Donautour Ulm Wien Herbst 2016 # 3

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

es ist vollbracht, die Anreise nach Wien. 701 km liegen hinter mir, Durchschnittsverbrauch 9,56 l. Seit halb acht abends stehe ich auf dem

Reisemobil-Stellplatz Wien,
Perfektastraße 49-53
(N43°08’13“ E16°18’57“)
www.reisemobilstellplatz-wien.at

Der Platz liegt – soweit ich dies bei der Anfahrt mitbekommen habe – in einem primär gewerblich geprägten Umfeld und zumindest gegenwärtig (21 Uhr) ist auf der Durchgangsstraße regelmäßig Verkehr. Vorteil des Platzes ist vor allem, dass die U-Bahn (U6) ca. 200m entfernt Station macht und man mit einmal Umsteigen im Zentrum ist (entweder Karlsplatz U4 oder Stephansdom U3). Wie auf der Homepage angemerkt, war eine Reservierung nicht erforderlich (sieht ggf. im Sommer, zum Jahreswechsel oder zu den Wiener Festwochen anders aus).

Obwohl bis spät in der Nacht am Pleschinger See bei Linz noch ein Kommen und Gehen herrschte, war die Nacht sehr ruhig, wenn auch kurz, was nicht nur daran lag, dass ich um 6 Uhr aufstehen wollte, sondern dass schon kurz vorher wieder Besuch an den See kam – Jogger und Frühbader. Brrrh! Aber das Wasser im See war sicher wärmer als die Lufttemperatur mit knapp 11 Grad.

(Karte erstellt mit Hilfe von (c) Google Maps)

 

Tag 4 Donnerstag 29.09.2016
Stift Melk / Krems an der Donau / Tulln / Wien

Nach nicht ganz zwei Stunden war das erste Etappenziel für heute erreicht, das UNESCO Welterbe Sift Melk (den große Parkplatz oberhalb des Stifts erreicht man, indem man an Melk vorbeifährt und den Beschilderungen folgt). Das barocke Gesamtensemble kann von außen inkl. Innenhöfe kostenlos besichtigt werden, ebenso gibt es einen kostenlosen Zugang zur Stiftskirche, der allerdings nur von einem Seitenaltar aus einen Blick ins Kirchenschiff sowie Altar und Orgel erlaubt. Will man die Kirche aus der „Nähe“ besichtigen, geht dies nur im Komplettpaket mit der Stiftbesichtigung einschl. Stiftsmuseum (optional mit 50minütiger Führung), darin eingeschlossen ist auch der Zugang in den Stiftspark mit dem barocken Gartenpavillon, welche aber auch gesondert gebucht werden können.

Schon aus Zeitgründen, aber auch wegen gebremsten Interesses habe ich auf die Komplettbesichtigung verzichtet und mir nur einen groben Eindruck des Ensembles verschafft. Gleichwohl ist mir auch da die Zeit mehr davongelaufen, als ursprünglich geplant.

Die Kunstmeile Krems erreichte ich deshalb mit halbstündiger Verspätung. Trotz Sperrung des ursprünglichen Zugangs des Areals wegen des Neubaus eines Niederösterreichischen Landesmuseums fand ich gleich einen Parkplatz und nach Umkreisung des Areals zu Fuß stand ich im Karikatur Museum Krems an der Donau / www.karikaturmuseum.at. Das ursprünglich dem vor kurzem verstorbenen Manfred Deix gewidmete Museum – das vom Architekten Gustav Peichl vor 15 Jahren errichtet worden war (übrigens unter dem Pseudonym IRONIMUS in Österreich selbst ein bekannter Karikaturist) – bietet neben der jährlich sich wandelnden Dauerausstellung „Für immer Deix“ derzeit zwei Sonderausstellungen, nämlich „Kult auf 4 Rädern – Das Auto im Comic und der Karikatur“ sowie vor allem mit Think Big! Gerhard Haderer eine umfassende Retrospektive des bekannten Spötters. Gute anderthalb Stunden Schmunzeln, vor allem über die feinsinnigen gezeichneten Satiren von Haderer.

Die schräg gegenüberliegende Kunsthalle Krems / www.kunsthalle.at ist derzeit wegen Umbau geschlossen. In ihr hatte ich vor etwas mehr als 10 Jahren eine großartige Andrej Jawlensky Ausstellung gesehen. Geplant ist die Wiedereröffnung für 2017.

Ausgelassen habe ich den Besuch des ebenfalls neuen Forum Frohner Krems-Stein / www.forum-frohner.at in der unter dem Titel Rot ich weiß Rot. Kritische Kunst für Österreich die Relevanz des Buches für das Kunstschaffen von Autoren und Künstlern ausgelotet wird.

Weiter führt mich die Reise nach Tulln, ebenfalls an der Donau gelegen. Hier wurde 1890 der Künstler Egon Schiele geboren und die Stadt knüpft in verschiedener Weise an den bekannten Sohn an. Im Egon Schiele Museum Tulln / www.egon-schiele.eu ist ein Abriss seines nur 28 Jahre dauernden Lebens dargestellt sowie Bilder aus seinen Anfangsjahren bis zu dem Zeitpunkt, wo er seinen einzigartigen Stil entwickelt hat. Aufbereitet ist auch die Geschichte um seine Anklage und Verurteilung wegen sittenwidrigen Verhaltens. Passend dazu ist das Museum im ehemaligen Gefängnis untergebracht.

Tulln bietet noch weitere Attraktionen, vor allem „Die Garten Tulln“, eine jährlich sich wiederholende ökologische Gartenschau. In Tulln liegt auch das Hundertwasser-Schiff Regentag im Gästehafen des Minoritenklosters vor Anker. Auch die Römer haben Spuren hinterlassen, die im Marc Aurel Park zu besichtigen sind.

Überraschend gestaltete sich die Weiterfahrt nach Wien. Obwohl kein riesiges Gebirge zu überwinden war, sondern nur eine wenige hundert Meter hohe Anhöhe, schlängelte sich die Straße in so vielen serpentinenartigen Windungen hinauf und hinunter, wie ich es weder aus Alb noch Schwarzwald kenne – und dabei phasenweise trotzdem mit erheblicher Steigung, dass der Ducato und fast auch ich ins Schwitzen geriet.

In Wien setzte sich dies dann zum Ernst Fuchs Museum Wien / fort. Der Künstler hatte in den 70igern die ehemalige Otto Wagner Villa (bekannter Wiener Jugendstil-Architekt) erworben und sie zu einem Kunsttempel eigener Prägung umgestaltet. Ernst Fuchs gehört zur sogenannten Gruppe der Wiener Phantastischen Realisten (u.a. Rudolf Hausner, Arik Brauer), ursprünglich vom Surrealismus beeinflusst und später dann Entwicklung zum Symbolisten, gelegentlich auch die Grenze zum Kitsch zumindest tangierend, trotzdem ein beeindruckendes zeichnerisches und malerisches Talent.

Als letzte Perle auf der Anfahrt nach Wien lag dann noch das Schloss Schönbrunn mit seiner Parkanlage. Während das Schloss bereits geschlossen hatte und die letzten Besucher herausströmten, kann die Außenanlage mit dem Schlosspark noch bis 19 Uhr besichtigt werden (ausgenommen die kostenpflichtigen Sondergärten). Ein herrschaftliches Anwesen, wenn auch ursprünglich nur als Sommer- und Jagdschloss geplant. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen des letzten Kaisers Franz Joseph und seiner Sisi, denn es jährt sich zum 100. Mal sein Todestag (21.11.1916).

Beste Grüße für heute

Atze