Donautour Ulm Wien Herbst 2016 # 4

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

gegenüber den bisherigen Stellplätzen geht es hier auf der vorbeiführenden Straße eher zu wie im Taubenschlag. Dank guter Schallisolierung meines Mobils und abgesenkter Empfindlichkeit meinerseits hat es mich in der Nacht aber nicht wirklich gestört. Jetzt am späten Freitagnachmittag bei offener Türe angesichts hitziger Temperatur fällt es doch etwas unangenehm auf. Alternativ wäre auch der

Camping Wien West
Hüttelbergstraße 80
www.campingwien.at

am Rande des Wienerwaldes in Betracht gekommen, der zumindest laut Eigenbeschreibung eine Oase der Ruhe und Erholung sein soll. Nachteil ist allerdings, dass er erstens noch etwas weiter vom Zentrum entfernt ist und nicht ganz so gut angebunden. Daneben gibt es noch zwei weitere offizielle Campingplätze in Wien, die allerdings nur in der Sommersaison geöffnet haben.

Es wird sich aushalten lassen, zumal ich bis auf morgen tagsüber sowieso weitgehend unterwegs bin.

Tag 5 Freitag 30.09.2016
Wien

Heute stand die erste Wien-Erkundung an. Zunächst habe ich mich für ein 72h-Ticket für etwas über 16 € entschieden und gegen die entsprechende Vienna-Card für knapp 25 €, denn auf die damit zu erwerbenden Preisnachlässe kann ich verzichten, weil ich die Destinationen (wie die Wiener sagen) entweder nicht in Anspruch nehme oder über den Schwerbehindertennachlass (gilt allerdings teilweise erst ab GdB 70, den Seniorennachlass (häufig altersabhängig ab 60) oder in den Museen mit der artCARD sowieso vergünstigt reinkomme, außerdem etliche mit dem ORF Museumsnacht-Ticket  besuche. Eigentlich hätte ich auch zwei 24h-Tickets für rund je 7,50 € nehmen können, da ich es eigentlich nur heute und Sonntag benötige, aber durch den geringen Preisaufschlag bin ich so am Samstag flexibler. In der Stadt habe ich mir nämlich gleich das Ticket für die lange ORF Museumsnacht am morgigen Samstag besorgt und darin ist von 16 bis 3 Uhr nachts der ÖNV inkludiert.

Für Power-Nutzer könnte auch die deutlich teurere Wien-Karte (auch für 24h, 48 h, 72h) sinnvoll sein, die vor allem viele Sightseeing-Angebote zum Nulltarif ermöglicht.

Ich meinerseits hatte noch von Zuhause aus für 15 € bei Vienna Sightseeing eine 24h-Std. HOP ON HOP OFF Tour der roten Linie (einmal rund um die Kernstadt) geordert. Diese Buslinie umkreist die Kernstadt im regelmäßigen Rhythmus ca. alle 7-8 Minuten und man kann an jeder Haltestelle zu- und wieder aussteigen und so man will innerhalb der Zeitzone (gibt es ebenfalls für 48h und 72h) mehrmals mitfahren. Über Kopfhörer erhält man zu den einschlägigen Gebäuden, Denkmäler, Anlagen informative Erläuterungen, wobei ich ab dem zweiten Teilstück den Kinderkanal gewählt habe, da die Texte unterhaltsamer schienen (der direkte Vergleich fehlt, weil ich die Runde tatsächlich nur einmal gefahren bin).

Vom Schwedenplatz bin ich über die Oper zunächst bis zum Kunsthistorischen Museum gefahren, habe dort gegenüber einen Blick ins Areal der Hofburg geworfen um dann den Weg ins MuseumsQuartier (MQ) zu lenken. Ziel war das Leopold Museum Wien / www.leopoldmuseum.org einerseits wegen seiner umfassenden Sammlung zu Egon Schiele und Gustav Klimt (schon beim letzten Besuch etwas eilig kurz vor Abfahrt des Zuges besichtigt), andererseits aber wegen mehrerer kleineren Ausstellungsabteilungen (Kunst in Wien um 1900 / Verborgene Schätze der Sammlung / Landschaftsbilder aus der Sammlung von Waldmüller bis Schiele) sowie einer größeren Sonderausstellung zum Thema Fremde Götter – Faszination Afrika und Ozeanien mit einer Gegenüberstellung exotischer Masken und Schnitzereien aus Afrika und Ozeanien mit der beeinflussten europäischen Kunst (Picasso, Brücke-Künstler, Brancusi, Modigliani, Lehmbruck etc.). Das ganze Haus eine Freude für mich, da ich diese Künstler und diese Kunstrichtungen sehr schätze. 4 Stockwerke wollen erwandert sein und gehen bei aller Anregung auch auf die Füße.

Gleichwohl bin ich dann nach einer kurzen Apfel-Rast auf den dortigen Liegeplastiken den 10minütigen Weg zur Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste / www.akademiegalerie.at geschlappt, zu der das Zeitbudget beim letzten Wienbesuch nicht gereicht hatte. Herausragend ist sicherlich das Weltgerichtstriptychon  von Hieronymus Bosch sowie etliche bedeutende Werke von Lucas Cranach d. Ä. (herausragend Das ungleiche Paar), ein sehr schönes Madonnenbild von Botticelli, einige Rembrandt und Rubens – wobei das schönste Werk von Letzterem nicht zu sehen war, weil vermutlich in einem temporär nicht zugänglichen Raum hängend, wo ihm vermutlich auch der Tizian Gesellschaft leistet. Auf der Homepage kann man die Galerie virtuell durchstreifen.

Damit war der heutige Ausstellungsplan abgearbeitet. Erwähnen will ich noch, dass ich im MQ über eine frei zugängliche (auch ohne Personal) Ausstellung eines türkischen Photo-Awards gestolpert bin mit ansprechenden Bildern, wenn auch in einer etwas irritierenden Gegenüberstellung – einerseits waren diverse faszinierende Sportaufnahmen zu sehen, andererseits wurden reportageartige Fotos und Fotostrecken zur Flüchtlingsproblematik und zum Syrienkonflikt präsentiert.

An der Oper bin ich dann wieder in den HOP ON HOP OFF-Bus gestiegen und hab mir die Ringstraße und andere Sehenswürdigkeiten erklären lassen. Bei der Station Augarten bin ich ausgestiegen, da ich über die Attraktivität dieser Park- und Erholungsanlage schon einiges gehört hatte. Letztendlich blieb mir sein Flair aber eher verborgen, was vielleicht an falschen Erwartungen liegen mag, aber auch daran, dass die Hauptgastronomie wegen geschlossener Gesellschaft nichts zu bieten hatte außer an einem Eisstand ein durchaus vortreffliches Eis in der Waffeltüte. In einem kleinen Café-Restaurant am Rande bekam ich dann doch noch das dringlich ersehnte übliche Erfrischungsgetränk und einen Schokokuchen mit Vanilleeis.

Eigentlich hatte ich vor, dass nach Abschluss der Sightseeingtour noch ein Abstecher in den nahe gelegen Prater erfolgen sollte, aber Hitze und Fußlahmheit haben mich dazu motiviert, doch gleich die Heimfahrt Richtung Womo anzutreten.

Damit und mit einer Auszeit bis morgen Spätnachmittag hoffe ich genügend Erholung für die geforderten Körperteile und Entspannung für den Geist zu verschaffen, damit die lange Museumsnacht von 18-01 Uhr genussvoll durchgestanden werden kann.

Für Sonntag stehen dann noch das unbekannte Wien.Museum sowie das Obere und Untere Belvedere auf dem Programm (zumindest die Sonderausstellungen im Unteren, die sehenswerte Sammlung (vor allem wieder Klimt und Schiele) im Oberen habe ich schon mal gesehen. Wenn die Füße mitmachen, will ich Sonntag dann auch noch den geführten Stadtrundgang mitmachen, der im HOP ON-Ticket als Zugabe enthalten ist.

An dieser Stelle noch ein Hinweis: Man kann zum HOP ON-Ticket auch eine Schiffsrundfahrt und/oder eine Fiaker-Fahrt deutlich günstiger dazu buchen, als wenn man sie gesondert in Anspruch nimmt.

Beste Grüße für heute

Atze