NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 6

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

da der gestrige Abend aufgrund des Ausflugs in die Stadt und anschließender Berichterstattung und Fotoauswertung sowie Recherche zu den Ausflugsoption nach Den Haag und Rotterdam vom Delfter Standort aus etwas lang geraten ist, ließ ich es auch heute ruhig angehen (nachtragen will ich hier noch die Koordinaten: N 52°01’12.11“ O 004°21’48.92“ / 52.020094, 004.363835). Zudem bin ich gestern Abend am Museum Prinsenhof Delft auf die Idee gekommen, es mir auch noch anzuschauen. Da es erst um 11 Uhr öffnet, kam mir dies gerade für einen relaxten Vormittag recht.

Tag 7 Freitag 20. April 2018 – NetherlandsTour
Delft / Den Haag

Die abendliche Recherche hat übrigens ergeben, dass der erwähnte Bus ab Haltestelle Tweemolentjeskade im Halbstundentakt Richtung Bahnhof fährt. Angesichts des guten Wetters schien mir dies wenig attraktiv, außerdem stand da noch das Problem im Raum, dass in den Niederlanden der Einzelticketerwerb ausstirbt. So man nicht wie in Amsterdam pauschale Tageskarten oder Touristenkarten erwirbt, wird mittels der OV-Chipkaart gezahlt. Die gilt in nahezu allen öffentlichen Verkehrsmitteln und ist an den Bahnhöfen, einigen Tram- und Metrostationen erhältlich. Sie kostet 7,50 € Basispreis und wird mit Guthaben aufgeladen. Hierbei sollte man nicht zu knauserig sein, wie ich heute erleben durfte. Ich wollte mal zunächst ein Guthaben von 15 € ausprobieren und ggf. später nachladen, sobald ich Erfahrung mit den Fahrpreisen gesammelt hätte. Das ging aber schneller als gedacht, denn bereits am Delfter Bahnhof wurde mir der Zugang zu den Zügen verwehrt, weil das Guthaben nicht ausreichend sei. Der Kern des Problems wurde mir schnell klar. Grundsätzlich funktioniert die Karte so, dass man bei Zutritt zum Transportmittel entweder bei den Schranken (Bahn) oder an den Eingangstüren (bei Tram an jeder Tür, bei Bussen nur die beim Fahrer) sich mit der Karte einchecken muss, indem man sie ans Lesegerät hält. Dieses quittiert dies mit zwei Piepstönen und entsprechender Anzeige. Beim Verlassen des Transportmittels bzw. des Bahnbereichs (bei Bussen nun die hinteren Türen nutzen) wird durch erneutes Auschecken erst der endgültige Fahrpreis mit der Karte verrechnet. Zunächst wird die Karte nämlich mit dem jeweils höchsten Tarif des Transportmittels belastet. In Den Haag sind dies z.B. für den ÖNV 4 €, bei der Bahn aber natürlich deutlich mehr, und deshalb wurde mir der Zutritt zu den Gleisen verwehrt. Wieviel genau erforderlich ist, habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Als ich zu den vorhandenen 15 € weitere 10 € zugebucht hatte, gab es kein Problem mehr.

Als ich in Den Haag ausgecheckt habe, wurde mir angezeigt, dass nun die Karte endgültig mit ca. 3 € belastet würde. In Den Haag habe ich die Karte zweimal für Fahrten von 7 und 12 Stationen benutzt und als ich wieder nach Delft zurückfahren wollte, dasselbe Spiel mit der Bahn. Erst nach erneutem Aufladen konnte ich in den Zug einsteigen. Da ich morgen nach Rotterdam mit der Bahn fahren will, habe ich gleich mal nochmal 20 € aufgeladen. Die Karte ist übrigens 5 Jahre gültig und übertragbar. Es gibt auch eine personalisierte Karte, die aber nicht übertragbar ist, dafür aber mit Vergünstigungen aufwartet, z.b. ab 65 nur etwas mehr als den halben Fahrpreis. Wer sich meine Karte also ggf. für einen Niederlande-Trip ausleihen will, soll sich melden.

Nach dem Vorspann nun zum heutigen Tagesprogramm. Wie erwähnt besuchte ich um 11 Uhr das Museum Prinsenhof Delft, ca. 6 Fahrradminuten von meinem Standplatz entfernt. Das Museum dokumentiert schwerpunktmäßig die Anfangsgeschichte der niederländischen Unabhängigkeit unter Wilhelm von Oranien, dem Stammvater des Königshauses, der am 10. Juli 1584 in diesem Gebäude – vormals ein Kloster und im Unabhängigkeitskrieg sein Standort – erschossen wurde. Aufgezeigt wird sein Kampf für Religionsfreiheit und Toleranz, welche das Land fortan prägten. Daneben wird die wirtschaftliche Bedeutung von Delft vom Delfter Blau bis zu Erfindungen und Kunst aufgezeigt. Die Ausstellung bezieht multimediale Präsentationen ein, um die Dokumente und Bilder lebendig werden zu lassen. Aktuell wird eine Sonderausstellung zum Delfter Anteil an der Art Nouveau Bewegung gezeigt.

Das in der Nähe des Marktplatzes sich befindende Vermeer Centrum Delft ließ ich unbesucht, da einerseits die Zeit dafür fehlte und andererseits dort nichts für mich präsentiert würde, was ich nicht in meinem Bücherregal nachlesen kann, denn Originale der 37 bekannten Werke sind dort nicht zu sehen, sondern nur größenidentische Reproduktionen/Repliken.

Stattdessen ging es daher zum Bahnhof. Das Rad konnte ich in einer unterirdischen kostenlosen Fahrradgarage für wohl über 10.000 Räder unterstellen. Leider musste ich für mein 26 kg schweres E-Bike doch einen Ständer in der zweiten Etage nach unten ziehen und dann mit dem Rad wieder hochdrücken, was vom Gewicht und vom Vorbeibugsieren an den bereits eingestellten Rädern (meines hat einen überbreiten Lenker) in Schwerarbeit ausartete. Serienmäßig sich die Räder nicht gesichert, also die Eigensicherung verwenden.

Die Fahrt nach Den Haag dauerte keine 20 Minuten. Die 800m Fußmarsch dort bis zum Mauritshuis erschienen mir länger, aber so habe ich wenigstens etwas von der Stadt geschehen. Sehr viel historische Bausubstanz wird von modernen Hochhäusern überragt, aber im Großen und Ganzen kommt die Stadt im historischen Gewand daher. Mehrere Plätze mit Gastronomie garniert, ab und an ein Gewässer. Das Mauritshuis geht neben dem gewaltigen historischen Regierungsgebäude Binnenhof & Co (Parlament und  Regierung) schier unter. Mag auch daran liegen, dass ich mir unter dem Mauritshuis etwas Größeres vorgestellt hatte. Näheres hierzu unter Kunstmuseen.

Eigentlich wollte ich unweit davon Het Palais Museum Maurits Cornelis (M.C.) Escher (1898-1972) ansehen, jenen Künstler, dessen überraschenden augentäuschenden Grafiken wohl jedem bekannt sind, wie z.B. die unendlich im Quadrat aufsteigende Treppe, die immer wieder an ihren Anfang anschließt, oder das Turmgebäude, in welchem das Wasser ringsherum fließt und über einen Wasserfall mit Wasserrad wieder seinen Ausgang nimmt etc.

Aber mit Blick auf die Zeit entschloss ich mich, doch die Tram zum Gemeentemuseum Den Haag zu nehmen, zumal ich dessen Größe nicht einschätzen konnte und daher genügend Zeitpuffer haben wollte – zumal in den Niederlanden nahezu alle Museen schon um 17 Uhr schließen. Die Entscheidung war goldrichtig, denn die zwei Stunden reichten gerade um das riesige Gebäude mit vielen interessanten Ausstellungen zu durchstreifen (siehe Kunstmuseen).

In Den Haag habe ich es körperlich gespürt, dass mir geschäftige Städte nicht liegen. Daher war die Lust, noch einige Sightseeing-Punkte aufzusuchen, tief in den Keller gesunken. Dies hat sich auch spürbar in meinem fotografischen Output niedergeschlagen. Nur rasch den Trubel verlassen und ins beschaulichere Delft zurück. Schlechte Karten für meinen morgigen Trip nach Rotterdam.

Nachdem ich wieder in Delft zurück war gönnte ich mir im Gartenlokal De Oude Jan (neben der Oude Kerk, die diesen Spitznahmen trägt) eine leckere Suppe mit herrlich frischem Vollkornbrot sowie einen kleinen Hauptgang, anschließend genoß ich noch ein Eis von der gestern erwähnten zweiten Eisdiele hinter der Oude Kerk und schloss den Tag im Wohnmobil mit diesem Bericht ab.

Soviel für heute

Euer Atze