NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 2

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

obwohl ich am frühen Morgen rund 30 km der 120 km langen Tulpenroute von Noordostpoldern über Espel nach Bant gefolgt bin und überall Plakate hängen, dass ab kommenden Samstag bis 6. Mai das diesjährige Tulpenfestival stattfindet, keine Tulpenfelder weit und breit zu sehen. Lediglich ein paar versprengte Osterglocken geben den eintönigen braunen Ackerfeldern und grünen Wiesen ein paar Farbtupfer. Doch halt, an einem Tulpenfeld bin ich vorbeigekommen, die Tulpenköpfe jedoch weitgehend eingezogen und nur ein paar Millimeter der farbigen Blüte dürfen schon die Sonne schnuppern. Mal sehen, ob es auf der restlichen Tour besser wird.

Tag 3 Montag 16. April 2018 – NetherlandsTour
Workum (Warkum) / Edam / Zaandam Zaanse Schans / Amsterdam

Da ich die Niederlande jedoch primär wegen der Kunst erkunden will, habe ich mir in Assen die Niederländische Museumskaart für knapp 60 € zugelegt. Bei meinem Programm ein echtes Schnäppchen, denn sie beschert mir bei den meisten Museen freien Eintritt. Dazu aber eine kleine Vorgeschichte: Im Vorfeld wollte ich die Karte online ordern, bin jedoch daran gescheitert, dass das Online-Formular partout keine andere als eine niederländische PLZ akzeptieren wollte. Also habe ich per E-Mail Kontakt aufgenommen, wo mir dann auch freundlich und unkompliziert die Bestellung per E-Mail angeboten wurde, so ich das Formular ausfülle und ein Foto anhänge. Gesagt, getan – lediglich der Aufforderung, ein niederländisches Konto zwecks Bezahlung anzugeben, konnte ich nicht nachkommen. Die Angabe eines deutschen Kontos (bei der Deutschlandniederlassung einer niederländischen Bank) sowie ersatzweise MasterCard-Daten führte zumindest bis zu meiner Abreise nicht zum erhofften Erfolg. Also daher der Kauf direkt bei einem beteiligten Museum. Dort erhielt ich eine vorläufige Museumskaart, die 31 Tage gültig ist. Wenn man sich dann Online registriert, wird sie in eine Jahreskarte umgewandelt. Das werde ich heute Abend gleich mal ausprobieren. Für diese Tour reicht es allemal vorläufig, aber evtl. statte ich der nördlichen Niederlande (Leeuwarden/europ. Kulturhauptstadt 2018 und Groningen) in der zweiten Jahreshälfte noch einen Besuch ab und evtl. klappt es auch mit einem Besuch von Belgien und bei dieser Gelegenheit einen Sprung über die Grenze in die Region unterhalb Rotterdam, die ich diesmal nicht auf dem Plan habe.

Nach Assen konnte ich die Karte heute gleich in Workum im Jopie Huisman Museum einsetzen. Hat sich nicht nur finanziell, sondern vor allem künstlerisch gelohnt. Auch der kleine Ort, früher eine bedeutende Hafenstadt, macht einen gefälligen Eindruck und heißt Autofahrer willkommen. Überall reichlich blaue Zonen am Straßenrand sowie in der zweiten Reihe (z.B. hinter der St. Gertrudiskirche) kostenlose Parkplätze. Die beiden etwas älteren freundlichen Damen im Museum konnten glücklicherweise auf Deutsch kommunizieren, der jüngere Mann gab sich zumindest Mühe, so dass eine Verständigung auch möglich war in Verbindung mit ein paar englischen Brocken meinerseits.

Die Umrundung des Ijsselmeeres in Richtung Edam bescherte mir eine interessante Fahrt über den langen Autobahndamm. Links erstreckte sich das eingeschlossene Ijsselmeer so riesig, dass vom gegenüberliegenden Ufer nichts zu sehen war, rechts war vom Meer wegen des höheren Schutzdamms nichts zu sehen. Eine gewaltige Leistung der niederländischen Ingenieurkunst, als Fahrer wird die schnurgerade Strecke ohne nennenswerte Abwechslung jedoch etwas ermüdend.

Edam besuchte ich wegen des schönen historischen Ensembles. Der legendäre Käsemarkt findet nur im Juli/August statt. Ein Abstecher nach Alkmaar, die den weltgrößten Käsemarkt haben sollen, bot sich nicht an, da dieser von April bis Anfang September nur freitags abgehalten wird. Parken in Blauen Zonen ist in Edam ebenfalls kein Problem. Empfehlenswert ist allerdings, das Womo/Auto eher am Stadtrand stehen zu lassen, weil viele der Straßen im fußläufigen Zentrum so eng sind, dass – wie beobachtet – Lieferfahrzeuge die Durchfahrt länger blockieren können. Edam hat mir sehr gefallen, nicht umsonst tituliert es sich selbst als Kleines Amsterdam. Den größeren Stadtteil der Doppelstadt Edam-Volendam habe ich gemieden, da dort wohl mehr Shopping angesagt ist.

Nach knapp einer halben Stunde Fahrt machte ich einen Zwischenstopp im Freilichtmuseum Zaanse Schans bei Zaandam. Bei der Auffahrt auf den Parkplatz die Schranke für PKW und nicht Busse wählen (schon allein, weil erstere 10 € Parkgebühr bedeutet und Busse 20 € löhnen müssen). Auch wenn kein Womo-Schild zu sehen ist, einfach durch den PKW-Parkplatz durchfahren und ums Museum herum, rückseitig wird man dann von einem Parkeinweiser auf spezielle Womo-Stellplätze am Wasser gelotst. Die Museumskaart bescherte mir kostenlosen Eintritt ins Museum, das sich schwerpunktmäßig mit der wirtschaftlichen Geschichte der Region befasst, angeschlossen ist ein historischer Schauraum der international bekannten Schokoladen- und Keksfabrik Verkade.

Der Besuch des Geländes mit dem Museumsdorf ist sowieso kostenlos, zumal die meisten Häuser zur Präsentation aber vor allem auch Vermarktung traditioneller Waren (Holzschuhe, Süßwaren, Backwaren, Schmuck und Uhren, Delfter Keramik, natürlich Käse und Senf) dienen. Auch den Mühlenweg kann man kostenfrei erwandern (oder mit dem Fahrrad erkunden, so man die tausende Besucher nicht scheut), lediglich für die Innenbesichtigung muss Eintritt gezahlt werden. Alternativ kann es (vor allem ohne Museumskaart) Sinn machen, die Zaanse Schans Card für 15 € zu nehmen, da darin diverse Vergünstigungen eingeschlossen sind (z.B. Parken nur für 7,50 €).

Ein Lächeln von Frau Antje für den Fotografen
Tulpen gab es heute nur in dieser Form zu sehen

Im Museum kann man an einem digitalen Schautisch übrigens die 25 Bilder von Claude Monet an ihren Entstehungsorten in Verbindung mit historischen Fotos betrachten, die er bei einem längeren Aufenthalt 1871 geschaffen hat. Das Monet Atelier in Zaandam kann man übrigens kostenlos besuchen, dort werden Repliken ausgestellt und Literatur feilgeboten (www.monetinzaandam.nl).

Die 6 Mühlen repräsentieren übrigens nicht die in den Niederlanden allgegenwärtigen Pumpmühlen, sondern Gewürzmühlen, Sägemühlen, Farbmühlen und Ölmühlen und sind teilweise noch heute im echten Betrieb.

Nach einer rund halbstündigen Fahrt bin ich auf meinem Stellplatz für die nächsten Tage angekommen, dem

Amsterdam City Camp
Papaverweg 50 Noord 4, 1032 KE Amsterdam
N 52°23’52.35“ O 004°54’03.07“ / N 52.397876° O 004.900854
www.amsterdamcitycamp.nl

Der Platz liegt zentral, nach einem 10minütigen Fußweg soll man mit einer kostenlosen Fähre ans andere Ufer beim Hauptbahnhof (Amsterdam Centraal) übersetzen können. Mal sehen. Drei Nächte ohne Strom kosteten mich 61,50 € (hab ja Solar), Strom würde pauschal pro Tag 4 € kosten (allerdings verfügen nicht alle Plätze über Stromanschluss). Der Platz ist nur für Womos und verfügt nicht über WC/Dusche, lediglich Wassertanken sowie Grau- und Schwarzwasserentsorgung sind möglich, außerdem gibt es kostenloses WLAN mit ordentlichem Tempo. Der Platzwart spricht übrigens glücklicherweise deutsch, das Eincheck- bzw. Kassenterminal auch (zumindest beim Zahlvorgang). Der Platz ist videoüberwacht und umzäunt, Einlass nur mit der Parkkarte (also mitnehmen, wenn man den Platz verlässt). Die Angaben zur Platzzahl gehen auseinander, die Webseite spricht vorsichtig von über 50, in Stellplatzführern werden 100 angegeben, was zutreffen könnte, denn ich stehe auf 88. Hinter mir gibt es noch ein momentan unbelegtes Areal, welches ebenfalls geschottert ist und nur mit einer simplen Schnur abgetrennt ist – also vermutlich dient es zur temporären Aufstockung. Die Abstände der Nummern sind übrigens so üppig, dass man jeweils 3m Abstand zum Nachbar hat. Also ggf. auch noch Reserven. Da der Platz jetzt zu Wochenanfang schon gut gefüllt ist, am Wochenende und in der Ferien- und Hochsaison vermutlich dringend nötig. Eine Reservierung ist übrigens nicht möglich. Die Angaben auf der Webseite zur schönen Aussicht halte ich für etwas geschönt, allerdings habe ich den Platz noch nicht von allen Seiten erkundet.

Soviel für heute

Euer Atze