Ostdeutschland-Tour Frühjahr 2017 # 2

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

zeitig am Morgen sage ich Dresden für dieses Mal Adieu und fahre nach Meißen. Obwohl ich nicht ausgesprochen ein Fan von Porzellan bin, so will ich doch eine Stippvisite in der legendären Meißner Porzellan-Manufaktur (Talstraße 9, großer Besucherparkplatz oberhalb) machen.

 

Tag 3 Samstag 1. April.2017 – Ostdeutschland-Tour
Meißen / Moritzburg / Bautzen

Tatsächlich hat sich die dortige Besichtigung so ausgeweitet, dass zusammen mit einer späteren Verzögerung mein angepeiltes Tagesprogramm ins Rutschen kam. Die Manufaktur öffnet täglich die Pforte um 9 Uhr für die Besucher. Da ich die Albrechtsburg ebenfalls noch besichtigen wollte, löste ich ein Kombiticket (gibt’s mit der Dresden Museums Card ermäßigt, wobei ich nicht ausloten musste, ob dies auch noch am dritten Tag gilt, weil eigentlich gilt sie ja nur zwei Tage für den freien Eintritt in den Dresdner Museen – aufgrund meiner Schwerbehinderung war es für mich sowieso noch günstiger).

Die kurze Wartezeit bis zur Produktionsvorführung überbrückte ich mit dem Shop. Besonders angesprochen haben mich dabei wieder die Figuren, wenngleich auch unter den Vasen und dem Geschirr erlesene Stücke waren. Da es sich bei fast allem um handwerklich gefertigte Stücke unter Zuhilfenahme von maschineller Vorfertigung oder Schablonen handelt, sind die Preise auch gehoben.

Die Produktionsvorführung ist in verschiedene Schauräume aufgeteilt, in denen eine Person die jeweilige Fertigungsstufe vorführt, begleitet von Erläuterungen vom Band (mit ergänzenden Live-Anmerkungen) und Filmeinspielungen. Faszinierend.

Auch die Entwicklung des Meißner Porzellans seit seiner Erfindung bis heute, die im umfangreichen Museum präsentiert wird, hat mich in seinen Bann geschlagen, weit mehr, als ich das vor dem Hintergrund der Porzellansammlung im Zwinger geahnt habe. Tja, und dadurch ist die Zeit einfach fortgelaufen. In jedem Fall empfehlenswert.

Leider habe ich das Angebot des Shuttle-Busses, der im Halbstundentakt zwischen Manufaktur und Albrechtsburg sowie der Altstadt pendelt (5 €) verworfen, weil ich auf der Webseite des Schlosses gelesen hatte, dass vom Parkplatz ein Aufzug hinauf fährt und ich das Ensemble von unten fotografieren wollte. Direkt unterhalb gibt es mehrere Parkplätze, die auch für Womos geeignet sind. Parkschein für zwei Stunden gelöst und nach dem Aufzug Ausschau gehalten. Weit und breit kein Hinweisschild und auch kein Orientierungsplan. Letztendlich hat sich später herausgestellt, dass der Panoramaaufzug auf der rückwärtigen, der Elbe abgewandten Seite vom Parkdeck in der Meisastraße hochfährt. Wer weiß, ob ich dieses Deck überhaupt mit dem Womo benützen könnte. Klagen hilft nichts, also bin ich die Schloßstraße hinauf gestapft. Ging mir auf Puste und Knochen, zumal dieses unregelmäßige sächsische Kopfsteinpflaster erschwerend hinzukam. Heftig atmend dann nach reichlich Zeit oben angekommen (mit ein paar Fotopausen, was erholungsmäßig wieder sein Gutes hatte), habe ich zunächst den Dom besichtigt. Von außen ein imposantes Gebäude, das direkt mit dem Schloss verwachsen ist. Innen jedoch ist der gotische Bau noch karger als für diese Epoche üblich ausgestattet. Keine nennenswerten Fenstergestaltungen, außer den Stifterfiguren und einem Grabhalbrelief keine Ausgestaltung, im angrenzenden Dommuseum auch nur zwei Cranach-Bilder (Luther und Melanchton) prominent. Den Eintritt von 4 € (für mich nur 2,50 €/GdB) muss man eher als Beitrag zum Bauunterhalt betrachten.

Die Albrechtsburg ist laut Eigenwerbung das älteste Schloss Deutschlands. Vor allem in der ersten Etage der verwinkelten Raumanordnung ist zumindest teilweise noch die Ausstattung früherer Jahrhunderte anzutreffen, die Ausmalungen der Wände sind jedoch nahezu alle erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. aufgetragen worden. Hier und in der weiteren zwei Obergeschossen werden in einer modern gestalteten Ausstellung die Entstehung der Burg von der Planung bis zu den ausführenden Handwerken dargestellt sowie die Geschichte der Wettiner, aber auch die Nutzung als erste Meißner Porzellan-Manufaktur. Alles in allem interessant, aber das etwas kühle Ausstellungslayout lässt bei mir so richtig den Funke der Begeisterung nicht überspringen – die tatsächliche Kühle der Burgräume tun da ein Übriges (wer nimmt bei 27 Grad Außentemperatur und Bergaufstieg vorsorglich eine Jacke mit? Ich leider nicht, und bin ja sonst nicht einer der Verfrorensten).

Den Abstieg nütze ich für einen Abstecher in die historische Altstadt. Viele nette Winkel und ein schönes Bauensemble am Markt. Auf dem Weg zum Womo kam ich dann an einem Haus vorbei, an dem einige Hochwasserstände verzeichnet waren. Eigentlich kaum zu glauben, dass die in einem tiefen Flussbett vorbei fließende Elbe so hoch gestiegen ist, dass das Wasser bei den unteren Häusern der Altstadt das Erdgeschoss komplett geflutet hat. Im 18. Jh. reichte die Flut sogar bis in den ersten Stock hinein.

Eigentlich wollte ich bei der Weiterfahrt in Radebeul anlässlich des 100. Todestages noch bei Karl May vorbeischauen, nachdem ich in Meißen mit fünf Stunden aber gut doppelt solange verweilt habe wie kalkuliert, ließ ich ihn und seine Indianer rechts liegen und steuerte direkt Moritzburg an. Erste Station direkt am Ortseingang und Seeufer war das Käthe-Kollwitz-Haus (Meißenstraße 7). Hier ist eine kleine feine Ausstellung zum Lebenswerk der Künstlerin eingerichtet (sowie Wechselausstellung zu aktuellen Künstlern), obwohl sie nur ihr letztes Lebensjahr von 1944/45 hier verbracht hat, nachdem sie Berlin kriegsbedingt verlassen musste und vermutlich von der kranken Künstlerin an diesem Ort keine Kunstwerke mehr geschaffen wurden. Vermittelt hat ihr die Bleibe der Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, einer ihrer ersten und intensivsten Sammler. Das Haus wird maßgeblich vom Käthe Kollwitz Museum Köln und dessen Stifter, der Kreissparkasse Köln, gestützt.

Der Abstecher nach Moritzburg lohnt sich zumindest auch visuell durch das herrliche Barockschloss inmitten des Schlossteichs, welches August der Starke als Jagd- und Lustschloss aus dem bestehenden Renaissanceschloss umbauen ließ. Die Ausstattung ist noch weitgehend erhalten. Ich meinerseits habe es aber bei der äußeren Besichtigung bewenden lassen, da Meißen plus Kollwitz doch zu sehr an meiner Konstitution genagt haben. So habe ich auch auf eine Radtour durch den ausgedehnten Garten- und Waldpark zum Fasanenschlösschen und dem Leuchtturm verzichtet, letzterer übrigens allein zu dem Zwecke errichtet, um lebensechte Seespiele veranstalten zu können. Dies verschiebe ich auf einen weiteren Besuch, bei dem ich auch auf den Spuren der Brücke-Künstler wandeln will, die in ihrer Dresdner Zeit gerne an die Moritzburger Seen hinausgezogen sind um sich und vor allem ihre Modelle entsprechend abzubilden.

Ein weiterer Grund für die vorzeitige Abreise lag auch darin, dass ich meinen Übernachtungsplatz sowie der Stadt Bautzen noch vor der Dämmerung einen Besichtigungsbesuch abstatten wollte. Die Stadt bietet am Stadtrand in der Schliebenstraße 20 (51°10’54’’ N 14°24’53’’ O) im Rahmen eines großen Touristenparkplatzes vier geräumige kostenlose Womo-Stellplätze. Strom kann gegen 0,50 €/kWh gezapft werden, V/E ist für je 1 € über eine SANI-Station möglich (werde ich morgen vor Abfahrt nutzen). Die Lage des Platzes ist visuell bestens. Vom Führerhaus sieht man auf das Stadtpanorama. Dass dies auch einen Haken hat, merkte ich bald, als ich mich mit dem Bike in die Altstadt aufmachte. Was zunächst wie eine bequeme Fahrt auf einer Ebene aussah, entpuppte sich rasch als ein zu überwindendes Flusstal, bei dem in beide Richtungen laut Google Maps rund 30 Höhenmeter zu überwinden waren. Dank Elektrounterstützung war dies trotz müder Muskulatur und strapazierter Knie- und Fußknochen gerade noch möglich, glücklicherweise ist mein Gesundheits-Bike auch hervorragend gefedert, ansonsten wäre ich beim gewohnt unebenen Kopfsteinpflaster heftig durchgerüttelt worden. Die Besichtigung der Altstadt beschränkte sich angesichts der fortgeschritten Zeit auf das angenehme äußere Erscheinungsbild. Neben dem Hauptmarkt und dem Dom stellt insbesondere die das Ensemble der Ortenburg, in dem neben einer gut besuchten Gastronomie das Sächsische Oberverwaltungsgericht, vor allem aber das Sorbische Museum untergebracht sind.

Obwohl mir der rasche Temperaturanstieg Ende März körperlich zu schaffen macht, hoffe ich, dass auch die weitere Tour von der Sonne gut beschienen ist oder zumindest nicht verwässert wird, zumal die nächsten Tage der Aufenthalt im Freien im Vordergrund steht. Die vom Wetterbericht für den Osten vorhergesagten Schauer sind hoffentlich – wenn überhaupt zutreffend – nur gewitterbedingt von kurzer Dauer. Mal sehen.

Beste Grüße für heute
Atze