Ostdeutschland-Tour Frühjahr 2017 # 1

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

eigentlich wollte ich seit Sonntag im Reisemobil unterwegs nach Polen sein, leider kam mir am Freitag beim Beladen desselben eine Hexe unter und ist mir schmerzhaft in den Rücken gefahren. Glücklicherweise machte sie rasch Anstalten, sich dort nicht länger häuslich niederlassen zu wollen (auch dank Voltaren), aber vorerst musste die Tour verschoben und wird nun auf den deutschen Osten verkürzt, nachdem nach zwei nahezu schmerzfreien Tagen das Risiko minimiert war. Geplant ist nun eine Rundtour Dresden / Görlitz / Fürst-Pückler-Park Bad Muskau / Cottbus und Spreewaldschnuppern / Eisenhüttenstadt / Frankfurt/Oder und Potsdam (mit Ausstellungsschlenker nach Berlin) / Leipzig / Halle / Bauernkriegspanorama Bad Frankenhausen (Sonderausstellung) und Erfurt – wobei sich das eine oder andere Ergänzungsziel als Beifang noch ergeben wird, je nach Zeit und Wetter. Gespannt bin ich, wie ich mit dem E-Bike, das ich erstmals mitführe, klar komme.

 

Tag 1 Mittwoch/Donnerstag 29./30. März.2017 – Ostdeutschland-Tour
Dresden

Die nächtliche Anreise verlief unproblematisch und dank Internetverbindung (übers Smartphone und Bluetooth) wurde ich von meinem GARMIN gleich zu Beginn umgelotst, denn auf der A7 gab es bis zum Ellwanger Kreuz zwei längere Staus, so dass die Reise Richtung Nürnberg über Augsburg und dann die B2 erfolgte – und das ohne Zeitverlust (ca. 5 h Fahrzeit inkl. Pinkelpause).

Gleich bei der Ankunft wollte ich einen nächtlichen Canaletto-Blick auf Dresden werfen und ihn auch auf Foto festhalten und das Wetter war hierfür günstig, denn kein Dunst trübte die Aussicht aufs andere Elbeufer und das frühere UNESCO-Welterbe – nur hatte ich nicht mit den sparsamen Dresdnern gerechnet. Um 23.45 h lagen die Prachtbauten im Dunkeln, lediglich die Augustusbrücke und die weiteren Straßenlaternen, waren illuminiert. Einzig die Frauenkirche traf ein schwacher Lichtstrahl.

Als Standplatz wurde mir von Peter der

Wohnmobilstellplatz am Blüherpark, Zinzendorfstraße 1 / www.wohnmobil-dresden.de

empfohlen, den ich aber nächtens nicht mehr ansteuern wollte, sondern mir in der Nähe einen halbwegs ruhigen Straßenparkplatz suchte, den ich in Altstadt II, einer Seitenstraße der Blüherstraße, fand. Nachdem ich am Parkautomat gesehen habe, dass es offiziell einen Tagestarif für 24 Stunden und eine Höchstparkdauer von 3 Tagen gibt, habe ich entschieden, dass ich morgens nicht auf den genannten Blüherpark-Stellplatz wechseln werde, zumal ich tagsüber sowieso unterwegs bin und somit Campingverhalten auch wegen der abendlichen Temperaturen kaum in Frage kommt. Und für die kurze Standzeit bin ich energiemäßig etc. auch autark.

Sowohl mein Stellplatz wie der vorstehend erwähnte Offizielle liegen sehr günstig zur Altstadt. Nachdem leider beim Aufstehen der Regen leicht ans Womo geklopft hat, habe ich mich dazu entschieden, heute einen verdichteten Ausstellungstag einzulegen und das Rad hängen zu lassen. Nach ca. 900m Fußweg war ich am Neumarkt und bei der Frauenkirche und Dresden Tourist-Info, die allerdings beide erst um 10 Uhr öffnen. So blieb Zeit, das skandalträchtige Bus-Mahnmal samt Lutherdenkmal und Frauenkirche zu betrachten und auf Speicherchip zu bannen, Nieselregen hin oder her.

In der vom Neumarkt Richtung Residenz abgehenden Augustusstraße besichtigte ich den imposanten Fürstenzug, der sich aus 24.000 Meißner Porzellanfliesen 102 Meter an der Wand des Johanneum erstreckt und in einem Reiterzug die Fürsten und Könige der sächsischen Wettiner von 1123 bis 1904 präsentiert – nur der letzte fehlt, da er zum Entstehungszeitpunkt gerade erst die Nachfolge angetreten hatte.

Punkt 10 Uhr stand ich dann vor der Tourist-Info beim Neumarkt und niemand wollte öffnen. Als ich dann einen Seiteneingang entdeckte, klärte sich mein Irrtum auf. Die als Tourist-Info ausgewiesene Räumlichkeit war Teil der Rezeption eines Hotels, welches für seine Gäste Informationen und reichlich Souvenirs bereithält (letzteres wohl auch für Laufkundschaft). Die eigentliche Dresden Touristinfo heißt Dresden Information und befindet sich im Untergeschoss des QF Passage (Neumarkt 2) bzw. am Hauptbahnhof.

Dort erwarb ich die Dresden Museums Card (22 €), welche freien Zugang zu 14 Museen sowie Ermäßigungen bei weiteren Attraktionen beinhaltet und für zwei Tage gilt. Kann man sich übrigens auch online bestellen. Den ersten Nutzungstag trägt man selbst ein, so dass man eigentlich kein Buchungsrisiko eingeht (gibt es auch noch um weitere Museen bzw. um ÖNV erweiterten Fassung bzw. mit Stadtrundgang).

Das persönliche Abholen hat sich aber gleich gelohnt, nämlich direkt neben der Dresden Information kann man mit der Karte gleich kostenlos die Galerie Komische Meister Dresden besichtigen. Bis auf den winzigen Postkarten- und Büchershop wird keine Sammlung präsentiert, sondern eine Sonderausstellung eines Künstlers. Die aktuelle Ausstellung eines jungen Cartoonisten aus dem Erzgebirge (Krumbiegel) hat mich sehr amüsiert.

Im Weiteren will ich mir ausführliche Anmerkungen zu den besuchten Ausstellungen ersparen und nur kurz die Stationen aufzählen:

Albertinum / Galerie Neue Meister (19.-21. Jh.)

Zwinger/Semperbau / Gemäldegalerie Alte Meister (hier hängt u.a. Raffaels Sixtinische Madonna, wobei die zwei am unteren Bildrand lümmelnden Puten auch Kunstbanausen bekannt sein dürften; von den drei Jan Vermeer-Bildern habe ich leider die bekannte Briefleserin nicht entdecken können, möglicherweise wurde sie in die derzeitige Vermeer-Ausstellung im Pariser Louvre ausgeliehen)

Stadtmuseum Dresden / Städtische Galerie Dresden (hier habe ich nur eine aktuelle Sonderausstellung zu einem Dresdner Künstler im Umfeld Otto Dix sowie die Kunstsammlung angesehen).

Als ich den Semperbau verließ, hatte sich zwischenzeitlich der wolkenverhangene und nieselnde Himmel aufgemacht und erstrahlte im schönsten Blau und wärmender Sonne. Dies weckte auch meine Fotografierlust deutlich auf, was allerdings von den müdgelaufenen Füßen wieder eingeschränkt wurde. Die Sonne hatte aber auch eine sehr wärmende Wirkung auf das Womo, so dass ich erst Richtung Mitternacht die Heizung anwerfen musste.

Tag 2 Freitag 31. März.2017 – Ostdeutschland-Tour
Dresden

Nun kam bei strahlendem Sonnenschein endlich das Fahrrad zum Einsatz, zumal ich außer der Besichtigung des Residenzschlosses die Alt- und Neustadt etwas mehr erkunden wollte. Dresden erscheint mir sehr fahrradfreundlich. Vom Stellplatz aus konnte ich fast durchgehend Fahrradspuren benutzen. Zunächst suchte ich nochmals den Zwinger auf und hole einige Fotos bei bestem Fotografierwetter nach. Punkt 10 Uhr stehe ich an der Kasse des Residenzschlosses und will mein Glück für ein Zeitfenster zum Besuch des Historischen Grünen Gewölbes ausloten. Obwohl die angezeigten 49 noch freien Tickets von 100 für das erste Zeitfenster 10 bis 10.30 h schlagartig verschwinden (ich spekuliere auf eine Reisegruppe), erhalte ich ein Ticket (12 €) für 10.30, allerdings mit dem Tipp, ich könnte trotzdem mein Einlassglück vorher probieren. Und tatsächlich konnte ich um 10.20 h die Eingangsschleuse passieren. Im Anschluss habe ich dann mit der Dresden Museums Card ohne zusätzliche Kosten das Fürstenzimmer, Neue Grüne Gewölbe, Türckische Cammer, Rüstkammer und Welt des Wissens besichtigt. Fazit nach rund 3 Stunden: Das Neue Grüne Gewölbe und die Welt des Wissens boten beeindruckende Sammlungsstücke, das Historische Grüne Gewölbe hat zwar auch sehenswerte Objekte aufzubieten, die faszinierenderen waren jedoch in der Neupräsentation anstatt historisch korrekt im Historischen. Letzteres zieht seinen Reiz m.E. primär aus der Rekonstruktion der historischen Räumlichkeiten. Letztendlich hätte ich mir dessen Besuch auch sparen können. Im Gegensatz zu Kunstausstellungen stelle ich auch fest, dass mich die hunderte ähnlichen Objekte auch eher visuell ermüden.

Da war jetzt eine Pause angesagt und der Pfannkuchen mit Schafkäsefüllung sowie eine leckere Mousse-au-Chocolat-Torte im Café Schinkelwache (zw. Residenz und Zwinger) hat gemundet und neue Kräfte mobilisiert. Anschließend besichtigte ich im Zwinger die Porzellansammlung. Die überwiegend chinesischen Vasen und Geschirr faszinieren mich in ihrer Häufung wenig, die Figurendarstellungen der frühen Meißner Porzellanmanufaktur sprechen mich jedoch an. Über die Porzellansammlung kommt man aber auch auf den Terrassenrundgang (da gibt es auch ein Café) und dieser öffnet neue Perspektiven auf das Ensemble des Zwingers.

Auf dem Weg zur Frauenkirche, die ich nochmals bei Sonne fotografieren, aber vor allem nun auch innen besichtigen will, gönne ich mir an derselben Eisdiele wie gestern nochmals 3 Kugeln in der großen Waffel. Wohlschmeckend.

Anschließend ging es nochmals in den Brühlschen Garten sowie auf die Brühlsche Terrasse, auf dem Weg zur Dresdner Neustadt am gegenüberliegenden Elbeufer machte ich noch einen Zwischenstopp bei der Schlosskirche (innen sehr karg) und beim Ständehaus. Von der Augustusbrücke hat man einen schönen Blick auf die Altstadt und an deren Ende erstrahlt ein goldglänzender August der Starke als Reiterdenkmal. In der Neustadt (eigentlich die ältere Besiedelung Dresdens) besichtigte ich neben der Hauptstraße lediglich das Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik. Museumsdidaktisch eher schwach und mit Schwerpunkt auf Literatur, obwohl die namensgebende Familie primär als Maler tätig waren.

Abschluss fand der zweite Dresdentag am Elbeufer, wo ich den Canaletto-Blick zwei Stunden lang bei herrlichem Wetter genießen und auf Speicherkarte bannen konnte, nach Einbruch der Dämmerung jetzt auch schön beleuchtet.

Noch eine Anmerkung am Rand: Die Aberkennung des UNESCO-Titels wegen der Waldschlösschenbrücke und die damalige Kampagne der Gegner kann ich nicht nachvollziehen. Das historische Ensemble ist durch die Brücke in keinster Weise beeinträchtigt, selbst von der erhöht liegenden Brühlschen Terrasse ist die Brücke kaum zu sehen, zumal zwei andere Brücken dazwischen liegen und die Elbe einen Bogen schlägt.

Morgen geht es ins nordelbische Umland und dann Richtung Görlitz.

Beste Grüße für heute
Atze