Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 3

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 3

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

irgendwie hat wohl die Rechtsschreibprüfung entstellend in den gestrigen Anfang eingegriffen und die angestrebte Wohltat auf ein Wohl (auch nicht schlecht) verkürzt, an anderer Stelle hätte sie aber wenigstens meine Fehler beseitigen bzw. fehlende Satzteile ergänzen können. Thunderbird ist da einfach nicht perfekt. Seit ich den neuen Computer habe, stelle ich sowieso fest, dass die von mir getippten Wörter manchmal nicht vollständig im Text ankommen – offensichtlich bin ich zu schnell oder zu sanft auf den Tasten. Also großzügig drüberweglesen und mir ggf. einen Mailhinweis zukommen lassen.

Tag 3 Donnerstag 25.08.2016 – Schleswig / Neukirchen, Seebüll / Südwesthörn

Die Nacht war mucksmäuschenstill, dafür rollten kurz vor sieben Bagger und Kieslaster für den Bau der gesperrten Zufahrtstraße an. Also raus aus den Federn und zeitig aufgebrochen nach Schleswig.

Dort hatte ich zwei Ziele im Visier. Zunächst das

Stadtmuseum Schleswig
noch bis 30. Oktober 2016
Art Wolfe – Tier- und Naturfotografien
Der amerikanische Fotograf dürfte einer der profiliertesten Natur- und Tierfotografen sein, regelmäßig mit längeren Bilderstrecken in National Geographic und anderen einschlägigen Publikationen sowie Naturschutzinstitutionen. Sensationelle Bilder, denen man die Hand des ausgebildeten Künstlers bzgl. Gestaltung und Farbgebung ansieht. In 4 kurzen Filmdokumentationen wird auf 4 Bildschirmen auch ein Einblick in das Making-of gegeben. Außer dieser Ausstellung kann man eine historische Druckerei besichtigen, ansonsten Stadtgeschichte.

Die frühe Ankunft in Schleswig wollte ich zu einem Stadtbummel nutzen, was ich ich jedoch großräumig ums historische Stadtmuseum angetroffen habe, hat keinen sehenswerten Eindruck gemacht. Die bauliche Substanz noch lieblosere Nachkriegsarchitektur als in Itzehoe. Evtl. sieht es aber auf der gegenüberliegenden Bootshafenseite besser aus. Parkplätze gibt es aber überreichlich. Das Museum selbst hat Besucherparkplätze hinterm Haus (Zufahrt über kleine Seitengasse linkerhand vor dem Museumsareal), aber nur 50m weiter ist die Zufahrt zu zwei großen Einkaufsparkplätzen.

Das nächste Ziel ist das

Landesmuseum Schloss Gottorf Schleswig auf einer Schlossinsel am Rand des Stadtgebiets gelegen
noch bis 30. Oktober 2016
Harald Duwe – Retrospektive
Dem 1984 verunglückten kritischen Realisten ist eine ganze Halle (Reitstall) für eine beeindruckendes kurzes Lebenswerk gewidmet.
Direkt davor kann man in einem riesigen Dreiflügelbau als Dauerausstellungen die Norddeutsche Galerie des Landes sowie die Sammlung Horn (Klassische Moderne seit der Brücke bis heute) besichtigen, wobei der Schwerpunkt außer der Sammlung Horn (Brücke, Jawlensky, Hofer, Barlach, Kollwitz) namensgebend auf norddeutschen Künstlern liegt. In einem Kreuzbau davor ist zudem eine Ausstellung Kunst und Design aufgebaut sowie eingangs eine kleine Retrospektive von Georg Tappert. In einem weiteren Bau ist das Schau-Atelier des Bildhauers Hans Wimmer besichtigen. Dieser hat zwar in München und Nürnberg gewirkt, offensichtlich aber zahlreiche öffentliche Aufträge aus dem norddeutschen Raum erhalten und die Nachfahren haben das Atelier dorthin gegeben.

Da mir die Dimensionen der Ausstellungen unbekannt waren, habe ich nach gut dreieinhalb Stunden keine Lust und Energie mehr gehabt, das Schloss selbst und die dort befindlichen Sammlungen deutscher, niederländischer und skandinavischer Kunst des Mittelalters bis zum 19. Jh. zu besichtigen und dies kurzerhand auf einen späteren Besuch verschoben. Dazu zählt auch das bekannte Wikingerschiff, welches in Wirklichkeit ein Germanenruderboot gewesen sein soll, außerdem der berühmte Globus, in dem man die Welt von innen erfahren kann.

Nach rund dreieinhalb Stunden Schauen und Fotografieren habe ich die optional ins Auge gefasste Zwischenetappe

Museumsberg Flensburg (Heinrich-Sauermann-Haus / Hans-Christiansen-Haus)
noch bis 16.Oktober 2016
Max Slevogt
Dauerausstellung
Schleswig-Holsteinische Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts

bei der Vorbeifahrt rechts liegen gelassen und direkt die

Nolde Stiftung Seebüll Neukirchen
noch bis 30. November 2016
Emil Noldes Spätwerk

angesteuert. Eine schöne Präsentation seines Arbeits- und Lebensrefugiums und einen ansprechenden Ausschnitt aus seinem Werk, wenn auch übersichtlicher als erwartet. Etwas flanieren im Blumengarten, zwei Filme (wovon ich vom längeren Lebensfilm nur noch den Schluss mitbekommen habe) sowie eine mundende Käsesahnetorte haben diesen Ausstellungstag abgeschlossen. Bedauerlich, dass die antisemistische Grundhaltung vermischt mit einem künstlerischen Disput mit Max Liebermann und anderen bestimmenenden Personen in Berliner Künstlerkreisen sowie seine tendenziell rechtsnationale Gesinnung und das erfolglose Anbiedern an die Nationalsozialisten sein herausragendes künstlerisches Lebenswerk überschattet. Letztendlich überragt das Werk den Menschen und sollte die Freude daran nicht beeinträchtigen.

Entgegen den ursprünglichen Planungen, die Nacht auf dem Inselparkplatz in Dagebüll zu verbringen, habe ich mich kurzfristig bei Nolde dazu entschlossen, mal versuchsweise einen weiteren kostenlosen offiziellen Stellplatz anzufahren:

Wohnmobilstellplatz beim Schöpfwerk + Gasthof Südwesthörn, Südwesthörner Str. 10 (Kreuzung Horsbüller Str./Am Seedeich), in Stellplatzverzeichnissen korrekt unter 25924 Emmelsbüll-Horsbüll (N 54° 47-8233′ O 008° 39.6146′), beim Navi aber ggf. unter Südwesthörn aufgeführt. Beim Schöpfwerk gibt es eine öffentliche Toilette und zumindest eine Fußwaschanlage, wahrscheinlich um sich den Schlick vom Wattwandern wegzuspülen. Ob darin auch eine Duschmöglichkeit ist, habe ich nicht erkundet. Entsorgungsmöglichkeit habe ich keine gesehen, allerdings eine Stromsäule bei den gepflasterten Stellplätzen.

Der Platz ist offiziell nur für 3 Wohnmobile (Rasensteine) vorgesehen, bei meiner Ankunft standen aber bereits 10 auf der trockenen Wiese und für mich war auch noch ein Platz neben einem Riesenmobil und es wäre mindestens für noch eines Platz (bei besserer Ordnung sogar noch eins). Der Stellplatz liegt direkt hinterm Deich im Naturschutzgebiet und Weltkulturerbe Wattenmeer. Auf dem Deich herrscht reger Betrieb, jenseits stehen auch vereinzelte Strandkörbe und Kinder vergnügen sich im gegenwärtig flachen Wasser. Während ich im Gasthof zu Abend essen (Speisekarte eine nordfriesisch-schwäbische Mischung) hat der Deich weiter regen Zulauf von Paaren und ganzen Familien, die bestückt mit Decken wohl einem Schauspiel beiwohnen wollen, von dem ich noch nicht weiß, ob es Ebbe oder Flut sein wird.

Während ich diesen Bericht schreibe ist Dunkelheit und Ruhe eingekehrt, so dass ich mich vom vermeintlichen Naturschauspiel nicht überzeugen kann. Sei’s drum.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

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