Donautour Ulm Wien Herbst 2016 # 8

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

laut Homepage der Stadt München ist im Stadtgebiet ja das Übernachten im Wohnmobil auf öffentlichen Parkplätzen untersagt, wobei mir nicht klar ist, ob diese Aussage mit aktuellem Oktoberfestbezug nur für diesen Zeitraum so pauschal gilt. An meinem Straßenparkplatz erfolgte jedoch keine Störung, was möglicherweise aber auch daran lag, weil ich mir mit diesem Teil der Reitmorstraße eine Sackgasse ausgesucht hatte und glücklicherweise dort direkt an der Seitenwand der Sammlung Schack einen knapp passenden freien Parkplatz fand.

Tag 10 Mittwoch 05.10.2016
München / Landsberg am Lech / Mindelheim

Die Sammlung Schack München / www.pinakothek.de gehört zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und hat eine besondere Geschichte. Adolf Friedrich Graf von Schack war preußischer Jurist und Gelehrter antiker Sprachen und Geschichte, der vom bayerischen König nach München gelockt wurde, um beim kulturellen Aufbau mitzuwirken. Er begann eine Sammlung von zeitgenössischer deutscher Kunst, die sich mit mythologischen und romantischen Motiven sowie der Italien- und Griechenlandsehnsucht befassten und förderte daneben junge Künstler durch den Auftrag, bestimmte Werke der italienischen Renaissance und Spätrenaissance sowie der spanischen Meister zu kopieren. Die Sammlung Schack beinhaltet vermutlich die reichhaltigste Sammlung von Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach, Moritz von Schwind oder dem frühen Franz von Lenbach, präsentiert aber auch die Kopien alter Meister, also gewissermaßen offizielle Fälschungen.

(Karte erstellt mit Hilfe von (c) Google Maps)

Die letzte Tour auf einem Teilstück der Romantischen Straße hat zwar in Landsberg am Lech geendet, zum Besuch des Herkomer Museums Landsberg mit Mutterturm / www.herkomer.de hatte es damals wegen der Abendstunde nicht mehr gereicht. Also hatte ich mir vorgenommen, die Rückfahrt aus München nicht über die A8 sondern untenrum zu unternehmen.

Erst im letzten Herbst hat dieses Museum im Familienwohnsitz mit einer zwar kleinen, aber sehr schön gestalteten Ausstellung eröffnet. Die aus der Umgebung von Landsberg stammenden Eltern, Vater Kunsttischler, Mutter Pianistin und Musiklehrerin, sind Mitte des 19. Jh. zunächst nach Amerika, später dann nach England ausgesiedelt, haben den Lebensabend dann aber in diesem Anwesen verbracht. Hubert von Herkomer machte in England zunächst als Pressezeichner, später als Porträtist Karriere, wirkte aber auch regelmäßig im bayerischen Umland seiner elterlichen Heimat Landsberg und brachte sich öffentlich als Künstler ein. Dies führte einerseits zur Verleihung des persönlichen deutschen Adelstitels, aber auch zum britischen Sir und einem Professorentitel, welcher Herkomer besonders schätzte, da er in seiner Kindheit durch die Auswanderung kaum Schulunterricht genoss. Wie anerkannt er in seiner Zeit war, zeigt sich daran, dass Vincent van Gogh sich seine Förderung erhofft hatte, wie aus einem Briefwechsel mit Bruder Theo hervorgeht. Seine Porträts waren teilweise so berühmt, dass die Dargestellten öffentlich darauf angesprochen wurden oder wie die „Dame in Weiß“ sogar in der Presse angekündigt wurden, wenn die Dargestellte z.B. Berlin weilte (sozusagen ein viktorianisches It-Girl). Nach dem Tod seiner Mutter ließ er neben das Wohnhaus zu deren Gedenken den sogenannten Mutterturm im viktorianischen Baustil errichten (ein ähnliches Bauensemble hat er sich im englischen Bushey als Lululaund für sich errichten lassen, welches allerdings später abgerissen wurde). Durch enge Wendeltreppen kann der Turm bestiegen werden. Die Ausstellung betitelt sich A Man of Many Parts, da er nicht nur seinem Talent als malender und zeichnender Künstler nachging, sondern u.a. auch englischer Filmpionier war und das erste Filmstudio gründete, als Autonarr 1905 zudem Initiator der ersten Tourenwagenrallye der Welt, die als Herkomer-Konkurrenz noch heute zweijährig durchgeführt wird (www.herkomer-konkurrenz.de). Wer will, kann sich im angeschlossenen Café noch stärken, was natürlich bei warmem Wetter die Parkanlage vor Augen noch entspannter ist und wenige hundert Meter weiter kann man neben dem großen Parkplatz an der Lech das Landsberg-Panorama mit der grandiosen Lech-Treppe genießen.

Nächste und letzte Station war dann das Museum Jesuitenkolleg Mindelheim / www.mindelheim.de
und die Sonderausstellung Sinnlich! Kunstvoll! Mensch.Natur zum Mindelheimer Künstler Max Beringer. Diese Retrospektive widmet sich einem interessanten Künstler der Münchner Sezession, der allerdings bis zu seinem Tod 1961 die vom Jugendstil geprägte Kunstauffassung kaum verlassen hat.

Für die weitere Rückfahrt habe ich mich aufgrund von Verkehrsmeldungen dazu entschlossen, die Autobahn zu meiden. Für die Rückfahrt aus Wien einschließlich Autobahnnutzung ab dem Chiemsee und vor allem durchgehende Standheizung ab Sonntag stieg der Durchschnittsverbrauch auf 10,68 l.

Die nächste Tour wird mich in der zweiten Oktoberhälfte nach Lothringen (u.a. Metz) und Elsass (u.a. Colmar) und ins Dreiländereck bei Basel (Blaue Reiter-Ausstellung bei Beyeler in Basel-Riehen) führen. Wer mir für diese Region lohnenswerte Ausstellungs- und Sightseeingtipps geben kann oder Hinweise auf Stellplätze, ist herzlich bedankt. Die Planung beginnt. In der gestern Abend gesichteten Post waren schon ein paar bei den Tourismusbüros angeforderten Prospekte und Karten, wobei sich Lothringen sehr sparsam zeigte.

Beste Grüße für diesmal

Atze