ÖsterreichKunstTour Frühjahr 2018 # 1

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

schon 2016, als ich meine erste Auslandstour mit dem Womo an der Donau entlang nach Wien unternahm, hatte ich mir vorgenommen, bei nächster Gelegenheit – sprich: Wien-Besuch – die Anfahrt über das südliche Österreich zu planen und bei der Gelegenheit neben Land und Orten auch die dortigen Kunststationen kennenzulernen. Ganz wird mir dies nicht gelingen, da einige wichtige Häuser zu diesem Zeitpunkt geschlossen haben – sei es wegen Umbau des Hauses oder wegen Ausstellungspause bzw. Ausstellungsumbau.

Abgesehen, dass es den idealen Zeitpunkt wohl nie geben wird, wäre ein Verschieben weder möglich noch sinnvoll (da sich Umbaumaßnahmen teilweise lange hinziehen), vor allem aber wartet ein Werkstatttermin auf mein Womo. Seit fast einem dreiviertel Jahr nervt gelegentlich die Fehlermeldung des Bordcomputers „Bitte Getriebe prüfen lassen, s. Handbuch“ im Display in Verbindung mit einem nervtötenden Pfeifton. Das Handbuch schweigt sich aus und belässt es bei dem Hinweis, man solle alsbald eine FIAT-Servicewerkstatt aufsuchen. Dort hat die Prüfung erbracht, dass mit dem Getriebe wohl alles in Ordnung ist, der Fehler wohl in der Bordcomputersteuerung liegen müsse. Nachdem die Software neu aufgespielt worden war, hatte ich ca. die nächsten 500 km meine Ruhe, dann aber wieder dasselbe. So tritt der Fehler in unregelmäßigen Zeit- und Entfernungs-Abständen auf, mal gehäuft alle paar Kilometer, dann auch nur ein oder zweimal und dann ist wieder Ruhe für einige Zeit. Auch die Fahrsituationen lassen keine Rückschlüsse zu, weder Geschwindigkeit, Belastung noch Außentemperatur haben einen Einfluss. Da der Defekt in der Garantiezeit aufgetreten und erfolglos bearbeitet worden ist, muss jetzt zeitnah zur Garantiezeit (Mai 2018) eine Fehlerbeseitigung angegangen werden. Hoffe, es ist erfolgreich und bedeutet für mich keine längere womo-lose Zeit. In einschlägigen Foren kann man nachlesen, dass der Fehler wohl kein Einzelfall beim Automatikgetriebe des Ducato ist.

Bisher bin ich auf dieser Tour von der Fehlermeldung verschont geblieben, Klopfen wir auf Holz(kopf). Ich schreibe diese Zeilen auf dem Stellplatz auf dem Messeparkplatz Klagenfurt. Aber der Reihe nach.

Montag 04.06.2018
Lienz (Osttirol)

Gestartet bin ich um die Mittagszeit über die A8 Richtung München, Nordumfahrung, und dann bei Rosenheim ab Richtung Kufstein. Für die österreichischen Autobahnen habe ich mir rechtzeitig (18-Tages-Frist) die digitale Vignette für 9 € gebucht. Schon angenehm, dass nicht noch ein temporärer Aufkleber die Frontscheibe verschandeln muss. Dann ging es die Felbertauernstraße an St. Johann vorbei, durch Kitzbühel und Mittersil durch auf die Anhöhe, bis man in die ca. 6 km lange Tunnelröhre des Felbertauern einfährt. Bezahlt wird auf der Südseite, geht kurz und schmerzlos entweder bar oder mit Karte am besetzten Autoschalter. Kostet einheitlich 11 €, egal ob PKW, Wohnmobil oder Gespann und unabhängig vom Gewicht. Nur Motorrad ist etwas günstiger.

Eigentlich bin ich bewusst frühzeitig losgefahren, weil ich für kleine Zwischenstopps entlang der Felbertauernstraße offen sein wollte. In Kufstein hat mich jedoch der Verkehrsstress abgehalten, für St. Johann hätte ich einen Abstecher machen müssen und es lief gerade so gut, in Kitzbühel nervte eine km-lange Einspurigkeit wegen Baumaßnahmen mit gefühlten ewigen Wartezeiten (außerdem hatte ich keine konkrete Vorstellung, was mir der Ort als Entschädigung für ein ggf. erweitertes Verkehrschaos zu bieten hat und zudem drohte eine dunkelgraue Wolkendecke nichts Gutes verheißend, die sich ins Tal abzusenken begann). Und so kam, was kommen musste. Kaum lag Kitzbühel hinter mir, fielen die ersten Regentropfen, die sich aber dann sehr schnell in Starkregen in Tateinheit mit kleinem Hagel wandelte. Ausgerechnet bei der Bergfahrt bis zum Tunnel. Nichts war es mit der erwarteten schönen Aussicht, das Wasser kam nicht nur von oben, sondern auch von den Steilhängen bzw. schoss die Straße herunter kreuz und quer über die Fahrbahn, je nachdem, wie die Neigung gerade war. Auf der anderen Seite des Tunnels waren die Wolken offensichtlich noch nicht angekommen, denn beim Austritt aus der Röhre und beim Bezahlen fielen nur noch wenige Tropfen. Die kleine Parkfläche nach der Zahlstation nutze ich wie manch anderer zu einem kurzen Zwischenstopp um wenigsten ein paar Fotos zu machen.

Die Hoffnung auf besseres Wetter war jedoch verfrüht. Nur wenige Minuten später setzte auch auf dieser Alpenseite der Starkregen wieder ein und legte bzgl. der Wassermenge noch eine Schippe drauf. Erst kurz vor meinem Etappenziel Lienz versiegte die Feuchtigkeit von oben.

Genächtigt habe ich auf einem inoffiziellen Stellplatz hinter dem Dolomitenbad Lienz (Rechter Drauweg 1 / 46°49’24.11 (oder .22)“N 12°45’46.27 (oder 48)“E – mein Navi und Smartphone sind sich da nicht einig). Der Platz ist relativ eben und wird gern als Parkplatz von Herrchen und Frauchen genutzt, die ihre Vierbeiner entlang der Drau Gassi führen oder selbst Joggen oder beides. Der Platz liegt direkt an der Drau, mit der Folge, dass diese sich beim gegenwärtigen Wildwasser mit rund 50 dB zu Gehör bringt (ins Womo dringt dann immer noch 20-25 dB durch). Also nichts mit plätscherndem Bach.

Über eine Holzbrücke neben dem Stellplatz gelangt man an die andere Uferseite zu einem gemütlichen Sitzplatz sowie einem Spielplatz für Kinder.

Am frühen Abend drang auch noch das regelmäßige Plop Plop von den angrenzenden Tennisplätzen herüber. Der Parkplatz des Dolomitenbades könnte ggf. für Geräuschempfindliche als Ausweichquartier dienen und ist zwar nicht erlaubt, wird aber wohl ohne Campingverhalten geduldet. So auch bei meinem inoffiziellen Stellplatz an der Drau. Nachdem sich nach kurzer Zeit der Regen auch bis Lienz durchgekämpft hat, allerdings in normaler Stärke, verschob ich den vorgesehen „Landgang“, sprich Stadtbesichtigung und hoffte auf den nächsten Morgen.

Folge des Starkregens in Tateinheit mit Hagel war übrigens, dass meine LIDL-Fahrradplane einige Löcher und Risse davongetragen hat. Mit speziellem Reparaturklebeband konnte ich sie notdürftig flicken, wird aber wohl die letzte Fahrt gewesen sein. Im Stauraum liegt schon eine teurere und stabilere und wartet auf ihren Einsatz.

Selbst wenn ich gewollt hätte, das Dolomitenbad konnte ich nicht nutzen, da es nur von Dienstag bis Sonntag geöffnet hat, das Restaurant darin allerdings ist die ganze Woche über zugänglich.

Dienstag 05.06.2018
Lienz / Spittal an der Drau / Gmünd in Kärnten / Klagenfurt

Die Nacht war zwar wegen der geräuschvollen Drau nicht wirklich ruhig, trotzdem hat dies meinen Schlaf nicht gestört. Da ich frühzeitig ins Bett ging, war ich auch morgens zeitig wach. Die nächtliche Kälte hat dazu evtl. auch etwas beigetragen, denn beim Frühstück zeigte mein Thermometer nur lausige 16 Grad im Innenraum an. Statt Heizung zog ich mir einen Pulli über, denn die Sonne versprach baldige höhere Temperaturen. Und dies trotz Schattenplatz, was im Übrigen auch abends für den SAT-Empfang nicht hinderlich war, die Satelliten stehen offensichtlich günstig in der Baumschneise.

Zwei Ratschkatln im Gerichtsinnenhof

Für den Stadtbummel wechselte ich auf einen Parkplatz am Rande des Stadtzentrums. Für PKW gibt es sie reichlich, womo-geeignete sind etwas rarer (ggf. eher beim Bahnhof). In der Tourist-Information besorgte ich mir Material für den kleinen Rundgang und evtl. spätere intensivere Aufenthalte in Osttirol. Die Innenstadt macht einen entspannten Eindruck und ist mit Straßenbewirtung und Fußgängerzone auch für einen Aufenthalt gut. Am Stadtrand beim Schloss Bruck befindet sich die Schlossbergbahn (Osttiroler Sommerodelbahn) und etwas außerhalb auf der anderen Talseite lockt das Archäologische Museum Aguntum.

Mein Ansinnen richtete sich jedoch auf das Schloss Bruck – Museum der Stadt Lienz. Leider wurde ausgerechnet ab heute 6 Uhr der Parkplatz auf der Anhöhe neben dem Schloss wegen Sanierungsarbeiten gesperrt, so dass ich den Aufstieg vom Parkplatz der Schlossbergbahn auf mich nehmen musste. Hat Kreislauf und Pumpe heftig ans Arbeiten gebracht, war aber leichter als befürchtet, obwohl mein Ducato bei der Hochfahrt zum Parkplatz heftig ans Schalten und Schnaufen geriet. Der Fußweg macht aber etwas mehr Schlenker, ist aber in nicht ganz 10 Minuten zu bewältigen. Das Schloss selbst, obwohl gerade frisch saniert und renoviert, ist ebenfalls nicht behindertengerecht – kein Fahrstuhl, viele teilweise enge Treppen. Aber der Aufstieg hat sich gelohnt und war schon ein Highlight des Tages (näheres siehe Rubrik Kunst).

Der weitere Weg führte mich im Tal der Drau nach Spittal an der Drau. Apropos Drau. Obwohl diese in Lienz als der kleinere Fluss erscheint, nimmt sie dort dem Gletscherfluss Isel den Namen ab und wird zum viertlängsten Nebenfluss der Donau. Für Radbegeisterte ist der Drau-Radwanderweg ausgewiesen.

Nach Spittal an der Drau zog mich allein das Schloss Porcia, angeblich einer der schönsten Renaissancebauten nördlich der Alpen. Besonders sehenswert ist dabei der Innenhof, der als Arkadenhof ausgestaltet ist. Allerdings war das Glück mir nicht wirklich hold, denn der Innenhof war wegen Aufbau der Theatertribühne gesperrt. Aufgrund eines Insidertipps konnte ich mir aber doch einen Zugang erschleichen und wenigstens von der Theaterbühne aus ein Blick in den Arkadenhof werfen, der aktuell wegen der Aufführungen auch überdacht ist. Im Schloss Porcia ist neben der Tourist-Information das Museum für Volkskultur sowie die Galerie der Stadt untergebracht – letztere bot während meiner Anwesenheit in der Stadt aber nichts Sehenswertes.

Angenehm hingegen der angrenzende Stadtpark, in dem ich mir genussvoll das auf der anderen Parkseite bei der Eisdiele il gelato erworbene Eis mit teilweise neuen Eissorten schmecken ließ.

Nach etwas mehr als einer Stunde Aufenthalt in der Stadt steuerte ich mein weiteres Hauptziel für den heutigen Tag an, die oberhalb von Stittal liegende Stadtgemeinde Gmünd in Kärnten an – die selbsternannte Künstlerstadt. Und tatsächlich, die mit rund zweieinhalbtausend Einwohnern kleine Stadt hat künstlerisch einiges zu bieten. Neben Ateliergalerien warten mehrere Galerien mit Fotografien, Skulpturen und Malerei auf, Landart und ein Skulpturengarten sind zu betrachten und in der Stadtturmgalerie wird über den Sommer immer ein prominenter Künstler präsentiert (siehe Rubrik Kunst). Neben der Kunst und einem schönen Stadtbild hat Gmünd noch mindestens zwei andere Attraktionen zu bieten. Direkt am Weg vom Parkplatz zum Hauptplatz kommt man am Pankratium Gmünd. Das Haus des Staunens vorbei. Hier handelt es sich um eine interaktive Erlebniswelt für Menschen aller Altersstufen mit über 50 Experimentierstationen sowie zahlreiche künstlerische und technische Objekten. Autoaffin e können das Porsche Automuseum Helmut Pfeifhofer besuchen. Hier in Gmünd wurde der erste Porsche gebaut, der legendäre 356.

Das Stadtbild – besonders eindrucksvoll leider nur von der Autobahn bzw. der Abfahrt zu sehen und daher nur mit Aufwand zu fotografieren (oder vom Beifahrersitz aus dem offenen Fenster) – wird dominiert von der über dem Ort thronenden Alten Burg, heute ein Kulturzentrum, sowie der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Am Ende des Hauptplatzes steht das Schloss Lodron neben dem mittelalterlichen Pranger, dahinter der Porsche-Park in Gedenken an Prof. Ferdinand Porsche, der von 1944-1950 in Karnerau bei Gmünd sein Konstruktionsbüro betrieb.

Mir reichte die Zeit nur für drei Ausstellungen, denn während ich in der Stadtturmgalerie die sehenswerte Henri-Matisse-Grafik-Ausstellung besichtigte zog erneut ein Unwetter auf. So beschloss ich, möglichst noch trocken zum Womo zu gelangen, welches ich auf dem großen Parkplatz Ost (Prunner-Parkplatz) seitlich vor der Stadt abgestellt habe. Und es gelang. Kaum hatte ich den Motor zur Weiterfahrt an den Wörthersee angeworfen, fielen die ersten Tropfen.

Eigentlich sah mein Plan vor, den Tag entspannt bei einer heißen Schokolade und Kuchen beim berühmten Schloss Velden (Falkensteiner Hotel am Wörthersee) und noch einer kleinen Stippvisite bei der Wallfahrtskirche Maria Wörth ausklingen zu lassen. Das Schloss in bester Seelage ist vor allem durch die langjährige TV-Serie Ein Schloss am Wörthersee mit Roy Black bekannt. Allerdings bringt es die prominente Lage mit sich, dass die Parkplatzsuche mit Womo ein schwieriges Unterfangen ist. Zwar war es von oben her noch trocken, aber ein Blick über den See zeugte vom drohenden Unheil. Also gab ich die Suche schnell wieder auf und entschied mich, wenigstens noch einen (Foto)Blick auf die idyllisch auf einer kleinen Halbinsel am Südufer des Wörthersees gelegene gotische Wallfahrtskirchlein Maria Wörth zu werfen. Allein, diese Rechnung habe ich ohne Petrus gemacht. Obwohl nur 8 km entfernt, holte mich ein mindestens so heftiger Starkregen mit leichtem Hagel ein wie Vortags, so dass ich die Absicht aufgab und direkt den heutigen Stellplatz ansteuerte. Die Wasserlachen waren dabei teilweise so heftig, dass richtige Fontänen beim Durchfahren rechts und links meterhoch davonspritzten. Glücklicherweise waren bei diesem Wetter keine Fußgänger mehr unterwegs, die geduscht hätten werden können. An zwei Stellen mussten wir eine Furt durchqueren, in der sich das Wasser mangels Abfluss so angesammelt hat, dass der PKW vor mir mit seiner Stoßstange schon die Wasseroberfläche berührte.

Kurz vor Klagenfurt war der ganze Spuk vorbei. So konnte ich noch kurz den offiziellen Stellplatz auf dem Messeparkplatz P1 erkunden. Kurz nach mir kam dann noch ein holländisches Paar an die rechte Seite und schon bei Dunkelheit schob sich ein weiteres Womo auf den noch freien dritten Platz. Alle Plätze sind großzügig dimensioniert (waren wohl mal mehr), Strom, V/E/WCe am Platz. Gebühr für 24 Stunden günstige 5 €, zumal der Platz nur einige hundert Meter von der Kernstadt entfernt liegt.

 

Soviel für heute

Euer Atze