KunstEventTour Juli 2017 # 1

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

seit der Ostseetour war ich einige Male nur kurzzeitig unterwegs und möchte als Vorspann zur jetzt gestarteten Tour mit starkem Kunstbezug (documenta Kassel, Skulptur Projekte Münster) aus diesen vergangenen Touren nur einige besondere Hinweise geben.

Wenn ihr mal ins Oberpfälzische kommt, solltet ihr unbedingt einen Besuch im Stadtmuseum Amberg / www.stadtmuseum-amberg.de einplanen. Neben der ebenfalls sehenswerten historischen Ausstellung zur Oberpfalz und aktuellen  Sonderausstellungen ist dort eine umfangreiche dauerhafte Präsentation seiner Geburtsstadt zum künstlerischen Werk von Michael Mathias Prechtl zu sehen. Überregional bekannt ist er als Illustrator von Büchern (davon etliche literarische Sondereditionen der Büchergilde Gutenberg), Plakaten und vor allem Titelbildern für den Spiegel und die New York Times geworden.

Im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern in München / www.versicherungskammer-kulturstiftung.de/kulturstiftung/ ist noch bis zum 10.09.17 eine Retrospektive über den stilbildenden Fotografen der deutschen Nachkriegszeit Peter Keetman zu sehen. Zusammen mit u.a. Toni Schneiders, Ludwig Windstoßer, Siegfried Lauterwasser, Otto Steinert und Hans Hajek-Halke trat er als fotoform-Gruppe in die Öffentlichkeit.

Apropos Fotografie: Schon mal darauf hingewiesen habe ich an anderer Stelle auf die sehenswerte Peter Lindberg Ausstellung in der Kunsthalle München www.kunsthalle-muc.de läuft noch bis 27.08.17.

Ebenfalls in München ist in der Kleinen Olympiahalle noch bis 03.09.17 die Street Art / Graffiti Ausstellung Magic City. Kunst der Straße / www.magiccity.de zu sehen. Im Gegensatz zur massiv überlaufenen kostenlosen Ausstellung The Haus. Berlin Art Bang war diese Ausstellung zwar ebenfalls gut besucht, es haben sich aber keine (stundenlangen) Warteschlangen gebildet. Mag einerseits am Standort München statt Berlin gelegen haben oder an den knapp 15 € Eintritt, sicher hat auch der anhaltende Starkregen dazu beigetragen. Die Schau präsentiert anhand von Originalwerken einerseits einen Querschnitt der aktuellen internationalen Street Art Szene, andererseits gibt sie aber auch einen historischen Abriss von den frühen New Yorker U-Bahn-Sprayern bis heute. Im Gegensatz zur Berliner Schau ist diese kommerzialisiert, was einerseits im umfangreichen Shop zum Ausdruck kommt und andererseits in der expliziten Aufforderung, sich die Ausstellung auch fotografisch anzueignen (CEWE ist Kooperationspartner).

Apropos Street Art. In der Völklinger Hütte (bei Saarbrücken) läuft derzeit noch bis 05.11.17 die diesjährige Biennale Urban Art! / www.voelklinger-huette.org. Selbst gesehen habe ich nur die dortige letzte Biennale 2015 und fand diese sehr sehenswert.

Noch ein Hinweis auf eine kleine Ausstellung, die bereits am 09.07.17 zu Ende geht: Der Kunstverein Biberach / www.kunstverein-biberach.de zeigt die plakativen Landschafts- und Stadtbilder von Wolfram Scheffel.

Im Rahmen der letzten Tourberichte habe ich anlässlich des Luther-Panoramas von Yadegar Asisi in Wittenberg das Panorama im Gasometer Pforzheim / www.gasometer-pforzheim.de erwähnt, konnte mich aber ans Thema nicht mehr erinnern. Dort läuft noch bis in den Herbst die Präsentation zu Rom314 (n.Chr.). Wurde mir sehr empfohlen.

Wer sich in der Ecke Hamburg aufhalten sollte, sollte ggf. einen Abstecher nach Stade einplanen. Im dortigen Kunsthaus / www.museen-stade.de wird das künstlerische Werk von Wolfgang Herrndorf (Autor u.a. von Tschick) bis 03.10.17 ausgestellt. In Hamburg selbst ist bis 03.09.17 sicherlich die Ausstellung Max Pechstein. Künstler der Moderne im Bucerius Kunst Forum / www.buceriuskunstforum.de sehenswert.

 

Eines der ersten Bilder mit dem HUAWEI P10 in Regensburg

Übrigens habe ich den gewonnenen Foto- und Test-Workshop in Regensburg zum Thema Smartphone-Fotografie von Color Foto am 24.06. im Besitz eines geschenkten HUAWEI P10 verlassen (mit zwei Leica-Objektiven, eines für Farbe mit 12 Megapixel und eines für Schwarzweiß mit 20 Megapixel). Werde das Teil jetzt ausgiebig testen können. Noch ersetzt es nicht mein Samsung, was aber vermutlich nur eine Frage der Zeit sein wird.

 

Tag 1 Sonntag 02.07.2017 – Kunst-Event-Tour documenta Kassel / Skulptur Projekte Münster
Weikersheim / Würzburg / Schweinfurt / Wasserkuppe

Die Anfahrt zum ersten Kunst-Event, der documenta 14 in Kassel wollte ich einerseits zum heutigen Besuch einiger Kunststationen in meinem üblichen Kunstradius nutzen und andererseits zu einem Besuch der hessischen Rhön mit Fulda. Nach wie vor bin ich körperlich durch einen Fersensporn gehandicapt, was das zumutbare Programm beeinflussen wird. Schon vorher nicht so mein Ding, wird es mit Wanderungen – auch in den besuchten Städten – etwas zurückhaltender zugehen.

Erste Station war Weikersheim, wo alljährlich im Park und der Altstadt (diesmal auf den Marktplatz beschränkt) eine Skulpturenschau eines meist gegenständlichen Künstlers oder Künstlerin stattfindet. Aktuell werden Frauenskulpturen von Malgorzata Chodakowska präsentiert. Diese fand ich durchaus ansprechend, haben mich allerdings nicht so begeistert wie dieselbe Spezies des Künstlers Rainer Kurka im letzten Jahr. Während seine Skulpturen mehr aus dem Leben gegriffen schienen, sind die jetzigen Figuren etwas esoterisch bzw. symbolistisch angehaucht. Das Wetter war geringfügig besser wie vergangenes Jahr (an meinem ersten Tourtag des neuerworbenen Reisemobils), zwar bedeckt, aber wenigstens trocken. So nutzte ich den Spaziergang durch die Altstadt auch zu einigen fotografischen Stadtimpressionen und einem kleinen Eis am Markt.

Nächste Station machte ich im Kulturspeicher Würzburg / www.kulturspeicher.de, wo allerdings nur noch bis 09.07.17 die Sonderausstellung Der Traum vom Raum. Victor Vasarely. Malerei gezeigt wird. Eine überzeugende Präsentation der Entwicklungsschritte des Vaters der Op Art. Der Kulturspeicher ist dafür auch ein exzellenter Ort, denn beherbergt er doch in den drei Stockwerken des linken Flügels die umfangreiche Sammlung Peter C. Ruppert zur Konkreten Kunst und Op Art. Auch wurde wieder ein schöner und günstiger Katalog aufgelegt.

Als letzte Ausstellungsstation für heute steuerte ich das Museum Georg Schäfer Schweinfurt / www.museumgeorgschaefer.de an, welches die Teilsanierung seiner Ausstellungsräume (2. Stock) zu einer verdichteten Präsentation seiner Highlights der deutschen Kunst des 19. und beginnenden 20. Jh. nutzt und gleichzeitig einer Gegenüberstellung einer Auswahl seines umfangreichen Carl Spitzweg Bestandes mit Bildern des etwas älteren Biberacher Künstlers Johann Baptist Pflug (bis 24.09.17). In dieser Gegenüberstellung der Genrebilder unter dem Ausstellungstitel Knitz und Spitz hat sich für mich bestätigt, was ich schon bei der letzten Biberacher Pflug-Ausstellung dachte: bei Pflugs Malweise fehlt mir der künstlerische Pfiff und Esprit.

Da ich mir heute ausreichend Zeit gelassen habe, in Würzburg auch die Sammlung wieder einmal anzuschauen und in Schweinfurt im Eiscafé einzukehren (wo es aber im freien dann doch lausig frisch geworden ist, so dass ich froh war, mit dem Rad rasch wieder zum Womo zurückkehren zu können, welches ich übrigens wieder am Straßenrand von Im Wehr I abgestellt habe), habe ich zwei optionale Sightseeing-Etappen (Baumhaushotel Seemühle Gräfendorf und Bad Brückenau) über Bord gehen lassen und bin direkt zur Wasserkuppe gefahren. Ursprünglich hatte ich mich mit dem Gedanken getragen, am Montagmorgen dem Kreuzberg (mit 928 höchster Berg der bayerischen Rhön und Wallfahrtskloster, außerdem 208m hoher Sendemast des BR) und dem Roten Moor (größtes hessische Hochmoor) einen Besuch abzustatten. Nachdem aber mein Fersensporn massiv rebellierte, war klar, dass ich mir weder den 3km langen Moorlehrpfad (teilweise ein nicht fahrradtauglicher Bohlenpfad) noch den Aufstieg auf den Klosterberg antun werde.

Im Nieselregen und leichtem Dunst kletterte mein Womo daher direkt zur Wasserkuppe (mit 950m höchster Berg Hessens) hoch. Leider war der Parkplatz P5, der sonst für Busse und Wohnmobile vorgesehen ist, wegen Bauarbeiten gesperrt. Als Ausweichparkplatz war der einige hundert Meter unterhalb liegende P2 angegeben, auf dem zwar für die Busse PKW-Parkplätze umgewidmet waren, ansonsten die schräg angelegten PKW-Parkplätze für Womos zu schmal und vor allem zu kurz bemessen waren, zumal eine Massivhecke einen Überstand (Heck + Fahrradträger) nicht erlaubte. Der hierfür ideal gestaltete ebene P3 direkt beim Luftsportzentrum war allerdings wie auch der ums Eck befindliche P4 per ausdrücklichem Verbotsschild für Womos gesperrt. Da das entsprechende Schild beim schrägen P4 jedoch nicht direkt bei der Einfahrt, sondern etliche Meter weiter oben angebracht war, stellte ich mich einfach davor und ließ mein Heck deutlich überhängen.

Vorsicht: Die Parkgebühr ist mit 2 € von 0 bis 24 Uhr zwar ausgesprochen günstig, wurde aber somit bei mir zweimal fällig, nämlich für die knapp 4 Rest-Stunden am Sonntag und den Montagvormittag. Übrigens: Entgegen den Angaben im Prospekt sind nicht nur P3 + P4 kostenpflichtig.

Tag 2 Montag 03.07.2017 – Kunst-Event-Tour documenta Kassel / Skulptur Projekte Münster
Wasserkuppe / Schwarzes Moor / Fladungen / Eichenzell / Fulda

Nass und kebelig wie der Sonntag endete und mich zum Anwerfen der Mobilheizung bewegte, zeigte sich der Montagmorgen von einer besseren Seite. Die Sonne strahlte, konnte allerdings noch nicht die ersehnte Wärme entfalten. Auch war die Luft noch etwas verschleiert, so dass die umgebende Rhönlandschaft nicht erstrahlte, sondern eher ein verwaschenes Bild abgab. Nicht das ersehnte Fotografierwetter, bei dem die Rhön ihrem legendären Ruf als Land der offenen Fernen gerecht werden könnte. Vor diesem Hintergrund und unter dem Eindruck des Fersensporns verzichtete ich auf den Spaziergang auf den obersten Punkt, wo seit dem Kalten Krieg die Radaranlage RADOM steht und deren Aussichtsplattform um die bekannte Kugel heute touristischen Zwecken dient. Stattdessen beobachtete ich eine Gruppe der Fliegerschule, die auf einem Abhang unterhalb das Gleitschirmfliegen erlernte. Leider war der Zugang zur Flugwiese verboten, so dass ich für Fotos keinen idealen Platz einnehmen konnte.

Um 9 Uhr stand ich dann als erster Besucher vor dem Deutschen Segelflugmuseum / www.segelflugmuseum.de. Seit dem ersten gelungenen Gleitflug von 15m von Otto Lilienthal bis zum modernen Segelflug wird die Geschichte und Technik in Wort und Bild, vor allem aber durch zahllose Original-Flugzeuge (oder Nachbauten) dargestellt. Auch wenn man nicht unbedingt ein Faible fürs Fliegen hat, eine spannende Präsentation, auch wenn ich mich irgendwann an der Vielzahl der stehenden und hängenden Flugobjekte satt gesehen hatte und nicht mehr die Aufmerksamkeit für die abweichenden Details aufbringen konnte. Als zweiter kleiner Ausstellungskomplex wird auch der Modell-Segelflug mit zum Teil abenteuerlichen Flugapparaten abgehandelt. Das Deutsche Segelflugzentrum Wasserkuppe geht übrigens auf eine vom Segelflug begeisterte Studenten- und Schülergruppe aus Darmstadt zurück, die 1911 eine bessere Startbedingung als die dortigen Hausberge gesucht haben und diese an dem unbewaldeten Berg fanden. Bedenkt man, dass die ersten dortige Rekordflüge unter 100m blieben, dann sich allmählich auf unter 1000m erweiterten und heutige Rekordflüge mit Segelflugzeugen mehrere tausend Kilometer betragen, eine faszinierende Geschichte.

Wer bodenständiger Abheben will, findet auf der Wasserkuppe die Möglichkeit mit dem Wie-Li, einem Abenteuer-Sessellift, der Gondelbahn Hexenbesen oder mit diversen Formen von Sommerrodel- und Bobbahnen.

Nachdem auf dem angrenzenden Flugplatz für Segelflieger zwar offenkundig Startvorbereitungen getroffen wurden, aber das Abheben auch nach längerer Beobachtung nicht absehbar war, habe ich mich zum nächsten Ziel aufgemacht. Auf dem Weg dorthin bin ich am Infozentrum Schwarzes Moor vorbei gekommen und damit am Beginn der Bayerischen Rhön. Dort habe ich mir die Infotafeln angeschaut, aufs Wandern aus den erwähnten Gründen aber auch verzichtet. Sofern ich es richtig verstanden habe, grenzen im Schwarzen Moor die drei Länder Hessen, Bayern und Thüringen aneinander.

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen war den Abstecher uneingeschränkt wert. Eine sehr schöne Anlage mit zwar den üblichen alten Gebäuden, in diesem Fall aber aus der Rhön, aber in der Vielfalt von zwei unterschiedlichen Wassermühlen, Bauernhäusern, Knechthäusern, Handwerkerhöfen auch eine Kirche. Ein Bienenhaus, Backhaus, Gemeinschaftsgefrieranlage, Brauhaus und eine Schäferei machen das Areal komplett. Die zugehörigen Rhönschafe wollen sich den Besuchern allerdings nicht zeigen, sondern haben sich in den hintersten schattigen Winkel des Geheges verdrückt und kuscheln eng aneinander, so dass mir kein Foto gelingen mag. Die Gänse im Dorfteich sind da weniger scheu.

Bei Eichenzell im Umland von Fulda liegt das Schloss Fasaneriewww.schloss-fasanerie.de, ein barockes Ensemble und nach wechselvoller Geschichte heute Eigentum des Hauses Hessen, die dort im Rahmen einer Stiftung fürstliche Wohnkultur, Geschichte der höfischen Jagd sowie eine Porzellansammlung sowie bedeutende Antikensammlung präsentieren, aber auch in der Prinz Heinrich von Hessen Galerie die künstlerischen Werke von Enrico d’Assia (1927-1999). Da ich an einer Innenbesichtigung nicht interessiert war, machte es nichts, dass das Schloss montags geschlossen hat, von außen aber ebenso wie der weitläufige Park besichtigt werden kann. Ein stattliches Anwesen, womit es allerdings das Attribut als Hessens schönstes Barockschloss verdient hat, erschließt sich mir mangels Kenntnis der anderen Barockschlösser nicht. Die Bauanlage ist zwar in der Größe und Fläche gewaltig, barocker Glanz spielt sich aber offensichtlich wohl eher in der inneren Raumgestaltung ab (wie zumindest einige Fotos erkennen lassen).

In Fulda gibt es mindestens zwei offizielle Wohnmobilstellplätze. Der besser ausgestattete und altstadtnähere (ca. 1,2 km mit dem Fahrrad) ist der Parkplatz Weimarer Straße (N 50°33’23’’, E 09°39’59’’). Die Besichtigung hat allerdings ergeben, dass dort die Wohnmobile und PKW bunt durcheinander stehen (auch wenn dies vielleicht von der Stadt nicht so angedacht war). Der Parkverkehr war rege, auch sonst erschien es mir unruhiger, was möglicherweise an der eher industriellen Nachbarschaft und Innenstadtnähe liegt, auch wenn dahinter laut Google Map ebenfalls eine Grünanlage zu sehen ist. Platz soll für 17 Mobile sein, Strom gibt es ebenso wie Wasser, außerdem eine Sani Station. Tagesticket für 24h 5 €.

Ich habe allerdings nach kurzer Besichtigung die Weiterfahrt zum Wohnmobilpark Johannisau, Johannisstraße (in meinem Navi als Parkplatz Olympiastraße bezeichnet) (N 50.54129,  E 9.66678 / N 50°32’29“,  E 9°40’00“) vorgezogen, da er mir den eindeutig ruhigeren Eindruck macht. Es handelt sich zwar auch um einen Großparkplatz, liegt allerdings direkt angrenzend zur Grünanlage und Fuldaaue. Zum Domplatz mit dem Fahrrad weitgehend durch oder entlang dieser Anlage ca. 2,2km. Preis 5 €, Standzeit bis 24h, max. 3 Tage. Strom vorhanden, ansonsten Fehlanzeige. Die Areale für PKW und bis zu 10 Womos sind sauber getrennt.

Beste Grüße für heute

Atze