Lüneburger Heide Tour Sommer 2018 # 3

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

nach einem morgendlichen Blick auf die Wetterprognosen war die Entscheidung gefallen.

Tag 5 Freitag 24.08.2018
Salzhausen  /  Undeloh  /  Bispingen  /  Borstel in der Kuhle / Schneverdingen  /  Sprengel  /  Walsrode

Da für den Nachmittag eine Regenfront mit böigem Wind angekündigt war, fuhr ich gleich nach Undeloh, sattelte das Rad und strebte nach Wilsede. Eigentlich eine leichte Angelegenheit mit einem Pedelec, wenn da nur nicht die Wegverhältnisse wären. Links eine tief mit weichem Sand gefüllte Spur für die Pferdegespanne, in der Mitte unruhiges Pflaster aus Wackersteinen und rechts eine Spur für Fußgänger und Radler aus einer Mischung von Sand, gelegentlichem Geröll und Zweigen und Ästen und durchaus etwas holprig. Auch ging es mehr oder minder unmerklich ständig leicht bergauf, rund 70 Höhenmeter auf knapp etwas mehr als 4 km.

Karge Blüte nach anhaltender Hitzeperiode

Obwohl Wilsede vom Autoverkehr komplett abgeschnitten ist, verwundert es doch, wie häufig Autos im Sondereinsatz an einem vorbeifahren (Heide-Ranger, Wilseder Bevölkerung, Lieferfahrzeuge).

Wilsede selbst ist ein lebendes Museumsdorf und eines der ältesten. Allerdings sind nur wenige Häuser tatsächlich Museum, wie z.B. das Heidemuseum Dat ole Huus oder der Emhoff sowie der Andachtsraum Jakobusweg, die anderen Häuser sind entweder kommerzialisiert wie die Milchhalle/Museumsladen oder Gastronomie bzw. sind Privathäuser der Bewohner des kleinen Ortes. Auf mich hat dieser konzentrierte Trubel eher abschreckende Wirkung gehabt, so dass ich mir mit Ausnahme des Andachtsraums die Häuser nur von außen angesehen habe. Ein Übriges tat dann der Wettergott, der sich nicht an die Vorhersagen halten wollte und statt nachmittags schon vor Mittag die Himmelsschleusen öffnete. Dies veranlasste mich, den weiteren Anstieg auf den mit fast 170m höchsten Berg der Nordebene zu streichen und stattdessen die zügige Rückfahrt anzutreten. Dank Gefälle rauschte ich reichlich durchnässt mit durchschnittlich 30 km/h Richtung Womo.

In Undeloh genehmigte ich mir dann im Heide-ErlebnisZentrum einerseits eine wohlschmeckende und wärmende Kartoffelsuppe mit Wurst (die Temperatur war nämlich zwischenzeitlich auf lausige 19 Grad gefallen) und genussvolles Eis-Dessert.

So gestärkt machte ich mich dann auf den Weg nach Bispingen. Dort wollte ich einerseits Das Verrückte Haus wenigstens äußerlich betrachten, von einem nicht ganz billigen Besuch hat mich die Vorstellung abgehalten, dass die optischen und Wahrnehmungsphänomene erst so richtig zum Tragen kommen, wenn man in Gesellschaft ist. Bei Wertheim gibt es übrigens einen Ableger, ebenfalls direkt an der Autobahnzufahrt gelegen.

Abenteuer-Labyrinth gegenüber dem Verrückten Haus

Vorher legte ich aber noch einen Zwischenstopp in der Touristinfo ein, der sich als Glücksgriff erweisen sollte. Die junge Dame brillierte einerseits mit Insiderwissen, wie ich es auf anderen Touristinfos so noch nicht erlebt habe, weshalb ich sie auch gleich so gut es ging über meine weiteren Ziele ausfragte (inklusive Plänen und Informationsmaterial), vor allem aber auch zu Bispingen selbst. Sie empfahl mir, neben dem Verrückten Haus in derselben Straße auch einen Blick auf Ralf Schumachers Kartbahn sowie den SnowDome zu werfen, auch wenn ich die dort gebotenen Events nicht in Anspruch nehmen wolle. Bei Schumacher kann man auf der Außenbahn die Rennbegeisterten ihre Runden ziehen sehen, daneben gibt es auch Bahnen für Kids jeden Alters. Auch eine überdachte Bahn ist vorhanden, dorthin gelangt am aber wohl nur mit Eintritt. Für Motorradbegeisterte sind im Foyer einige Maschinen von KTM ausgestellt.

Im SnowDome können diejenigen, die gerne auf Schnee abfahren, ihrem Drang freien Lauf lassen. Um die künstliche überdachte Schneepiste herum wurde aber eine bajuwarische gastronomische Erlebniswelt zwischen Hofbräuhaus (und wohl in aktueller Anspielung Oktoberfest) sowie ein kleines Automobilmuseum gebaut, beides frei zugänglich. In der Mehrzahl sind dabei Mercedes ab den späten 50er sowie einzelne Fremdfabrikate zu bestaunen.

Ursprünglich hatte ich die Absicht, mir die Parkanlage Iserhatsche mit Heide-Kastell Montagnetto anzuschauen. Hier hat sich ein Berliner Unternehmer seinen Traum von einem Barock- und Landschaftsgarten erfüllt und diese mit etlichen Guinness-Buch-der-Rekorde-prämierten Sammlungen ausstaffiert (Bierflaschen aller Welt, Kronenkorken, Glocken etc.). Je mehr ich dazu erfahren habe, umso mehr kamen mir Zweifel, ob mich das tatsächlich begeistern könnte. Die Dame der Touristinfo hat mich im Zweifel eher bestärkt und da die Zeit auch schon fortgeschritten war, bin ich einem anderen Tipp gefolgt:

Im nahegelegenen Borstel an der Kuhle empfahl sie mir einen Besuch der Borsteler Schweiz. In dieser kleinen Anhöhe mit Tälern sei die Heideblüte nämlich im Gegensatz zur sonstigen Heide noch etwas ursprünglicher zu sehen, wenn auch dort nicht in der Pracht wie in anderen Jahren bei günstigeren Witterungsverhältnissen.

Diese leichte Steigerung der Heideblüte wollte ich allerdings noch toppen und so führte mich mein weiterer Weg in den Heidegarten am Höpen in Schneverdingen, vorab wollte ich aber noch einen Blick in das dortige Pietzmoor (Hochmoor) werfen. Letzteres blieb mir allerdings verwehrt, weil justament zu diesem Zeitpunkt nochmals ein Regenschauer niederging. Glücklicherweise nur kurz bzw. lokal beschränkt, denn kurze Zeit und Strecke später im Heidegarten war es trocken (geblieben). Auf diesem Areal ist eine Ansammlung von hunderten Heidepflanzen schön arrangiert und nach eigenen Aussagen ganzjährig blühend anzutreffen. Tatsächlich stehen hier die Pflanzen in diversen Farben und Blütenständen eng beieinander, jeweils mit kleinen Täfelchen beschriftet, um welche Art es sich handelt.

Wer Trubel nicht so liebt, ist gut beraten, im letzten Augustwochenende einen Bogen um die Innenstadt von Schneverdingen zu schlagen, da dann alljährlich das Heideblütenfest und die Kür der dortigen Heidekönigin steigen. In anderen Heideorten gibt es ebenfalls Heideköniginnen, die jeweils zwischen Mitte August und Anfang September gekürt werden.

Zum Übernachten habe ich mir den Wohnmobilstellplatz am Weltvogelpark Walsrode ausgesucht (siehe Stellplatzbericht), auf der Fahrt dorthin bin ich in Sprengel an der Sprengeler Mühle vorbeigekommen, die in den Sommermonaten tagsüber auch innen kostenfrei besichtigt werden kann (Spende erwünscht).

Wenn es die Zeit und das Wetter erlaubt hätten, hätte ich gerne noch vorher einen Zwischenstopp am Springhornhof Neuenkirchen eingelegt, wo die gleichnamige Stiftung und Kunstverein eine kleine Galerie, vor allem aber ein Areal mit Landschaftskunstwerken verfügbar machen. Mal sehen, wann sich ein Abstecher ergibt.

Soviel für heute

Euer Atze