Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 8

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 8

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

nach einem gemütlichen Hock auf dem angenehmeren Stellplatz bei Schaals (Rasen/Rasensteine) und häufiger vom Fluglärm unterbrochenen Plausch wurde es doch in Richtung Mitternacht sehr frisch. Da ich zudem in der Frühe vor sieben Uhr starten wollte, verzogen wir uns in unsere Womos, die übrigens nicht mal 200m voneinander entfernt standen (gebucht war mein Stellplatz bis 7 Uhr, wobei der Zeitraum von 16.01 des Vortags bis 7.59 h des Folgetags als ein Tagessatz zählt). Gegen 6.30 h war ich auf der Straße, so hoffte ich hauptsächlich dem Berufsverkehr etwas vorneweg zu schwimmen, was auch gut geklappt hat, denn gegen 8 Uhr traf ich am Bahnhof Rolandseck ein.

Tag 8 Dienstag 30.08.2016 – Rolandseck/Remagen / Wiesbaden / Mainz / Kronberg im Taunus

Arp Museum Bahnhof Rolandseck Remagen
noch bis 16. Oktober 2016
Menschenskinder. Kinderleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit
noch bis 22. Januar 2017
Andere Wirklichkeiten (Werke von gehandicapten Künstlerinnen und Künstlern – einige sehr beeindruckende dabei)
noch bis 23. April 2017
Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp und Dada in Zürich (Sammlungsausstellung)
Leider habe ich die am Sonntag zu Ende gegangene Ausstellung von Barbara Hepworth verpasst. Die englische Bildhauerin ist mit ihrem Werk aus meiner Sicht durchaus gleichrangig mit Henry Moore, in ihren Skulpturerfindungen erscheint sie mir sogar etwas vielfältiger. Bedauerlicherweise hat auch der Katalog dafür nicht entschädigen können, da er mangels attraktiver Gestaltung nicht in meinen Besitz gewechselt ist. Dieser Sonderausstellung war es auch geschuldet, dass das Werk von Arp um mehr als die Hälfte geringer präsentiert wurde als dies wohl sonst der Fall ist. Die sehr sehenswerte Ausstellung zur Kinderthematik verbindet einen Teil der Sammlung Rau, die der Arzt der UNESCO vererbt hat und die – bis auf den unter den Hammer gekommenen Teil – als Dauerleihgabe im Bahnhof Rolandseck verwahrt und mit wechselnden Themenbezügen präsentiert wird. Ich habe einen großen Teil der Sammlung noch zu Lebzeiten des Sammlers vor rund 20 Jahren in München im Haus der Kunst bewundern können.

Der Bahnhof Rolandseck ist auch als Ensemble sehenswert. Der historische Bahnhof wurde zu einem Museum mit Restaurant umgebaut, wobei der Bahnbetrieb hinterm Haus nach wie vor läuft, nur eben nur noch als Haltestelle ohne Bahnhof. Unter den Gleisen durch ist eine Tunnelröhre getrieben und weiter oben auf dem Hang ist ein modernes Museumsgebäude des amerikanischen Architekten Richard Meier entstanden (hat u.a. auch Ulmer Stadthaus und Museum Frieder Burda entworfen), in das man mittels halb gläsernem Lift um etliche Höhenmeter angehoben wird. Auch im Museumsbau ist Glas ein wesentlicher Baustoff.

Kostenlose Parkplätze befinden sich unterhalb des Bahnhofs gegenüber der Autofähre über den Rhein. Diese verbindet Rolandseck mit Honnef (manchen vielleicht noch aus BAföG-Zeiten ein Begriff). Für mich war dies ein schöner Platz, das Frühstück nachzuholen und dabei dem Treiben auf dem Rhein zuzusehen.

Mit meinen nächsten Stationen (auch denen vom Mittwoch) setze ich eigentlich die Tour vom Juni fort, die ich damals wegen Starkregen, Überschwemmungen und Sturm abgebrochen habe.

Wie schon im vergangenen Jahr in den ATZE Kunstnews kann ich mich wieder nur begeistert zum

Museum Wiesbaden äußern.
noch bis 09. Oktober 2016
Fritz Erler – Von der Scholle nach Verdun
noch bis 23. Oktober 2016
Käthe Kollwitz und Ernst Barlach
August Macke zu Gast bei Jawlensky
noch bis 30. April 2017
Von Schwind bis Stuck (Sammlungspräsentation)
Während die Erler-Ausstellung ein schweres Erbe des Museums beleuchtet, nämlich ein Geschenk von überwiegend Kriegsbildern des Mitbegründers der Künstlervereinigung „Die Scholle“, welche als offizieller Kriegsmaler entstanden sind und denen jede kritische Distanz zum damaligen Geschehen a la Dix u.a. komplett abgehen. Dazu bildet die Kollwitz/Barlach-Ausstellung den angemessenen und künstlerisch herausragenden Kontrast. Die Ausstellung konzentriert sich weitgehend auf die Darstellung der Armut und (Kriegs)Not. Eine hervorragende Ausstellung und ein hervorragend gemachter Katalog. Augenfutter ist dann das Zusammentreffen zweier Blauer Reiter. August Macke ist von allen sowieso der Lebensfreudigere mit den strahlenden hellen Farben, umso mehr schade, dass 1914 kurz nach Kriegsbeginn das Künstlerleben erloschen ist. Alexej von Jawlensky ist in Wiesbaden sowieso der Hauskünstler, d.h. das Museum hat einen umfangreichen Sammlungsbestand, da Jawlensky in Wiesbaden lange Jahre gelebt hat und das Museum am Nachlass partizipiert hat. Regelmäßig bemüht sich das Museum auch seinen sonstigen reichhaltigen Bestand von sakraler Kunst des Mittelalters bis zur Gegenwart in thematischen Zusammenhängen oder durch herausstellen einzelner Künstler zugänglich zu machen (zur Zeit der gestische Abstrakte Ströher).

Öffentliche Parkplätze gibt in einer Seitenstraße rechts vom Museum sowie etwas weiter entfernt in der Straße links vom Museum (u.a. auch ein Parkhaus).

Glücklicherweise haben Wiesbaden und Mainz am Dienstag einen langen Öffnungstag, so dass mir der Sprung nach Mainz noch gelang (erstmals in Verbindung mit Staus auf dieser Tour).

Landesmuseum Mainz     
noch bis 09. Oktober 2016
Ein Stück norddeutscher Himmel – Emil Nolde und die Brücke
Es war vielleicht glückliche Fügung, dass es letzten Donnerstag mit dem Besuch des Museumsberg Flensburg nicht mehr geklappt hat, nämlich viele der in Mainz ausgestellten Bilder waren Leihgaben von dort (die Ausstellung ist ein Kooperationsergebnis) und hätten dort also gefehlt. Eine sehr schöne Ausstellung, wobei bis auf einige leuchtenden Landschafts- und Blumenaquarelle von Nolde mir die Landschafts- und Küstenbilder der anderen Brücke-Künstler mehr zugesagt haben. Liegt eindeutig daran, dass ich leuchtende Farben liebe, wohingegen Nolde in weiten Teilen seines Werks eher düstere Farbgebungen vervorzugt hat. Dass es dazu noch einen preiswerten schön gemachten Katalog zu erstehen gab, hat den Ausstellungstag heute abgerundet. Einen öffentlichen Parkplatz fand ich glücklicherweise direkt auf der Rückseite des Museums, für PKW gibt es in einer Seitenstraße auch ein Parkhaus.

Im Anschluss steuerte ich meinen Übernachtungsplatz an, den kostenlosen Park + Ride S-Bahn-Parkplatz Kronberg im Taunus. Für 9,10 € habe ich mir auch bereits eine Tageskarte für Frankfurt besorgt und werde von hier aus bequem per S4 in die City von Frankfurt reisen (Fahrzeit zum Hauptbahnhof ca. 25 Minuten). Der Parkplatz bietet üppig Platz und auch andere Wohnmobilisten sind offensichtlich auf diese Idee gekommen. Empfehlen kann ich auch nur wenige hundert Meter entfernt den Kronberger Hof, auf dessen Terrasse ich wohlschmeckend gespeist habe (3 Gänge Menü für 17 €, 2x 0,5l Cola Light für je 4,50 € – da kann man nicht meckern). Auf Kronberg bin ich übrigens gekommen, weil ich da am morgigen Nachmittag noch eine Ausstellung zur Kronberger Malerkolonie besichtigen will, die nur Mittwochspätnachmittag und am Wochenende zu besichtigen ist.

Nachdem ich mental gestern etwas geschwächelt habe und die Tour mit dem morgigen Tag abschließen wollte, trage ich mich jetzt doch mit dem Gedanken, die Heimreise mit weiteren Stationen um einen Tag hinauszuzögern.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

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