Ostdeutschland-Tour Frühjahr 2017 # 3

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Sonne begrüßt mich am zeitigen Sonntagmorgen. Nach etwas mehr als einer Stunde bin ich startklar. Zunächst führt mich der Weg doch nach Polen, wenn auch nur zum Tanken in Zgorzelec (polnisches Görlitz). Dank der App mehr-tanken, die bei Eingabe eines ausländischen Ortes auch die dortigen Dieselpreise (Diesel auf Polnisch ON) ausspuckt, habe ich ermittelt, dass im polnischen Görlitz heute der Diesel für 0,99 € / 4,19 PLN zu haben ist. Der kleine Umweg lohnt sich bei den bisher verfahrenen 79 Litern.

Tag 4 Sonntag 2. April.2017 – Ostdeutschland-Tour
Görlitz / Kromlau / Weißwasser/O.L.

Dann steuerte ich den Obermarkt in Görlitz an. Dies ist der zentrale großflächige Markt und gleichzeitig Parkplatz. Ein weiterer zentrumsnaher noch größerer Parkplatz ist in der übernächsten Elisabethenstraße. Am Kopf des Obermarktes steht mit dem ersteigbaren Reichenbachturm der höchste Görlitzer Wachturm, ich habe mir aber die Strapaze verkniffen. Gegenüber am Platz des 17. Juni steht der Kaisertrutz, das Kulturhistorische Museum Görlitz. Bis auf den Eingangsbereich handelt es sich hier um einen mehrgeschossigen Rundbau, was für die Besichtigung sehr angenehm ist, weil man irgendwo beginnt und an derselben Stelle endet. Im 3. Stock ist die Galerie der Moderne: Kunst des 20./21. Jahrhunderts mit Regionalbezug zu Görlitz bzw. Schlesien präsentiert. Im 2. Stock lief gerade eine Ausstellung zur Erfahrungswelt DDR, zu der Görlitzer Bürger eigene Erinnerungsstücke (positive wie negative) samt zugehöriger Bedeutungsgeschichte beigesteuert haben. Im 1. Stock ist Görlitzer Kultur-, Politik- und Wirtschaftsgeschichte seit 1300 angerissen. Im nicht besichtigten Untergeschoss wäre dann die Vorgeschichte bis 1300 dargestellt.

Danach setzte ich meine vor 10 Uhr begonnene Altstadterkundung fort. Direkt neben dem Kaisertrutz befindet sich das Theater, unweit davon der Dicke Turm sowie das Jugendstil-Kaufhaus und die Frauenkirche. Die beiden letzteren waren nur von außen zu besichtigen, da derzeit Renovierungsarbeiten anstehen. Zurück am Obermarkt besichtigte ich die imposante Dreifaltigkeitskirche, deren Anfänge auf 1234 zurückgehen, die heutige Gestalt jedoch nach mehreren Um- und Überbauten um 1508 erhielt. Das Chorgestühl mit der Franziskanerchronik ist spätgotisch (1484) ebenso wie der Schnitzaltar Goldene Maria in der angrenzenden Barbarakapelle. Gegenüber steht der bedeutendste Barockbau am Obermarkt Nr. 29, wobei die besonderen bauhistorischen Prunkstücke im Innern sind (gewölbte Eingangshalle über die gesamte Tiefe, bemalte Holzbalkendecken und barocke Stuckdecken), die sich meinen Blicken verbargen.

Der Obermarkt mündet geradewegs in die Brüderstraße, an deren Beginn die Touristinfo angesiedelt ist, und von eindrucksvoller überwiegend barocker Architektur gesäumt ist, vereinzelt auch noch mit Renaissancenachklängen. Auf Höhe des Untermarktes steht in der Brüderstraße 8 mit dem Schönhof eines der ältesten Renaissancebürgerhäuser aus dem Jahr 1526, welches noch in originaler Anlage erhalten ist. Es beinhaltet das Schlesische Museum Görlitz, dessen Besichtigung die wechselvolle Geschichte des Landstrichs zwischen Habsburgern und Preußen, Deutschen und Polen in den verschiedensten Lebensbereichen nahe bringt.

Zeit für eine Stärkung am Untermarkt. Kartoffelsuppe mit geschnittenen Wienerwürstchen und Brot scheint ein Nationalgericht zu sein, da ich es von Dresden bis Görlitz auf nahezu jeder Speisekarte unter den Suppen aufgeführt sah und sie hat gemundet. Zum krönenden Abschluss aber dann zurück in süddeutsche Gefilde mit einer Schwarzwälder Kirschtorte. Von meinem Sitzplatz hatte ich direkten Blick auf das imposante Rathaus.

Als letzter Museumsbesuch für heute stand in der Fortführung der Brüderstraße, der Neißstraße 30, der Besuch des  Barockhauses an, welches auch zum Kulturhistorischen Museum gehört. Wenn heute am 1. Sonntag im Monat nicht sowieso freier Eintritt gewesen wäre, hätte zusammen mit dem Kaisertrutz ein Kombiticket Sinn gemacht. Am Beispiel einer bürgerlichen Familie wird deren Wohngewohnheit präsentiert, daneben werden diverse Aktivitäten der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften beleuchtet, in deren Besitz das Haus 1807 überging.

Nach rund fünf Stunden auf den Füßen war trotz Essenpause das Durchhaltevermögen empfindlich geschwächt, so dass ich als letztes Ziel nur noch die etwas abseits oberhalb des Neißeufers gelegene imposante Peterskirche ansteuerte. Die Sonnenorgel konnte ich nur besichtigen, wohingegen täglich um 12 Uhr auch ihr Klang zu vernehmen wäre.

Am mittleren Nachmittag verließ ich Görlitz und steuerte den Kromlauer Rhododendronpark an, wobei mir durchaus bewusst war, dass es für die Blütezeit noch zu früh war. Die Parkanlage wurde ab 1844 aus privater Initiative angelegt und ist frei zu besichtigen. Besonderer überregionaler und fotogener Anziehungspunkt ist eine künstliche Rundbogenbrückenruine, die Rakotzbrücke (diese bitte keinesfalls betreten, da statisch nicht belastbar). Der Eine oder die Andere hat evtl. schon Aufnahmen von ihr im stimmungsvollen Licht gesehen, ich musste mit dem Vorlieb nehmen, was sich geboten hat – aber der kleine Abstecher lohnt sich und sicher noch mehr, wenn der Park in Blütenpracht steht.

Nachdem diese Parkanlage nur wenige Kilometer von Bad Muskau und meinem Übernachtungsparkplatz am Tierpark Weißwasser, Teichstraße, 02943 Weißwasser/O.L.(10 Plätze, ganzjährig, kostenlos, kein V/E/Strom, GPS 51°30’43.783“ N 14°38’11.882“ O) entfernt liegt, wollte ich mir das Fotomotiv nicht entgehen lassen und habe mit dem Rad noch eine kleine Parkerkundung vorgenommen.

Beste Grüße für heute
Atze