Belgien KunstWomoTour 2018 # 2

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

für die Innenstadt von Brüssel wollte ich mir die schwierige Suche nach einem Womo-tauglichen Parkplatz ersparen und habe den Bus genommen. Veranschlagte Fahrzeit ca. 60 Minuten mit einmaligem Umsteigen.

 

Tag 3 Donnerstag 20.09.2018
Brüssel / Grimbergen

Glücklicherweise ist die Bushaltestelle nur rund 150m vom Parkplatz entfernt. Von Pünktlichkeit jedoch keine Spur. Nachdem ich nach 10 Minuten schon langsam unruhig wurde und mir die De Lijn-APP der belgischen Regionalverkehrsbetriebe auch partout einreden wollte, dass die am Platz ausgeschilderte Linie 230 hier vorbeikommen werde und die Linien 231 und 232 deutlich später (und teils mit anderen Umsteigestellen), tauchte der Bus der Linie 230 doch auf und ich löste ein Tagesticket für 8 € (kostet es wohl neuerdings, auch wenn die Touristinfo Brüssel noch 7,50 € benennt). Zu meiner Irritation musste ich dann während der Fahrt feststellen, dass hier die Ansage oder Anzeige der nächsten Haltestellen nicht gebräuchlich ist. Dass es dann mehrere Umleitungen und nicht namentlich bezeichnete Bedarfshaltestellen gab und diverse Haltepunkte übersprungen wurde, machte eine Orientierung bzgl. des angepeilten Umstiegs etwas stressig. Auch hier war die APP keine Hilfe, wohl aber die Routenfunktion von Google Maps.

So stand ich dann glücklich am Umstiegsbahnhof, von dem mich eine kurze Bahnfahrt zum Central-Bahnhof bringen sollte. Pustekuchen. Aus der zweisprachigen Bahnsteigansage konnte ich mangels Französischkenntnis wenigstens aus dem Niederländischen entnehmen, dass hier wegen einer Störung kein Zug vorbeikommen werde. Also schnell Gegoogelt, wo ich eine Alternative finde. Dazu musste ich allerdings erst zu einer anderen Haltestelle laufen. Nach fast zweistündiger Warte- und Fahrzeit war ich dann direkt bei den Musees Royaux des Beaux Arts. Langsam hatte ich mich auch an das Erraten der relevanten nächsten Station gewöhnt.

Der Museumsbesuch (Musees Royaux des Beaux Arts / Magritte Museum) entschädigte für den Stress, anschließend erkundete ich noch in einer kleinen Runde den Museumsberg, auf dem sich auch der Königliche Palast befindet. Die angrenzenden Parkanlage habe ich verschmäht, ebenso das  BOZAR Palais des Beaux-Arts Brüssel, da ich bei der Vorrecherche feststellen musste, dass dir dort gezeigte sehr sehenswerte Ausstellung Jenseits von Klimt. Neue Horizonte in Mitteleuropa 1914-1938 vom Unteren Belvedere Wien übernommen worden ist, wo ich sie ja gesehen hatte.

Auch der optionale Besuch des Belgischen Comic-Zentrum Brüssel verkniff ich mir einerseits wegen der Entfernung und vor allem, weil ich die letzte Energie meiner schon Ermüdungserscheinung zeigenden Beine für eine kleine Erkundung des UNESCO-Bereichs von Brüssel um den Grand-Place  mit legendärem historischem Rathaus einsetzen wollte. Da dieses zu meinem Leidwesen auch knapp einen Kilometer entfernt lag, nahm ich den Bus und kam so auf 350m nahe. Dieser Bus war übrigens der bis heute einziger (Trams eingeschlossen), der über eine Haltestellenansage verfügte. Der Zufall wollte es, dass die Haltestelle Grand-Place noch näher zum Manneken Pis liegt, weshalb ich mir den Abstecher in die andere Richtung nicht verkneifen wollte (ist man sich ja als Tourist schuldig – zum Geschlechterausgleich müsste man dann auch noch die Jeanneke Pis in der genau gegenüberliegenden Richtung vom Grand-Place aufsuchen). In den Straßen vom Manneken Pis zum Grand-Place reihen sich Waffel- und Schokoladen-Geschäfte sowie Juweliere aneinander. Mir hingegen war der Sinn mehr nach einem Eis, welches ich dann kurz vor meiner Abreise auf dem Weg zur Central-Station bei Häagen-Dazs erwerben konnte – schmackhaft, aber deutlich überteuert.

Der Grand-Place gibt schon eine beeindruckende goldglänzende Kulisse ab. Entgegen anderen Städten wird ein so zentraler Touristenort nicht übermäßig von der Gastronomie beherrscht. Für Belgien bezeichnend ist jedoch, dass sich an so einem zentralen Ort ein Biermuseum in einem schmucken Bau präsentiert (Brügge hat auch eines und noch ein Frittenmuseum).

Die Rückfahrt vollzog sich dann deutlich unkomplizierter, obwohl die morgendliche Bahnstörung wohl immer noch bestand. Ich konnte aber zwei Haltestellen mit dem IC nach Brüssel-Noord fahren und wie es der Zufall will, warteten mit mir zwei junge Deutsche an der Zugtür, die noch oder längere Zeit in Brüssel gelebt haben und nun auf der Heimreise nach Recklinghausen waren. So ergab sich noch ein kleiner Plausch der Brüsselerfahrungen.

Am Noord erreichte ich gerade noch den etwas verspäteten Bus (Verspätung kann also auch Glück bedeuten, auf den nächsten hätte ich wohl eine halbe Stunde warten müssen) und nach knapp einer Stunde war ich wieder auf dem Stellplatz.

Eigentlich hatte ich ja die Absicht, für diesen Abend auf den Wohnmobilstellplatz Lennik südlich von Brüssel zu wechseln, weil in der Nähe das Kunstprogramm weitergehen sollte. Angesichts geschundener Füße und dem angenehmen Platz verkniff ich mir dies.

Soviel für heute

Euer Atze