Lüneburger Heide Tour Sommer 2018 # 7 ##

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Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

nach dem Aufstehen natürlich gleich mal die Stromsituation gecheckt. Landstrom floss erwartungsgemäß keiner mehr, je nachdem ob das Leistungs- oder Zeitlimit erreicht war, wurde mir die Leitung spätestens um fünf in der Nacht gekappt. Aber die Leistungsanzeige meines gesonderten Messgeräts zeigte immerhin statt den 13,9 Volt noch 12,9 Volt, was er in den letzten Wochen nur direkt nach „vollem“ Ladezustand nach langer Fahrt angezeigt hat, dies dann aber rasch auf einen Wert unter 12 Volt abgesunken war. Am heutigen Abend bei Antritt der Heimfahrt war die Anzeige aber zumindest immer noch bei 12,2 Volt. Etwas scheint die Landstromgabe die Batterien also doch aufgemöbelt zu haben.

 

Tag 9 Dienstag 28.08.2018 / Tag 10 Mittwoch 29.08.2018
Salzhausen  /  Lüneburg  /  Möttingen  /  daheim

Nach kurzer Fahrt war ich in Lüneburg und checkte mal zunächst die Parkplatzfrage. Lüneburg hält am Rande der Altstadt für PKW & Reisebusse den relativ großen mehrteiligen und kostenfreien Parkplatz Sülzwiesen bereit. Hier sind aber Wohnmobile untersagt. Aber in einem getrennten Areal der Sülzwiesen ist ein Wohnmobilstellplatz für 53 Fahrzeuge mit kostenfreier Stromversorgung eingerichtet, V/E ist etwa 100m weiter. Dieser Platz ist jedoch 24h kostenpflichtig, das 4-Stunden-Ticket kostet 6 €, der Tageshöchstsatz mit Übernachtung (24 h) schlägt mit 13 € zu Buche. Alle Straßenparkplätze im Umkreis um die Altstadt sind entweder kostenpflichtig oder Blaue Zone mit einer Parkdauer zwischen einer oder max. 3 Stunden. Für mich ist es zwar – vor allem angesichts der Strombereitstellung – nachvollziehbar, dass im Volltagesbetrieb eine Gebühr verlangt wird, nicht jedoch ab bei einem reinen Tagesbesuch, wenn auf demselben Areal das Parken für PKW und Busse kostenlos bleibt. Da sträubt sich mein schwäbisches Spar- und Gerechtigkeitsempfinden ;-))

Also bin ich etwas nach Außerhalb gefahren und habe Ausschau gehalten, ab wann bei der Zufahrtsstraße die Blaue Zonen Beschilderung an Straßenparkplätzen entfällt. Ca. anderthalb Kilometer außerhalb in der Jägerstraße bin ich fündig geworden und auch auf mehrere gut dimensionierte vor 10 Uhr noch freie Parkstreifen gestoßen. In knapp 6 Minuten war ich dann mit dem Rad (überwiegend auf Fahrradwegen) beim Deutschen Salzmuseum, welches sich mir leider fotografisch verschloss. Unter dem Aspekt der Lüneburger Salzgeschichte wird sehr informativ die Bedeutung des Salzes für das Leben von Mensch und Tier aufgezeigt, die Salzgewinnung sowie der Salzhandel und den daraus entstandenen Reichtum, aber auch die spätere europäische Konkurrenz durch das günstigere, wenn auch nicht so reinem Meeressalz und den damit einhergehenden Bedeutungsverlust des Lüneburger Salzes. 1980 wurde die letzte Produktionsstätte eingestellt, in der nun das Museum untergebracht ist und somit auch etliche Original-Einrichtungen zeigen kann. Ein Besuch also empfehlenswert.

Der weitere Weg führte mich zu einem der beiden Hauptplätze Am Sande, was einerseits durch die Architektur zum Ausdruck kommt und dem Sitz der Handelsleute (heute IHK) und andererseits durch die älteste Kirche St. Johannis, die als bedeutendes Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik gilt. In dieser ist neben dem Altar und einigen Kirchenfenstern vor allem die Orgelempore beeindruckend. Von außen ist vor allem der schiefe Kirchturm markant.

Schön zu sehen sind die Kirche mit ihrem Turm sowie die gesamte Stadt vom nur wenige Meter entfernten Wasserturm, der seines ursprünglichen Zweckes beraubt neuerdings als Veranstaltungsort und vor allem als Aussichtsturm dient. Günstig für mich, dass man fast bis zur Plattform mit dem Lift fahren kann. Unterhalten wird der Turm, in dem auch eine Ausstellung zum Thema Wasser installiert ist, die nachmittags bereitwillig von Schülern der angrenzenden Schule erläutert wird, durch 4 € Eintrittsgelder und Spenden. Bei guter Sicht soll man bis Hamburg sehen können.

Da ich die Rathausführung um 12 Uhr verpasst habe, machte ich noch einen Abstecher ins sogenannte Senkungsgebiet (rund um die Straße Auf dem Meere). Dies bezeichnet im Volksmund eine Siedlung hinter dem Rathaus, in dem vor allem die sogenannten „Kleinen Leute“ in kleinen und schmalen Häusern wohnten und welches sich wohl aufgrund des Einbruchs der darunter liegenden Salzstollen um einige Meter abgesenkt hat. Heute ist es ein idyllisches Viertel und als Wohngebiet nachgefagt und wohl nicht ganz billig. Die dazugehörende Kirche St. Michaelis auf dem Kalkberg geht auf ein ehemaliges Kloster zurück.

Die Zeit reichte auch noch zum Besuch des seit Sonntag nach langer Sanierung wieder voll zugänglichen Ostpreußisches Landesmuseum. Schwerpunkt des Museums ist die deutsch-baltische Siedlungs- und Leidensgeschichte sowie deren Kunst (zu diesen zählen z.B. Käthe Kollwitz und Lovis Corinth). Die Kunstsammlung spielt allerdings nicht in der ersten Liga. Angegliedert ist außerdem das Brauereimuseum, welches mich nicht locken konnte.

Nach einer kleinen Stärkung in einem Café am Markt nahm ich um 15 Uhr an einer sehr unterhaltsamen, anekdotenreichen und informativen Rathausführung teil. Die lebhafte Führerin wusste zur Geschichte Lüneburgs, dem Alten Rathaus und dem Wirken der Senatoren darin Launiges zu berichten und hat die Augen auf attraktive Details gelenkt, die man als Unkundige vermutlich übersehen hätte. Im Preis von 5 € war ein bebilderter Flyer (selbst Fotografien bzw. Filmen leider nicht erlaubt), außerdem erhält man im Tourismusbüro eine Stadtkarte mit Erläuterungen mit erheblichem Preisnachlass für nur einen €. Je nach Führung dauert diese zwischen einer dreiviertel oder gut fünfviertel Stunde – unsere zählte zu den längeren und war an keiner Stelle zu langatmig.

Das Rathaus zeichnet seit 1230 eine Baugeschichte über hunderte Jahre aus, entsprechend vielfältig sind die eingebrachten Baustile und verschachtelt die Architektur. Gerichtslaube, Fürstensaal, Altes Archiv, Kanzlei und Bürgermeisterkammer stammen aus Gotik und Renaissance. Die große Ratsstube zählt zu den größten Renaissance-Sälen Deutschlands und ist mit herausragenden Holzarbeiten ausgeschmückt. In einem Schausaal wird ein kleiner Teil des historischen Schatzes (vor allem Pokale, Kannen, Schalen und Schmuck aus Edelmetall) gezeigt, der größere Teil wurde noch zu Zeiten preußischer Herrschaft nach Berlin abtransportiert.  Im Turm befindet sich ein Uhrwerk mit Glockenspiel aus Meißner Porzellan.

Am späteren Nachmittag machte ich nach einem kurzen Zwischenstopp an einer italienischen Eisdiele der Kirche St. Nicolai mit einem der höchsten Kirchtürme Niedersachsens meine Aufwartung und schloss die Besichtigung mit dem Hafengebiet Am Sintmarkt mit dem Alten Kran und der Lüner Mühle und Abtsmühle ab.

Übrigens: Von den Roten Rosen habe ich nichts mitbekommen, obwohl derzeit wohl die Dreharbeiten zur weiteren Staffel laufen sollen. Für Fans der Serie werden ein gesonderter Stadtplan mit sehenswerten Drehorten sowie Führungen auf den Spuren der Serienhandlung angeboten.

 

Wie schon im letzten Bericht erwähnt, verließ ich nun meinen genussvollen Aufenthalt in der Lüneburger Heide und steuerte am frühen Abend staufrei meinen Womo-Händler an und nach vollzogenem Batterietausch in doppeltem Sinn erleichtert nach Hause.

 

Soviel für diesmal

Euer Atze