NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 8

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

der angekündigte Wetterumschwung veranlasste mich, mein Tourprogramm spontan umzustellen. So bin ich zeitig vom ruhigen Stellplatz Harmelen nach Utrecht aufgebrochen, weil ich das gute Wetter noch ausreizen wollte. Die Abfahrt gestaltete sich ähnlich kompliziert wie die Anfahrt, da auch hier das Garmin-Navi kartenmäßig schwächelte und vorhandene Straßen nicht kannte, dafür nicht (mehr) vorhandene nutzen wollte.

Nachtragen will ich noch, dass der Stell- und Parkplatz zu einem Badezentrum gehört und daher auch die Adresse nicht auf H20 sondern H2O lautet. Tennisanlage und Reitanlage sind gleich nebenan.

Tag 9 Sonntag 22. April 2018 – NetherlandsTour
Harmelen / Utrecht / Otterlo / Apeldoorn / Nijkerk

Aufgrund des Sonntags konnte ich der Utrechter Altstadt ganz nahe kommen und fand auch gleich einen sonntags kostenlosen Parkplatz und habe die Kernstadt mit dem Rad erkundet. Sogar hier hätte ich einen der spärlichen Parkplätze nutzen können, allerdings nur bis 12 Uhr kostenlos. Ansonsten schlägt Utrecht wie die meisten großen Städte in den Niederlanden ganz gewaltig zu.

Nicolaikerk

Den Dom konnte ich leider nur von außen besichtigen, da er erst ab Mittag geöffnet hat. Beeindruckend der alleinstehende Turm, der höchste der Niederlande (112m, kann erklommen werden). Viele der sonstigen Kirchen sind – wie auch andernorts – zwischenzeitlich umgenutzt zu Museen, Geschäften oder Wohnzwecken. Äußerlich aber selten erkennbar.


Janskerk

Anne Frank Mahnmal steht vor der Janskerk und stellvertretend für alle Verfolgten

Die Kernstadt ist durch einen Grachtengürtel umgeben, dessen lebendigster Teil die Oude Gracht darstellt. Hier reihen sich Geschäfte und Gastronomie und werktags und in den Abend hinein spielt sich das Leben bei gutem Wetter am oder gar auf dem Wasser ab. Sonntags um 9 Uhr ist da nur wenig zu spüren, gerade erst ist eine mobile Eisdiele vorgefahren. Außer mir sind jedoch geführte Touristengruppen aus Ostasien auch schon unterwegs.

Paushuize

Adrivan Floriszoon Boeyens (1459-1523) wuchs in der Oude Gracht als Sohn eines Utrechter Zimmermanns auf, widmete sich der Theologie (Professor mit 31 an der Utrechter Universität) und stieg unter seinem Lehrling und späteren Kaiser Karl V. zum Statthalter in Spanien auf und später zum Kardinal. Ein Jahr vor seinem Tod wurde er als Adrian VI. zum ersten und einzigen niederländischen Papst gewählt. In Abwesenheit hatte er in Utrecht 1517 ein stattliches Haus erwerben und gründlich renovieren lassen, es selbst aber nie gesehen. Nach dem Tod von Papst Adrian wurde das Haus von den Utrechtern „Paushuis“ genannt.

… und weitere Impressionen von Utrecht

Park mit Sternwarte Sonnenbergh

Als ich um 10 Uhr zum Centraal Museum Utrecht komme, erfahre ich zu meiner Verblüffung, dass erst um 11 Uhr geöffnet wird (da habe ich offensichtlich eine ältere Notiz in meinem permanenten Ausstellungsverzeichnis nicht verifiziert). Das gegenüberliegende Kindermuseum Nijntje Museum (Miffy Museum) zu den Figuren des Illustrators Dick Bruna hatte aber bereits geöffnet und so habe ich einen Blick hineingeworfen. Es bietet den Vorschulkindern viele Aktivitäten und ist liebevoll aufgemacht. Anschließend habe ich die Sonnenstrahlen in einem nahegelegenen Park an der Gracht genossen. Kurz nach 12 Uhr war ich dann auch mit dem Centraal Museum durch. Die aktuelle Sonderausstellung zum Modeschöpfer Jan Taminiau hatte ich mir auch nicht entgehen lassen, gepackt hat sie mich nicht.

Eigentlich hatte ich geplant, den in der Regel ausstellungsfreien Montag auf dem Naturcampingplatz des Nationalparks De Hoge Veluwe bei Otterlo zu verbringen, etwas die Natur zu genießen und am Dienstag dann das im Park liegende Kröller-Müller Museum Otterlo zu besuchen. Weder Parkaufenthalt noch der Weg zum Museum machen jedoch bei Regen weniger Spaß, also zog ich den Museumsbesuch bei Sonnenwetter vor. Vom Park habe ich dabei nur so viel gesehen, was man notgedrungen auf der 2,5 km langen schnurgeraden Radfahrt vom Eingangstor mitbekommt. Und das war jetzt nicht gerade so, dass ich die Umstellung des Tourplans bedauern musste. Dafür entschädigte das Museum voll und ganz und hat meine Erwartungen weit übertroffen. Ich neige sogar dazu, es auf der bisherigen Tour als bestes einzustufen.

Geparkt habe ich übrigens kostenfrei am Ortsrand von Otterlo ca. einen km früher, da der kostenpflichtige am Parkeingang Womos angeblich nicht zulässt. Kein Problem, da ich das Rad ja sowieso für den Parkweg zum Museum benötigte (es gibt auch einen Parkplatz im Park in Museumsnähe, dieser ist aber doppelt so teuer).

Zum Abschluss und weil immer noch sonniges Wetter wechselte ich knappe 30 km in den Norden nach Apeldoorn, an dessen Stadtrand der barocke Palais Het Loo (dt. „Waldlichtungsschloss“) und die barocke Parkanlagen liegen. Palais wie Gartengestaltung waren für andere Projekte dieser Art Vorbild. Mir war zwar bekannt, dass das Palais derzeit nicht zu besichtigen ist, da bis 2021 eine Renovierung und ein Museumsumbau erfolgt. Enttäuschend war dann aber doch, dass weite Teile der Gebäude nicht nur innerlich, sondern vor allem auch äußerlich dem Blick durch Baugerüste oder Verhängungen entzogen sind. Bei einem so herausragenden Objekt hätte man sich doch zumindest vorstellen können, dass dann ähnlich wie beim rekonstruierten Berliner Schloss die Optik des Schlossbaus durch entsprechende Fotovorhänge nachvollziehbar bleiben. So richtig in Bann genommen hat mich auch die Parkanlage nicht. Gut, dass auch hier die Niederländische Museumskarte (NLMK) galt und ich für den Eintritt keinen Cent bezahlen musste, auch nicht fürs Parken, da knapp unterhalb einer Stunde. Nobel. Beim vorherigen Kröller-Müller Museum gilt die NLMK zwar auch, aber die knapp 10 € für den Park musste ich löhnen.

Ursprünglich bestand das Sonntagsprogramm neben Utrecht aus dem Besuch der Stadt Amersfoort. Da ich dies optional wetterabhängig auf den ausstellungsfreien Montag verlegt habe, steuerte ich auf der A1 wieder zurück und etwas nördlich den kostenlosen Stellplatz Parking Sporthal Watergoor in Nijkerk, Watergoorweg 42, N 52°13’35.36“ O 005°28’33.48“ / 52.226483, 005.476021°, an. Dort werden im hinteren Bereich abgesondert 4 schattige Plätze bereitgestellt. Da ist allerdings mit SAT-Empfang nichts zu machen und ich musste wie auch ein Niederländer vor mir drei Parkbuchten auf dem Platz ausprobieren, bis die Signale für den sonntäglichen Tatort endlich über die Baumwipfel schwuppten. Morgen werde ich auch erkunden, wo man seine Toilettenkassette entleeren kann. Ansonsten bietet der Platz keine V/E und auch keinen Strom.

Apropos Wetter: Auf den letzten 10 km hat der Wetterumschwung mich dann doch noch heftig erwischt, Starkregen gepaart mit kleinem Hagel. Kurz vor dem Erreichen des Stellplatzes war der Spuk wieder vorbei. Mal sehen, wie es die nächsten Tage wird.

Soviel für heute

Euer Atze