Museumspass-Tour Herbst 2016 # 3

Museumspass-Tour Herbst 2016 # 3

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die unterschiedlichen Öffnungszeiten bringen es mit sich, dass ich heute erneut ständig die Rheinseiten wechseln muss.

Tag 4 Mittwoch 26.10.2016 – Museumspass-Tour
Straßburg / Durbach (bei Offenburg) / Riegel am Kaiserstuhl / Emmendingen

Nach einer erneut ruhigen Nacht, in der nur gelegentlich die sonoren Motorgeräusche der vorbeischwimmenden Schiffe leise zu hören sind, geht es erneut rüber nach Straßburg. Diesmal war Google einigermaßen verlässlich und anhand der Satellitenbilder habe ich gesehen, dass es im Quartier des Tomi Ungerer Museums Parkzonen entlang einiger Straßenzüge gibt. Und tatsächlich, ohne allzu langes Suchen war bereits in der ersten Seitenstraße ein ca.10 m langer Parkplatz längs der Straße frei, so dass auch das Rangieren ein Leichtes war. In Frankreich scheint es übrigens üblich zu sein, dass man die Parkscheinautomaten neben Münzen mit VISA- und MASTERCARD füttern kann, nicht jedoch mit der EC-Karte.

Der Ausgangspunkt war günstig für einen fast gradlinigen Gang über die idyllisch gelegene Pont St. Etienne Richtung Münster (wer will, kann sich über Google Street View einen Eindruck verschaffen). Gewissermaßen im Innenhof eines Gebäudekomplexes zwischen Rue des Freres und Rue de Chapan liegt am Weg ein schöner Platz mit Fachwerkhäusern und zahlreichen Cafés und Lokalen, bei dieser Jahreszeit und dem trüben, wenn auch trockenen Wetter sind die Außenanlagen stillgelegt (Place du Marché Gayot), in wärmerer Zeit und vor allem am Abend lässt es sich hier sicher gut aushalten.

Der Eingang zum Münster ist durch Militär (Panzerfahrzeug und ein Soldat mit Maschinengewehr) bewacht, eine Security prüft alle mitgeführten Taschen. Ähnliche Securitymaßnahmen gab es auch bereits in mehreren Museen. Im Centre Pompidou-Metz wurde ein Körperscan durchgeführt und man musste alle elektrischen Gegenstände etc. auf ein Tablett legen (meinen Powerstick zum Nachladen des Smartphones hatte ich allerdings in der Gesäßtasche vergessen und der Scanner hat dies auch nicht moniert).

Irritierend finde ich, dass offensichtlich nicht erwünscht ist, dass Besucher in der Kirche verweilen. Sämtliche Sitze sind mit einem Sperrband versehen. In den Gängen dazwischen pilgern Stoß auf Stoß geführte Besuchergruppen, jeweils vornweg eine vor sich hin brabbelnde Führerin in der Hand ein Stab mit Wimpel. Als Einzelbesucher lässt man sich entweder mitschieben oder wuselt durch die gelegentlichen Lücken. Besonders auffällig ist die Kanzel, die allein schon durch Prunk und Farbgebung vom übrigen eher düster wirkenden gotischen Kirchenschiff absticht. Auch die Bildglasfenster machen Eindruck, als bestes Ensemble gefällt mit die rückwärtige Eingangswand mit der großen Rosette und zweimal sechs schlanken Fenstern darunter, die im Dunkel des Drumherum besonders strahlen.

Direkt neben dem Münster liegt das

Musee des Beaux-Arts Straßburg       
Rohan-Schloss / 2, place du Chateau
Kunst bis 19. Jahrhunderts (Dauerausstellung)
Der Schwerpunkt der Sammlung liegt allerdings auf der Zeit 1450 bis 1650, wenngleich es auch aus den nachfolgenden Epochen bis 1900 einige Werke gibt. Im 19. Jh. beschränkt sich die Sammlung allerdings neben Historienmalerei auf die Vertreter des Naturalismus, des Realismus und des Symbolismus. Corot, Courbet, Delacroix, Doré sind die illustren Namen. Neuere Strömungen des 19. Jh. wie Impressionismus sind nur im MAMCS zu finden.
Nicht zu finden war übrigens eine dringend benötigte Toilette. Da ich aber sowieso die Parkzeit verlängern musste, habe ich mich eben im Womo entlastet. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil des Womo-Reisens, dass man neben dem Bett auch immer eine Toilette dabei hat.
Im gleichen Areal gibt es auch noch das Musee des Arts Decoratifs (Kunstgewerbe) und das Musee Archeologique, daneben das Musee de L’Oeuvre Notre-Dame / Arts Du Moyen Age (3, place du Chateau), in dem neben der Baugeschichte vor allem regionale Kunst aus dem Mittelalter bis zur Renaissance präsentiert werden. Im 5, place du Chateau befindet sich das Cabinet des Estampes et de Dessins.

Tomi Ungerer Museum Straßburg        
Avenue de la Maseillaise 2
Oncle Sam, Thomas Nast und Tomi Ungerer (nur noch bis 13.11.2016)
Das 2007 eröffnete Museum geht auf mehrere Schenkungen von Tomi Ungerer zurück. Zunächst hat er seine Spielzeugsammlung der Stadt übereignet, später dann aus allen grafischen Bereichen wichtige Werke und Entwürfe. Im Erd- und Untergeschoss wird dieses Werk in Auszügen präsentiert, besonders prominent seine Kinder- und Liederbuchillustrationen, aber auch Werke für Erwachsene und aus seiner Zeit als Werbegrafiker. Im ersten Stock läuft derzeit eine Sonderausstellung zu Thomas Nast, dem Erfinder des Uncle Sam (spitzbärtiger älterer Amerikaner mit Zylinder) sowie des Santa Claus, im 19. Jh. vor allem als Karikaturist und Illustrator für amerikanische Zeitungen tätig. Dem werden die kritischen Amerika-Werke von Ungerer gegenüber gestellt.

Zurück nach Deutschland zum bei Offenburg gelegenen

Museum für aktuelle Kunst Sammlung Hurrle Durbach       
Almstraße 9 / 4. Stock des  „Best Western Plus Hotel Vier Jahreszeiten“
Panorama. Imagination und Sprache. Schlüsselwerke der Sammlung (bis 23.04.2017)
PKW können in der Tiefgarage abgestellt werden, Womos müssen sich einen Platz am Straßenrand suchen.
Die Sammlung kann sich auf der kompletten weitläufigen Etage ausbreiten und beinhaltet zahlreiche Werke namhafter Künstler vor allem aus Deutschland, überwiegend aus dem Bereich der expressiven Abstraktion. Kleinere Werkkomplexe bilden jedoch auch die konstruktive Kunst und Realismus ab. Persönlich sprachen mich diese Werke mehr an als der überwiegende Teil der Sammlung.

Auf dem Weg zum heutigen Stellplatz legte ich noch einen Zwischenstopp ein.

Kunsthalle Foundation Messmer Riegel am Kaiserstuhl      
Grossherzog-Leopold-Platz 1/Hauptstraße 1
Joan Miro. Der leidenschaftliche Malerpoet (nur noch bis 27.11.2016)
Nun bin ich nicht wirklich ein Fan von Miro, mich sprechen nur bestimmte Teile (vor allem Mitte der 50er bis Mitte 60er) an, aber ich wollte bei dieser Gelegenheit des Vorbeikommens wenigstens die Ausstellungsstätte mal in Augenschein genommen haben. Parkplätze gibt es in ausreichender Zahl direkt auf dem Gelände – auch für kürzere Womos geeignet. Leider ist die umfangreiche Sammlung derzeit kaum präsentiert. Hoffe, dass sich das mal ändert und ich dann wieder vorbei komme, der Sammlungskatalog zum 10jährigen Bestehen ist zumindest vielversprechend. In einem anhängenden Galerieteil (Galerie M) wird die chinesische in Berlin lebende Künsterlin SEO präsentiert. Knallbunte Architekturszenarien, die mich nicht ansprachen. So war der Abstecher auch rasch beendet.

Zum Übernachten habe ich mir den

Wohnmobilstellplatz am Freibad Emmendingen
Am Sportfeld (ca. 20 Plätze, kostenfrei)
N48°7‘6“ E7°50‘31“

ausgesucht. Bei meiner Ankunft um 17 Uhr stehen rund 10 Fahrzeuge auf dem weiträumigen Platz. Alles sehr ruhig hier, wohl von der in etwa 200m entfernt vorbei fließenden Elz ist gelegentlich lautes Vogelgeschnattere zu hören. Lästiger ist da – während ich dies schreibe – mein Nachbar mit seinem selbstausgebauten, betagten Wohnmobil, der bei Einbruch der Dunkelheit genau auf meiner Seite einen Generator anschmeißt. Hoffe nur, dass er den nicht den ganzen Abend oder gar die Nacht benötigt.

 

Beste Grüße für heute

Atze

 

 

 

Anmerkungen zu älteren Womo-Berichten