Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 4

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 4

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

glücklicherweise ist es doch noch eine ruhige, wenn auch kurze Nacht geworden. Danach hat es nämlich kurz vor der Bettruhe nicht ausgesehen. Unglücklicherweise hat zwar die Mückenschutzschiebetür den Abend über die Stechmücken bei geöffneter Schiebetür für einen luftigen stechfreien Abend gesorgt, dummerweise musste aber das Mückengitter kurz beiseite geschoben werden, um die Schiebetür zu schließen. „Auf ihn mit Gesurr“ hörte ich ein ganzes Geschwader und schon hingen Decke und Seitenwände voller stechbereiter Mücken. Mit viel Jagdtrieb konnte ich sie nahezu alle erlegen, leider mit einigen Spuren, die dann so gut wie möglich mit Spülmittel und Wasser getilgt werden konnten. Um die letzten Überlebenden vom nächtlichen Pieksen abzuhalten kam dann Mückenschutzspray zum Einsatz – sowohl am Körper wie auch in die Luft und vor allem gegen das Schutzgitter beim Dachfenster, welches aufbleiben sollte. Obwohl ich morgens noch zwei Biester in die Ecke geduckt erspähte und erlegte, haben sie offensichtlich vom Stechen des Schläfers Abstand genommen.

Beim Dachfenster hat übrigens das Ansprühen bewirkt, dass einige den Geist aufgegeben haben und die Überlebenden einen großen Bogen darum geflogen sind. Da will ich beim nächsten Mal ausprobieren, ob das Ansprühen der Schiebetür und des Luftraums dahinter ggf. die Angriffslust beim kurzen Schließvorgang bannt.

Leider war dies jedoch nicht das einzige Missgeschick am späten Abend. Mein Tarifpartner hat mich per SMS wissen lassen, ich hätte mein Highspeed-Internetvolumen leider aufgebraucht und könnte jetzt wählen zwischen Zukauf oder es würde ab jetzt eben nur noch die langsamste Geschwindigkeit geboten. Dies hat mich doch sehr erstaunt, weil am Abend hatte ich noch den Verbrauch gecheckt und dabei war noch das halbe Monatsvolumen übrig. Als ich die überraschenden Verbraucher des Smartphone gecheckt habe, konnte ich keinen Übeltäter dingfest machen. Als ich aber nach dem Versand des Tourberichts den PC runterfahren wollte, teilte er mir mit, dass er jetzt das von MS still und leise im Hintergrund heruntergeladene Update mit wohl einem guten halben GB installieren wolle. Gesagt, getan.

Ich hoffe, dass auch bei Schneckengeschwindigkeit die Mailpost noch ankommt.

Tag 4 Freitag 26.08.2016 – Föhr / Meldorf / Oldenburg

Kurz nach halb sechs flötete mein Smartphonewecker. Nachdem ich mich frisch gemacht und die üblichen gesundheitlichen Gepflogenheiten absolviert hatte, bin ich nach Dagebüll gefahren. Parkplatz war genügend vorhanden (7.50 €/24 h), allerdings habe ich die angeblichen Wohnmobilplätze nicht ausfindig machen können. Andere wohl auch nicht, die standen einfach über drei oder vier PKW-Plätze quer. Ich hab dann doch lieber in Kauf genommen, dass die Schnauze eben einen knappen Meter raussteht.

Mit dem Shuttlebus ging es dann zur Fähre (13,50 €/hin und zurück), die rund 50 Minuten nach Wyck benötigt. Dort habe ich mir dann ein Tagesticket für den Bus gegönnt, weil man mir zwei Einzelfahrscheine für die von mir ins Auge gefassten Strecken nicht verkaufen könne. Mein Zielort Alkersum hat nämlich zwei Bushaltestellen (Museum Kunst der Westküste / Gastwirtschaft Alkersum – die liegen nur ca. 100m auseinander, allerdings an den verschiedenen Straßen einer Abzweigung). Der Sinn des Ganzen liegt darin, dass die eine Haltestelle direkt von Wyck aus angefahren wird, die andere allerdings erst nach einer kompletten Rundfahrt durch alle Inseldörfer. Und genau dies war mein Plan: Ich wollte die Zeit bis zur Öffnung nutzen, um per Rundfahrt mal alle Dörfer zu besichtigen. Mit der Tageskarte war ich beim ersten Halt in Alkersum nicht zum Aussteigen gezwungen, sondern kam erst nach 70 Minuten Fahrtzeit beim Museum an – genau 10 Minuten vor Öffnung.

Kleine Randbemerkung: Fähre, Bus und Museumszeiten sind in keiner Weise miteinander koordiniert. Zwischen Fähre und Bus liegen zwischen 30 und 40 Minuten Wartezeit, wenn man die vom Busunternehmen geplante Tour nimmt kommt man entweder 50 Minuten vor oder 50 Minuten nach der Museumsöffnung in Alkersum an.

Die Fahrt hat einen ersten Eindruck von den Dörfern vermittelt. Während die einen sehr auf Tourismus ausgerichtet scheinen (Cafes, Restaurants, Souvenirläden etc.) sehen die anderen noch relativ dörflich aus, wenn man mal von den vielen Mietangeboten absieht. Der Look der Architektur unterscheidet sich zwischen den Dörfern nicht wesentlich, typisch das reetgedeckte Backsteinhaus – überwiegend im rohen Rot, vereinzelt aber auch mit meist weißer Farbe getüncht. Sieht sehr schmuck aus.

Zusammengefasst muss ich allerdings bekennen, dass mich weder das Inselfieber noch der Küstenvirus befallen hat. Meine zugegeben spärlichen Kontakte mit dem Meer (Nord- wie Ostsee, auch einschließlich früherer Hamburg- und Fehmarn-Urlaub) haben noch keine Sehnsucht entfachen können – ein See in unseren Gefilden spricht mich emotional mehr an.

Wesentlicher Grund für den aufwändigen Abstecher auf Föhr ist das bereits erwähnte

Museum Kunst der Westküste Alkersum/Föhr
nur noch bis 11. September 2016
Max Liebermann und Zeitgenossen (thematische Sammlungspräsentation)
noch bis 08. Januar 2017
Mila Teshaieva – Fotografien
Jochen Hein

Besonders Letzterer hat mich angezogen und das hat sich auch bestätigt. Jochen Hein malt Meeresstücke, Grasstücke und Menschen in einer auf den ersten Blick altmeisterlichen Manier, nimmt man die Bilder jedoch genauer in Augenschein, bleibt mit Ausnahme der Porträts nichts von diesem Eindruck übrig. Tatsächlich entstehen die Meeresbilder überwiegend in einer an Jackson Pollock erinnernden Dripping-Technik (in einem kurzen Film auch beobachtbar), die Graslandschaften bzw. Bäume ergänzend auch noch durch eine Vielzahl von feinen Strichen oder Klecksen. Herrliche Augentäuschung und ansonsten meditative Bilder.
Die Fotografien der vielfach ausgezeichneten Fotografin entstanden als ‚artist in residence‘ und geben typische Vertreter/innen der Inselbewohner wieder, wobei diese im dunklen Raum allein durch das Licht einer Spotlampe (Taschenlampe) hervortreten. Dies korrespondiert mit den Porträts von Jochen Hein, der seine Akteure ebenfalls vor völlig schwarzem Umfeld darstellt.
Bei der Sammlungspräsentation (überwiegend dem Sammlungsschwerpunkt geschuldet Küsten- und Seestücke) hat mich weder die Motivdarstellung (siehe oben) noch die künstlerische Präsentation bei den meisten Bildern fasziniert. Liegt vielleicht auch daran, weil die meisten Künstler eher gebrochene Farben und eine Erdtonigkeit bevorzugen (die alten Niederländer lassen grüßen).

Nach anderthalb Stunden Museumsbesichtigung habe ich mich kurzentschlossen für die Rückfahrt mit dem Bus entschieden und nach ca. 40 Minuten Wartezeit mit der Fähre wieder aufs Festland übergesetzt. Von Wyck habe ich bis auf die verschlungene Busfahrt und das Hafenareal nichts gesehen, allerdings auch nicht den Eindruck, Wesentliches versäumt zu haben. Der Hafen hat keine Begrüßungsatmosphäre, sondern eher Abfertigung.

Der ungeplant frühe Abbruch der Inseltour hat mir aber die Gelegenheit gegeben, ungeplant eine weitere Station anzusteuern. Die rund anderthalbstündige Fahrt dorthin führte weitgehend an der Küstenregion nach Süden, teilweise direkt am Deich entlang oder sogar auf wenige hundert Meter breiten Landbrücken. Die Dörfer und kleinen Städte machen einen schmucken, aufgeräumten Eindruck.

In Itzehoe bin ich am Mittwoch auf ein Ausstellungsplakat gestoßen und konnte diese Ausstellung nun in den Tourneeplan integrieren:

Dithmarscher Landesmuseum Meldorf
nur noch bis 11. September 2016
Heinrich Blunck – Landschaftsmaler zwischen Nord- und Ostsee
Bin richtig happy, dass ich diesen Schlenker noch einschieben und vor allem auch zufällig auf diesen tollen Künstler aufmerksam geworden bin. Bilder in leuchtenden expressionistischen Farben im impressionistischen Duktus. Seine Seestücke haben mich begeistert.

Der Ort selbst kann sich ebenfalls sehen lassen. Dominiert von einem Backsteindom und viel Altstadtsubstanz.

Entgegen meinen Befürchtungen wurde die Weiterfahrt durch Hamburg nach dem weiteren Etappenziel Oldenburg nicht durch Staus geprägt. In Gegenrichtung sah das anders aus.

Leider war der kostenlose städtische

Wohnmobilstellplatz am Küstenkanal/Westfalendamm Oldenburg (N 53° 54′ 39″ O 7° 18′ 5″)

mit 5 Mobilen vollständig belegt bzw. so zugestellt, dass optional kein Mobil dazu gestellt werden konnte. Vor mir haben zwei andere ebenfalls den Rückweg angetreten. Zunächst bin ich unweit davon in einer ruhigen Wohngegend auf den Parkstreifen gefahren, hab mich dann aber dazu entschlossen, es mal in der Nähe meines Ausstellungsziels (Schlossareal) zu probieren. Nur wenige 100m davon habe ich einen zwar etwas knappen Parkplatz erspäht, aber mit mehrmaligem Rangieren hat es dann geklappt (10 cm zum weit über den eingezeichneten Parkplatz hinausreichenden Hintermann (Miniwagen, der seinerseits aber „seinen“ Parkplatz nur zur Hälfte belegt, dafür aber einen Meter von „meinem“. Abstand zum Vordermann ca. 70 cm (die dieser zu meinem Parkstrich gelassen hat, auf dem ich bündig stehe). Man hört es wahrscheinlich heraus, dass ich ob des Manövers trotz fehlender Piepser stolz bin – und ohne Rempler. Das Herausfahren morgen Mittag wird hoffentlich weniger stressig.

Glück hatte ich mit dem Stellplatz auch, weil drüben beim Schlossplatz das Stadtfest steigt. Viel Kulinarisches, medial ist aber heute Abend eher wenig geboten (Musik aus der Konserve). Hoffe nur, dass berauschte Festbesucher keinen Stress machen. Um 8 Uhr muss ich den Parkscheinautomat füttern (1,20 € die Stunde – da kann man andernorts im Zentrum nur davon träumen).

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

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