NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 4

Neben der Fährenstation NSDM Werft steht das schwimmende Hotel Botel

 

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

den heutigen Tag habe ich ruhiger angehen lassen. Da mir wohl eine Darmverstimmung in der Nacht auf Dienstag gepaart mit dem frühen Programmstart eine kurze Nacht beschert hat, war Nachholbedarf angesagt.

Tag 5 Mittwoch 18. April 2018 – NetherlandsTour
Amsterdam

Wie schon angedeutet, habe ich mich für die obligatorische Grachtenfahrt für Hop On Hop Off entschieden und gegen die einstündige Sehenswürdigkeitentour. Mag sein, dass diese bzgl. des Inputs etwas reicher sein könnte, der Vorteil des Hop On liegt in der Mischung von Sightseeing und Transport. Am Vorabend habe ich mir noch die empfohlene App des Unternehmens heruntergeladen, über die dann mittels geschenkter Kopfhörer in der jeweiligen Sprache automatisch beim Erreichen der Hotspots ein Infotext zu hören wäre. Pustekuchen. Stattdessen kam die Ansage mehrsprachig herkömmlich aus Lautsprechern bei jeder Bank. Geht auch, hat nur den Nachteil, dass die Ansage gelegentlich vom eigenen und fremden Motorenlärm überstrahlt wurde. Geht natürlich außerdem auf Kosten der Informationsdichte, weil ja die Sprachbeiträge hintereinander abgespult werden müssen, was im Einzelfall dazu führte, dass die Info in eigener Sprache erst ertönte, nachdem das Subjekt der Beschreibung bereits vorbeigezogen war. Da ich mit 3 verschiedenen Schiffen die Runde machte, scheint die App beim Personal unbekannt. Dieser Wechsel zeigte auch qualitative Unterschiede der Bootsführer. Während die ersten zwei lediglich das Band laufen ließen (der zweite dabei Anfangs vergaß, auch Deutsch und Französisch zuzuschalten), war der Dritte sehr unterhaltsam und hatte ergänzende Infos parat, wenn auch nur auf Niederländisch und Englisch.

A’DAM Lookout und Filmmuseum
Hafenarchitektur

Die erste Etappe führte über den alten Hafen ans der Centraal Station gegenüberliegenden Ufer zum A’DAM Lookout, der neuen Aussichtsplattform (13,50 €, die ich mir erspart habe), über die Prinsengracht und war für mich beim Anne Frank Haus und der Westerkerk beendet. Ein Besuch des Anne Frank Hauses verkniff ich mir nicht nur wegen der längeren Schlange davor. Die Westerkerk ist äußerlich ein imposanter Bau, im Innern zeigt sich die Kargheit des niederländischen Protestantismus überdeutlich. Während die Orgel gespielt wurde, suchte ich vergeblich nach Rembrandts Grab. Aus bekannten Gründen verzichtete ich mangels Kondition auf das Besteigen des 85m hohen Aussichtsturms, wäre aber sowieso erst ab 11 Uhr möglich gewesen.

Die zweite Etappe führte am Rijksmuseum vorbei, querte die Keizersgracht und die Herrengracht in die namensgebende Amstel zur City Hall & Opera, in deren Nähe auch mein erstes Ausstellungsziel für heute liegt, das Hermitage Amsterdam, eine Kooperation mit der Eremitage in Sankt Petersburg. Als Ergänzung zum Rijksmuseum durchaus sehenswert, wenn auch nicht zwingend. Anregend fand ich weniger die ausgestellte Kunst selbst, sondern die historischen Erläuterungen dazu und zur Geschichte Amsterdams und seiner Bürgerschaft im Besonderen. Auch ansprechend präsentiert, inklusive von originalen Schauräumen (Küche aus 1725 und ein späteres Büro). Beim Hermitage bietet die NLMK keinen freien Eintritt, sondern einen pauschal auf 10 € reduzierten, unabhängig ob man sich eine oder mehrere Ausstellungen des Hauses anschaut.


Hermitage von der Blauwbrug aus

Innenhof Hermitage

Unweit des Hermitage steht die Magere Brug, eine der wenigen erhaltenen Holländerbrücken. Allerdings wurde die namensgebende Brücke, auf der kaum zwei Fußgänger aneinander vorbei kamen, 1871 durch diese breitere ersetzt.

Schlanke Häuser machen schlanke Steuern
Prunkvoll ging aber auch

Nachdem ich mir an der Schiffsanlegestelle noch eine angenehme rund 20-25 minütige sonnige Zwangspause gönnen musste, weil das vorige Hop On Schiff gerade ablegte, als ich in seine Nähe kam, bereicherte der nächste Schiffsführer die vorproduzierten Infobausteine durch lebhafte eigene Beiträge. So beleuchtete er die Hippie-Historie und aktuelle Lage der legendären Hausboote, damals eine Notlösung für Wohnungssuchende, die meist auch knapp bei Kasse waren, heute eher eine Luxusinvestition kaum unter einer Million. In der Nähe der Centraal Station wurde 1997 vom Pritzker-Preisträger Renzo Piano (u.a. Centre Pompidou, Zentrum Paul Klee Bern) auf Fundamenten des IJtunnels, welcher die beiden Hafenseiten unterirdisch verbindet, das Gebäude für NEMO Science Center Amsterdam errichtet. Aufgrund seiner Form, die an ein untergehendes Schiff erinnert, nennt der Amsterdamer Volksmund es auch Titanic.

Wohnung auf dem Wasser
Grachtenblick
Gegenschuss der Fotografen

Vom Centraal fuhr ich dann mit der Tram zum Dam, dem zentralen Platz Amsterdams, um dort in der Nieuwe Kerk die aktuelle Ausstellung World Press Photo zu besichtigen (NLMK). Auf dem Platz selbst fand ich neben der Nieuwe Kerk (Mischung der ursprünglich gotischen Liebfrauenkirche mit späterem Renaissance-Querschiff) das Gebäude von Madame Tussaud, welches sich im Kaufhaus von Peek & Cloppenburg befindet, fotografisch ansprechender als den düsteren Königlichen Palast (lag evtl. aber nur am Gegenlicht). Weil just da meine Kamera mangels Strom den Dienst versagte (der Zweitakku wollte ebenfalls keinen Saft spendieren, obwohl vor der Abfahrt extra aufgeladen), vergaß ich auf Aufnahmen der restlichen Sehenswürdigkeiten mit dem Smartphone.

Letzte Station für heute war der legendäre Bloemenmarkt, der auf der Singel(gracht) auf schwimmenden Hausbooten ein unüberschaubares Angebot an Blumen und Pflanzen präsentiert. Die Gewächshäuser auf den Hausbooten gehen jedoch fließend in die Auslagen auf dem Festland über, so dass der besondere Reiz des historischen Marktes von den Booten aus verloren ist. Für Hobbygärtner allerdings immer noch eine legendäre Anlaufstelle. Selbst hatte ich allerdings mehr erwartet.

Nach dem Kauf eines Brotes für die nächsten Tage beim örtlichen Bäckerladen beende ich mit dieser Nacht meinen Aufenthalt in Amsterdam.

Amsterdam mit dem Rad kann auch so aussehen

Soviel für heute

Euer Atze