wohl für 10 Mobile ausgelegt), wird derzeit aber weitgehend von einer irisch-britischen Caravan-Gruppe okkupiert, die klassisches Campingverhalten an den Tag legen, auf den Zufahrtswegen mobile Satellitenschüsseln aufgestellt haben und auch sonst eher lebhaft sind. Es könnte sich um fahrendes Volk handeln. Laut App Womo-Stellplatz.eu soll V/E und Strom zur Verfügung stehen, gesichtet habe ich sie im Durcheinander der Platzbesiedelung nicht. Bin mal auf die Nachtruhe gespannt.

Beste Grüße für heute
Atze