NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 5

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

den heutigen Tag konnte ich es gemütlich angehen lassen, den erstes Ziel meiner Weiterreise war das nahegelegene Haarlem und das dortige Frans Hals Museum (Hof / Hal) empfangen Besucher erst ab 11 Uhr. Vorher wollte ich allerdings etwas von Haarlem sehen. Doch es kam etwas anders.

Tag 6 Donnerstag 19. April 2018 – NetherlandsTour
Haarlem / Delft

Vor dem Verlassen des City Camp Amsterdam wollte ich natürlich an der Entsorgungsstation vorbei. Hätte ich mir eigentlich denken können, dass um diese Zeit (9 Uhr) mehrere dieselbe Idee haben, entsprechend standen mehrere Fahrzeuge in Schlange. Glücklicherweise wollte ich weder Grauwasser entsorgen noch Frischwasser zapfen, sondern nur den Abfall und Schwarzwasser loswerden. An diesem Becken war der Andrang erträglich, so dass ich nach ca. 15 Minuten mit der Codekarte das Tor öffnen und den Weg nach Haarlem einschlagen konnte.

Kurz vor Haarlem habe ich allerdings die Routenansage fehlinterpretiert, weil die auseinanderstrebenden Fahrtrichtungen wie ein Zopf verflochten waren, d.h. ich bog wenige hunderte Meter zu früh auf die rechte Fahrspur ab und wurde über die A9 dann nach links statt nach rechts geleitet. Das Navi wollte keine Alternativroute preisgeben, sondern hat partout auf „Bitte wenden“ beharrt. An der ersten Kreuzung, wo dies dann möglich gewesen wäre, sah ich allerdings ein LIDL-Schild und konnte so noch schnell Batterien für mein Blutdruckmessgerät besorgen, das heute Morgen stromlos den Dienst versagte.

Dann steuerte ich – allerdings nun doch schon verspätet – meinen Parkplatz an. Auserkoren habe ich mir den P + R Haarlem Spaarnwoude, Forest Plaza / Woudplein / Haarlem East, 2031 Haarlem CZ (100 Parkplätze, kostenlos, Transfer mit Bahn möglich). Dieser Parkplatz geht übrigens in den von IKEA über, eignet sich aber auf den ersten Blick nur für PKW (ein zweiter war nicht notwendig, weil eh voll belegt und vermutlich hätte man auf den von IKEA ausweichen können, was aber nicht notwendig war, den an der Straße Jan van Krimpenweg, die an den Gleisen entlang führt, kann man ohne Probleme auch mit Dickschiffen parken. Dies verschaffte mir zudem den Vorteil, dass ich dem Zentrum so noch etwas näher kommen konnte. Auf die Bahn hätte ich evtl. nur zurückgegriffen, wenn Sauwetter gewesen wäre, stattdessen war strahlender Sonnenschein. Die Fahrt mit dem Rad war von dem Standort zumindest bis zu Altstadt unkompliziert, in der Vielzahl der Gassen habe ich mich dann aber doch kurz verfranst und bin überdies am Frans Hals Museum (Hof) zunächst vorbeigerauscht, weil in der Vielzahl ähnlicher Altbauten und dem regen Fahrradverkehr in der engen Gasse einfach übersehen.

Das Museum kann ich wärmstens empfehlen und Frans Hals sticht aus der Vielzahl der niederländischen Künstler der Goldenen Zeit ebenso heraus wie Rembrandt durch seinen lockeren Malstil, der fast schon impressionistische Anklänge hat. Interessant, wenn auch nicht immer gelungen, ist aktuelle die Gegenüberstellung der Sammlung mit zeitgenössischen Künstlern.

Nachgeschoben habe ich dann die Altstadtbesichtigung, allerdings mit Einschränkungen. Die Nieuwe Kerk wird gerade renoviert, der Grote Markt mit dem sehr sehenswerten Rathaus, der Grote Kerk, die Vleeshal neben der Zweigstelle des Frans Hals Museums (Hal) waren leider durch einen Kirmes verdeckt. Der Jugend gefällt es, dem fotografierenden Touristen weniger (vor allem auch wegen holländischen Schlagern gepaart mit Gekreische aus den Fahrgeschäften). Also zog ich mich nach dem Besuch des Museums, von dem ich bis auf eine Fotoausstellung weniger angetan war, in Richtung Womo zurück. Die spätgotische Grote Kerk ließ ich nach einem Blick auf die ausgestellten Postkarten und Prospekten unbesichtigt, da ihre Kargheit mir den Eintritt nicht wert waren, beeindruckenstes Ausstattungsstück ist wohl eine Müller Orgel mit 5000 Pfeifen, die aber gerade nicht erklangen.

In der Nähe des Teyler Museums (ältestes der NL) überquerte ich die historische Holzzugbrücke Gravestenenbrug, dahinter sind einige schöne Giebel von Häusern zu sehen, die seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert hier stehen.

Nach der unkomplizierten Rückkehr zum Womo zeigte ein Blick auf die Uhr, dass ein Besuch des Keukenhofs, den ich optional ins Visier genommen hatte, falls mir Blumenfelder andernorts versagt bleiben, nicht mehr lohnend ist. Stattdessen entschied ich mich, ein Ziel von Freitag vorzuziehen, nämlich die aktuelle Ausstellung Porträts der World Art Delft Stichting (Stiftung). Mein Navi signalisierte, dass ich das Ziel gegen 16 Uhr trotz zunehmendem Verkehr erreichen könnte. Daraus wurde aber nichts. Mehrere Staus verzögerten um 40 Minuten und ein irregeleitetes Navi kostete weitere 5 Minuten (da sind wohl ursprüngliche Straßen zu Fahrradstraßen bzw. reinen Tram/Bus-Straßen umgewidmet worden). 16.45 Uhr stand ich in der Ausstellung, die angeblich um 17 Uhr schließen würde. Ausstellung ist aber etwas zu viel gesagt. Bei der Institution handelt es sich wohl um einen Campus aus mehreren kleineren Bungalows und einem größeren. Dort hingen im Foyer/Flur einige sehenswerte Porträts. Andere an Stelltafeln waren zusammengeschoben, weil im angrenzenden Saal (in dem auch einige Bilder zu sichten waren) gerade eine Vortragsveranstaltung stattfand. Also mehr oder minder ein Reinfall.

Für zusätzlichen Stress sorgte übrigens das gute Wetter, 28 Grad im Freien hatten das Womo ohne Schatten doch reichlich aufgeheizt und die Hitze war erst in Delft gewichen, führte aber auch zu mehreren Litern Cola-Zufuhr (Light/Zero natürlich) in wenigen Stunden.

Das schöne Wetter und den Aufenthalt wollte ich dann aber wenigstens zu einem Besuch der Stadt Delft nutzen. Über Google Earth/Satellit hatte ich mir eine Parkstraße herausgesucht, die fahrradgünstig zum Zentrum lag. Dort angekommen, stellte ich fest, dass die Straße umgemodelt worden war (verkürzt und statt Quer- nun Längsparken, dazu sogar einige frei, aber kostenpflichtig über eine Mobilnummer). Wollte ich mir ersparen, bei der Anfahrt habe ich am Wegrand freie Blaue Zonen Parkplätze gesehen. Also umgedreht und eingeparkt. Gleich kommt ein netter junger Holländer heraus, klopft ans Fenster und erklärt mir, dass diese Blauen Zonen nur von 0 Uhr bis 12 Uhr gelten und in der übrigen Zeit die gleiche Gebührenregelung herrscht und zudem scharf kontrolliert wird. Zu meinem Glück hat er auch gleich eine Empfehlung parat, wo ich mich kostenlos hinstellen könnte, und das nur eine Seitenstraße weiter, nämlich an der Aan Het Verlaat jenseits der Kantoorgracht. Da standen neben PKWs auch schon einige ausländische Womos und Platz war zwischen den Bäumen auf der grachtabgewandten Seite auch noch für meines.

Rauf aufs Rad und die Straße (dient allgemein wohl als Fahrradstraße) und Gracht entlang Richtung Innenstadt, an der nächsten Gracht nach links abgebogen und nach wenigen Minuten stand ich an einer weithin sichtbaren Nieuwe Kerk (am Rand daneben die Katholische Kirche), davor der große Marktplatz und wohl das Rathaus. Da ich Delft ursprünglich mit Ausnahme der Ausstellung links liegen lassen wollte, war ich auf die städtischen Sehenswürdigkeiten nicht vorbereitet. Das ändert sich nun schlagartig, weil Delft das gelungen ist, was Amsterdam und auch Haarlem wegen des Trubels nicht geschafft haben – ich hab die Stadt in mein Herz geschlossen. Nicht nur, dass ich bei einem Spaziergang durch die Innenstadt und ihren zahlreichen Grachten den ersten niederländischen Eisdielen begegnet bin (musste meinem Affen auch gleich Zucker geben und habe beide ausprobiert, die zweite vor allem, weil sich im Gegensatz zur ersten eine lange Schlange davor gebildet hatte – ich kann beide empfehlen, die erste (Otelli.)am Markt und die zweite (De Lelie) auf der Rückseite der Grote Kerk in der gegenüberliegenden Grachtseite (Voorstraat). Die Stadt ist quirlig ohne Trubel, bietet viele (Straßen-)Cafés und Restaurants und ist abwechslungsreich ansehnlich. Da könnte man sicher länger verbleiben.

Mein Stichwort: Da kam mir doch der Gedanke in den Sinn, das Womo trotz der Problematik des wilden Campens in den NL stehen zu lassen und den ausgesuchten Stellplatz für heute bei Den Haag gar nicht anzufahren, stattdessen am Freitag mit dem Zug nach Den Haag zu pendeln und am Samstag auch nach Rotterdam, also die günstige Lage von Delft gleich länger auszunutzen und mir den Stress der Stellplatzsuche gar nicht erst anzutun (in Rotterdam gibt es nämlich seltsamerweise keinen, sondern nur in der weiteren Umgebung). Der in Delft (Recreatiecentrum Delftse Hout) ist übrigens Fr-So ausgebucht, wie die Internetrecherche ergeben hat.

Da trifft es sich, dass gleich oberhalb der Straße in der Durchgangsstraße eine Bushaltestelle ist. Demnächst mehr.

Soviel für heute

Euer Atze