Museumspass-Tour Herbst 2016 # 4

Museumspass-Tour Herbst 2016 # 4

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

übrigens, der Nachbar hat kurz nach meiner Anmerkung seinen Generator abgestellt, uff. Und noch ein Nachtrag: Am Emmendinger Stellplatz ist emwifi, das kostenlose WLAN der Stadt Emmendingen zu empfangen. Vorbildhaft.

Vorbemerkung: Am heutigen Tag lagen Glück und Pech, eine schöne Überraschung und eine stressige eng beieinander. Mehr dazu nachfolgend.

Für den heutigen Trip steige ich zumindest phasenweise auf den ÖNV um.

Tag 5 Donnerstag 27.10.2016 – Museumspass-Tour
Freiburg / Colmar / Mulhouse / Müllheim

Da die Parksituation in Museumsnähe in Freiburg eher ungünstig ist und ich anschließend sowieso wieder auf die französische Seite wechseln wollte, habe ich mich für die Nutzung des Park+Ride-Angebots entschieden. Günstig gelegen sowohl aus der Sicht vom Stellplatz Emmendingen wie auch wegen museumsnahen Haltestellen, erschien mir der

Park+Ride-Parkplatz Zähringen / Freiburg im Breisgau
Gundelfinger Straße 55 (die Nummer ist nicht verbürgt, denn mein Navi sah die Adresse 100m weiter und auf der anderen Straßenseite, daher hier die ausgelesenen Koordinaten: N48°02’04.60″ E007°51’42.34″
(Bahnsteig 2 / Stadtbahn 4 Messe / Ausstieg Bertoldsbrunnen – 2,30 €) 3min Fußweg bis Augustinermuseum (alternativ Umstieg in Tram 1 bis Oberlinden direkt vor den Museumseingang – fährt alle 10 Minuten und benötigt 15 Minuten). Die Station ist übrigens Endhaltestelle, was sich für einen Sitzplatz günstig auswirkt, denn nur wenige Stationen weiter gibt’s dann nur noch Stehplätze.

Von Emmendingen bin ich so zeitig losgefahren, dass ich bereits um 7 Uhr auf dem P+R stand. Ein Womo hat hier offensichtlich bereits die Nacht verbracht – also auch eine Option, allerdings ist die rückwärtige mehrspurige Bundesstraße eine der Haupteinfallschneisen und zumindest morgens um 7 war der Lärm unüberhörbar. Die frühe Anfahrt hat sich als kluge Entscheidung entpuppt, denn bis 8 Uhr war der relativ große Parkplatz zu gut 3/4 gefüllt und kurz vor 9, als ich mich auf den Weg machte, waren nur mehr einzelne Plätze frei. Als ich mittags zurückkam, waren selbst die Zufahrtswege und die Fußgängerwege zugeparkt und selbst vor der angrenzenden Wiese machten manche keinen Halt.

Freiburg machte seinem Ruf alle Ehre, denn die Sonne tat alles, um die Nebelglocke über dem Breisgau zumindest punktuell zu durchbrechen. Das Münster war zwar noch von Nebelschwaden umhüllt, der auf dem Platz davor stattfindende Wochenmarkt bekam aber teilweise grelle Sonnenstrahlen ab. Schöne Lichtstimmung, aber als Gegenlichtsituation für ein Smartphonefoto grenzwertig. Da half auch die HDR-Funktion nur mäßig.

Vom Münster ging’s zum Augustinerplatz, wo ich mich kurzfristig umentschied und doch zunächst das

Museum für Neue Kunst Freiburg        
Marienstr. 10a
Klassische Moderne (Dauerausstellung)

unterhalb gelegen aufsuchte. Leider war die Information sowohl auf der Webseite wie auch auf dem Wegweiser im Haus vielversprechender als die derzeitige Wirklichkeit. Wegen eine am kommenden Wochenende startenden Sonderausstellung wurde die ständige Sammlung auf vier Räume des Erdgeschosses konzentriert, zudem wurde in einem dieser Räume überwiegend demonstriert, welche Werke in der Sammlung nicht mehr vorhanden sind. Durch leere Rahmen wurde nämlich in der sogenannten Petersburger Hängung demonstriert, welche Werke dem Museum im Dritten Reich verloren gegangen sind. Lediglich in einem ausliegenden Textheft (nicht zum Mitnehmen) waren erläuternde Texte und meist kleinformatige Schwarzweißabbildungen. Zwischen den leeren Rahmen hingen auch einzelne Werke, die erhalten geblieben sind. Diese und die Werke in den anderen drei Räumen waren aber meist sehr sehenswert und geben einen Eindruck, welche Schätze da ggf. noch im Depot liegen könnten. Der Besuch fiel somit entsprechend kurz aus.

Wie ich so aufs Augustinermuseum zulaufe, läuft ca. 20m vor mir eine Gestalt ebenfalls dorthin und verschwindet im Eingang, deren Gang und Körperhaltung und Frisur mir doch sehr vertraut vorkam, wenn auch deutlich schlanker als bei unserer letzten Begegnung. An der Kasse konnte ich mich über die zufällige Begegnung mit Michael Rux freuen, der das Museum nur kurz aufsuchen wollte, um seinen MPM und den seiner Frau um ein Jahr zu verlängern. Geplant hätte es nicht besser klappen können. Der Freude auf beiden Seiten folgte ein kurzer Abstecher auf eine heiße Schokolade ins gegenüberliegende Café. Dass Michael deutlich abgespeckt hatte, ist leider seiner Erkrankung zu verdanken, wegen der ihm der Magen entfernt wurde. Aber soweit er erkennen ließ, geht es trotzdem langsam wieder aufwärts und er ist guter Dinge, dass das Leben noch länger auch freudige Seiten bereithält. Trotz dieser Beeinträchtigungen hat er jüngst seine Referententätigkeit wieder aufgenommen, war gerade erst in Karlsruhe und wird im Dezember in Biberach sein.

Ich darf alle, die ihn kennen und schätzen, freundlichst von ihm grüßen.

Augustinermuseum Freiburg      
Augustinerplatz 1
Hans Baldung Grien. Holzschnitte (bis 15.01.2017)
In einem Seitenbau, der derzeit bis 2020 noch größtenteils saniert wird, ist eine sehr sehenswerte und schön aufbereitete Ausstellung des Künstlers zu sehen, der u.a. bei Albrecht Dürer gelernt hat und während dessen Italienaufenthalt die Nürnberger Werkstatt geleitet hat. Die stilistische Verwandtschaft ist unverkennbar und hat ihn ebenfalls berühmt und reich gemacht. Für nur 12 EUR gibt es auch einen kleinen feinen Katalog.
Franz Xaver Hoch (bis 08.01.2017)
Aufgrund des 100. Todestages erinnert das Museum an einen zu unrecht weitgehend vergessenen Freiburger Künstler, der jedoch in München vor allem als Landschaftsmaler Karriere gemacht hat, bevor er 1916 im ersten Weltkrieg gefallen ist.
Sammlung Malerei bis zum 19. Jahrhundert (Dauerausstellung)
Hiervon waren weitgehend nur die religiösen Werke der Zeit bis 1600 zu sehen, lediglich ein paar Bilder von Hans Thoma und weiteren Künstlern des 19. Jh. (zum Beispiel der berühmte Sisi-Maler Winterhalther) konnten präsentiert werden, weil der seit 2007 laufende Um- und Neubau nur soweit abgeschlossen ist, als es das umgewidmete Kirchenschiff betrifft. Wenn keine Sonderausstellung stattfindet, werden mehr neuere Werke präsentiert. Hoffnung wird auch auf den neuen Anbau gesetzt, an dem derzeit gewerkelt wird.

Zurück am P+R startete ich Richtung Colmar, als ca. 10 km hinter der Grenze das Fahrzeug ein seltsames Verhalten zeigte. Beim Bremsen schaltete zwar die Automatik die Gänge zurück ggf. bis zum Stillstand, kaum ließ ich die Bremse aber wieder los, begann das Fahrzeug wieder Fahrt aufzunehmen und die Gänge nach oben zu schalten. Auch Ausschalten des Tempomats und des Motors brachten keine Besserung, im manuellen Betrieb war es noch schlimmer, da Motor und Kupplungsgetriebe hör- und riechbar aufheulten. Beim Zuschalten der Schaltautomatik beruhigte sich der Motor zwar etwas, zeigte aber fortgesetzt das beschriebene Verhalten. Sch…

So konnte ich die Fahrt nicht fortsetzen und so suchte ich mir die nächstgelegene FIAT-Werkstätte jenseits der Grenze in Deutschland heraus und fuhr dort hin, etwas mit Schweißperlen auf der Stirne. Diese Werkstätte hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Erstens sei der Meister gerade unterwegs und zweitens können sie keinen weiteren Kunden zwischenrein schieben. Ich könne aber gern die halbe Stunde warten, bis der Meister wieder da sei, dann könne er ja ggf. seine fachmännische Meinung dazu abgeben. Die Dame bei der Auftragsannahme bot aber an, mal bei weiteren Betrieben Richtung Freiburg nachzufragen, ob da ggf. kurzfristig was reingeschoben werden könnte. Negative Auskunft. Auch eigene Versuche bei zwei Werkstätten scheiterten am Belegt-Zeichen. Eine dritte Werkstätte bot zwar an, ich könnte vorbeikommen und das Fahrzeug abstellen, Nachsehen und Reparieren sei frühestens Mitte nächster Woche möglich. In der Not und schon etwas mit Hals probierte ich die FIAT-Camper-Service-Hotline. Nettes Gespräch, aber letztendlich nicht zielführend, da lediglich ein Abschleppen angeboten wurde und ggf. das weitere Abklären mit Werkstätten im weiteren Umkreis, ob da früher was möglich wäre. Hierauf habe ich vorläufig verzichtet, denn zwischenzeitlich war der Gedanke gereift, die Tour abzubrechen und trotz Handicap die Heimreise zu versuchen und dann in Ulm eine Klärung herbeizuführen, auch wenn dies ggf. auch zwei Wochen in Anspruch nimmt. Daheim ist daheim – und zur Mobilität hätte ich ja den MAZDA.

Gedacht, gesagt (dem Hotline-Mitarbeiter gedankt – mit der Absprache, dass ich ihn direkt kontaktieren könne, falls ich doch unterwegs liegen bleibe und der Abschleppwagen in Betrieb gesetzt werden muss) und getan. Doch nein, halt. Ich lass den Motor an – und kein außergewöhnliches Verhalten. Ich fahr aus dem Hof und die Straße entlang, alles wieder ganz normal. Also alles wieder revidiert und die Richtung Colmar eingeschlagen. Zwar habe ich durch die ganze Aktion gut zwei Stunden verloren, glücklicherweise hat das Musee Unterlinden am Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet (sonst nur bis 18 Uhr, was fürs Wesentliche auch gereicht hätte).

Glücklicherweise habe ich unweit vom Museum an einer Seitenstraße gleich einen Parkplatz entdeckt und stand kurz vor halb 5 im Museum. Dieses in einem ursprünglichen Kloster untergebrachte Museum – im Kirchenschiff steht der berühmte Isenheimer Altar vom Mathias Grünewald – hat unlängst einen unterirdischen Erweiterungsbau erhalten, in welchem die Sammlung klassischer Moderne präsentiert wird und der gleichzeitig als Verbindungsgang zu einem gegenüberliegenden Gebäude dient, das ebenfalls fürs Museum umgebaut wurde (für Sonderausstellungen, weitere Kunst des 20./21. Jahrhunderts sowie das Museumscafé).

Musee d’Unterlinden Colmar      
1, rue des Unterlinden/Place Unterlinden
(Parken: Rue des Ancetres / 4 Place Scheurer Kestner (Cinema) / 48°04’55.1″N 7°21’23.9″E)
Otto Dix und der Isenheimer Altar (bis 30.01.2017)
Gerade vor wenigen Tagen hat diese Sonderausstellung eröffnet. Dix hat sich bereits in seiner Dresdner Zeit sehr intensiv mit dem Isenheimer Altar beschäftigt, was in der Ausstellung sehr eindrücklich durch Gegenüberstellung von Dix Werk und Motiven des Isenheimer Altars belegt wird. Hinzu kam, dass Dix, der zum Ende des Zweiten Weltkriegs trotz seines Alters noch zum Heimatschutz eingezogen und in französischer Gefangenschaft zufälligerweise in Colmar interniert worden ist. Durch einen Offizier, der in ihm den auch in Frankreich bekannten Maler der Neuen Sachlichkeit und als entarteter Künstler gebrandmarkt erkannte, wurde er in eine Sondergruppe verlegt, die nur aus Künstlern bestand und dort hatte er – als der Isenheimer Altar wieder errichtet wurde – die Möglichkeit, ihn intensiv zu studieren. Die Resultate sind neben vielen bekannten Werken aus zahlreichen Museen in Colmar versammelt. Glücklich, dass mir diese Begegnung nun doch nicht durch das zwischenzeitliche Pech versagt wurde, musste ich aber aus Zeitgründen das restlich geplante Programm streichen – wird ein andermal nachgeholt. Hier daher nur die Aufzählung, falls jemand Interesse hat, mir zuvor zu kommen:

Musee Bartholdi Colmar       
30, rue des Marchands
Frederic Auguste Bartholdi ist der Erschaffer der Freiheitsstatue.

Musee des Beaux-Arts Mulhouse (frei /   )
4, Place Guillaume Tell
Sammlung Kunst aller Epochen (Dauerausstellung)

La Kunsthalle Mulhouse (frei /   )
16, rue de la Fonderie
Zeitgenössische Kunst (Wechselausstellungen)
(Dauerausstellung ???)

Das nachfolgende Museum stand zwar nicht auf meinem heutigen Plan, wird aber ggf. bei einem neuen Besuch in dieser Gegend einbezogen.

Weltgrösstes Automobilmuseum       
Cite de L’Automobile Musee National – Collection Schlumpf Mulhouse
15, rue de l’epee / bp 1096

Glücklich über die positive Wendung der Tour habe ich mein heutiges Quartier angesteuert.

Stellplatz am Freibad Müllheim
Ziegleweg 7 (3 Plätze)
N47°48’9“ E7°38’1“

Obwohl es tatsächlich etliche mehr als die belegten Plätze gab – wenn auch eng beeinander, habe ich nicht nur deshalb abgedreht und stehe jetzt wenige hundert Meter entfernt auf einem ganz normalen Parkplatz. Direkt am Stellplatz ist nämlich das Fussballfeld und dort war bei meinem Eintreffen gerade ein lautstarkes Spiel bei Flutlicht im Gange.

Am aktuellen Stellplatz hatte ich dann gleich eine Begegnung der unschönen Art mit einem anderen Wohnmobilisten, der mit seinem gewaltigen Mobil über 4 PKW-Plätze quer stand. Erstens meinte er mich im barschen Ton beim Aussteigen darauf aufmerksam machen zu müssen, der Stellplatz sei weiter hinten und ich solle gefälligst dorthin fahren und zweitens raunzte er mich an, weil mein Autoradio bei geöffneter Tür zugegeben etwas laut nach außen Musik abgab. Ich hab erste Bemerkung damit quittiert, dass er ja dann auch falsch stehen würde und hab wortlos das Radio ausgeschaltet. Es gibt auch unter Wohnmobilisten Är…. Außerdem war ich ihm offensichtlich zu nah auf den Pelz gerückt, da ich nur 3 PKW-Plätze Platz zwischen uns gelassen habe, den nach einer kurzen Gassi-Runde mit seinem Hund hat er sein Womo weitere 3 PKW-Plätze weiter nach vorne gefahren.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

 

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten