ÖsterreichKunstTour Frühjahr 2018 # 2

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

die sehr ruhige Nacht auf dem Messestellplatz endete kurz vor sieben mit heftigem Baustellenlärm von den danebenliegenden Messehallen, die offensichtlich saniert oder ersetzt werden. Da zeitig im Bett, weckte dies mich aber nicht wirklich auf.

 

Mittwoch 06.06.2018
Klagenfurt / Nötsch im Gailtal / Bleiburg

Für den Vormittag hatte ich mir die Besichtigung der Klagenfurter Altstadt vorgenommen. Trotz der fußläufigen Entfernung von etwa 700m nahm ich das Fahrrad mit. Zunächst besichtigte ich den Dom St. Peter und Paul, ursprünglich als evangelische Predigerkirche 1581-1591 erbaut, 1604 als Jesuitenkirche geweiht, 1787 Wandel zur Domkirche. Der ursprüngliche Renaissancebau wurde nach dem Stadtbrand 1723 im barocken Stil erneuert. Bemerkenswert erscheint mir vor allem, dass er mit den umliegenden Geschäftshäusern verwachsen ist.

Am Neuen Platz beginnt das eigentliche Zentrum. Hier steht das Rathaus, von welchem allerdings wegen einer Veranstaltungsbühne wenig zu sehen ist. Im Mittelpunkt prunkt das Wahrzeichen der Stadt, der Lindwurm, der von einem Drachentöter bekämpft wird. Dem schaut vom Rand her Maria Theresia zu. Bei der Tourist-Information besorgte ich mir eine sehr nützliche Karte Altstadtwandern, mit deren Tourenvorschlägen sich die besonderen Sehenswürdigkeiten effektiv erschließen.

Dass Klagenfurt der Literatur verpflichtet ist belegen an vielen Stellen Literatenzitate, die auf Fahnen oder Liegestühlen präsentiert werden, sowie das Robert Musil Haus (Museum), in dem auch der legendären Ingeborg Bachmann außerhalb der Preis-Literaturtage gedacht wird. Stolz ist Klagenfurt auch auf einen anderen Sohn der Stadt, Udo Jürgens. Stolz wird auch auf die besondere Freiheitsgeschichte der Stadt verwiesen, die 1514 mit einem verheerenden Stadtbrand und 1518 der Freigabe durch Maximilien I. begann, der sich dadurch letztendlich von Verpflichtungen zur Wiederaufbauhilfe loskaufte. Die Freigabe bedeutete andererseits auch, dass die Stadt von den üblichen Beschränkungen wie Zunftzwang befreit war und so die wirtschaftliche Ansiedelung von Fremden aus anderen Regionen und Ländern forciert wurde, was der Stadt schnell wirtschaftliche Bedeutung und den Wiederaufbau sicherte.

Jenseits des Neuen Platzes zwischen dem Rathaus, dem Alten Platz und dem Heiliggeistplatz mit zugehöriger Kirche ist am Rande einer kleinen Parkanlage das Landhaus zu finden, das auch heute noch als Sitz des Landtags dient, daher gut bewacht. Wer will und bezahlt kann aber vor allem den Großen Wappensaal mit 665 Wappen der Kärntner Landstände, Landeshauptleute, etc. besichtigen. Ich beließ es stattdessen bei einem Besuch des Kiki-Kogelnik-Brunnens im vorgelagerten Landhauspark.

Arkadenhof Altes Rathaus
Blicke in den Alten Platz

Der eingemauerte Kopf des unschuldig wegen Diebstahls hingerichteten Bäckerjungen soll den Stadtnamen erläutern

Das war es dann für mich auch fast schon in Sachen Kunst, lediglich ergänzt durch einen Besuch in der Stadtpfarrkirche St. Egyd, in der Ernst Fuchs seine Spuren hinterlassen hat. In der Kramergasse, auch noch heute DIE Einkaufsstraße und Österreichs älteste Fußgängerzone, kommt man am Wörthersee-Mandl von Heinz Goll vorbei, das mit der Sage der Entstehung des Wörthersees verbunden ist.

Kunstausstellungen in Klagenfurt derzeit Fehlanzeige, da das Museum Moderne Kunst Kärnten momentan wegen Ausstellungsumbau und das Rudolfinum Landesmuseum wegen Renovierung wohl bis 2020/21 geschlossen haben und die Stadtgalerie sich 2018 ausschließlich dem 500jährigen Stadtjubiläum (siehe oben) widmet.

Stadtpfarrkirche St. Egyd

Für andere Klagenfurt Besucher sei noch erwähnt, dass die Stadt neben dem Wörthersee auch noch Minimundus zu bieten hat, in der Sehenswürdigkeiten der Welt im verkleinerten Maßstab bewundert werden kann und wer den Überblick liebt, kann im etwas entfernten Keutschach am See auf einem Bergrücken den Aussichtsturm Pyramidenkogel aufsuchen. Literarisch interessierte können nicht nur am erwähnten Musil Haus vorbeischauen, sondern dem südlichsten deutschsprachigen Stadttheater einen Besuch abstatten.

Kein Zweifel, Klagenfurt hat mich für sich eingenommen. Der Puls der Stadt ist zwar lebhaft, aber eher beschaulich – eine Stadt zum Entspannen.

Banksy in Nötsch?
Museum des Nötscher Kreises

Nach Rückkehr zum Stellplatz erledigte ich noch die obligatorischen Entsorgungsmaßnahmen und trat den tourmäßigen Rückweg an. Da das Museum des Nötscher Kreises erst am Mittwoch seine Pforten öffnet und ich es schon längere Zeit auf der Besichtigungsliste hatte, nahm ich in Kauf, dass ich wieder rund 70km zurückfahren musste (s. eigener Bericht). Anschließend ging es dann direkt zu meiner heutigen Endstation, dem Werner Berg Museum Bleiburg (siehe Bericht). Den in einigen Womo-Apps aufgeführten kostenlosen Stellplatz Graben Bleiburg/Kärnten (4 Plätze auf Parkplatz, kostenlos für eine Nacht, keine V/E, 46° 35′ 27″ N 14° 47′ 47″ E bzw. 46°35’27.7″N 14°47’53.6″E / 46.591021, 14.798221, Graben 3-1, 9150 Bleiburg, www.bleiburg.at) fand ich allerdings nicht. Möglicherweise war es die Stelle, an der jetzt die Park- und Ladestation für E-Autos eingerichtet. Stattdessen bin ich oberhalb der Parkplatzzone auf eine geeignete Fläche ausgewichen, nachdem ich mich in den Märkten unterhalb mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ausgestattet hatte.

Optional hatte ich mir überlegt, auf der Fahrt nach Bleiburg einen kleinen Schlenker zur ältesten Kirche Kärntens Maria Saal und einen Fotostopp bei der legendären Burg Hochosterwitz einzulegen, glücklicherweise  dies jedoch verworfen, denn so war ausgiebig Zeit für einen entspannten und ausgedehnten Museumsbesuch im Werner Berg Museum, auf das auch im Ort an zahlreichen Häuserfassaden prominent hingewiesen wird.

Soviel für heute

Euer Atze