Ludwig Knaus. Homecoming

bis 15.11.2020

Ludwig Knaus.
Homecoming

Museum Wiesbaden

Der Titel soll nicht modisch daherkommen, sondern hat einen realen Hintergrund. Der in Wiesbaden geborene Ludwig Knaus war im 19. Jahrhundert ein angesehener Genremaler, der insbesonders bei amerikanischen Sammlern begehrt war, weshalb sich die meisten herausragenden Werke dort in den Museen zu finden sind und etliche davon für diese Retrospektive über den Ozean heimfanden. Flankiert werden sie durch zahlreiche Zeichenstudien und malerische Skizzen. Besondere Bedeutung kommt der Schilderung von ländlichem Leben und Kultur auf der Schwalm dar, dem noch heute bedeutenden Zentrum hessischen Brauchtums. Obwohl Knaus als einer der Hauptvertreter der Düsseldorfer Malerschule gilt, zog es ihn Mitte des Jahrhunderts immer wieder nach Willingshausen, wo bereits vor Barbizon die erste europäische Malerkolonie begründet worden war. In den Genrebildern spielten daher die Schwalmer Trachten eine dekorative Rolle, so dass dies bis zum heutigen Hessentag die Wahrnehmung prägt. In dieser Zeit begab er sich aber auch europaweit auf Reisen und hielt sich auch mehrfach für längere Zeit in Paris auf und stellte dort im Salon wie auf der Weltausstellung aus, was wesentlich seinen Amerikaerfolg beflügelte. Nach seiner Berufung zum Professor an der Akademie der schönen Künste Berlin 1874 nahm er dort seinen Wohnsitz. Stilistisch war er eher einem Naturalismus verhaftet, neuere Strömungen insbesonders der zweiten Jahrhunderthälfte gingen an ihm vorbei. Auch strahlen seine Genreszenen nicht den Humor oder erzählerische Eleganz eines Spitzweg oder Defregger aus. So nimmt es nicht Wunder, dass er mit seinem Tod 1910 in weitgehende Vergessenheit geriet. Diese Ausstellung holt ihn daraus ein kleines Stück zurück.