NetherlandsTour Frühjahr 2018 # 1

Liebe Mitleserinnen und Mitleser,

seit der Eröffnung dieser Webseite Ende Januar war ich mehrfach in Sachen Ausstellungen im süddeutschen Raum unterwegs zwischen Rhein, Main, Isar und Bodensee, was seinen Niederschlag nicht wie in den vergangenen Jahren in Newslettern gefunden hat, sondern in den Ausstellungsrubriken dieser Webseite – entweder nur als schlichte empfehlende Erwähnung, wenn ich die Ausstellung sehenswert fand oder gar mit bis zu drei Pinselspitzen ausgezeichnet, wenn ich stärker begeistert war. Ausstellungen, die mich nicht überzeugen, bleiben unerwähnt.

Meine erste Grand Tour des Jahres 2018, die neben der Kunst auch etwas dem Sightseeing dient, führt mich in die Niederlande.

Tag 1 Samstag 14. April 2018 – NetherlandsTour
Würzburg / Leer

Die Anreise führte mich über Würzburg (s. Kunstausstellung) nach Leer. Leider gab es trotz bester Verkehrsverhältnisse ein paar Verzögerungen wegen Besorgungen, so dass der Abendbummel in den Museumshafen etwas knapp ausfiel. Reicht aber für den Eindruck, dass das Städtchen mal einen längeren Besuch rechtfertigt.

Leer verdient auch von Wohnmobilisten ein besonderes Lob, denn es stellt mehrere kostenlose Stellplätze zur Verfügung. Mein Ziel war der

Stellplatz P9 Große Bleiche (4 Plätze, kostenlos/3 Nächte, WC, Strom 1 €/kWh, Sani-Station)
53°13’34.5″N 7°26’49.6″E / 53.226244, 7.447121

Glücklicherweise sind die offiziellen Stellplätze Teil eines öffentlichen Parkplatzes, die einen großen Platz einfassen und den rund 20 Mobilen einschließlich von Concorde-Dickschiffen als Ausweichplatz dienen können. Als weitere Alternativen gibt es noch Stellplätze in der Nessestraße, 53°13’31.3″N 7°27’16.7″E / 53.22537, 7.454631 sowie am Landgasthof „Zur Jümme Fähre“, Amdorfer Straße 101, 53°13’26.8″N 7°31’33.7″E / 53.224118,7.526021 (kostenlos gegen Verzehr).

Alle Blicke zum Fotografen

Tag 2 Sonntag 15. April 2018 – NetherlandsTour
Emden / Assen / Lelystad

Impuls für die jetzige Tour gab mir eine Doppel-Ausstellung in der Kunsthalle Emden und im Drents Museum  Assen/NL. Während ich die Kunsthalle schon mehrfach besucht habe, reichte es diesmal vorab auch zu einem Besuch des  Ostfriesischen Landesmuseums Emden.

Parken kann man mit PKW in Emden in auf verschieden Parkplätzen im Zentrum bzw. direkt gegenüber der Kunsthalle (entweder auf dem sehr kleinen Parkplatz auf der Hahnschen Insel oder auf der anderen Straßenseite auf dem Parkplatz Pottgiesserstraße). Womos können mit etwas Glück am Neuen Markt (außer an drei Markttagen) oder am Parkplatz Große Straße abgestellt werden, wobei nur letzterer am Anfang etwas längere Plätze bietet, dafür nur in üblicher PKW-Breite. Zwischen den beiden letztgenannten gibt es noch den öffentlichen Parkplatz von ALDI, hier wird es aber für Womos eher knapp.

Leider hat sich über Nacht feuchte Luft ausgebreitet und der Sonntagmorgen bescherte mir norddeutsches Schietwedder. Eigentlich wollte ich ja morgens zeitig in Emden sein, um etwas mehr von der Stadt zu sehen. Fiel buchstäblich ins Wasser. So machte ich mir es auf dem Neuen Markt im warmen Wohnmobil bequem und schmökerte noch etwas in dem Band Mit dem Wohnmobil in die Niederlande (WOMO-Reihe Band 71). Dies bescherte mir für Assen die Option, statt eines bezahlten Parkplatzes (sonntags ist die Innenstadt von 12-18 kostenpflichtig) den nur geringfügig entfernten kostenlosen Womo-Stellplatz anzufahren, der zudem eine WC-Entsorgung bieten soll.

Nach dem Besuch des Ostfriesischen Landesmuseums und Kunsthalle Emden (s. Ausstellungshinweise) machte ich noch einen kurzen Tankstopp hinter Emden, da in der Niederlande der Diesel aktuell teurer ist. Trotz Regen konnte ich noch einen Blick auf die historischen Schiffe im Hafen Ratsdelft werfen, welcher vom Landesmuseum und Dat Otto Huus flankiert wird.

Auf dem Weg zurück zum Womo hatte sich der Regen zurück gehalten, so dass ich dem Impuls nachgab, mir drei Eiskugeln in der Waffeltüte vom Eiscafe Valentino zu gönnen. Lecker.

Die anschließende Fahrt nach Holland ließ ich mit 100 km/h ruhig angehen, obwohl bis 3,5t bis zu 130 km/h erlaubt wären, auf Schnellstraßen hingegen tatsächlich nur die 100 km/h. Außerorts gilt 80 km/h, was für Womos über 3,5t auch auf Schnellstraßen und Autobahnen gilt (erfahrungsgemäß wird dies offensichtlich nicht eingehalten, denn mehrfach bin ich selbst von Dickschiffen überholt worden.

Vorbildlich ist die Auszeichnung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen. Bei jeder km-Marke steht zusätzlich die erlaubte Geschwindigkeit für PKW. Da sich dies meist alle 500m wiederholt, wird man fortlaufend erinnert.

Eine weitere Eigenheit sind km-lange Straßen, die nur aus einer Fahrspur pro Richtung bestehen, zwischen denen aber bis zu 10m breite Grasflächen angelegt sind. Ab und an wird dies von einer Überholspur abgelöst. Trägt beides auch zum entspannten Fahren bei.

In Assen/NL kam dann doch etwas Stress auf. Den im Womo-Tourenbuch erwähnten Stellplatz konnte ich trotz Koordinaten nicht finden, gefunden habe ich lediglich eine Bootsanlegestelle mit Stromanschlüssen. Evtl. ist die Ursache aber auch, dass in diesem Gebiet kräftig umgebaut wird, Straßen temporär gesperrt oder offensichtlich nicht mehr vorhanden sind. Das Navi wollte mich mehrmals in nicht (mehr) vorhandene Straßen leiten. Endlich einen kostenpflichtigen Parkplatz gefunden, musste ich erst noch dem Rad etwas Luft spendieren. Dann habe ich mich trotz Google Maps noch verfahren, da Straßenschilder nicht zu sichten waren, wenn ich sie zur Orientierung gebrauchen hätte können. So kam ich zeitlich etwas knapp im Drents Museum Assen an. Für eine Schnellbesichtigung und etlichen Fotos hat es aber noch gereicht. Die Rückfahrt ging dann nach kurzer Kartenorientierung leichter und die Fahrt nach Lelystad war wieder entspannt.

Apropos Holland, eigentlich ja die Niederlande, denn nur die zwei Provinzen Noord- und Zuid-Holland von insgesamt 12 gehören geschichtlich zu Holland, das Gesamtgebilde trägt die offizielle Bezeichnung Königreich der Niederlande. Aber nicht nur wir Deutschen verwenden meist den Begriff Holland, wenn wir eigentlich die Niederlande meinen, auch in vielen anderen Ländern ist es so, da diese beiden Provinzen im neunzehnten Jahrhundert wesentlich für Wirtschaft und Wohlstand wahrgenommen wurden. Selbst die Niederländer haben sich diesem Marketingdruck gebeugt und treten in der Tourismuswerbung unter dem Claim HOLLAND auf https://www.holland.com/de/tourist.htm

Allerdings wird häufiger darauf hingewiesen, dass die Einwohner (insbesondere der anderen Provinzen) es gar nicht schätzen sollen, wenn man sie als Holländer anspricht. Auch sollen sie angeblich häufig abweisend reagieren, wenn man sie in der Annahme, dass Holländer mehr oder minder des Deutschen mächtig sind, entsprechend anspricht. Mal sehen, welche Erfahrungen ich mache, zumal mir auch Englisch als internationale Sprache nicht leicht fällt (Fremdsprachen haben meine  Schullaufbahn mehrmals nachteilig beeinflusst).

Apropos Camping und Niederlande. Obwohl man ja bei uns den Eindruck gewinnen könnte, die Holländer seien ein Volk der Camper, soll es im eigenen Land mit der Freiheit der Camper nicht so weit her sein. Tatsächlich ist das Übernachten auf öffentlichen Parkplätzen im Regelfall untersagt, auch das in Deutschland praktizierte Recht des Übernachtens zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit soll durch kräftiges Bußgeld geahndet werden.

Umso besser, dass ich mein Nachtquartier auf einem der seltenen kostenlosen Stellplätze des Landes aufgeschlagen habe, nämlich Camperplaats Houtribhoek Lelystad, Houtribweg 68 / Ijsselmeerdijk 2, 8221 RE Lelystad, 52°32’55.28″N 5°27’28.12″E / 52.5486688, 5.457812, http://www.vvvlelystad.nl/de (4 Plätze auf öffentlichem Parkplatz, kostenlos, max. 2 Nächte, keine V/E).

Der Platz liegt nur durch den Deich vom Ufer und Strandbad des Ijsselmeers, die Retortenstadt Lelystad selbst ist ca. 4 km entfernt. Am Strand gibt es in einer Holzbaracke auch ein Restaurant mit umfangreicher Speisekarte.

Als kostenpflichtige Alternative gibt es den Camping ’t Oppertje Lelystad, Uilenweg 11, 8245 AB Lelystad (10 Plätze, 5,75 €/Person + 9 €/Mobil + 2 €/Nebenkosten. Nur Übernachtung (17-11 Uhr) soll für 5 € zu haben sein.

Lelystad ist eine vergleichsweise junge Stadt. Erst 1950 wurde der Hafen errichtet, wohingegen die Besiedelung selbst um 1967 durch erste Bewohner den Anfang nahm. Entsprechend ist das Stadtbild durch moderne Architektur geprägt. Im weiten Hinterland sollen sich Flevolands größte Blumenfelder erstrecken, was auch der eigentliche Grund für meinen geografischen Schlenker ist. Auf der Herfahrt sind mir aber die Blumenfelder nicht ins Auge gesprungen. Hoffentlich sieht dies besser aus, wenn ich morgen entlang der vermeintlichen Tulpenroute über Noordostpoldern, Espel, Bant nach Workum fahre. Evtl. verstecken sich die Tulpen aber noch wegen der längeren Kaltzeit noch in der Erde. Südlich von Lelystad gibt es das Naturreservat ‘De Oostvaardersplassen’, welches jedoch laut meinen Informationen nur in geführten Touren betreten werden darf. An der Küste soll das 2010 errichtete skulpturale Projekt Exposure (Antony Gormley) zu betrachten sein, wurde aber von mir angesichts der fortgeschrittenen Zeit nicht in Augenschein genommen. Im Hafen liegt das Segelschiff twee-mast brigantijn Bounty (Schoonzicht 404, Lelystad), auf dem man ein besonderes Segelerlebnis buchen kann.

Soviel für heute

Euer Atze