ÖsterreichKunstTour Frühjahr 2018 # 3

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

obwohl der inoffizielle Stellplatz in Bleiburg leicht schief zur Seite und nach vorne war, verbrachte ich eine ruhige Nacht auch ohne Unterlegkeile (die hatte ich sowieso im Herbst als überflüssigen Ballast aussortiert und daheim gelassen, da ich in den zwei Jahren mich noch nie veranlasst sah, sie einzusetzen. Einmal war die Versuchung kurz da, denn die Schieflage hätte fast verhindert, dass das Duschwasser zu einem der drei asymmetrisch angeordneten Abflüsse gelangen konnte. Mit dem Fuß konnte ich aber etwas Nachhilfe leisten und das war der geringere Aufwand.

Auf dem Weg nach Neuhaus fing ich noch einen idyllischen kleinen Ort ein.

Donnerstag 07.06.2018
Neuhaus / St. Paul im Lavanttal /  Wolfsberg / Graz / Premstätten

Nur wenige Kilometer von Bleiburg entfernt hat der Unternehmer und Kunstsammler Herbert Liaunig 2008 ein architektonisch auffälliges Museum bei Neuhaus/Kärnten in die Landschaft stellen lassen. Das Besondere an der Architektur ist, dass es sich einerseits bemüht, in dieser Landschaftsidylle nicht als Störfall aufzutreten, andererseits aber natürlich doch wahrgenommen werden will. Zwei lange Betonriegel vergraben sich weitgehend über Kreuz in der Erde, lediglich an den Enden ragen die Hallen aus der Landschaft heraus. Das deutlichste Signal ist der Überhang, der zum Markenzeichen des Museums wurde.

Die gezeigte Kunst im Museum Liaunig Neuhaus ist zwar stilistisch breit aufgestellt, überwiegend jedoch entfernt von meinen künstlerischen Vorlieben. Deshalb waren Haus und Skulpturenpark mit rund 5000 Schritten auch rasch durchlaufen. Vor diesem Hintergrund war es auch nicht besonders schade, dass das Museum noch zu den seltener werdenden Spezies gehört, die Fotografieren nicht zulassen (bestenfalls Übersichtsaufnahmen im Rahmen der Museumsarchitektur). Parallel zur Kunstausstellung werden neuerdings drei weitere Sammlungen gezeigt: Afrikanische Glasperlenkunst / Briefmarken der Monarchie / Silbergefäße von der Renaissance bis Barock.

 

Optional hatte ich eingeplant, auf der Weiterfahrt nach Graz im ca. 14 km entfernten Sankt Paul im Lavanttal einen Zwischenstopp  im namensgebenden Benediktinerstift einzulegen. Diese rühmen sich als Schatzkammer Kärntens und besitzen in der Tat einige sehenswerte Kunstwerke, vor allem aber historische Objekte der Ordensgeschichte. Diese werden interessant in der Ausstellung Schatzhaus Kärntens. Die Geschichte des Stiftes St. Paul. Von der Gründung 1091 bis zur Wiederbesiedelung 1809 präsentiert. Ein besonders interessantes Dokument ist die mehrere Meter lange Tabula Peutingeriana (Ende 4./5.Jahrhundert, verschollen – Kopie des 12. Jh., vermutlich von Benediktinermönchen der Reichenau mit zeitgenössischen Anmerkungen ergänzt), die als älteste Straßenkarte der Welt über das spätrömische Straßennetz gilt.

Parallel wird anlässlich des 550. Geburtstages die Sonderausstellung: Die schwarze Kunst des Johannes Gutenberg. Eine Erfindung verändert die Welt gezeigt, in welcher der reichhaltige Schatz des Klosters (und  Leihgaben) an Bibelhandschriften und Bibeldrucken gegenüber gestellt wird.

Beide Ausstellungen sowie die Klosteranlage haben den etwas beschwerlichen Aufstieg vom Besucherparkplatz gelohnt.

Auf dem Weg nach Graz machte ich noch einen Zwischenstopp am Stellplatz in Wolfsberg (2 belegte kostenlose Plätze auf Parkplatz, kostenlos, aber mit V/E/WCe, 46° 50′ 33″ N 14° 49′ 53″ E (Navi führt mich allerdings mit diesen Koordinaten in die vor dem Bach liegende Seitenstraße), Sankt-Jakober-Straße, 9400 Wolfsberg, www.wolfsberg.at). Hier konnte  ich meinen Toilettentank sicherheitshalber entleeren, damit es auf der weiteren Tour nicht zu Engpässen kommt. Die Stadt sollte allerdings die Beschriftung an der Versorgungssäule erneuern.

In Graz steuerte ich den P&R Parkplatz Zentralfriedhof Graz  (47° 2′ 50″ N 15° 25′ 44″ E, Lautzilgasse 30) an. Dort soll es angeblich 10 Plätze für Womos geben, die auch als Übernachtungsplätze taugen sollen (ohne V/E), ich hatte mich darum aber nicht gekümmert, da ich sowieso dafür eine andere Stelle eingeplant hatte. So nahm ich den ersten kostenfreien Straßenparkplatz, der sich mir nur ca. 40m von der Tram und 100m von der Busstation anbot. Direkt im Umfeld des Zentralfriedhofs handelt es sich übrigens um eine gebührenpflichtige Grüne Zone.

Mit dem Bus und 24h-Ticket (5,10 €) bin ich dann in die Innenstadt und nach wenigen hundert Metern in der Neuen Galerie Graz. Leider war von der Sammlung nur ein themenbezogener Ausschnitt Wer bist du? Porträts aus 200 Jahren zu sehen.

Optional hatte ich noch eine rund 50minütige Innenstadttour mit dem Elektro-Panorama-Shuttle (8,50 €) vor, die stündlich vom Schloßbergplatz/Kaiser-Franz-Josef-Kai an der Mur bzw. vom Freiheitsplatz abfährt. Meine Füße hätten sich über diese Entlastung sicher wie ich selbst gefreut, aber leider machte wieder mal das Wetter einen Strich durch das Vorhaben. Gerade als ich das Museum verließ, begann es zu regnen. Zu allem Übel verabschiedete sich auch noch der Regenschirm in seine Bestandteile und landete im nächsten Mülleimer. Glück im Unglück, keine 50m weiter war ein Schirmgeschäft und ich erstand einen manuellen Knirps im Wert von 10 € mit 50% Regenrabatt.

Herrengasse mit Rathaus

Domplatz mit Blick auf Theater und Uhrturm auf dem Schlossberg
Mausoleum neben Domkirche

Statt Stadtrundfahrt ein vortreffliches Eis in der Sporgasse bei der Bäckerei / Café Sorger unter einem Schirm und nachdem es diesmal bei einem kurzen Regen blieb, setzte ich den Rundgang zu Fuß fort und wanderte Richtung Burg und Dom hoch. Da sich der Himmel aber wieder bedenklich einfärbte gab ich mein Ziel auf, anschließend noch an die Mur hinunterzuschlendern und die Architektur von Kunsthaus und Murinsel zu bewundern. Stattdessen floh ich vor den nächsten Regenschauern am Hauptplatz in die Tram Richtung Zentralfriedhof.

Über die Tank-APP Benzinpreis Blitz hatte ich ermittelt, dass eine kleine Tankstelle in Unterpremstätten mit aktuell 1,169 € das günstigste Dieselangebot hatte. So konnte ich mit rund 9 Cent Ersparnis pro Liter meinen leeren Tank für die weitere Tour auffüllen, ohne dass dies ein nennenswerter Umweg war, weil ich hoffte, den Österreichischen Skulpturenpark in Premstätten noch vor seiner Schließung um 20 Uhr zu besuchen. Näheres hierzu in einem gesonderten Beitrag.

Eigentlich hatte ich vor, im Anschluss an die Parkbesichtigung auf dem dortigen Parkplatz zu nächtigen. Angesichts des Camping-Angebots für 32 € im angrenzenden Schwarzlsee-Areal und der plakatierten Ankündigung, das unberechtigt Parkende abgeschleppt würden, fand ich dies keine attraktive Idee mehr. Stattdessen bin ich zu meinem Ziel für den nächsten Tag weitergefahren, dem Schloss Eggenberg in Graz. Auf dem kostenlosen Parkplatz, den sich das Schloss mit dem Restaurant und Erlebnisbrauerei Rudolf (47°04’20.3″N 15°23’42.4″E / 47.072316, 15.395114 / Eggenberger Allee 91 / Einfahrt Herbersteinstraße) teilt, schreibe ich diesen Bericht, nachdem ich vorher sehr schmackhaft dort zu Abend gegessen habe (Gulaschsuppe, Leber mit Bratkartoffeln). Natürlich habe ich dort um Erlaubnis des Übernachtens gefragt. Was jedoch nicht verhinderte, dass anderntags von der Universalmuseum Joanneum GmbH eine vermeintlich widerrechtliche Nutzung des Parkplatzes moniert wurde. Ich habe daraufhin die Umstände aufgeklärt und als Beleg meine Eintrittskarten vorgelegt. Hier übrigens der Hinweis: Wer mehrere Einrichtungen des Universalmuseum Joanneum besuchen will, für den lohnt sich ggf. ein 24h- oder gar 48h-Ticket.

Soviel für heute

Euer Atze