Donautour Ulm Wien Herbst 2016 # 2

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

die Nacht bei der Ilzbrücke in Passau war angenehm ruhig – und das obwohl direkt eine doppelspurige Haupttransferstraße über die Brücke führt. Dafür war am heutigen Morgen das Überqueren der jeweiligen Doppelspuren in beide Richtungen ein gewagtes Unterfangen, weil Passau hat zwar ein Parkdeck und die Womoplätze dorthin gebaut und entlang den Straßen bis zur eisernen Hängebrücke, über die man in die Altstadt gelangt, breite Gehwege – an Zebrastreifen oder gar Fußgängerampeln war aber nicht gedacht worden.

Tag 3 Mittwoch 28.09.2016
Passau / Schärding / Schlögener Schlinge / Linz / Pleschinger See

Wie geplant bin ich morgens mit Kamera bewaffnet gegen halb neun in die Passauer Altstadt aufgebrochen. Da aber mitteldichter Nebel über der Stadt lag, gab es ein paar Nebelimpressionen, jedoch kein gefälliges Stadtpanorama mit Donau im Vordergrund [einige der hier eingestreuten Bilder stammen von einem früheren hochsommerlichen Besuch]. Bis auf den Zusammenfluss der drei Flüsse habe ich das gestern beschriebene Programm absolviert. Der Dom macht was her, vor allem innen. Die Orgel sieht zwar imposant aus, das Attribut „größte“ muss man vermutlich ganz eng an den Begriff Dom gekoppelt sehen, weil ich in anderen Kirchen zumindest beeindruckendere Orgeln gesehen habe (aber vielleicht sind auch nicht alle Pfeifen sichtbar). Abstriche machte ich am Programm insoweit, dass ich nicht bis zum Mittagskonzert bleiben wollte. Stattdessen habe ich mich entschlossen, zumal es eh gerade zehn Uhr war, dem Museum Wörlen doch einen Besuch abzustatten – und das war gut so. Dort erfuhr ich nämlich, dass die am Sonntag eigentlich zu Ende gehende Sonderausstellung über zwei österreichische expressionistische Grafiker – Carry Hauser / Otto Rudolf Schatz – bis 23. Oktober verlängert wurde. Insbesonders die Arbeiten von Hauser haben mich größtenteils sehr angesprochen. Beide Künstler mussten 1938 Österreich verlassen, hauptsächlich weil beide mit jüdischen Frauen verheiratet waren, aber auch wegen Arbeits- und Ausstellungsverboten, Schatz überdies auch wegen seiner sozialistischen Aktivitäten.

Da ich durch den Wegfall des Domkonzertes bereits um halb zwölf wieder beim Womo war, habe ich den angepeilten Abstecher nach Schärding am Inn dazwischen geschoben, da der Kern der Altstadt wegen seines barocken Häuserensembles gerühmt wird. Diese säumen den langgezogenen Stadtplatz und sind ein ästhetisches Gesamtgefüge, leider stört aber der parkende und fließende Verkehr den Gesamteindruck. Aus Zeitgründen konnte ich die Burg (Schloss?) mit Barockgarten, Orangerie und Schlosspark sowie das Wasserschloss Neuhaus auf deutsche Innseite nicht ansehen.

(Karte erstellt mit Hilfe von (c) Google Maps)

Überrascht war ich von der Anfahrt. Vermutlich weil ich mautpflichtige Straßen ausgeschlossen habe, wurde ich vom Navi nicht am Inn entlang gelotst, sondern über unerwartet steile Bergrücken. Einmal kam der Ducato trotz Bergunterstützung fast zum Stillstand, nachdem in einer extremen Spitzkehre auch noch unvermittelt die Steigung noch ein paar Grade zugelegt hat. Überraschend war auch, dass dieser Weg direkt durch Zwickledt führte, in dessen „Schloss“ der letzte Wohnsitz des Künstlers Alfred Kubin und jetzige Alfred-Kubin-Haus (Zwickledt 7, Gemeinde Wernstein am Inn) angesiedelt war. Während man es bei meinem letzten Besuch vor rund 20 Jahren noch als kleines Museum besichtigen konnte, ist es nun für den Publikumsverkehr geschlossen und dient nur noch als Forschungsarchiv.

Hofer Telefontarif

In Schärding gibt es glücklicherweise auch eine Hofer-Filiale, so dass ich für 1,99 € ein Starterset (SIM-Karte) erwerben konnte und einen Ladebon für weiter 10 €. Gleich auf dem Parkplatz habe ich die Karte aktiviert, was keine Datenangaben erfordert, sondern lediglich Einlegen ins Smartphone und einen Anruf bei einer beliebigen Nummer oder dem Aufruf einer Internetadresse. Das war es dann aber auch schon, wenn kein Guthaben aufgeladen ist. Also Aufladen und dann habe ich gleich statt des Basistarifs HoTflex (Minuten-/MB-Preise) den Monatstarif HoTfix gebucht, der mir in den nächsten 30 Tagen 1000 Minuten Inlandsgespräche/SMS und 3000 MB Datenvolumen für knappe 10 € sichert. Dass alles klappt, seht ihr daran, dass ihr diesen Bericht lesen könnt.

Schlögener Schlinge

Auch der Weg von Schärding am Inn zurück an die Donau Richtung Linz führte über heftiges Auf und Ab auf sich windenden Wegen. Zwischenziel war ein Naturschauspiel, das die Österreicher unlängst bei einer Publikumsbefragung auf Platz 1 gesetzt haben, nämlich eine enge S-Schleife der Donau bei Schlögen. Im Gegensatz zu den Saar- und Moselschleifen, die touristisch dahingehend erschlossen sind, dass es entsprechende Aussichtspunkte gibt, scheint dies hier jedoch nicht der Fall zu sein, denn die Berghänge sind dicht bewaldet und ich konnte weder vorher im Internet noch an Ort und Stelle einen Hinweis auf eine Aussichtsplattform entdecken. Das Luftbild bleibt also wohl Fliegern oder Drohnen vorbehalten, wohingegen das Erfahren mit einschlägigen Schiffsrouten möglich ist, die auch direkt vor dem dominierenden Hotel Schlögener Schlinge anlanden.

So hat mich der kurze Zwischenstopp kaum aufgehalten, weil die Zeit für einen Kuchen oder einen Eisbecher wollte ich mir nicht gönnen. Stattdessen sollte es zum kulturellen Etappenziel für heute etwas Zeitreserven geben, nämlich Linz.

Glücklicherweise ergatterte ich ohne viel Suchen direkt gegenüber dem LENTOS Kunstmuseum Linz / www.lentos.at einen Parkplatz in einer parallelen Parkstraße, 3 h für 6 € (Höchstparkzeit, allerdings nur bis 18.30 h gebührenpflichtig). Dort wird die Kunstsammlung der Stadt Linz präsentiert, beginnend im ausgehenden 19. Jahrhundert bis heute. Viele schöne Werke, einzelne Bilder gehören zu den Schlüsselbildern der Künstler. Die gleichzeitige Sonderausstellung einer zeitgenössischen Künstlerin hat mich hingegen nicht angesprochen.

Vor dem Besuch des LENTOS bin ich jedoch zwangsläufig durch die Altstadt gegangen, da ich zunächst dem Oberösterreichischen Landesmuseum im Schlossmuseum Linz / www.landesmuseum.at einen Besuch abstatten wollte. Das Museum deckt nahezu alle Kulturbereiche ab, von der Archäologie über Waffen, Kunsthandwerk, Volkskunde, Geschichte, Musikinstrumente und der Natur Oberösterreichs (Geologie, Botanik, Zoologie) inkl. Aquarien, eben auch die Kunst vom 12.-19. Jahrhundert. Für mich stand es vor dem LENTOS, weil dieses habe ich bei einem früheren Linzbesuch schon besichtigt (damals war es noch ganz neu). Der Gang auf den Schlossberg ist zwar nicht lang, aber doch steil und beschwerlich. Mein Interesse bezog sich speziell auf die Kunstsammlung vom Biedermeier bis zum Jugendstil. Quintessenz: Es waren zwar einige schöne Stücke dabei und ich habe einige beachtenswerte österreichische Künstlernamen kennengelernt neben den bereits bekannten Waldmüller, von Alt, Makart, Klimt, Koloman Moser, Schiele – die Sammlungsstücke der großen Namen gehören aber nicht zu deren Spitzenwerken.

Sehenswert in Linz ist bei einschlägigem Interesse an elektronischen Medien das weltweit bekannte Ars Electronica Center (jenseits des LENTOS am gegenüberliegenden Donauufer direkt bei der zentralen Brücke), das NORDICO Stadtmuseum, der Mariendom (größte Kirche Österreichs) sowie der Hauptplatz, aber auch die Erlebniswelten voestalpine Stahlwelt oder Pöstlingberg (Wallfahrtskirche auf dem gegenüberliegenden Berg, Märchenwelt mit Grottenbahn). Direkt vom Hauptplatz führt die steilste Adhäsionsbahn zur Aussichtsterrasse. Bei mehrtägigem Aufenthalt lohnt sich die Linz Card.

Da ich meinen Füßen eine dringend erforderliche Erholungspause gönnen wollte, bin ich direkt nach dem Besuch des LENTOS zu meinem heutigen Stellplatz am östlichen Rande von Linz gefahren, dem

Strandbad Pleschinger See
Plesching, Seeweg 11

Der Platz ist kein offizieller Stellplatz, bietet aber als riesengroßer Parkplatz in der Natur direkt am See die Chance auf eine hoffentlich ruhige Erholungsnacht.

Beste Grüße für heute

Atze