ÖsterreichKunstTour Frühjahr 2018 # 4 ##

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

über die kleine Episode bzgl. meines Übernachtungsplatzes habe ich mich ja im 3. Bericht ausgelassen.

Freitag 08.06.2018
Graz / Therme Bad Blumau / Raststätte Bad Fischau / Wien

Neben dem Österreichischen Skulpturenpark Premstätten bei Graz stellt der Besuch von Schloss Eggenberg Graz ein weiteres Highlight dar. In jedem Fall sollte man an der stündlichen Führung durch die Prunkräume im 2. Stock teilnehmen, die man nur in diesem Rahmen zur Gesicht bekommt. Ohne die kenntnisreiche und lebhafte Führung durch eine junge Frau wäre sowohl die Geschichte, die sich hinter der Ausgestaltung und Nutzung der Prunkräume verbirgt, als auch die Bedeutung wichtiger Gemälde, Wand- und Deckenmalereien im Verborgenen geblieben. Leider besteht in diesem Bereich ein Fotoverbot, wohingegen in den Sonderausstellungen (vor allem Sammlung Alte Galerie, Münzkabinett, Archälogiemuseum) sowie im sonstigen Schloss und Park nach Herzen fotografiert werden darf.    

 

Da sich der Schlossbesuch länger als gedacht hingezogen hat und außerdem eine drückende Hitze etwas Beschwernis mit sich brachte, habe ich den Gedanken verworfen, das 24h-Ticket noch auszunützen und doch noch in die Stadt runter und mit der Schlossbergbahn auf diesen hoch zu fahren (ist im Gegensatz zu den Liften im Ticket enthalten).

Stattdessen nahm ich die A2 und legte einen kleinen Zwischenstopp beim legendären Friedensreich Hundertwasser Projekt, dem Hotel- und Wellness-Komplex mit Thermalbad Rogner Bad Blumau ein. Leider ist die Anlage gut abgeschirmt und kann von Tagesgästen nicht direkt angefahren werden, sondern für diese ist etwas entfernt ein spezieller Parkplatz vorgesehen. Lediglich beim Nord-Eingang ist ein kleiner Besucherparkplatz vor dem Tor und durch eine offene Seitentür kann man die Anlage von der Rückseite betreten und die Wohnanlagen sowie von oben die Thermalbeckenanlage in Augenschein nehmen. Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich hier auf Fotos.

Ein weiteres Hundertwasser-Projekt steht näher bei Wien an der A2, nämlich die Raststätte Bad Fischau, allerdings in Fahrtrichtung Graz. Aus meiner Richtung kann man mit wenig Umweg über die Ausfahrt  Wöllersdorf (47°50’00.3″N 16°10’51.8″E) an die Rückseite der Rastanlage gelangen. Nachdem sie einige Jahre geschlossen war, wird sie nun als McDonald-Filiale betrieben. Nicht abwegig, dass man Hundertwasser im Grab rotieren hört, wenn er davon wüsste.

Während ich beim letzten Wien-Besuch durchaus zufrieden dem Reisemobil-Stellplatz Wien den Vorzug gegeben hatte, wollte ich dieses Mal freies Stehen ausprobieren und nur im Bedarfsfall dorthin wechseln. In Stellplatz-Apps wird hierzu in Wien der Parkplatz beim Kurpark Oberlaa (Nord), Filmteichstr. (20 Plätze, N 48.15245, E 16.40439 / N 48°09’09“, E 16°24’16“) empfohlen, der eine Bus-Anbindung in die Innenstadt hat, ich selbst habe herausgefunden, dass es in der Nähe der verlängerten U1 südlich vom Kurpark Oberlaa in der Fontanastraße (48°08’29.8″N 16°24’22.0″E / 48.141610, 16.406100) Parkmöglichkeiten gibt.

Tatsächlich ist die komplette Straße bei meiner Ankunft frei (zwischenzeitlich stehen etliche Fahrzeuge hinter mir). Ein junger Mann, der sich kurz nach meiner Ankunft vor mich platziert hat, kam allerdings mit der Frage auf mich zu, ob es sich hier um eine Kurzparkzone handelt. Darauf hat jedoch nichts hingewiesen. Trotzdem etwas verunsichert, habe ich mal das Thema Kurzparkzone und Wien gegoogelt und Irritierendes feststellen müssen. Der 10. Gemeindebezirk Favoriten hat 2017 wie etliche andere vor ihm beschlossen, das komplette Gemeindegebiet zur Kurzparkzone zu erklären. Dies bedeutet, dass hier von Mo-Fr 9-19 Uhr erstens nur maximal 3 Stunden geparkt werden darf und dafür eine erhebliche Gebühr fällig wird. In den Straßen weisen keine Schilder oder Markierungen darauf hin, sondern lediglich an den Gemeindegrenzen. Auch gibt es keine Automaten, an denen man bezahlen könnte, sondern entweder muss eine Parkzeit übers Smartphone gebucht werden oder es sind vorab Zeitwertmarken zu kaufen. In gut frequentierten Straßen kann die Maximalzeit bzw. –gebühr höher ausfallen, ebenso in anderen Bezirken, in denen teilweise auch der Zeitrahmen bis aufs Wochenende und in spätere Abendstunden ausgedehnt ist. So absurd diese Parkraumregelung ist, so sinnvoll wäre dann wenigstens eine App, in die man seinen Standort eingibt und die einem dann verlässlich die zutreffende Kurzparkregelung und Gebühr mitteilt und darin möglichst auch gleich ein Ticket gebucht werden kann. [Update 07.07.2018: Zumindest für Android gibt es mehrere APPs, die Informationen zu den Parkbedingungen anzeigen, teilweise mit Zusatznutzen. Von Zonacroft gibt es die werbefinanzierte APP Kurzparkzonen Wien, die zudem auch Park&Ride-Plätze anzeigt.]

Da es einerseits keine Einheitlichkeit gibt und andererseits keine ortsnahe Information, halte ich diese Regelungen für bürger-, vor allem aber touristenfeindlich. Hätte mich der junge Wiener mit seiner Frage nicht irritiert, wäre ich blindlings ggf. in eine saftige Strafgebührenfalle gestolpert (an Brennpunkten wird wohl auch gleich abgeschleppt). Der absolute Witz an der Regelung ist, dass man schon beim Besorgen der Wertmarken in die Falle tappt. Lediglich wenn man die Smartphone-Buchung wählt kann man dem entgehen. Oder man hat sich den Flyer Kurzparkzone von der Tourist-Information besorgt, denn in diesem steckt ein kostenloser 15-Minuten-Kurzparkschein.

Ich werde wohl die Konsequenz daraus ziehen, dass ich Wien früher als geplant verlasse, da ich hoffentlich bis Mo 9 Uhr hier unbehelligt stehen könnte.

Als Einschub hier noch eine Erfahrung in vielen der Österreichischen Museen, auch in Wien: Viele bieten einen mehr oder minder reduzierten Eintrittspreis für Schwerbehinderte bzw. Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder Menschen mit Beeinträchtigungen, nicht selten wird dies jedoch auf den Preistafeln nicht erwähnt, bei einigen nicht mal auf der Webseite. Ich habe es mir jedoch zur Angewohnheit gemacht, einfach mal nachzugfragen. Eine Besonderheit in Österreich ist die Ermäßigung für Senioren (auch bei Verkehrsbetrieben), allerdings gibt es da eine unterschiedliche Altershürde zwischen 60 und 65 und vereinzelt ist es nicht nur vom Nachweis des betreffenden Alters abhängig oder ggf. eines Rentner-/Pensionsausweis, sondern man benötigt eine städtische Sonderbescheinigung, die Touristen natürlich nicht vorweisen können.

Therme Wien Oberlaa

Samstag 09.06.2018
Wien

Der morgendliche Weg zur Endstation Oberlaa der U1 betrug nur ca. 500m. Dort sind auch die Therme Wien Med und ein Kurcafé. In knapp einer Viertelstunde bringt mich die U1 zum Karlsplatz und von dort ist es dann nur eine Station mit der U2 zum Museumsquartier.

Allein das Leopold Museum bietet derzeit neben den extra unter Kunstausstellungen aufgeführten mehrere weitere Sonderausstellungen, so dass ich mich über drei Stunden im Haus aufhalte. Anschließend geht es dann mit der Tram jeweils zu den anderen extra besprochenen Ausstellungen. Abends genieße ich dann noch ein schmackhaftes Essen auf der Naglergasse bei Hopferl. Schon vor dem parkseitigen Eingang zum Unteren Belvedere habe ich mir bei einem mobilen Stand das beste Eis der bisherigen Tour gegönnt.

Da es sich zeitlich ausging und die Füße gerade noch so mitmachen wollten, konnte ich eine für Sonntag eingeplante Ausstellung vorziehen, was zusammen mit der Kurzparkzonen-Überraschung den Entschluss in mir reifen ließ, auf das Wiener Sightseeing-Programm (u.a. Naschmarkt und Prater) und den für Montag geplanten gemütlichen Fotorundgang diesmal zu verzichten und stattdessen schon am Sonntag statt am Dienstag die Heimreise anzutreten.

Albertinaplatz
Eingangsportal Hofburg
Brunnenskulptur Hofburg

Sonntag 10.06.2018
Wien / Kritzendorf (Klosterneuburg) / Krems an der Donau

Während es in der Nacht von Freitag auf Samstag kaum gelang, die im Womo angestaute Hitze aufgrund der Außentemperatur durch Schiebetür und Dachfenster abzuleiten, war die Samstagnacht da etwas frischer, da schon aufgrund der luftigen Baumkronen tagsüber kein so extremer Hitzestau entstanden ist, außerdem wohl auch die Außentemperatur wegen eines Wetterumschwungs etwas absank. Beide Nächte verliefen sehr ruhig.

Naturhistorisches Museum

Kunsthistorisches Museum

Für heute habe ich mir das Kunsthistorische Museum aufgehoben, welches ich vor rund 10 Jahren im Rahmen der ORF-Nacht der Museen schon einmal nächtens im Schnelldurchlauf besichtigt habe. Heute wollte ich mir für die Gemäldesammlung reichlich Zeit lassen. Ursprünglich war ich aufgrund der Werbung davon ausgegangen, dass in eigenen Abteilungen auch Sonderausstellungen stattfinden. Dem ist aber eigentlich nicht so. Die Sonderausstellungen sind eigentlich nur in die Sammlungsausstellung integrierte Gastbilder oder Heraushebungen einzelner Werke, lediglich 14 Werke aus Russland sind unter dem Titel Die Eremitage zu Gast. Meisterwerke von Botticelli bis van Dyck in einem  separierten Bereich jeweils gleichartigen Werken der Sammlung gegenüber gestellt (noch bis 02.09.2018). Glück hatte ich, dass ich in den Genuss kam, die Ausmalungen der Eingangshalle von Gustav Klimt und seinem Bruder Ernst und Franz Matsch näher anschauen zu können, denn unter dem Titel Stairway to Klimt. Mit Klimt auf Augenhöhe ist unter der Decke eine Besucherbrücke durch den Raum gespannt. Das wollte ich mir trotz über 10 Meter Höhe und Höhenangst nicht entgehen lassen. Auch machte ich noch einen Abstecher in die Antikensammlung um das dort ausgestellte Klimt-Gemälde Nuda Veritas (1899) aus dem Nachlass des zeitgenössischen Kritikers Hermann Bahr im Original in Augenschein zu nehmen. 

Nach einem ebenfalls vortrefflichen Eis mit typisch österreichischen Sorten wie Marille und Sacher (die dritte säuerlich-schmackhafte Eissorte ist mir entfallen), welches ich auf einem Veggie-Fest beim Museumsquartier erstand, war ich gegen 14 Uhr wieder am Womo, gerade rechtzeitig, denn über Wien entluden sich die Wolken – ausnahmsweise für diese Woche mal ganz manierlich als normaler Regen.

Als alternativen Stellplatz hatte ich mir den offiziellen kostenlosen Stellplatz Kritzendorf (Klosterneuburg), Bahnhofplatz 16 (48° 20′ 9″ N 16° 17′ 55″ E / N 48° 20‘ 9.744“ O 16° 17‘ 54.197“) ausgeguckt gehabt, der mir jetzt aber auf der Heimreise lediglich zur Entsorgung meines Toilettentanks dienen sollte, außerdem wollte ich ihn mal für zukünftige Fälle in Augenschein nehmen. Mit der S40 nach Spittelau und U4 Hütteldorf ist man in ca. 30 Minuten am Wiener Karlsplatz (abzgl. des Aufenthalts am Bahnhof Spittelau wären es nur 20 Minuten). Das ganze Areal ist jüngst frisch geteert und gestaltet worden. Auf dem Parkplatz sind 4 Plätze nur für Womos reserviert, in diesen Bereich ist auch die V/E/WCe-Station (Wassersäule,  Bodeneinlass, kein Strom) integriert. Die PKW-Plätze sind etwas kurz, teilweise aber mit Überhang als Ausweichplätze nutzbar, wovon bei meinem Eintreffen auch mehrfach Gebrauch gemacht worden war (wobei die eigentlichen Womo-Plätze glücklicherweise unbelegt waren und ich somit meinen Tank entleeren und spülen konnte).

Als Alternative gibt es noch Stockerau, wo die Stadtgemeinde gleich zwei kostenfreie Stellplätze anbietet: Stellplatz am Weg zum Hallenbad 1 (vor der Wellnessoase Stockerau), (N 48°23’38“, E 16°13’09“ / N 48.39386, E 16.21911) 6 Plätze auf Schotter, V/E/WCe über Ver- und Entsorgungsstation ST-San, kein Strom (Generatoren nicht erlaubt). Ruhige Lage am Stadtrand, Entfernung zum Bahnhof ca. 2km. Zum Wiener Karlsplatz ist man mit der S- und U-Bahn ca. 45 Minuten unterwegs.

Stellplatz Parkplatz Sportzentrum Alte Au Stockerau, mehrere geteerte Plätze nur für Womos, Ausweichplätze ggf. auf Parkplatz, keine V/E/WCe/Strom (Generator erlaubt), Platz liegt wenige 100m zwischen Bahnlinie und Autobahn, Bahnhof ca. 1km entfernt.

Als letzten Ausstellungsbesuch für diese Tour habe ich noch Zwischenstation beim Karikaturmuseum Krems an der Donau gemacht und nach Nachtanken von Diesel (rund 8 Cent günstiger als daheim) die angenehm entspannte rund fünfeinhalbstündige Rückreise über Passau / München angetreten. Da mir hierbei ein Abblendlicht ausgefallen ist, muss ich mich jetzt zum ersten Mal um den Lampentausch kümmern.

 

Soviel für diesmal

Euer Atze