Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 10

Norddeutschland-Tour Spätsommer 2016  # 10

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

auch die Nacht beim Freibad Groß-Umstadt verlief ohne Störung, auch die Züge auf dem 50m entfernten Bahngleis machten ab morgens keinen nennenswerten Lärm. Am Stellplatz ist im Übrigen ein Schild angebracht, wo man ggf. seine Chemie-Toilettenkassette entleeren kann (Kläranlage).

Tag 10 Donnerstag 01.09.2016 – Groß-Umstadt / Aschaffenburg / Wertheim / Gundelsheim am Neckar / Heilbronn / Bietigheim-Bissingen / Daheim

Heute steht als Ziel das eigene Zuhause an, doch zunächst geht es wieder etwas in den Nord-Osten nach Aschaffenburg.

Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg
noch bis 01. November 2016
Wladimir Nemuchin
Der russische Künstler gehört zur Gruppe der früheren russischen Avantgarde, die sich der Staatsdoktrin entzogen und daher unter Ausstellungsverboten und Sanktionen litten, Nemuchin war wesentlich an der Durchsetzung der Lockerung in den späteren Jahren beteiligt. Die Ausstellung selbst ist mal wieder ein klassischer Fall von irreführender Werbung. Die veröffentlichten Werke erschienen mir sehr interessant und in der Tradition russ. Konstruktivisten bzw. Op Art. In der Ausstellung selbst hat sich dann aber gezeigt, dass diese wenigen Werke stilistisch eine Ausnahme darstellen. Während mir die überwiegend collagierten Werke weniger zusagten, überraschte mich das nicht beworbene plastische Werk positiv.

Parken kann man übrigens in der verkehrsberuhigten Zone zwischen Schloss und Jesuitenkirche auch mit Wohnmobilen (allerdings nicht allzu viele Parkplätze), ich habe die Zufahrt aufgrund von Baumaßnahmen leider übersehen und bin auf der Parkplatzsuche etwas herumgeirrt. Bis 2018 soll übrigens in diesem Areal ums Schloss ein Museumsviertel entstehen. Im Frühjahr 2017 soll das Christian-Schad-Museum eröffnen (derzeit im Bau), dessen umfangreicher Nachlass als wesentlicher Vertreter der Kunst der Neuen Sachlichkeit dort behütet wird (derzeit nur in geringen Ausschnitten im Schloss zu sehen, welches aber auch für sich ein beeindruckender Bau ist).

Leider hat sich aufgrund des etwas abseits gelegenen Parkplatzes und Verzögerungen auf der Autobahn (die A3 ist derzeit zwischen Frankfurt und Würzburg ähnlich baustellengeplagt wie die A8) hat sich die Weiterreise nach Wertheim soweit verzögert, dass der Besuch des dortigen Museums ausfallen musste, da dies leider um 12 Uhr schließt und auch erst um 14.30 Uhr wieder öffnet. Wertheim ist eine sehr sehenswerte Stadt am Zusammenfluss von Tauber in den Main und hätte daher genügend Raum für ein Verweilen geboten, wenn ich es nicht schon von mehreren Besuchen kennen würde und außerdem noch andere Ziele vor Augen gehabt hätte. Hier daher nur zwei Ausstellungsdaten:

Grafschaftsmuseum mit Otto-Modersohn-Kabinett Wertheim
noch bis 02. Oktober 2016
Otto Modersohn und Christian Modersohn
Dauerausstellung
Otto Modersohn und Louise Modersohn Breling
Der Fischerhuder bzw. Worpsweder Otto Modersohn verbrachte zwischen den Weltkriegen mit seiner dritten Ehefrau gerne Malferien rund um Wertheim und in Franken, aus diesem Werkbestand ist im Kabinett eine Dauerausstellung des Ehepaares eingerichtet. Aus Anlass des 100sten Geburtstages des gemeinsamen Sohnes läuft aktuell zudem eine Ausstellung zu Vater und Sohn.

 

Vor den Toren der Stadt liegt eine weitere Sehenswerte Einrichtung, nämlich das

Museum Schlösschen im Hofgarten Wertheim
Dauerausstellung
Sammlung Berliner Secession, Heidelberger Romantiker und klassizistisches Pariser Porzellan
Park und Café laden auch zum Verweilen ein.

Unverrichteter Dinge ging es also für mich quer über den Odenwald zum

Siebenbürgischen Museum im Schloss Horneck Gundelsheim am Neckar
Dauerausstellung
Geschichte und Kunst der Siebenbürger Sachsen
noch bis 03. Oktober 2016
Mit Nadel und Feder – Grafische Techniken
Das Museum ist Teil des Archivs und Vereinssitzes der Siebenbürger Sachsen und stellt deren Geschichte, Kultur und Alltag auch in Bezug auf aktuelle Entwicklungen dar. So wird in der Dauerausstellung sowohl die Lebensvoraussetzung Toleranz und Integration in der Fremde dargestellt, zu deren Notwendigkeit aber auch das Bewahren eigener Identität in bestimmten Grenzen gehört.
In der aktuellen Sonderausstellung werden anhand siebenbürgischen Motiven (Landschaft, Stadtbilder, Alltagsbilder, Portraits) die verschiedenen grafischen Techniken von der Zeichnung bis zum Druck anschaulich dargestellt und die Besonderheiten erläutert.

Parkplätze gibt es oberhalb des Schlosses zuhauf, da dort auch das örtliche Freibad liegt, in dem noch reger Badebetrieb bei den aktuellen Sommertemperaturen herrscht. Insbesondere näher am Schloss gibt es auch wenige Parkplätze, die für Wohnmobile geeignet sind, aber natürlich von PKW zugestellt sind (inklusive zweier Bus-Parkplätze).

Weiters führte der Weg am Neckar entlang nach Heilbronn.

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn (linker Seitenflügel der Veranstaltungshalle Harmonie)    
nur noch bis 25. September 2016
Sam Shaw – Fotografien
Der amerikanische Fotograf und Magnum-Mitglied war als Reportagefotograf tätig, weltweit bekannter wurde er aber durch seine Tätigkeit als Set-Fotograf beim Film und Fotograf der Prominenz für die einschlägigen Magazine wie LIFE. Mit zwei Fotos hat er sich in das Bildgedächtnis eingeprägt, dem halbstarken Marlon Brando und vor allem mit dem Bild von Marilyn Monroe mit wehendem Rock über einem U-Bahn-Luftschacht. Nicht nur, dass er das entsprechende Foto aus dem Film „Das verflixte 7. Jahr“ geschossen hat, er hat Billy Wilder auch die Idee für die Filmscene geliefert. Ein ähnliches Foto hatte er nämlich schon Jahre früher von einem Kriegsheimkehrer mit seiner Freundin geschossen. Vom Fotografischen her hat die Ausstellung bei mir jedoch kein Aha-Erlebnis hinterlassen.

Parken können PKW einerseits in der Tiefgarage der Harmonie oder wie auch Wohnmobile und Busse auf einem Parkareal, welches in der Seitenstraße direkt nach der Kunsthalle Vogelmann ca. 200m weiter angelegt ist.

Flussaufwärts am Neckar ging die Fahrt zur

Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen
noch bis 03. Oktober 2016
Linolschnitt heute X
Linoläum – Preisträger der 10 Wettbewerbe seit 1989

Die Städtische Galerie führt regelmäßig sehr sehenswerte Ausstellungen der verschiedenen Genres durch, hat sich aber seit Jahren auch schwerpunktmäßig dem Medium Linoleum verschrieben und lobt in Abständen hierzu einen Kunstpreis aus, deren zehnte Auflage dieses Jahr zum Anlass genommen wird, nicht nur die getroffene Auswahl aus den Einreichungen zu präsentieren, sondern auch eine Rückschau. Beides ist inhaltlich und künstlerisch so vielfältig, wie es solche offenen Wettbewerbe nur sein können. Obwohl auf ein Medium beschränkt, wird auch dieses nicht nur für den sattsam bekannten Druck, sondern auch als Kunstmaterial selbst verwendet. Naturgemäß waren etliche mich sehr beeindruckende Arbeiten darunter, aber auch viele, die meinen Kunstsinn nicht treffen.

In unmittelbarer Nähe in derselben Straße liegt das

Stadtmuseum Hornmoldhaus Bietigheim-Bissingen
nur noch bis 18. September 2016
Starke Männer Schöne Frauen – Japanische Farbholzschnitte 1835-1898
Diese hervorragend aufgemachte Ausstellung bildet einen beeindruckenden Abschluss meiner großen Kunsttour. Verwoben mit den Tagebuchaufzeichnungen des in Bietigheim-Bissingen geborenen Arztes Erwin von Baelz (lehrte in Tokyo Innere Medizin und war Leibarzt des Kronprinzen), der sich in der damaligen Zeit als einer der wenigen in Japan aufgehalten hat, wird anhand zeitgenössicher Farbholzschnitte die damalige Geschichte Japans sowie das Zusammentreffen völlig unterschiedlicher Lebenskulturen beschrieben – begleitet von einem sehens- und lesenswerten Katalog.

Krönender Abschluss war dann noch eine Eistüte der Eisdiele hinterm unteren Stadttor (einfach die Hauptstraße weiter runter), die mich auf dem Weg zum Parkplatz in der Straße oberhalb der Hauptstraße in Galerienähe begleitete. Neben Straßenparkplätzen gibt es dort auch ein kleines Parkhaus.

Um kurz vor 21 Uhr endete nach einem Tankabstecher bei Inhofer Senden die Kunsttour in der heimischen Adenauerstraße, in der mir allerdings mein angestammter Stellplatz von einem anderen Wohnmobil streitig gemacht wurde und ich daher etwas weiter abseits mein Mobil abstellen musste.

Da ich lokale Ausstellungen aus Ulm im Tourbericht 3.1 vergessen habe zu erwähnen, will ich dies an dieser Stelle noch nachholen:

Museum Ulm
noch bis 23. Oktober 2016
Max Arthur Stremel – Impressionist, Landschaft und Interieur
Das Ulmer Museum bietet mit dieser Sonderausstellung neben der durchaus sehenswerten Sammlung mal wieder etwas, was einen Besuch auch für Alteingesessene lohnen könnte.

Stadthaus Ulm
noch bis 23. Oktober 2016
Nick Brandt – Fotografien
Der bekannte Filmemacher und Fotograf präsentiert hier seine beeindruckenden, aber teilweise auch verstörenden Tier- und Naturfotografien, mit denen er auf deren Gefährdung hinweisen will. Im Gegensatz zu Art Wolfe (siehe 3.3 Schleswig), der die schwelgerische Schönheit der Tiere und Natur als Botschaft für den Schutz des Lebensraumes nutzt, zeigt Brandt neben beeindruckenden Tierportraits eher das Zerstörungspotenzial des Menschen.

 

Jetzt steht erst mal Körper- und Fußpflege an sowie Aus- und Aufräumen des Womo und verarbeiten der Eindrücke, bevor es Mitte kommender Woche zu einer kleinen Fortsetzung meiner im Mai abgebrochenen ersten Womo-Tour auf der Romantischen Straße geht. Anlass ist ein Womo-Rückruf meines Händlers, weil es wohl in den Fahrzeugen vereinzelt vorgekommen sein soll, dass die TRUMA-Wohnmobilheizung im Betrieb die Starterbatterie leersaugt. Hiervon habe ich damals im Betrieb zwar nichts festgestellt und seitdem die Heizung nicht mehr benötigt, aber sicher ist sicher, zumal die kühlere Jahreszeit bevorsteht. Da ich die Tour damals witterungsbedingt bei Nördlingen abgebrochen habe und mein Händler im Nachbarort residiert, bietet sich die Tourfortsetzung geradezu an – zeitlich bin ich ja glücklicherweise flexibel.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten