Donautour Ulm Wien Herbst 2016 # 1

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

im Gegensatz zu den letzten großen Touren soll diese nicht nur der Kunst dienen, sondern auch etwas Sightseeing einschließen. Klassisches Camping spielt hingegen nicht mit. Die Tour bewegt sich entlang der Donau nach Wien, die Rückfahrt soll über Salzburg und München führen. Spannend wird werden, ob in Österreich eine Mobilverbindung zustande kommt, da bei meinem günstigen Mobiltarif für 8,95 €/Monat Roaming derzeit nicht in Frage kommt, da pro 10 MB mehr als ein halber Euro abgezockt wird. Der österreichische ALDI-SÜD-Ableger HOFER bietet einen 30 Tage Tarif mit 1000 Minuten alle österreichische Netze und 3 GB Internetvolumen, die ich auf meinem zweiten Smartphone ausprobieren will, das ich speziell fürs Womo angeschafft habe. Falls dies für längere Zeit der letzte Bericht sein sollte, hat es offensichtlich nicht geklappt.

[Redaktionelle Anmerkung: Da ich 2003 eine teilweise deckungsgleiche Tour mit dem PKW unternommen habe, fließen hier zur Illustration auch einige damals gemachte Fotos ein.]

(Karte erstellt mit Hilfe von (c) Google Maps)

 

Tag 1+2 Montag/Dienstag 26./27.08.2016
Neuburg an der Donau / Abensberg / Weltenburg (Kelheim) / Regensburg / Straubing / Passau

Eigentlich wollte ich erst am frühen Dienstagmorgen starten, das schöne Wetter und die Aussicht auf einen entspannten Tourauftakt haben mich aber dazu gebracht, dass ich am späteren Montagnachmittag gestartet bin. Entgegen der Navi-Empfehlung nicht über die A8 bis Augsburg, sondern konsequent entlang der Donau. Da der Fluss nur Leitlinie der Anreise nach Wien sein soll, jedoch nicht eigenständiges Ziel, lasse ich etliche Stationen rechts oder links liegen. Dazu zählen gleich zum Auftakt durchaus sehenswerte Städte wie Günzburg, Dillingen, Donauwörth (siehe Tour 4) sowie Ingolstadt, welches ich schon mehrfach besucht habe. Dort ist für Kunstinteressierte vor allem das Museum für konkrete Kunst Ingolstadt / www.mkk-ingolstadt.de empfehlenswert sowie das Alf Lechner Museum Ingolstadt / Skulpturenpark / www.lechner-museum.de

Etappenauftakt und erstes Besichtigungsziel sowie Übernachtungsort stellt daher Neuburg an der Donau dar, welches bietet einen großen kostenlosen Stellplatz bietet.

Wohnmobilstellplatz Schlösslwiese Neuburg a.d.D.
Zur Ringmeierbucht (am PKW/Bus-Parkplatz rechts vorbeifahren)
V/E, Wasser 100l/1 €, öffentliches WC (am Eingang zum PKW-Parkplatz)
Schloss und Altstadt fußläufig jenseits der Donau erreichbar

Ich nutze den frühen Abend zu einem Besichtigungsrundgang der oberen Altstadt (Schlossberg). Nettes Städtchen, die malerische Optik wird aber durch die Parkzonen entlang der Straßen und Plätze gestört. Leider sind die öffentlichen Gebäude wie Kirchen vermutlich aufgrund der Abendzeit schon geschlossen. Trotz gutem Wetter ist in der Stadt nicht mehr viel los, lediglich eine Hundeschule nutzt den nett angelegten zentralen Karls-Platz bei Rathaus und Schlosskirche zu einem öffentlichen Training. Manche Hunde haben ihre Herr- und Frauchen gut im Griff – da ist also noch Entwicklungspotential drin.

Dienstagmorgen stehe ich um 9 Uhr (ab Oktober erst Öffnung dann erst um 10 Uhr) vor der Staatsgalerie im Renaissanceschloss Neuburg an der Donau / www.neuburg-donau.de. Diese Zweigstelle der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat ihren Schwerpunkt vor allem bei den flämischen Barockmalern rund um Rubens. Von diesem selbst ist jedoch nicht allzu viel zu sehen (im Wesentlichen zwei Altarbilder, die er eigens für die Neuburger Schlosskirche angefertigt hat), sondern zahlreiches aus seiner Werkstatt, daneben aber etliche Bilder von Anthonis van Dyck, Jacob Jordaens, Jan Brueghel, Frans Francken, David Teniers u.a. Die bayerischen Könige haben hier ein reiches Sammlererbe hinterlassen, was man nicht nur in der Alten Pinakothek München, sondern auch hier bewundern kann. Den Grundstock für die bayerischen Sammlungen legten jedoch die Fürsten von Pfalz-Neuburg, deren Zweig durch Heiratspolitik auch im Rheinischen regierte und in Düsseldorf die Sammlung aufgebaut hat, die später dann – als der ursprüngliche Münchner Zweig der Wittelsbacher ausgestorben war – die Herrschaft über Bayern übernahmen und somit die Düsseldorfer Sammlung nach München transferierten. Diese Entwicklungsgeschichte der Wittelsbacher aus Neuburger Sicht wird im Schloss gut aufbereitet dargestellt. Die Schlosskapelle ist 1543 der erste ausgemalte protestantische Kirchenraum überhaupt. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses sind die Muschelgrotten.

Auf der Weiterfahrt statte ich noch dem Jagdschloss Grünau (Grünau 1) einen visuellen Besuch ab, da das darin enthaltene Auenzentrum Neuburg-Ingolstadt samt Schloss nur Mi-So zugänglich ist. Ursprünglich wohl ein Wasserschloss (die zwei Gräben sind aber verlandet), macht es äußerlich nicht so viel her, so dass ich mir den Abstecher und die 2km Fußmarsch vom Parkplatz hin- und zurück hätte sparen können. Hoffen wir, dass es wenigstens ein Beitrag zur Gesundheit ist.

Schon seit längerem stand das nächste Ziel auf meiner Interessenliste, nämlich der Hundertwasserturm Abensberg (mit Kunsthaus). Der Sammler und Brauereibesitzer Kuchlbauer konnte Friedensreich Hundertwasser zur Gestaltung des Turms überreden und kann sich nun rühmen, eines der letzten Projekte des Künstlers präsentieren zu können. Die Fertigstellung hat Hundertwasser allerdings nicht mehr erlebt. Die eigentliche Planung und Ergänzung durch das Kunsthaus, eine umgestaltete Stadtvilla, erfolgte durch den Hundertwasser-Freund und architektonischen Mitarbeiter Peter Pelikan. Im Kunsthaus sind die Baugeschichte, die Sammlung sowie der übliche Shop zu besichtigen. Die Brauerei bietet dazu noch eigene Events und Gastronomie mit Biergarten direkt beim Turm. Leider kann man den Turm von innen nur im Rahmen einer 90-minütigen Führung durch Kuchlbauers Bierwelt mit Bierverkostung besteigen und besichtigen. Diese findet dreimal täglich zu festen Zeiten (10, 13 und 15 Uhr) statt. Musste ich mir verkneifen. Auch die Ausstellung habe ich nicht besichtigt, da schon mehrere Hundertwasser-Ausstellungen gesehen, zuletzt in Arlesheim bei Basel (Sammlung Würth). Optional steht auch ein Besuch des KunstHauses Wien auf meinem Zettel für die lange ORF-Nacht der Museen am kommenden Samstag. Da Abensberg jedoch unweit von Kelheim und damit zum Tor ins Altmühltal liegt, kann ich mir gut vorstellen, dass ich es in diesem Kontext nochmals mit mehr Muse und zu passender Tageszeit ansteuere.

Unweit davon entfernt liegt direkt an der Donau die bekannte Benediktinerabtei St. Georg Kloster Weltenburg sowie der Weltenburger Enge, fälschlich auch als Donaudurchbruch bezeichnet, weil die Donau sich nur des Bettes eines früheren Nebenflusses bedient – damals floss sie selbst nördlicher im Altmühltal. Der Weg zum Kloster muss man sich jedoch erlaufen, denn die Zufahrtsstraße ist für den Verkehr gesperrt. Ca. einen Kilometer davor befindet sich ein großer bewirtschafteter Parkplatz. Für Womos wird im Regelfall der PKW-Tarif von 4,50 € abkassiert, nicht der Bus-Tarif von 10 €. Also wieder Laufarbeit für die Gesundheit, wobei meine Füße schon ab Zuhause etwas lädiert sind (Schrunden und überstrapazierte Sehnen, die Waden machen sich mit Krampftendenzen bemerkbar). Das Kloster selbst macht optisch eigentlich nicht viel her, wenn man von der Lage direkt an einer niedrigen Flussbank in einem Donauknick absieht (diese lässt sich aber vom gegenüberliegenden Ufer bzw. vom Fluss aus (Zille oder Schiff) besser genießen, was auch für die Donauenge zutreffen dürfte. Die Klosterbrauerei ist die älteste der Welt (seit 1050). Die Asamkirche würde ich nicht unbedingt als ein Highlight dieser Baumeister bezeichnen, sehr dunkel. Auch die Leberspätzlesuppe im Klosterbiergarten stellt kein Highlight bayerischer Küche dar. Die Spätzlesubstanz in der leckeren Ochsenschwanzbrühe ist erstens überschaubar und zweitens hat der Spätzleteig wohl nur an einer Leber gerochen. Etwas abgeschlagen und nach einem netten Plausch mit dem Parkplatzwächter (auch fotografisch aktiv und veröffentlich regelmäßig einen Weltenburg-Fotokalender) setze ich die Fahrt nach Regensburg fort.

Den Abstecher zur Befreiungshalle Kelheim schenke ich mir nicht nur, da derzeit durch Renovierungsarbeiten die Besichtigung erheblich beeinträchtigt ist, sondern vor allem, weil mich diese Hinterlassenschaften bayerischer Könige wenig ansprechen. Dies trifft auch auf die Walhalla jenseits von Regensburg zu.

Regensburg will ich nur eine Stippvisite gönnen, da bereits mehrmals dort gewesen. Leider hat das sehenswerte Kunstforum Ostdeutsche Galerie derzeit wegen Renovierung geschlossen. Hier habe ich schon mehrfach herausragende Sonderausstellungen gesehen, auch die Sammlung mit namensgebendem Schwerpunkt ostdeutscher Kunst (nicht zu verwechseln mit DDR-Kunst, sondern die Bandbreite reicht vom 19.-21. Jh.) ist beeindruckend.

In der Städtischen Galerie Leerer Beutel werden neben wechselnden Ausstellungen auch die Sammlungsbestände der Stadt gezeigt.

Die Altstadt von Regensburg ist als UNESCO Weltkulturerbe selbstverständlich sehenswert. Herausheben möchte ich hier neben Rathaus und dem Dom St.Peter, dem Goldenen Turm und dem Schloss Thurn und Taxis vor allem die Steinerne Brücke. Dieses zwischenzeitlich für den Verkehr gesperrtes Baudenkmal überquert man auf dem Weg zur Altstadt, wenn man den Parkplatz Untere Wöhrdstraße nutzt. Der Platz auf Höhe Nummer 18 ist zwar kostenpflichtig, aber günstig, jedoch auf maximale Parkzeit von 2 Stunden beschränkt. Weiter hinten (Nr. 62) ist das kostenlose Parkareal (P+R), auf dem Wohnmobile auch über Nacht stehen dürfen.

Derzeit ist die Steinerne Brücke nicht wirklich sehenswert, weil als Sanierungsfall kaum zu erkennen – Verschalungen und Baugerüste verstecken die historische Substanz.

Der weitere Weg führte mich nach Straubing und seinem sehr sehenswerten ausgedehnten Stadtplatz sowie weiteren Sehenswürdigkeiten wie Stadtturm, Rathaus, die backsteingotische Stadtpfarrkirche St. Peter mit Dürer-Fensterbild von Moses (rechts oben neben dem Hochaltar), wobei auch die vielen anderen Fensterbilder qualitativ sehenswert sind. Unrühmliche Bekanntheit hat Straubing durch das Schicksal von Agnes Bernauer erlangt, die als Geliebte und Frau von Herzog Albrecht III. auf Geheiß von dessen Vater in der Donau ertränkt wurde. Künstlerisch hat das Ereignis im gleichnamigen Trauerspiel von Friedrich Hebbel sowie der Komposition Die Bernauerin von Carl Orff ihren Niederschlag gefunden. Alle 4 Jahre wird die Geschichte im Rahmen der Agnes-Bernauer-Festspiele dargestellt. Freudigeres jährliches Ereignis ist hingegen das Gäuboden Volksfest. Bekannte Bürger von Straubing sind u.a. der Librettist Schikaneder von Mozarts Zauberflöte sowie der Wissenschaftler Fraunhofer.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der bevorstehenden Dämmerung musste ich Deggendorf mit einer angeblich ebenfalls sehenswerten Altstadt mit Altem Rathaus links liegen lassen und nach Passau durchstarten.

Endstation der Berichtsetappe ist das

Parkdeck Ilzbrücke Passau, Halser Straße 1, N48°34‘42“ E13°28‘26“, 13 Womo-Plätze, Stunde 1 €/Tageshöchstsatz 24h 8 €, Strom 1 kWh 0,05 €, Wasser 50 l 1 €, Entsorgung kostenlos

Glück muss der Atze haben, denn lediglich einer der 13 Plätze war noch verfügbar und somit der meine. Nach Lösen des Parkzettels am Parkautomat trotzte ich meinen Füßen nochmals einen Gang in die gegenüberliegende Altstadt ab, denn heute wollte ich mal was Warmes zu Abend. Die Luft war lau, so dass das Essen sogar noch im Freien genossen werden konnte – als Ausgleich zum Mittag eine vortreffliche Leberknödelsuppe, dann vier Bratwürste der Region (etwa so dünn wie Nürnberger, aber fast doppelt so lang) auf herrlichem Sauerkraut und würziges dunkles Brot (Altes Bräuhaus – Römerplatz/Bräugasse 5 – direkt am Altstadtkopf der Hängebrücke) – qualitativ und preislich empfehlenswert (zusammen mit 2 Cola Light nur 13,90 €).

Die Altstadt ist in ca. 15 min zu Fuß erreichbar. Sehenswert ist einerseits der Zusammenfluss von Inn (grün) und Ilz (schwarz) mit der gar nicht so blauen Donau, besonders beeindruckend ist der Dom St. Stephan, in dem die größte Domorgel von Mai bis Oktober von Mo-Sa um 12 Uhr zum halbstündigen Konzert (4 €) gespielt wird, am Donnerstag gibt es auch ein längeres Abendkonzert.

Angedacht war für morgen ein Altstadtbummel sowie ein Besuch des Museums Moderne Kunst Wörlen Passau / www.mmk-passau.de. Allerdings will ich noch eine Nacht darüber schlafen, da mich die am Wochenende eröffnete Günter Grass Ausstellung (grafisches und plastisches Werk) nicht sonderlich anzieht, da schon mehrfach gesehen (u.a. im Günter Grass Haus in Lübeck und bei einer Sommerausstellung in Ochsenhausen).

Vielleicht starte ich aber nach einem frühmorgendlichen Altstadtbummel gleich durch in Richtung Linz oder mache noch einen Abstecher innaufwärts nach Schärding.

Beste Grüße für heute

Atze