Aufbruch ins Unbekannte / Eigentum verpflichtet

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bis 12.05.2019

Aufbruch ins Unbekannte.
Die Klassische Moderne am Bodensee

Zeppelinmuseum Friedrichshafen

Mit dieser Ausstellung gibt das Zeppelinmuseum einen Einblick in die Höhepunkte der Klassischen Moderne in der eigenen Sammlung. Neben Otto Dix sind mit Max Ackermann, Willi Baumeister, Hans Purrmann, Erich Heckel, André Ficus und vielen anderen vor allem Künstler in den 100 Meisterwerken repräsentiert, die einen Bezug zur Bodenseeregion haben, wenn auch oft nicht freiwillig, sondern in Folge der Repressalien im Dritten Reich oder den späteren Kriegswirren. Insofern ergänzt diese Ausstellung die derzeitige Dauerausstellung im Halbstock unter ihr.

bis 06.01.2020

Eigentum verpflichtet.
Eine Kunstsammlung auf dem Prüfstand

Friedrichshafen wurde als Standort kriegswichtiger Industrie während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört. Entsprechend wurde die Kunstsammlung des heutigen Zeppelinmuseums erst ab 1950 aufgebaut und 1957 eröffnet. Eigentlich sollte man denken, dass sich das Museum daher keine Sorgen um eventuelle Raubkunst machen müsste. Im Kunstmarkt gibt es aber keine ‚Stunde null‘. Auch nach 1945 wurde mit Kunst gehandelt, die den rechtmäßigen Besitzern verfolgungsbedingt weggenommen oder von diesen unter politischem bzw. ökonomischem Zwang veräußert werden mussten, häufig weit unter Wert; geschweige denn, dass sie in den Besitz der Kaufsumme kamen, sondern diese meist zur Finanzierung der Flucht / Ausreise verwenden mussten. Auch Zustiftungen können mit dem Makel NS-Raubkunst belastet sein.

Als Folge der Washingtoner Erklärung und wohl auch durch die jüngere Diskussion um NS-Raubkunst, die durch die Gurlitt-Sammlung in einer breiteren Öffentlichkeit angeregt wurde, hat sich das Zeppelinmuseum zur Provenienzforschung ihrer jungen Sammlung entschlossen und präsentiert anlässlich des 20sten Jahrestag der WE im Rahmen dieser sehenswerten Ausstellung das bisherige Ergebnis. Hierbei wird auch deutlich, dass Kunsthändler und Kunsthistoriker mit NS-Karriere nach 1945 im Bodenseeraum einen Rückzugs- aber auch neuen Wirkungsraum fanden, welcher auch auf die zukünftige Sammlung des Zeppelinmuseums Einfluss ausüben sollte.

Die Ausstellungsgestaltung wurde vom selben Team übernommen, die schon für die Berner und Bonner „Bestandsaufnahme Gurlitt“ verantwortlich zeichneten, die übrigens noch bis 07.01.2019 im Gropius Bau Berlin zu sehen ist. Empfohlen.

 

Zur gleichen Thematik läuft noch bis 14.04.2019 im Kulturspeicher Würzburg die sehenswerte Ausstellung Herkunft & Verdacht. Provenienzforschung am Museum im Kulturspeicher Würzburg. Die Zugangsjahre 1941-1945