Belgien KunstWomoTour 2018 # 6 ##

Tag 10 Donnerstag 27.09.2018
Mechelen / Köln

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

der Donnerstag ist rasch erzählt. Der Weg führte knapp 20km nach Mechelen. Der Versuch, das Womo am gebührenfreien Parkplatz Nekker unterzubringen, scheiterte an Überfüllung. Glücklicherweise gibt es nur ca. 500m weiter einen weiteren Großparkplatz und gleichzeitig offiziellen Wohnmobilstellplatz Spuibeekstraat. Dann mit dem Rad die knapp 1,5km in die wirklich überraschend mit baulicher Geschichte protzenden Stadt. Für einen alten Romantiker wie mich eine wahre Augenweide. Auch der Puls dieser Stadt hat mich sofort gefangen genommen. Bedenkt man dann noch zusätzlich, dass diese alt daherkommende Stadt Ergebnis eines Wiederaufbaus im 20. Jahrhundert ist, denn Mechelen war von den Folgen des 1. Weltkrieges mit am härtesten betroffen und nahezu dem Erdboden gleich gemacht, ein wahres Wunder. Sehenswert natürlich am Grote Markt das Stadhuis, das nicht weniger eindrucksvolle Bauamt der Regierung, das Schepenhuis und vor allem die Romboutskathedrale. Wie die meisten Kirchen derzeit in Intensivrestaurierung. Aber auch die Gebäude am Vismarkt sind Idylle pur. Zwei sehenswerte Kirchen (Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijlekerk und Sint-Janskerk) mit jeweils einem Rubens-Gemälde musste ich mir verkneifen, da erst nachmittags geöffnet. Der Kleine und den großen Beginenhof sowie den Palast von Margarete von Österreich (heute Gerichtshof) und vor allem das jüngst erst eröffnete Museum Hof van Busleyden habe ich dann noch aufgesucht, ohne es besuchen zu wollen. In ihm wird vor allem die habsburgische Geschichte der Stadt und Flandern aufgezeigt.

Nachdem ich auf dem Wohnmobilstellplatz einem Womo aus dem Emsland Anziehhilfe wegen schlapper Starterbatterie gegeben habe ging es nach Leuven. Die Löwenstadt möchte ich hier allerdings nicht näher erwähnen, weil nachdem der erste Parkversuch 2,5km vom Stadtzentrum entfernt scheiterte, weil erstens kein Platz mehr und zweitens nur wenige Plätze Womo-geignet gewesen wären und der einzige wohl womo-geeignete Parkplatz fast 5km vom Zentrum entfernt war, entschloss ich mich, meinem Knie Abbitte zu leisten, das schon in Mechelen spürbare Stiche abgab und bin nach Köln aufgebrochen. Dies ist vielleicht angesichts des bevorstehenden Messe-Tages auch eine sinnvolle Körperentscheidung.

Den Bericht bis hierher schrieb ich auf einem Autobahnparkplatz, weil nach Köln hinein wollte ich die Rushhour vermeiden.

Vom Messebüro habe ich den Hinweis erhalten, ich könnte mein Womo auf dem Messeparkplatz 21 abstellen. Den habe ich im Messeplan und in Google Maps auch ausfindig gemacht, aber den Fehler begangen, mir die Koordinaten nicht zu notieren. Weder mein Navi noch das Parkleitsystem der Messe kannte zu meiner abendlichen Ankunft einen Parkplatz 21. Lediglich die Nummer 22 wurde für Fahrzeuge über 7,5t angezeigt. Der folgte ich dann nach ersten Fehlversuchen (z.B. Besucherparkplatz, der aber verschlossen war) und ergriff dann die erstbeste Gelegenheit eines vermeintlich freien Parkplatzes, dem Herdentrieb folgend. Nachteil Nummer eins ist, dass er sich direkt unter einer Transferbrücke zum anderen Rheinufer befindet und man leider eine Fahrbahnlücke bei jedem Fahrzeug hört. Hoffe, dass der Verkehr in der Schlafenszeit deutlich nachlässt. Außerdem hoffe ich, dass sich morgens nicht ein Nachteil zwei herausstellt, nämlich dass ich das Womo tagsüber nochmals wegfahren muss.

 

Tag 11 Freitag 28.09.2018
Köln / Bonn

Die morgendliche Recherche hat ergeben, dass es sich tatsächlich um den kostenfreien Parkplatz Sachsenbergstraße (50°57’03.0″N 6°58’51.4″E  /  50.950824, 6.980943) handelt. Der eingezäunte davor gehört zur gegenüber liegenden Claudius Therme. Die Nacht habe ich trotz der innerstädtischen und verkehrsbezogenen Geräuschkulisse ausgiebig schlafend verbracht.

Der Fußweg zum Messeeingang Süd war mit 1,6 km länger als erhofft. Auch auf der Photokina war mit 7 Hallen bzw. Hallenflächen reichlich Fußarbeit angesagt und Sitzplätze zum zwischenzeitlichen Verschnaufen zwar vorhanden, angesichts der Massen aber auch rar. Meine Hoffnung, mir mal auf der Messe die neuen interessierenden spiegellosen Vollformater näher anschauen zu können, hat sich schnell zerschlagen. Entweder waren die Stände (Canon, Nikon, Sony) massiv umlagert oder es waren nur Muster ausgestellt (z.B. Panasonic). Die an vielen Ständen sowie in den Zwischenebenen der Hallen gebotenen Fotoausstellungen waren teilweise sehr beeindruckend – manche Aufnahmen vom hohen gestalterischen Niveau her neben der Faszination auch demotivierend. Gute Vorträge haben Nikon und Fuji in ihrem Standbereich aufgeboten, außerdem die Messe selbst an zwei übergreifenden Vortragsarenen (leider zwei Hallen auseinander, was einen themengeleiteten raschen Wechsel fuß- und zeitaufwendig werden ließ). CEWE bot ebenfalls Großvorträge an, wobei mir nur der zur Fotobuchgestaltung wirklich anregend erschien. Daneben gab es noch an mehreren Firmenständen kleinere Vortragsareale – leider überwiegend mit zu wenigen Sitzgelegenheiten.

Auffallend war, dass das Medium Papier als Informationsträger in Zeiten des Internets wohl auf Messen und zur Selbstdarstellung von Firmen und Produkten ausgespielt hat.

An etlichen Ständen waren Aktivitäten (Ball- und Radakrobaten, Tanzgymnastik, etc.), die zum Ausprobieren mitgebrachter oder ausgeliehener Kameras oder Equipments (z.B. Blitzgeräte, Filter u.a.) anregen sollten. Den Vogel schoss dabei Olympus ab, die fast eine komplette Halle mit einem Kunst-Parcours bestückten und dazu aufforderten, darin seine eigenen Bildideen zu realisieren. Hierzu konnte man sich auch kostenfrei Olympus-Systeme ausleihen. Ich habe mich zurückgehalten und stattdessen lieber die beste aller Fotoausstellungen im hinteren der Halle studiert.

Zwar nicht mit den erhofften Produkterkenntnissen zu den Kamerasystemen, aber aufgrund der sonstigen Eindrücke ein lohnenswerter Messetag. Verwunderlich zudem, dass ich trotz deutlich überbotenem Tageslaufpensum plus langen Stehzeiten noch in körperlich verträglicher Fassung die Weiterreise zum Wohnmobilstellplatz an der Rheinaue Bonn antreten konnte.

Seinen Tribut hat der Tag aber doch gekostet, weil schon kurz nach 22 Uhr verzog ich mich in meine Koje und schlief bis kurz vor acht durch.

 

Tag 12 Samstag 29.09.2018
Bonn  /  Remagen  /  Frankfurt

Die nächsten beiden Tage meiner Rückreise sind berichtsweise rasch abgehakt, da sich der Samstag hauptsächlich in den besuchten Ausstellungen in der Bundeskunsthalle Bonn und Kunstmuseum Bonn sowie im Arp Museum Bahnhof Rolandseck Remagen abspielte, mal davon abgesehen, dass ich mir auf dem Weg nach Frankfurt einen Ersatz für die beim Fahrradsturz beschädigte Armbanduhr sowie die notwendigsten frischen Lebensmittel für den Wochenanfang besorgte.

Für die Übernachtung steuerte ich einen Parkplatz am Main in Sachsenhausen-Nord an, der aber nicht nur momentan voll war, sondern überdies durch entsprechendes Schild ausdrücklich für Wohnmobile untersagt. So bin ich einige hundert Meter weiter auf den Parkplatz an der Gerbermühle Oberrad, Gerbermühlstraße / B43 Abzweigung Wehrstraße, Frankfurt (50°06’17.8″N 8°43’21.5″E   /  50.104956, 8.722635). Zwar kein Stellplatz, aber hoffentlich mit geduldeter Übernachtung. Leider nicht ganz so ruhig, wie zumindest in der Nacht erhofft – zumal auch noch Züge unmittelbar in der Nähe vorbeirauschten und auch gelegentlich Flugzeuge ihre Lärmemissionen vernehmen ließen.

 

Tag 13 Sonntag 30.09.2018
Frankfurt / daheim

Kurz nach acht bin ich dann an den Schaumainkai vor das Weltkulturenmuseum gewechselt. Hier gab es um diese Zeit noch jede Menge Längsparkplätze, die zudem nur Mo-Fr 9-17 Uhr gebührenpflichtig sind. Außerdem liegt der Standort strategisch zwischen dem Städel Museum Frankfurt und dem Caricatura Museum Frankfurt auf der gegenüberliegenden Mainseite, die ich heute zum Abschluss der knapp zweiwöchigen Ausstellungstour noch besuchen wollte. Günstigerweise liegt hierfür auch die Fußgängerbrücke Eiserner Steg in Sichtweite. Schaumainkai und Eiserner Steg sind die zentralen Achsen, wenn man sich in der Frankfurter Museumsmeile herumtreiben will. Apropos Museumsmeile: Wer mehr als ein Museum innerhalb zwei Tagen besuchen will, sollte prüfen, ob man mit dem MuseumsuferTicket nicht günstiger fährt. Für mich als Schwerbehinderter hätte es sich sogar schon gerechnet, wenn ich nur das Städel besucht hätte, da ich so nur 10 € bezahlen musste, im Städel jedoch je nach Wochentag 12 bzw. Wochenende 14 €.

In Frankfurt wurde ich noch unverhofft temporärer Teilnehmer des Altstadtfestes, das an diesem Wochenende die neue restaurierte Altstadt um den Römerberg feierte und dessen Kern gerade auf der Achse zum Caricatura lag.

Bei strahlendem Sonnenschein konnte ich so auch noch die Skyline mit Riesenrad auf Karte bannen.

Nach etwas mehr als dreistündiger Autobahnfahrt mit heftigem Begleitverkehr, aber glücklicherweise ohne Staus, bin ich am frühen Abend wohlbehalten daheim angekommen – wenn man mal von den weitgehend schon verheilten Blessuren meines Fahrradsturzes und vielen blauen Flecken absieht.

Bis auf die sehr ungünstigen Regentage ausgerechnet in den sonst sehr sehenswerten Gent und Brügge war mir der Wettergott gewogen – die Wetteraussichten für die nächsten Tagen sollen ja eher bescheiden sein.

 

 

Soviel für diesmal

Euer Atze