Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 9

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 9

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Nacht war ausgesprochen ruhig und selbst am Morgen hat das langsame Füllen des Pendlerparkplatzes kaum Störungen verursacht. Grundsätzlich gibt es übrigens auf dem Bahnhof Toiletten, allerdings muss man hierzu den Schlüssel aus dem Kiosk besorgen, was wohl nur tagsüber klappen dürfte. Zwar hat die DHL eine Paketstation mit integriertem WC gegen Geldeinwurf aufgestellt, dieses ist aber derzeit wegen Defekt außer Betrieb.

Tag 9 Mittwoch 31.08.2016 – Frankfurt / Kronberg im Taunus / Seeheim-Jugenheim / Groß-Umstadt

Die Idee mit dem Park+Ride-Besuch von Frankfurt und der Start aus Kronberg haben sich als sehr entspannend herausgestellt. Da Kronberg ein Sackbahnhof ist und somit die Endstation, steht dort die S4 vor jeder Abfahrt gute 7 Minuten auf Bereitschaft. Die Bahn um 9.08 Uhr war übrigens bis Frankfurt Messe sehr übersichtlich belegt, aber auch danach gab es kein Gedrängel. Mit der U4 ging’s dann zwei Stationen vom HBF zum Dom/Römer, dem Standort der

Schirn Kunsthalle Frankfurt
nur noch bis 18. September 2016
Pioniere des Comic – Lyonel Feininger / George Herriman / Winsor McCay u.a.
Insbesondere Winsor McCay hat mit seiner Comicseite „Little Nemo in the Slumberland“ den Grundstein für den klassischen Comic gelegt, wie wir ihn heute kennen, d.h. ein dynamisches Bildraster und filmischer Bildaufbau (Weitwinkel, Zoom etc.). Auch ist er der Pionier des kommerziellen Zeichentrickfilms. Er war der erste, der mit einem aus über 10.000 Einzelbildern entworfenen Zeichentrickfilm in Theatern und Jahrmärkten auftrat und mit den gezeichneten Figuren (z.B. Gertie, ein Saurier) vor Publikum interagierte. Auch sonst eine spannende Ausstellung, allerdings war mir das Lesen der einzelnen Seiten zu mühsam – einerseits ist das im Stehen nervig und andererseits reicht mein bescheidenes Englisch auch nicht zum vollen Verständnis der amerikanischen Redewendungen. Das hole ich dann lieber bei Gelegenheit im hervorragenden Katalog nach. Zwar bereits bekannt, war es doch eine Wissenserweiterung, das Comicwerk des späteren Künstlers Lyonel Feininger etwas mehr ausgebreitet vorgeführt zu bekommen.

noch bis 03. Oktober 2016
Kunst für alle! Farbholzschnitte in Wien um 1900
Die gut präsentierte Ausstellung wird von einem üppigen Katalog im Großformat von TASCHEN begleitet. Das Aufkommen des Farbholzschnitts hängt unmittelbar mit der Öffnung Japans gegenüber dem Westen Anfang der zweiten Jahrhunderthälfte des 19. Jh. zusammen. Händler importierten zunächst japanische Farbholzschnitte als schnödes Packpapier, in das die japanischen Keramiken oder Früchte eingewickelt waren. Erst später fanden dann auch die hinlänglich bekannten japanischen Farbholzschnitte der bekannten Geisha-, Theater-, Liebes- und Landschaftsszenen als Kunstwerke in den Handel. Manet, Monet, Gauguin, van Gogh waren nachweislich im Besitz solcher Drucke, insbesondere Letzterer ließ sich dadurch in der Komposition seiner Bilder deutlich anregen. Die Ausstellung zeigt die teilweise aufwendige Drucktechnik aus bis zu 64 Farbplatten, aber präsentiert auch technische Abwandlungen, die teilweise eigentlich nichts mehr außer der optischen Anmutung mit dem Holzschnitt zu tun haben. Am nächsten ist da sicher der Stempeldruck – insbesondere vom Wiener Jugendstil gern verwendet – wohingegen der Druck mit Papierschablonen zwar das Medium wechselt, aber noch Hochdruck darstellt. Bei der Schablonenspritztechnik, die mancher aus dem eigenen Kunstunterricht noch kennen wird, handelt es sich aber um kein Druckverfahren, wohl aber durch die mehrfache Verwendung der Schablonen um eine Vervielfältigungstechnik. Interessante Anregung gab dies aber allemal für das eigene Tun in den Wintermonaten.

Danach noch ein Abstecher in das

Caricatura – Museum für komische Kunst Frankfurt
unweit um die Ecke. Dort läuft noch bis 30. Oktober 2016 eine Ausstellung des Illustrators Sebastian Krüger, welcher durch zahlreiche karikierende Titelbilder von Prominenten für Illustrierte (u.a. Stern, Spiegel, Titanic, vor allem die Zeitschrift Kowalski) und dabei vor allem den Rolling Stones bekannt geworden ist. Im Obergeschoss präsentieren sich übrigens die Gründungsväter des Museums, die Zeichner der Neuen Frankfurter Schule (Waechter, Gernhardt, etc.) in einer wechselnden Dauerausstellung. Kunst zum Lachen oder Schmunzeln und mit Biss.

Nach vier Stunden ging es zurück nach Kronberg und dort zum

Museum Kronberger Malerkolonie
die noch bis 30. Oktober 2016
Geschichte der Kronberger Künstlerkolonie
die wohl älteste deutsche Künstlerkolonie (Gründung gegen Mitte des 19. Jahrhunderts) präsentiert. Damit ist ein Baustein in meinen Nachforschungsbemühungen zu Künstlerkolonien ergänzt, allerdings aus meiner Sicht kein besonders leuchtender. Die Künstler sind überwiegend der Landschafts- und Genremalerei Mitte des 19. Jahrhunderts verpflichtet, wie sie damals an den Akademien gepflegt wurde. Jeder kunstrevolutionärer Antrieb hat offensichtlich gefehlt, weder waren die Bildgegenstände ungewohnt oder sozialkritisch, noch die technische Umsetzung.

Allerdings habe ich beim Anstieg zum Museum deutlich erfahren, warum Kronberg so heißt, und meine Füße haben deutlich signalisiert, dass sie einer Erkundung des sicher netten Ortes den Dienst verweigern wollen. Lediglich in den Viktoria-Park haben mich meine Schritte noch am Rande wegen des Schattens geführt, er erstreckt sich nämlich in gewaltigen Ausmaßen gleich hinter dem Bahnhof und dem Kronberger Hof unterhalb der Stadt, schön gelegen und auch mit mehreren Gewässern garniert. Nicht mal für die Suche nach einer Eisdiele konnten Kopf und Magen die Füße motivieren.

Stattdessen habe ich mich entschlossen, gleich eine Ausstellungsstation anzusteuern, die glücklicherweise bis 19 Uhr geöffnet hat und zu der es mir schon zweimal, als ich weitläufig in der Darmstädter Gegend war, nicht gereicht hat.

Museum Stangenberg Merck Seeheim-Jugenheim
Dauerausstellung
Heidy Stangenberg-Merck
Eine sehr geräumige Jugendstilvilla und früherer Sommersitz der Darmstädter Industriellenfamilie Merck dient heute als Museum für die Enkelin und vor allem Urenkelin sowie deren Mann. Für die Anfahrt geht es steil bergan, so dass mal wieder der Zugkraftverstärker des Ducato ins Spiel kam. Oben eine herrliche Aussicht über das Tal. Die ausgestellte Kunst stellte hingegen entgegen meinen Erwartungen aufgrund einzelner Reproduktionen überwiegend kein Highlight dar.

Da ich morgen meine Rückreise mit der ersten Etappe Aschaffenburg starten will, habe ich einen Stellplatz in diese Richtung gesucht. Den zunächst angefahrenen kostenlosen Übernachtungsparkplatz in Dieburg (Güterstraße) kann man m.E. rundweg vergessen. Er liegt in einem reinen Gewerbegebiet und man ist zwischen ebenfalls abgestellten LKW eingekeilt, mal abgesehen davon, dass vermutlich der Lade- und Lieferbetrieb bis in den den späteren Abend hinein und auch am frühen Morgen fortgesetzt wird.

Nun stehe ich auf dem relativ ruhigen

Parkplatz Freibad Groß-Umstadt (64823)
Höchster Straße
N 49° 51‘ 28“
O 08° 55‘ 41-952“
In Womo-Apps wird teilweise angegeben, dass der Platz innerorts liegen würde, was ich für geprahlt halte. Zwar habe ich keine Drohne bei mir, aber auch Google sieht weit und breit nur Grünland, wenn man mal vom Freibadgebäude absieht. Von dort höre ich soeben die Ansage, dass die Freibadsaison mit dem heutigen Tage zu Ende geht. Auch die Angabe 3 Plätze sollte man nicht zu ernst nehmen. Platz ist mehr, sofern nicht PKW wegen regem Badebetrieb die Stellplätze belegen. Außerdem sind nur die Zufahrtstraßen asphaltiert, der Park- und Stellplatz selbst ist befestigte Erde mit schütterem Riesel bzw. Schotter.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

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