Belgien KunstWomoTour 2018 # 5

Tag 8 Dienstag 25.09.2018
St. Idesbald-Koksijde /  Oostende / Jabbeke / Brasschaat

 

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

nachdem ich mal so richtig ausgeschlafen und gefrühstückt habe, bin ich nach dem nahegelegenen St. Idesbald-Koksijde aufgebrochen, in dem es seit geraumer Zeit in idyllischer Randlage ein Museum für den Künstler Paul Delvaux gibt.

Die nächste Etappe war unwesentlich weiter nach Oostende, wo ich in der  noch einen kostenlosen Parkplatz ergattern konnte. Diese sind zwar für PKW in eine leichten Überlänge, für größere Womos aber ungeeignet. Mit etwas schlechtem Gewissen habe ich meinen Fahrradständer in den Gehweg ragen lassen (der Weg ist allerdings kein normaler Gehweg, sondern nur der Zubringer für die PKW-Passagiere – ein mehrerer Meter breite Geh- und Fahrradweg befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Eine Alternative wäre der Wohnmobilparkplatz Mecatorlaan (gegenüber Busparkplatz / 51°13’24.9″N 2°55’10.2″E  /  51.223569, 2.919490) gewesen. Angeblich gibt es auch auf den Parkplätzen Maria Hendrtikapark I + II (51°13’22.3″N 2°55’23.3″E  /  51.222857, 2.923131 bzw. 51°13’25.4″N 2°55’16.1″E  /  51.223711, 2.921128) Platz für Womos (nur zum Parken, nicht zum Übernachten).

Von dort aus sind es knapp 1 bis 1,5km bis zum Mu.ZEE, dem allein mein Interesse galt. Das Zentrum und der lange Strand der Bäderstadt liegen auch nicht viel weiter. Das Ensorhaus ist derzeit leider auf unbestimmte Zeit geschlossen. Für geschichtlich Interessierte wäre evtl. der Atlantikwall (www.raversyde.be) ein Ziel. Derartige Gedenkstätten an unrühmliche Zeiten gibt es aufgrund der Betroffenheit Belgiens in zwei Weltkriegen an vielen Orten, so unter anderem die Gedenkstätte In Memoriam Of The Victims Of The Noord Zee in Nieuwpoort ca. km südlich an der Küste und rund 20 km entfernt mehr im Landesinnern der Deutsche Soldatenfriedhof Vladslo (Houtlandstraat 3, 8600 Diksmuide, 51.07087, 2.92997), wo Käthe Kollwitz „Trauerndes Elternpaar“ an ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Peter erinnert. Wäre das Wetter am Sonntag besser gewesen, hätte ich dort auf der Fahrt nach Bray-Dunes einen Zwischenstopp eingelegt.

Lust und Energie, mir Oostende und den Strand anzuschauen, hatte ich trotz der Beaufort – Triennale für zeitgenössische Kunst am Meer (Open Air Galerie / www.beaufort03.be) nicht, wollte mir meine Kräfte für den nächsten Tag aufheben. Stattdessen machte ich noch einen kurzen Zwischenstopp in Jabbeke im Permekemuseum. Im Vorfeld war ich aufgrund einzelner Bilder des Künstlers in Brüssel, Gent und anderswo etwas ins Zweifeln gekommen, ob das meinem Kunstinteresse annähernd entsprechen wird – bin aber doch froh, den Zwischenstopp gemacht zu haben, da ich so erst dem Bildhauer begegnet bin, der mich bedeutend mehr angesprochen hat als der Maler.

Dann wollte ich schnurstracks meinen heutigen Stellplatz an der Sportcentrum Sportoase Elshout Brasschaat nordöstlich von Antwerpen ansteuern (laut Navi gegen 17 Uhr für die knapp 120km lange Strecke) und an den weiteren Berichten arbeiten. Dies hat sich aber bald zerschlagen, denn bereits kurz nach vier kam die Meldung im Navi, dass ich die Alternative hätte, Antwerpen im Westring mit 40 Minuten zusätzlicher Zeit oder Südostring mit 45 Minuten zu umfahren – Ursache in beiden Fällen wohl heftigere Unfälle. Als sich dies beim Näherkommen weiter steigerte, ließ ich das Navi mal berechnen, ob Autobahnen vermeiden eine Alternative wäre. Und siehe, die veranschlagte Zeit war annähernd gleich, die Strecke aber nur halb so lang. Aber zu früh gefreut. Soweit ich aus der niederländischen Ansage entnehmen konnte, haben sich auch im innerstädtischen Bereich von Antwerpen Unfälle ereignet, die in Kombination mit Baustellen meine Fahrt zusätzlich verzögerten – ein schwacher Trost war lediglich, dass sich auch die Verzögerungen auf den Autobahnen auf deutlich über eine Stunde auswuchsen. Kurzum, nach fast 3,5 Stunden Fahr- und Standzeit war ich dann endlich in Brasschaat, habe dann nur noch die Ausstellungsberichte verfasst und bin sehr frühzeitig in die Koye.

 

Tag 9 Mittwoch 26.09.2018
Antwerpen / Lier

Nach diesen Verkehrserlebnissen mit Antwerpen war am Abend der Vorsatz gereift, dass ich zeitig in der Frühe vor der Rushhour nach Antwerpen aufbrechen werde, auch um am Parkplatz Sint Michielskaai Antwerpen (51°12’48.6″N 4°23’26.3″E   /  51.213487, 4.390625) noch einen guten Womo-Parkplatz zu ergattern. Als ich nach der WC-Entsorgung um Viertel vor 6 aufbrach, bestätigte sich meine Annahme: Entspannte Fahrt, zumindest was den Verkehr anging, nervig war allerdings der Umstand, dass im engeren Stadtgebiet von Antwerpen eine Unmenge Ampeln ohne Kenntnis einer annähernd grünen Welle installiert sind.

Der kostenlose Parkplatz erwies sich als Ausgangspunkt für eine Altstadterkundung als gute Wahl. Nach dem Frühstück und einer Lesestunde brach ich auf um zunächst den Grote Markt zu besichtigen. Leider zeigte sich das Stadhuis verhüllt und der Markt war durch wohl professionelle Flohmarkthändler okkupiert. In der Touristinfo wollte ich dann die Antwerpen City Card (ACC) für 27 €/24h erwerben. Daraus wurde allerdings zu meinem Vorteil nichts. Der junge Mann, der glücklicherweise besser Deutsch konnte wie ich Englisch oder gar Niederländisch, erklärte mir, dass für die städtischen Museen am letzten Mittwoch im Monat freier Eintritt gelte, sofern sie nicht geschlossen sind. Da der Kern der Museen, die ich besuchen wollte, darunter fiel, bin ich unterm Strich besser weggekommen als mit der Vorteilskarte Und wenn ich mir zum Abschluss das FoMu Fotomuseum mit zwei völlig uninspirierten Ausstellungen verkniffen hätte, hätte ich nur die 4 € als Senior für mein erstes Kunstevent  Onze-Lieve-Vrouwekathedral am nebenan liegenden Handschoenmarkt bezahlen müssen. Da die Kunststätten Snijders & Rockoxhuis, Rubenshaus, Museum Mayer van den Bergh ebenso über die Kernstadt verteilt sind wie einige der Kirchen (von denen ich aber lediglich der Sint-Andrieskerk einen Besuch abstattete, andere nur äußerlich wahrnahm, wenn überhaupt), sah ich auch etwas von Antwerpen.

Möglicherweise lag es daran, dass nach den Eindrücken, Anstrengungen und Ereignissen der vergangenen Tage meine Begeisterungs- und Aufnahmefähigkeit gelitten hat, zumal ich auch körperliche Ermattungserscheinungen verspüre und vor allem das Unfallknie sich mit lästigen Schmerzen in Erinnerung bringt, aber insgesamt hat mich Antwerpen etwas enttäuscht. Liegt vielleicht aber auch daran, dass ich an die Rubensstadt zu hohe Erwartungen hatte. Den Besuch im MAS Museum aan de Stroom hatte ich schon im Vorfeld gecancelt, nachdem ich die Internetseite besucht hatte und feststellen musste, dass die einzig wirklich interessante Ausstellung vor knapp einer Woche zu Ende gegangen ist. Das M(u)HKA Museum van Hedendaagse Kunst habe ich links liegen gelassen, nachdem ich vor Ort im Sammlungskatalog geblättert habe.

So konnte ich zeitig Antwerpen verlassen und meinen Nachtplatz beim Cultuur Centrum De Mol Lier ansteuern. Dies bot mir die Gelegenheit, mit dem Rad noch den kurzen Ausflug ins Zentrum zu unternehmen – natürlich war nur noch Außenbesichtigung angesagt, da sowohl das Zimmer-Museum neben dem Uhrturm wie die Sint-Gummaruskerk vor Minuten geschlossen hatten. Der Uhrturm trägt übrigens die astronomische Uhr des Uhrmachers und autodidaktischen Astronomen Louis Zimmer, nachdem auch das städtische Museum benannt ist. In Lier gibt es auch den ältesten Beginenhof (1258 / UNESCO), der mit der Kirche Sint Margareta verwachsen ist.

Im Womo machte ich mir dann einen entspannten Fernseh-Krimi-Abend.

 

Soviel für heute

Euer Atze