KunstEventTour Juli 2017 # 2

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

wie erwartet war die Nacht sehr ruhig und der Parkplatz wurde auch morgens nicht wesentlich voller und unruhiger, also ideal für die 4 Womos. Außer Strom und Mülltonnen ist auch nichts geboten.

Tag 3 Dienstag 04.07.2017 – Kunst-Event-Tour documenta Kassel / Skulptur Projekte Münster
Fulda / Kleinsassen / Hünfeld / Bad Hersfeld / Oberaula

Gleich nach dem Frühstück habe ich den Domplatz mit dem Fahrrad aufgesucht, entspannte Fahrt durch die Fuldaaue und lediglich die letzten 2-300m musste ich mir die Straße mit den Autofahrern teilen. Schon im Infozentrum Wasserkuppe habe ich mich mit zwei schlanken Broschüren von Fulda versorgt (Willkommen in Fulda / Fulda entdecken). Die erste gibt Basisinformationen zu einem Stadtbesuch und den Sehenswürdigkeiten, die zweite macht Vorschläge für eine Besichtigungstour. Ich habe mir die Barocktour vorgenommen, ergänzt durch einen Museumsbesuch.

Der Dom ist das Wahrzeichen von Fulda und die größte Barockkirche Hessens. Gebaut wurde sie ab 1704 von Johann Dientzenhofer, von dem auch das fürstäbtliche Stadtschloss stammt, welches sich auf der rechten Längsseite des dem Dom gegenüberliegenden ausgedehnten Schlossgartens erstreckt. Diese Gartenanlage ist sehr schön und abwechslungsreich gestaltet, wird durch Wasserspiele in einem Springbrunnen sowie in einem Teich ebenso belebt wie durch die eingesetzte Flora. Am Aufgang (Pauluspromenade) zur dem Schloss gegenüberliegenden Orangerie auf der linken Seite huldigt eine Skulptur (Floravase) der römischen Göttin der Blumen und Jugend. in der Orangerie hat sich ein Hotel mit Café eingenistet, der Apollosaal mit einem großen Deckengemälde dient als Frühstückssaal (und Speisesaal?). Zurückhaltende Besichtigung war aber trotzdem möglich. Dem Schlossgarten ist auf der rechten Seite ein Dahliengarten vorgelagert, den man durch ein kleines Portal von der Joh.-Dyba-Allee aus betreten kann. Allerdings musste ich feststellen, dass sie sich mit dem Erblühen wohl noch etwas Zeit lassen wollen.

Nach einer kleinen Rast am Schlossweiher, bei der mir eine Entenfamilie die Zeit vertrieb, nahm ich mir die Schlossbesichtigung vor. Da das Schloss weitgehend von der Stadtverwaltung okkupiert worden ist, sind nur einige Wohnräume und die Prunksäle zu besichtigen, garniert mit Porzellansammlungen. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Einziges Herausstellungsmerkmal gegenüber anderen Schlossinterieurs ist allein der spröde Charme eines lieblosen Verwaltungsgebäudes außerhalb der Schauräume. Hier hätte eine Innenarchitektin eine lohnenswerte Aufgabe.

Das Kombiticket mit dem Vonderau Museum war allerdings erschwinglich. Hierhin führte mich mein Gang durch das sogenannte Barockviertel mit einigen sehenswerten Bauten zwischendurch. Laut Infobroschüre handelt es sich hier um das größte Museum zwischen Kassel und Frankfurt, allerdings auch um meine größte Enttäuschung. Von den knapp ein Viertel, die dem Bereich Kunst vorbehalten waren, waren aktuell 2/3 wegen Umorganisation derzeit nicht zu besichtigen, insbesondere die Kunst nach 1800. Reinfall. Auch sonst zeigt sich Fulda offensichtlich in Sachen Kunst nach dem Barock nicht sehr zeigefreudig.

Kulinarisch gibt es wohl zwei Schwerpunktgebiete, in der zwischen Schloss und Tourismusinformation abgehenden Friedrichstraße scheint eher die bürgerliche Gastronomie beheimatet, wohingegen am Buttermarkt italienische Betriebe sich angesiedelt haben. So kam ich zu einem verdienten Eis und konnte den fersensporngeschundenen Füßen etwas Erholung gönnen. Diese war allerdings nicht so durchgreifend, so dass ich nach dem weiteren Hatsch zum am Dom angebundenen Fahrrad und der Rückfahrt zum Womo nicht umhin kam, mir doch wieder eine Voltaren einzuwerfen.

Am frühen Nachmittag verließ ich Fulda wieder Richtung Rhöner Berge, diesmal ging es zum angeblich schönsten Berg, dem Milseburg (835m). Nicht der Berg zog mich an, sondern das legendäre Malerdorf Kleinsassen und die dortige KUNSTSTATION  KLEINSASSEN e.V.  / www.kleinsassen.de

Aktuell wird dort die Ausstellung Granatapfel und Feuerberg – Aserbaidschanische Kunst der Gegenwart zwischen Phantasie und Weltenblick (bis 27.08.17) gezeigt. Mehr Einblick in das Malerdorf bot jedoch die Artothek, deren rund 40 Depotschubwände ich hervorziehen und die künstlerische Vielfalt betrachten konnte. Wäre ich besser zu Fuß, hätte ich mir die drei seit 2014 eingerichteten Malerrundwege erwandern können, auf denen an diversen Stationen Reproduktionen von Bildern ausgestellt sind, die evtl. an diesen Stellen entstanden oder von dort angeregt worden sind.

Auf meinem Tourplan hatte ich mir noch zwei Orte optional vorgemerkt. Einerseits die Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld. Allerdings hat mich nicht primär der Computerpionier und das nach ihm benannte Museum angelockt (obwohl er in späterer Zeit sich der Malerei gewidmet hat), sondern die Info, dass sich diese Stadt durch über 100 Installationen zur Konkreten Poesie im öffentlichen Raum auszeichnet. Hingefahren bin ich, aber da mein Fuß deutlich signalisierte, dass er zu keinen Belastungen mehr bereit ist und sich die Poesie beim mobilen Umrunden der Altstadt nicht aufdrängte (außer dem bekanntesten Beispiel auf drei über die Straße hängenden Bleistiften), fuhr ich weiter nach Bad Hersfeld. Dort wollte ich mir wenigstens die bekannte Stiftsruine anschauen. Von der Absicht, einen intensiveren Blick in den Stadtkern mit rund 200 denkmalgeschützten Häusern sowie das Rathaus im Stil der Weserrenaissance zu werfen sowie auf den Katharinenturm mit der ältesten Glocke Deutschlands habe ich aus vorgenannten konditionellen Gründen schon auf der Anreise Abstand genommen. Leider konnte ich auf die Stiftsruine auch nur einen Blick von außen werfen, da der Zugang ins Innere wegen der aktuellen Festspiele auch in spielfreien Zeiten wie heute versperrt ist. Innenbesichtigung erst wieder ab Mitte September.

So konnte ich meinen heutigen Stellplatz deutlich früher als geplant aufsuchen. Der Luftkurort Oberaula bietet drei kostenfreie Stellplätze, außerdem gibt es einen kostenpflichtigen privat betriebenen Stellplatz. Ich habe mir den Stellplatz beim Sportplatz und Waldschwimmbad ausgesucht. Der Platz liegt zwar nicht so idyllisch wie vermutet, da nicht zwischen Sportplatz und Waldschwimmbad angesiedelt (wie die Koordinaten in Stellplatz-Apps vermuten lassen, sondern vor dem Sportplatz gegenüber einer Halle und einem Schulgebäude (Schwimmbadstraße 3, 36280 Oberaula, 50°51’16.6″N 9°27’40.0″E / 50.854614, 9.461118). Trotz Spielbetrieb auf dem Sportplatz ist es aktuell aber sehr ruhig und vor allem schattig und trotzdem funktioniert der Satellitenempfang. Der Platz zeichnet sich gegenüber den anderen auch dadurch aus, dass laut Webseite der Gemeinde Ver- und Entsorgung am Parkplatz (Sani Station) geboten wird. Allerdings kann ich von der SANI STATION nichts entdecken. Entdeckt habe ich einen Bodeneinlass für Grauwasser sowie daneben einen Wasserhahn, der aber laut einem im Schaukasten angebrachten Zettel derzeit außer Funktion ist. Günstig für Selbstversorger ist, dass nur ca. 100m entfernt ein REWE-Supermarkt ist.

Morgen nehme ich die letzte Etappe nach Kassel in Angriff und hoffe, dass die Medizin entzündungshemmende Wirkung entfaltet.

Beste Grüße für heute

Atze