Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 5

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 5

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Nacht in Oldenburg verlief sehr ruhig und morgens um sieben stand ich allein auf dem Parkstreifen in der Huntestraße, was ich natürlich sogleich genutzt habe, auf die vorderste Position zu fahren. Übrigens ist mir aufgefallen, dass auf beiden Straßenseiten die eingezeichneten Parkzonen eher für Wohnmobile als für PKW dimensioniert sind. Oldenburg rechnet vermutlich mit entsprechender Nutzung durch Touristen.

Das Stadtfest hat sich, wie mir beim morgendlichen Stadtrundgang aufgefallen ist, auf die komplette verkehrsberuhigte Kernstadt innerhalb des Altstadtrings erstreckt und auf anderen Plätzen gab es offensichtlich auch Live-Darbietungen, zumindest zwei Bühnen habe ich entdeckt. Unweit des Schlosses steht eine ansehnliche Kirche, allerdings ist sie außerhalb von Gottesdiensten nur von 11-12.30 Uhr geöffnet. Man verpasst aber nichts, denn innen ist der Kuppelbau karg ausgestaltet.

Tag 5 Samstag 27.08.2016 – Oldenburg / Dangast / Sögel

Der morgendliche Rundgang endete um 10 Uhr beim

Horst Janssen Museum Oldenburg
An Horst Janssen scheiden sich die Geister – die einen halten ihn (wie ich) für einen genialen Zeichner, die anderen können mit seiner Kritzelei nicht viel anfangen. Künstler und Mensch bilden bei Janssen eine Einheit, sein Erzähltalent und sein Hang zur Selbstdarstellung ziehen sich durchs Werk. Leider sind derzeit zwei der drei Stockwerke mit einer Sonderausstellung Plakate von Niki de Saint Phalle & Jean Tinguely belegt, so dass Janssen sehr konzentriert präsentiert wird – überwiegend das Frühwerk.

Anschließend besuchte ich im Schlossbau des

Landesmuseums Oldenburg
nur noch bin 11. September 2016
Heinz Liers

Der Künstler ist nach dem Krieg vom vormaligen Osten Deutschlands in den Oldenburger Raum umgesiedelt, hat als Kunsterzieher an einer Realschule gewirkt und sich als Künstler und Kunstkritiker für die regionale Zeitung betätigt, bevor es ihn nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst zunächst nach Hannover, dann in den Raum Stuttgart verschlagen hat. Stilistisch bewegt er sich zwischen Paul Klee, Adolf Fleischmann und der konkreten Kunst. Eine schöne Ausstellung, wenn auch kein Highlight.

Das weitere Schloss habe ich nicht besichtigt, widmet sich primär der eigenen Herrschaftsgeschichte, der Regionalgeschichte sowie sakraler Kunst früherer Epochen. Bildende Kunst bis zum 18. Jahrhundert wird hingegen im Albertineum an der Huntestraße (ca. 300m entfernt) gezeigt. Habe ich für dieses Mal auch verschmäht. Genau gegenüber der Kreuzung befindet sich das

Prinzenpalais des Landesmuseums Oldenburg
Dauerausstellung
Kunst des 19./20. Jahrhunderts
Das Museum beherbergt eine sehr sehenswerte Sammlung insbesondere der Romantik (Umfeld David Caspar Friedrich), eine repräsentative Auswahl der wichtigsten Künstler/innen der Künstlerkolonien Worpswede und Dangast sowie vereinzelt Ahrenshoop, ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Max Liebermann und der deutsche Impressionismus, sehr umfangreich ist die Werkpräsentation der sogenannten Klassischen Moderne von den Brücke-Künstlern (Bezug zu Dangast) über Max Beckmann und vor allem Franz Radziwill (mehr dazu nachfolgend).

Nach rund vier Stunden Stadt- und Ausstellungsbesichtigungen habe ich Oldenburg Richtung Dangast (Varel) verlassen. Dieser Ort an der Küste hat im Bereich der Kunst zwei Anknüpfungspunkte. Einerseits haben mehrere der Brücke-Künstler (u.a. Schmidt-Rottluff und Erich Heckel) dort ihre Sommeraufenthalte absolviert bzw. sich sogar zeitweilig angesiedelt, vor allem aber ist der Ortsname mit Franz Radziwill verbunden, der bis zu seinem Tod dort gelebt hat. Schon dreimal ist mein Besuch daran gescheitert, dass das Atelierhaus wochentags erst ab 15 Uhr geöffnet hat. Nun am Samstag klappt es, da am Wochenende bereits ab 11 Uhr geöffnet.

Franz Radziwll Haus Dangast (Varel)
Dauerausstellung
(Parken im Umfeld des Hauses nicht erlaubt, ein Parkplatz befindet sich jenseits der Kreuzung)

Kurzum: Wenn man nicht besonders für Atelierbesuche schwärmt, lohnt sich m.E. eine weite Anfahrt nicht wirklich. Zu sehen sind weniger Werke als in Oldenburg und überwiegend auch weniger relevante. Atelieratmosphäre ist auch kaum zu erschnuppern. Nach knapp 20 Minuten saß ich wieder im Womo, allerdings habe ich zwei ältere Bücher zur Künstlerkolonie Dangast sowie zu den Brückekünstlern in Dangast erwerben können, die in meiner Sammlung noch gefehlt haben.

So konnte ich mich frühzeitig zum nächsten Etappenziel aufmachen, nämlich eine Ausstellung im Emslandmuseum Schloss Clemenswerth Sögel. Daraus wurde aber nichts. Zunächst war nur die Zufahrtsstraße gesperrt und auf eine Umleitung verwiesen. Beim Schlossparkplatz angekommen, erfuhr ich, dass an diesem Abend eine große Kulturveranstaltung in Schloss und Park stattfindet und man die Eintrittskarten vorab im Losverfahren erwerben musste. Aufgrund des erwarteten Besucherandrangs war die Zufahrtstraße schlichtweg zur Einbahnstraße umgewidmet worden und der Schlossbetrieb seit 13 Uhr für die sonstige Öffentlichkeit gesperrt worden.

Eigentlich wollte ich ja nach dem Schlossbesuch weiterfahren in Richtung Nordhorn um nach einem entspannten Sonntagvormittag jenseits der niederländischen Grenze die einzigen Sonntagsausstellungen (geöffnet ab 12 Uhr) zu besuchen. Aufgrund der Sperrung von Schloss Clemenswerth habe ich mich nun entschlossen, den Besuch auf morgen zu verschieben und daher im Umkreis Sögel nach einer Standmöglichkeit gesucht und gefunden:

Wohnmobilstellplatz beim Sportplatz Sögel (49751), Sigiltrastraße
Sögel stellt den Platz als Übernachtungsstellplatz zur Verfügung. Der aus befestigter Wiese bestehende Platz kann im Extremfall sicher 10 oder mehr Mobile aufnehmen, teilweise schattig durch hohe Hecke bzw. Bäume. Zur Ausstattung kann ich derzeit nichts sagen. Auf dem Sportgelände befindet sich auch ein kleines öffentliches Freibad.

Ob meine Satellitenschüssel keinen Empfang findet, weil die angrenzende hohe Hecke (ca. 5m) das Signal komplett abschattet, werde ich ausprobieren, indem ich etwas nach vorne rücke. Ansonsten ist eben Lesen angesagt, nachdem ich heute mit dem Tourbericht früher als sonst fertig bin.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten