Mittelfrankentour 2017 # 3

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Nacht hier war bedeutend ruhiger als die Nächte in Ansbach, von der auch nur wenige hundert Meter entfernten Bundesstraße vernimmt man nur leise Roll- und Motorgeräusche.

Nachtragen möchte ich noch einige Infos:

Neustadt bietet noch einen weiteren städtischen Wohnmobilstellplatz am Waldbad Neustadt/Aisch (ebenfalls keine Stellplatzgebühr), Eilersweg 5, 91413 Neustadt / Aisch, GPS 49°34`31„N, 10°37`50„O (ungeprüft)., 6 Plätze, ganzjährig, allerdings ohne V/E

Neustädter Waldbad (mit Strömungskanal und Massagedüsen im Erlebnisbecken neben Sportbecken)
4 €/3 € / 2 ,50 €/2 € (17-20h) / 2,50 €/2 € (90 Minuten), tägl. 9-20
www.waldbad-neustadt.de

Eigentlich hatte ich ja geplant, mir in Neustadt, der Hochburg des Karpfenlandes, denselben Schmecken zu lassen. Dann habe ich aber erfahren, dass Karpfenzeit nur zwischen September und April ist und von Mai bis August Schonzeit. So nahm ich mit „heimischem“ Vesper Vorlieb.

Bei meiner Tourvorbereitung bin ich auf einen aktuellen Beitrag des Reiseblog reisehappen.de zu Ansbach gestoßen. Da ich auch weitere Blogbeiträge sehr anregend fand, habe ich mich in den Newsletter eingetragen. Wer übrigens interessante Reise-, Womo-, Foto- oder Kunstblogs kennt, darf sie mir gerne zukommen lassen. Hier der Link zum Ansbachbeitrag:
https://reisehappen.de/ansbach-von-skulpturen-kaspar-hauser-und-kulinarischen-genuessen/

 

Tag 4 Donnerstag 24.08.2017 – Mittelfranken
Erlangen / Herzogenaurach / Schillingsfürst

Die Schlussetappe meiner kleinen Mittelfrankentour führt mich zunächst nach Erlangen. Eigentlich wollte ich zunächst als Zwischenetappe Herzogenaurach besichtigen, angesichts immer noch schwerer Beine und schmerzenden Füßen (nun macht auch der rechte ohne Fersensporn wegen Schrunden Ärger, der linke mit Fersensporn sowieso) und der frühen Öffnungszeit meines Kunstziels bin ich aber zunächst direkt nach Erlangen durchgefahren.

In Erlangen war das Navi nur bedingt hilfreich, da schon bei der Einfahrt wegen Baumaßnahmen eine doppelte Umleitung notwendig wurde und innerorts dann auch noch einige Straßen wegen Kanal- und Belagarbeiten gesperrt, erreichte ich weder den ersten ausgesuchten noch den alternativen Parkplatz. So entschloss ich mich, das Womo einfach am nicht fürs Parken ausgezeichneten Straßenrand am Ende einer wegen Sperrung der Querstraße zur Sackgasse mutierten Straße abzustellen (ein Strafzettel blieb mir erspart).

Nur wenige hundert Meter davon entfernt besuchte ich die sehr sehenswerte Ausstellung Hans Barthelmess (1887-1916) im Stadtmuseum Erlangen (früher das Altstädter Rathaus) / www.erlangen.de/stadtmuseum
Der Erlanger Künstler teilt das Schicksal mit Franz Marc und August Macke, d.h. die vielversprechende Künstlerkarriere ging im Ersten Weltkrieg an der Front zu Ende. In den rund 10 Jahren künstlerischer Entwicklung überwand er den naturalistischen Stil der Münchner Schule und fand nach anschließender impressionistischer Ausrichtung zu einem eigenen Stil, der Einflüsse des Fauvismus erkennen lässt. Im Bereich der grafischen Techniken (vor allem Zeichnung und Radierung) zeigte sich eine Bandbreite von der lebendigen genauen Beobachtung bis hin zur situationserfassenden flüchtigen Skizze. Leider gibt es keinen aktuellen Werkskatalog, aber ein älterer Katalog war für nur 2 € noch zu erwerben, wie damals noch üblich nur teilweise in Farbe.

So hat sich mein Erlangen-Besuch schon für mich gelohnt. Das war es aber dann schon weitgehend. Zwar erstreckt sich direkt hinter dem Stadtmuseum und der danebenstehenden Altstädter Dreifaltigkeits-Kirche ein schöner Platz mit gastronomischem Angebot (Altstädter Kirchplatz, der übers Eck mit dem Theaterplatz (teilweise Parkplatz) zum Markgrafentheater mit Redoutensaal führt, welches vor allem innerlich sehr sehenswert sein soll), so wie dies auch in der weiteren Altstadt ab und an abseits der Hauptstraßen der Fall ist, aber insgesamt bleibt der Charme dieser Siemens- und Studenten-Stadt eher im Verborgenen. Städtisches und touristisches Zentrum bilden das Markgrafenschloss mit dem davorliegenden Schloss- und Marktplatz mit Statue und dem nach hinten hinaus sich erstreckenden Schlossgarten und großem Hugenottenbrunnen, flankiert von der Orangerie (am Eck der Wasserturm) und dem anschließenden Botanischen Garten. Während man das Schloss und die den Garten umgrenzenden Gebäude überwiegend nur von außen besichtigen kann, da von der Uni-Verwaltung und Uni-Klinik belegt, ist die Parkanlage von 6-21 Uhr frei zugänglich, der Botanische Garten (8-17.30 h) und die Gewächshäuser (9.30-15.30 h) etwas eingeschränkter. Historische Gebäude am Marktplatz sind das heutige Landratsamt sowie das Palais Stutterheim, in welchem die Stadtbibliothek mit öffentlichem Leseraum (u.a. umfangreiches Zeitschriftenangebot) und der Kunstpalais Erlangen / www.kunstpalais.de untergebracht sind. Die dortige aktuelle Doppelausstellung Sol Calero + Vladimir Houdek habe ich eher auf die Schnelle besichtigt.

Den Besuch im etwas abseits gelegenen Kunstmuseum Erlangen im Löwenichschen Palais konnte ich mir ersparen, da derzeit wohl wegen Umstrukturierungsmaßnahmen geschlossen.

Die Hugenottenkirche am selbigen Platz konnte ich ebenfalls nur von außen besichtigen. Aus diesen mehrmaligen Erwähnungen wird bereits deutlich, dass Erlangen im 18. Jh. ein starker Zufluchtsort für Hugenotten gewesen ist.

Auffällig war für mich, dass sich auf meinem Rundgang bis auf wenige Lokale zwischen Schloss und Orangerie kaum Straßencafés oder Eisdielen bzw. bürgerliche Gastronomie mit Außenbewirtung anboten, hingegen viele kleine Schnellimbisse oder dunkle Kaschemmen. Möglicherweise hat mir aber auch die Übersicht am Schloss- und Marktplatz angesichts des bunten Markttreibens gefehlt. So konnte ich meine Absicht auf eine entspannte Mittagspause nicht in die Tat umsetzen und bin stattdessen zum Womo zurückgehatscht, froh, endlich mal wieder eine Weile sitzen zu können.

Diesem angespannten Fuß- und Beingefühl habe ich das Schicksal meiner Besichtigung von Herzogenaurach unterworfen. Falls ich zentrumsnah eine Parkplatz ergattern sollte, sollte einem inneren Stadtrundgang nichts mehr im Wege stehen (der Touristenflyer bietet auch noch einen äußeren Rundgang an). Schon die Zufahrt in die Innenstadt machte einen vielversprechenden Eindruck sowohl von sehenswerten Gebäuden her wie von der Parkplatzlage. Viel zentraler wäre kaum möglich gewesen, denn zwischen dem eigentümlichen Türmersturm (das Obere Tor der früheren Stadtmauer) mit seinen vier Scharwachttürmen – jeweils bestückt mit einer Uhr – und dem Marktplatz boten sich gleich mehrere Längsparkplätze an. Von dort ging ich den vorgeschlagenen Rundweg ab, vorbei am Alten Rathaus, dem Fehnturm (mit Ausnahme der Uhren ein Duplikat des Türmersturms und als solcher die anderseitige Begrenzung der mittelalterlichen Kernstadt), am Kiliansbrunnen (gewidmet dem Frankenapostel, der 686 hier gepredigt haben soll) zur etwas oberhalb liegenden Kath. Pfarrkirche St. Magdalena, deren Geschichte noch sichtbar ins 13. Jh. zurückreicht (roman. Vorgängerbau).

Bauliche Besonderheit ist, dass das gotische Langhaus von einem hölzernen Tonnengewölbe überspannt wird. Die sehenswerte barocke Ausgestaltung ist Ergebnis einer Restaurierung um 1935. Direkt neben der Kirche steht das frühere Spital, heute Stadtmuseum. Fürs vierte Quartal dieses Jahres ist eine Sonderausstellung zu Michael Mathias Prechtl angekündigt, die Leihgaben aus einer umfangreichen Privatsammlung und dem Stadtmuseum Amberg (siehe mein Hinweis in 2017 # 8.1) umfasst. Schade, dass sie dies nicht für diesen Sommer geplant hatten. Auf der anderen Kirchenseite die Marienkapelle aus dem 14. Jh., der Altar wurde 1401 eingeweiht. Auf dem weiteren Weg zum mittelprächtigen Amtsschloss (ursprüngliche Wehranlage aus dem 13. Jh. mit Bergfried und Wassergraben, um 1720 durch einen barocken Neubau ersetzt und vor rund 50 Jahren durch zwei moderne Flügel ergänzt – heute Sitz der Stadtverwaltung, Stadtbücherei und Tourist-Info) kommt man noch am ältesten Bürgerhaus der Stadt vorbei. Am Marktplatz laden eine Außengastronomie und ein Eiscafé zum Verweilen ein. Da die Parkuhr jedoch abzulaufen drohte, nahm ich für nur 2,70 € drei riesige Kugeln wohlschmeckendes Eis in der Waffel mit und nahm auf einem Bänkchen wenige Meter vom Wohnmobil Platz und beobachtete das beschauliche Treiben in dieser sehr ansprechenden Kleinstadt.

Letzte Etappe war dann Schillingsfürst, wo noch bis 08.10.17 die Ausstellung „Zeit-Verschachtelung“ Zeitgenössische Ausstellung mit Professor Zhang, Jie und He, Jinwei (China) im Haus der Heimat – Ludwig-Doerfler-Museum  / www.ludwig-doerfler-museum.de zu sehen ist. Neben dieser aktuellen Ausstellung und dem Werk des Namensgebers sind ständige Kabinette u.a. für Bernhard Heisig und seiner Ehefrau Gudrun Brüne sowie Horst Haitzinger gewidmet. Letzteres wird von Haitzinger nahezu tagesaktuell mit neuen Karikaturen versorgt, aktuell zum USA-Nordkorea-Konflikt, dem bundesdeutschen Wahlkampf und dem aktuellen Eierskandal. In Schillingsfürst kann man zu bestimmten Zeiten auch das Schloss besichtigen und ggf. das Brunnenhausmuseum, vor allem aber einer Flugvorführung der Falknerei beiwohnen. Obwohl wegen Ausstellungen schon öfters hier, hat es mir bisher dazu nicht gelangt oder es war der falsche Zeitpunkt.

Dörfler Museum Schillingsfürst

Die Fahrt nach Schillingsfürst durchs Aischtal wieder an Neustadt und Bad Windsheim vorbei durch eine abwechslungsreiche leicht hügelige Landschaft verlief ebenso entspannt wie die abschließende Heimfahrt auf der A7. Obwohl Zeit des Feierabendverkehrs war in Nord-Süd-Richtung auffallend wenig Verkehr – ganz im Gegenteil umgekehrt (vielleicht die Vorhut der kommende Woche in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, NRW und Schleswig-Holstein zu Ende gehenden Ferien).

Gespannt bin ich auch auf meine Fotoausbeute, denn auf der kompletten Tour habe ich nur die beiden Smartphones benutzt (Sightseeing mit dem HUAWEI P10, Ausstellungen soweit zugelassen mit dem SAMSUNG).

Jetzt ist erst mal häusliche Entspannung angesagt und mal sehen, wohin mich die nächste Tour führt. Der Sinn steht mir im Augenblick eher nach kürzeren Touren wie dieser, weshalb ich die ins Auge gefasste Österreich-Tour sowie die Benelux-Tour vermutlich ins kommende Jahr verschiebe. Mal sehen, was die Laune so bringt.

Erfreulicherweise habe ich heute nach fast achtmonatigem Widerspruchsverfahren wegen meiner Ruhestandsbezüge den zweiten Bescheid erhalten, wonach meinem Widerspruch nun vollständig stattgegeben wurde. Es handelt sich zwar nicht um eine große Differenz, aber zweimal  Essen gehen im Monat ist jetzt mehr drin.

Beste Grüße für diesmal

Atze