Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 6

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 6

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

zwei kleine Korrekturen zum gestrigen Bericht muss ich anbringen: Geparkt habe ich in Oldenburg in der Elisabethstraße, an deren Spitze sich das Augusteum befindet (nicht Albertineum). So steht es zumindest auf der Eintrittskarte für die drei Häuser des Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie auf dem Parkschein.

Die Nacht in Sögel war ruhig, wenn man mal davon absieht, dass die Musik vom ca. 1 km entfernten Schlossfest noch bis hierher drang und bei Dunkelheit ein gewaltiges Feuerwerk den Himmel erstrahlen ließ. War wohl doch ein größeres Event. Nächtens erhielten wir dann nach knapp einer Woche durchgehenden Sonnenscheins eine kleinere Dusche, die den Morgen wieder bei Sonnenschein mit frischer Luft garniert. Der Stellplatz ist wirklich sehr ruhig, wenn nicht gerade Sportplatzbetrieb ist oder die Frau Nachbarin 30 min ihren 100 qm Rasen mit einer Höllenmaschine um 20.30 h plagen will.

Tag 6 Sonntag 28.08.2016 – Sögel / Ootmarsum (NL) / Düsseldorf

Schloss Clemenswerth am Ortsrand von Sögel ist für sich genommen schon ein sehenswertes Kulturdenkmal und ein weiteres  Zeugnis, dass die bayerischen Wittelsbacher einen Bauvirus haben. In den Jahren 1737 bis 1747 wurde es als Jagdschloss des Kurfürsten und Erzbischof von Köln, Clemens August, errichtet. Dieser Clemens August war ein Abkömmling der in Bayern regierenden Wittelsbacher, die zunächst München architektonisch und museal geprägt haben und deren Ludwig II. dann etliche der touristischen Attraktionen in die Landschaft zwischen Füssen und Chiemsee stellen ließ.

Wie es sich für ein Jagdschloss gehört ist es rundum von Wald umgeben, in den sternförmig Parkschneißen mittels Lindenalleen angelegt sind. Ebenso ist das Schloss selbst sternförmig angelegt. Das Schloss besteht nämlich nicht aus dem üblichen Baukomplex, sondern aus insgesamt 9 Gebäuden. Im Zentrum der Zentralbau des Kurfürsten selbst, in einem Ring darum sternenförmig 8 weitere Gebäude, die entweder als Gästehäuser dienten oder denen besondere Funktionen zukamen (Schlossküche mit hist. Abortanlage im Hinterbau, Jagdbau und Zuckerbäckerei). Zwei Gebäude waren (und sind immer noch) dem Kapuzinerkloster vorbehalten, in einem befindet sich auch die Schlosskapelle. Clemenswerth ist die einzige erhaltene Alleesternanlage weltweit, weshalb die Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste angestrebt wird. Auf einer Seite mündet die Parkwaldanlage in einer pfeilmäßig angelegten Gewässeranlage, man wollte ja schließlich auch Wasservögel jagen.

Nur einzelne der Pavillon genannten Gebäudetrabanten kann man besichtigen, da die anderen nach wie vor genutzt werden. Den Zentralbau kann man nur mit Führung besichtigen, die nach Bedarf stündlich angeboten wird.

Mit der Eintrittskarte erhält man zu anderer Zeit auch 50% Ermäßigung in den Schlössern Augustusburg und Falkenlust in Brühl (Weltkulturerbe), dem Emsland Moormuseum Geeste-Groß Hesepe bzw. dem Museumsdorf Cloppenburg, außerdem in der Vesting Bourtange/NL (Festung), Schwerbehinderte sollen mit der Ermäßigungskarte gar kostenlos die anderen Einrichtungen besuchen können.

Etwas enttäuschend war der eigentliche Anlass für meinen Besuch, nämlich die aktuelle Kunstausstellung. Sie erstreckt sich sehr übersichtlich über zwei nicht allzu große Räume, war also nach 10 Minuten besichtigt. Trotzdem hat sich der Abstecher nicht nur wegen der Schlossanlage gelohnt, sondern ich habe mit Heinrich Everz einen hervorragenden Holzschneider aus Westfalen und dem Emsland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennengelernt und sogar einen kleinen Katalog aus 1982 erwerben können.

Emslandmuseum Schloss Clemenswerth Sögel
noch bis 30. Oktober 2016
Sonderausstellung „Maler sehen die Geestlandschaft des Hümmlings“

Im Anschluss ging die Fahrt knapp über die niederländische Grenze. Vor rund zehn Jahren habe ich in Berlin anlässlich eines Ausstellungsbesuchs zufällig den von mir geschätzten Künstler Ton Schulten persönlich kennengelernt und längere Zeit mit ihm über seine Bilder und Kunst im Allgemeinen geplaudert. Zum Abschluss hat er mich zu einem Besuch seines Museums und seiner Galerie in Ootmarsum eingeladen. Diese Gelegenheit wollte ich heute wahrnehmen, wobei ich die Einladung nicht persönlich verstanden habe, sondern auf sein Werk, also nicht die persönliche Begegnung wiederholen wollte.

Als ich nach Ootmarsum kam, waren sämtliche Parkplätze überfüllt, die Straßen von parkenden Autos gesäumt und die Innenstadtstraßen gesperrt. Nach einiger Suche fand ich in fußläufiger Entfernung in einer Siedlung am Ortsrand ca. 900m vom Museum entfernt noch einen Straßenparkplatz. Grund des Trubels – der Ort veranstaltete einen großen Kunst- und Kunsthandwerkermarkt. Dabei ist mir beim Flanieren durch die Straßen und Gassen erst bewusst geworden, dass es sich bei Ootmarsum um eine sehr kunstsinnige Ortschaft handeln muss, denn es beherbergt eine Vielzahl von Galerien. So hat sich mein Besuch sowohl inhaltlich wie zeitlich massiv ausgedehnt. Als ich nach ca. dreieinhalb Stunden fußlahm wieder beim Womo ankam, hatte ich neben den beiden Schulten-Häusern ein weiteres Museum besichtigt und ca. 7 Galerien und in 7 Straßenzügen und dem Kirchplatz zahlreiche Künstlerstände.

Museum Ton Schulten Ootmarsum + Galerie Ton Schulten Ootmarsum (NL)
Dauerausstellungen und Verkauf

Etwas verspätet und leider nicht so fußschonend wie angesichts des morgigen Messetages geplant setzte ich daher die Fahrt nach Düsseldorf fort – und zu meiner Überraschung und Freude wie die komplette bisherige Tour ohne in einem Stau zu landen – dem Navi/Smartphone sei es gedankt.

Der reservierte Platz auf dem P1 der Messe Düsseldorf (Wohnmobilplatz) ist aufgrund gefühlter Überfüllung (oder Fehlorganisation) zwar nicht optimal, weil außerhalb der eigentlichen Parkzone auf einen zugewiesenen Randstreifen gequetscht. Aber ich will hier ja nicht Erholung tanken, sondern vernünftig nächtigen und Informationen zu Zusatzausstattungen und Tourzielen recherchieren – und dafür reicht es. Als kostenfreies Mitglied im Caravan Salon Club erhält man bei Online-Reservierung sowohl Platz wie Ticket auch deutlich reduziert.

Mit dem netten älteren Paar in der Nachbarschaft aus dem Raum Lippe habe ich mich auch noch nett anderthalb Stunden unterhalten, bevor ich den Versuch unternahm, Jürgen + Marion auf dem Platz ausfindig zu machen, ein Unterfangen, dass ich aber bald aufgab, da man da eher eine Nadel im Heuhaufen finden wird, als ohne Orientierung (Bereich/Reihe) einen Carthago C-Line aus RV ausfindig zu machen. Das Telefon scheint auch nicht auf Empfang zu stehen. Mal sehen, vielleicht läuft man sich morgen ja auf der Messe über den Weg.

 

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten