KunstEventTour Juli 2017 # 5

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

trotz dem, dass die Straße beim Stellplatz in Rietberg keine Bundesstraße, sondern nur eine Anliegerstraße ist, war Samstag ab den frühen Morgenstunden schon reichlich lautstarker Verkehr unterwegs. Hat mich zwar nicht beim Schlafen gestört, macht den Platz für einen Aufenthalt aber doch sehr unruhig. Und sein Ambiente als großer geschotterter Platz in trister Umgebung ist nicht gerade einladend. Einzig das kostenlose Bereitstellen und die Sani Station sprechen für ihn, wenn man nur auf der Durchreise ist. Morgens war es dann das erste Mal, dass ich eine Sani Station in Gebrauch nahm. Im Gegensatz zu Kommentaren in der Stellplatz-App hat sie sich auch mit dem üblichen Euro zufrieden gegeben und tadellos funktioniert.

Tag 7 Samstag 08.07.2017 – Kunst-Event-Tour documenta Kassel / Skulptur Projekte Münster
Rietberg / Rheda-Wiedenbrück / Hamm / Münster

Vor der eigentlichen Weiterfahrt bin ich morgens noch zu LIDL und ALDI gefahren, um mich für den Rest der Fahrt mit Obst, Marmelade sowie einem Fußdeo einzudecken, weil meine Füße vermutlich aufgrund der Dauerbelastung und den Sportschuhen doch schon wahrnehmbar muffeln. Dann bin ich in die Innenstadt zum Kunsthaus / Museum Wilfried Koch / www.rietberg.de, um im angrenzenden Park nach dessen Skulpturen Ausschau zu halten. Ohne Plan haben die sich aber weitgehend vor mir versteckt und richtig motiviert, alle Wege abzulaufen, war ich doch nicht. Auch das Kunsthaus ließ ich links liegen, weil es erst zweieinhalb Stunden später (11 h) öffnete. Stattdessen bin ich durch die Altstadt gestreift. Man bezeichnet Rietberg als die Stadt der schönen Giebel, und in der Tat sind einige im üblichen Fachwerk durch die Giebelgestaltung besonders. Die Altstadt macht einen ansehnlichen und aufgeräumten Eindruck.

Der Reiseführer hat mir den Doppelort Rheda-Wiedenbrück und hier insbesondere das Schloss Rheda mit seinem Park ans Herz gelegt. Der Parkplatz liegt direkt im Schlosspark neben Tennisanlagen und der Park teilt sich auf in eine Gartenanlage barocken Stils und einen englischen Landschaftspark. Das Café in der Schlossmühle ist allerdings um diese Uhrzeit noch nicht in Betrieb. Ob man das Schloss überhaupt von innen besichtigen kann, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, entsprechende Hinweise oder eine Kasse konnte ich auf jeden Fall nicht entdecken, wohl aber ringsum verschlossene Türen und Tore. Das Schloss ist von einem Wasserring umgeben und mutet eher wie eine Burg mit Innenhof an. Nach einem kurzen Fotospaziergang entschloss ich mich zur Weiterfahrt ohne die ebenfalls empfohlene Agidiuskirche oder den Ratskeller näher in Augenschein genommen zu haben.

Während Rheda-Wiedenbrück sowieso auf meiner Strecke Paderborn – Münster lag, musste ich für den Besuch des Gustav-Lübcke-Museums Hamm / www.hamm.de/gustav-luebcke-museum.html einen kleinen Abstecher von der Autobahn machen. Das Museum hatte vor kurzem mit einer Ausstellung meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und auch wenn diese vor wenigen Wochen beendet wurde, so wollte ich doch mal die Kunstsammlung und die aktuelle Sonderausstellung sehen. Das Museum ist ein Viel-Sparten-Haus und Kunst nur eine Säule. Auch wenn die Sammlung der Kunst des 19.-21. Jahrhunderts übersichtlich ist, hat sich der Besuch gelohnt. Nicht zuletzt wegen des Wilhelm-Morgner-Kabinetts, einem neben August Macke führenden Vertreter des rheinischen Expressionisten, der ebenfalls den ersten Weltkrieg nicht überlebt hat. Würde man sich in Hamm etwas länger aufhalten, so wäre einerseits architektonisch der Bahnhof von 1847 sehenswert, anderseits im Maximilianspark ein Wahrzeichen der Stadt, nämlich der Gläserne Elefant, eines für die Gartenschau erstelltes Gebäude, an dem auch Friedensreich Hundertwasser mitgewirkt hat, dessen gläserner Vorbau einem Elefantenkopf nachgebaut ist.

In Münster wollte ich ursprünglich in der parallel am Aasee verlaufenden Annette-Allee nach einem Parkplatz suchen, was jedoch wegen einer Sperrung aufgrund einer Regatta misslang. Allerdings fand ich bereits nach wenigen hundert Metern in deren fiktiven Verlängerung (Sentruper Straße) einen kostenlosen Längsparkplatz. Dies hatte den Vorteil, dass die Fahrradfahrt ins Zentrum relativ geradlinig erfolgen konnte. Über Nacht blieb ich da dann gleich stehen.

Als erstes Ziel steuerte ich das Kunstmuseum Pablo Picasso / www.graphikmuseum-picasso-muenster.de an. Die aktuelle Präsentation Picasso und das Mittelmeer hat eine Facette seines Lebens erhellt. Zufällig bin ich einer Führung teilhaftig geworden, die einerseits anekdotenhaft unterhaltsam und gleichzeitig wissenserweiternd war. Die Hauptausstellung Von Christo bis Kiefer – die Collection Lambert hat überwiegend die Art von Kunst repräsentiert, die sich mir weitgehend verschließt.

Nun wollte ich Sightseeing mit Kunst verbinden, wurde aber heftig ausgebremst. Überraschenderweise feierte Münster ein Stadtfest und die Straßen im Zentrum waren einerseits für jede Art von Fahrzeug abgesperrt, der Domplatz auch für Personen, es sei denn sie haben ein Ticket für die abendliche Musikshow vorzuweisen (u.a. Nena, zu meiner Anwesenheit spielte aber irgendeine wummernde Heavy Metal Band und vertrieb mich schnell vom Vorplatz in das LWL Museum für Kunst und Kultur / www.lwl.org, dessen Sammlung ich sowieso sehen wollte. Besonders die Moderne ist gut repräsentiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf August Macke, dessen Archiv hier untergebracht ist. Die Kunst der Romanik bis ins 19. Jahrhundert habe ich auch durchstreift, doch nur wenige Werke sind haften geblieben.

Im Erdgeschoss und im Haus verteilt sind mehrere Stationen der aktuellen Skulptur Projekte. Auch hier hat mich kein Werk fesseln können, was auch auf die Werke im unmittelbaren Außenbereich des LWL zutrifft. Das Original von Henry Moore hat mich skulptural mehr angesprochen als deren aktuelle erweiternde Umgestaltung (vermeintlicher LKW-Transport). Dies trifft auch auf die meisten anderen besichtigten Projekt-Spielorte zu. Nun muss ich allerdings zugeben, dass ich in der Regel kein Freund von Performance bin und auch mit Installationen eher selten was anfangen kann. Auch der erweiterte Skulpturbegriff (One Minute Sculptur a la Erwin Wurm) kann zwar überraschend und witzig sein, langweilt mich aber in der Wiederholung auch schnell. Auch fremdele ich, wenn mich Kunst bzw. Künstler ohne meinen Antrieb in das Kunstwerk vereinnahmen wollen.

Etliche derartige Projektorte habe ich daher und nicht nur aus zeitökonomischen Gründen ignoriert, manche auch, weil sie mir zu abgelegen waren. Mein Liebling wie der auch vieler Besucher und der Medien ist der Brunnen von Nicole Eisenman mit amorphen Gestalten, die sich eher tollpatschig um den Brunnen fläzen oder in ihm stehen. Das hat Witz und stellt die übliche Erwartung in Frage, denn es mangelt den Dargestellten an der üblichen Anmut von Brunnenfiguren (sofern diese nicht sowieso abstrakt sind), außerdem sind einzelne der Figuren nicht aus beständiger Bronze, sondern aus Gips gefertigt und somit witterungs- und materialbedingt Veränderungen bis zum Verfall unterworfen. Zwei ebenso in den Medien gehypte Skulpturen habe ich am Sonntagmorgen angefahren, da etwas abseits. Der Unterwassersteg am Stadthafen wird aktuell von orangen Ballons als Begrenzungsmarkierung flankiert. Wenn ich das Eventerlebnis selbst erfahren hätte wollen, hätte ich bis 12 Uhr warten müssen (12-19.30 h). Die aufgegrabene Eishalle von Pierre Huyghe wurde bereits nach wenigen Tagen einer Attraktion beraubt, nämlich die beiden Pfauen wurden vermeintlich depressiv und durften die trostlose Halle verlassen. Wenig überraschend. Lediglich Bienen dürfen den Aufenthalt zwischen Halle und Natur über eine Öffnung frei wählen, dies ist Fischen in einem Aquarium verwehrt, welches phasenweise wie ein undurchsichtiger schwarzer Glaskasten kontrastierend zum aufgebrochenen Steinboden und umgeschichteten Erdreich mitten in der Halle steht. Eine künstlerische Faszination, die sich mir nicht erschlossen hat.

Neben den aktuellen Skulpturen habe ich auch einige aufgesucht, die von den früheren Projekten stehen geblieben sind. Was ich vermisst habe, ist ein Flyer der Stadtmarketing, wo diese ähnlich wie beim Ulmer Skulpturenweg in einer Karte markiert und mit Bild präsentiert werden. Überhaupt fand ich das Informationsangebot der sogenannten Projekt-Info-Stellen eher bescheiden. Gegenüber den weißen Kugeln im Park des Aasees habe ich zur Stärkung einen wohlschmeckenden Pfannenkuchen mit Spinat- und Schafskäsefüllung gegessen. Dies hat die Frage aufgeworfen, ob Pfannkuchen in diversen Varianten eine hiesige Spezialität ist, denn auch in anderen Lokalen der Gegend stand er variantenreich auf der Karte?!

Aufgrund des Stadtfesttrubels und der partiellen Sperrungen blieb mir allerdings weitgehend versagt, die Sehenswürdigkeiten der Stadt ausreichend zu würdigen. Den Dom konnte ich nur von der rückwärtigen Seite sowie aus dem LWL heraus bewundern, das Rathaus nur entfernt von der Seite und der Friedenssaal (Westf. Frieden) war vorzeitig geschlossen, über die Laubengänge am Prinzipalmarkt wollte ich zur Lambertikirche mit den Wiedertäuferkäfigen am Turm hinter dem Trubel vorbeischleichen, was mir von Ordnungskräften erfolgreich verwehrt wurde. So warf ich am späteren Abend noch einen Blick auf den Erbdrostehof und das Schloss, ohne sonderlich beeindruckt zu werden (auch nicht von der dortigen Projekt-Kunst) und bin dem Trubel entflohen.

Glücklicherweise habe ich bereits bei der Anfahrt von meinem Stellplatz gesehen, dass wenige hundert Meter entfernt an der Kreuzung zur Annette-Allee Mövenpick residiert. Bei einem vorzüglichen Eisbecher klang für mich der Münsteraufenthalt aus.

Tag 8 Sonntag 09.07.2017 – Kunst-Event-Tour documenta Kassel / Skulptur Projekte Münster
Münster / Burg Hülshoff, Havixbeck / Lüdinghausen / Nordkirchen / Merfelder Bruch / Dülmen

Nach der Anfahrt der bereits oben erwähnten Außenstandorte der Projekte habe ich das Haus Rüschhaus in Münster ins Visier genommen. Dies Anwesen war längere Zeit der Zweitwohnsitz von Annette von Droste-Hülshoff und ist von einem kleinen Park umgeben. Eine Besichtigung des im Anwesen eingerichteten Museums wäre nur mit Führung möglich gewesen, die ich mir verkniffen habe. Zumal mein nächstes Ziel die stadtnahe Burg Hülshoff in Havixbeck war, in der sie geboren wurde und lange Jahre bis zum Tod des Vaters gelebt hat. Auch zu dieser Wasserburg gehört ein Park und die Räume des Hochparterres können mittels Audioguide besichtigt werden. Hierbei erfährt man Details aus der Geschichte der Burg sowie der Familie, die das Anwesen relativ spät erworben und damit auch ihren Namen übernommen haben. Das literarische Werk wird jedoch kaum gewürdigt.

Den Ort Havixbeck wollte ich meiden, da dort derzeit Kirmes gefeiert wird. Leider bringen es der Sommer und ggf. auch die in NRW zum kommenden Wochenende beginnenden Sommerferien mit sich, dass allenthalben Feste gefeiert werden. Nach Münster konnte ich das Ritterfest an meinem nächsten Ziel leider nicht umgehen, aber weitgehend ignorieren. In Lüdinghausen steuerte ich zunächst das UNESCO-Weltkulturerbe Burg Vischering an. In dessen Vorgarten hatten sich „mittelalterliche“ Zeltlager angesiedelt und allerlei Ritter, Burgfräuleins und Gaukler und Marketender belagerten den Zugang zur Burg. Und Parkplatz und die angrenzenden Seitenstraßen waren von den Fahrzeugen der Besucherhorden belegt. Kurzerhand bin ich weitergefahren zur namensgebenden Burg Lüdinghausen. Auch dies eine Wasserburg, in welcher heute die VHS und ein Kunstverein residiert, der derzeit eine Ausstellung zur Künstlerfamilie Wittkamp präsentiert (Vater und Tochter haben sich vor allem einen Namen als Illustratoren von Kinder- und Jugendbüchern und pädagogischer Literatur – u.a. Beltz-Verlag – gemacht). Die Burg ist hauptsächlich von der Außenanlage zu besichtigen, innen sind nur wenige Räume kostenlos zugänglich, da der größere Teil durch die beiden erwähnten Institutionen genutzt und modernisiert wurde.

Von dort aus bin ich mit dem Rad zur Burg Vischering, besser gesagt, ich wollte es. Leider war der direkte Weg durch die Grün- und Wasseranlagen, die beide Schlösser umgibt und verbindet, aus unbekannten Gründen für Fußgänger und Fahrrad gesperrt, also ging es außen herum. So konnte ich by the way eine ansehnliche Innenstadt kennenlernen, nur habe ich wohl irgendwo die entsprechende Abzweigung verpasst und befand mich unversehens auf einer ungeplanten Fahrradtour. Auffällig dabei, dass auf die städtische Burg Lüdinghaus mehrmals Wegweiser hinwiesen, jedoch keiner den Weg zur landeseigenen Burg Vischering aufzeigte. Mir und anderen Wegsuchenden blieb dann nur die Befragung von Passanten und so fand sich dann doch der richtige Weg. Den Ritterzauber ließ ich bis auf eine Bratwurst an mir abprallen, in der Burg konnte jedoch in dem Gebäude der Vorburg lediglich der zweite Teil der erwähnten Kunstausstellung sowie eine kleine Ausstellung zur Burg und zum Burgleben besichtigt werden. Die Hauptburg ist derzeit wegen Renovierung geschlossen. Nach einer Fußumrundung des Wassergrabens ging es zurück zum Womo auf demselben Weg, den ich mir vorher auf der Womofahrt eingeprägt hatte.

Nächste Station stellte das nur wenige Kilometer entfernte Westfälische Versailles dar, nämlich das Schloss Nordkirchen. Wahrlich eine beachtliche Schlossanlage (Wasserschloss natürlich in dieser Gegend, größtes Schloss in NRW). Gut, dass ich das Fahrrad dabei hatte, sonst wäre die Umrundung und Zufahrt in den Innenbereich für die Füße zu mühsam und zu zeitaufwändig gewesen. Eine Innenbesichtigung kam von vorne herein nicht in Frage, denn die ist nur ausnahmsweise und sehr eingeschränkt im Rahmen von Sonderführungen möglich, weil das ganze Landesanwesen von der Akademie der Finanzverwaltung in Beschlag genommen wird. Die Stattlichkeit zeigt sich wieder einmal noch deutlicher aus der Luftperspektive, wie man auf aufgehängten Schauplakaten erkennen kann. Wohl dem, der eine Fotodrohne hat.

Eventabschluss für den heutigen Tag stellte ein Besuch bei der Wildpferdeherde im Mehrfelder Bruch / www.wildpferde.de  dar. Beginn des Zufahrtweges zur Wildpferdebahn: N 51° 51‘ 20.9‘‘ O 7° 07‘ 46.5‘‘ / Besichtigung nur Sa/So 10-18 h). Dort werden hunderte von Wildpferden in einem großräumigen abgegrenzten Weide- und Waldgebiet ganzjährig im Freien weitgehend sich selbst überlassen, lediglich im Winter gibt es eine Zufütterung. Einmal jährlich (letzter Maisamstag) werden die einjährigen Hengste aus der Herde in einem großen öffentlichen Spektakel heraus gefangen und verkauft. Das Fotografieren war aufgrund des Herdenverhaltens nicht einfach.

Heute stehe ich zum Übernachten beim Reisemobilstellplatz Hüttendyk, Nähe Stadtkern und Wildpark Herzog von Croy (N 51° 49‘ 33‘‘ E 7° 16‘ 19‘‘ / 51.82581, 7.27207). Bei deshalb, weil die 8 überwiegend schattigen Längsplätze aufgrund des Parkverhaltens bereits vorhandener nur für 6 gereicht haben, Platz wäre nur noch auf dem Ver- und Entsorgungsplatz gewesen, womit man sich keine Freunde machen dürfte. Ein Womo stand schon im danebenliegenden Großparkplatz, allerdings völlig schattenfrei. Ich habe mich daher auf einen kleineren PKW-Parkplatz unter Bäumen gegenüber zurückgezogen und stehe leider aufgrund einer rückwärtigen Hecke mit der Schnauze etwas in den Zufahrtsweg, der allerdings gut die Breite einer Bundesstraße hat. Da ich mir morgen einen Tag Auszeit nehmen will bevor es Dienstag auf den Rückweg geht, werde ich mal beobachten, ob ich hier störe und ob ggf. auf dem Womo-Platz im Laufe des Tages Bewegung kommt.

Nach diesem längeren Zwei-Tages-Bericht gibt es auch diesbezüglich in jedem Fall morgen eine Auszeit, evtl. handele ich aber auch die zweitägige Rückfahrt in einem Bericht ab.

Beste Grüße für heute

Atze